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Soldatenlohn

Frühe rororo-Taschenbücher. Ich erinnere mich: 1960 im KadeWe gekauft

Frühe rororo-Taschenbücher. Ich erinnere mich: 1960 im KadeWe gekauft

Dass William Faulkner mit der „Legende” das schlüssige Buch über den ersten Weltkrieg schreiben konnte, wie Hannah Arendt lobte, ist ein Phänomen. Als Amerika 1917 in den Krieg eintrat, war Faulkner ein Mann von 20 Jahren, der Gedichte schrieb und gerade im Begriff war, seine Liebste an einen anderen zu verlieren, weil er keine Perspektiven zu bieten hatte. Er wollte unbedingt in den Krieg, sicher war er ein Patriot, sicher war er voller Abenteuerlust, ruhmsüchtig und auf Heldentaten aus. Aber die Army nahm ihn nicht. Für die Luftwaffe, für die er sich meldete, war er zu klein und untergewichtig (obwohl er sich mit Bananen und Wasser vollgestopft hatte). Schließlich gab sich Faulkner als Engländer aus und bewarb sich in einem kanadischen Rekrutierungszentrum für die Royal Air Force. Das war im Juni 1918. Faulkner hatte fünf Monate Grundausbildung absolviert, von Heldentaten geträumt, als Deutschland kapitulierte. Faulkner wurde entlassen, ohne auch nur einen Übungsflug absolviert zu haben. Nach Hause aber kam er mit einer neuen britischen Offiziersuniform, die er sich bestellte. Er hinkte heldenhaft, weil er sich angeblich bei einem Flugzeugabsturz verletzte. Die Geschichte, die er seinen Brüdern und Bekannten erzählte, war detailreich und perfekt. War Faulkner ein Lügner? Er war ein Romanschreiber. In seinem Kopf spielten sich wahre Geschichten ab, er brauchte nur einen Anstoß durch die Realität. 1926 erschien „Soldier’s Pay”, Faulkners erster Erfolg als Autor, die Heimkehr eines erblindeten, todgeweihten Fliegeroffiziers. Der Leutnant findet zu Hause keinen Anschluss mehr. Faulkner musste nicht viel erlebt haben, um sowas schreiben zu können.

Am zweiten Weltkrieg nahm er intensiv Anteil. Jetzt war er zu alt, um kämpfen zu können. Aber er schrieb „Die Legende”. Das war dann seine Art des Kampfs.

  1. Lupus
    November 11, 2016 um 8:47 pm

    Ja, Faulkners Fabulierkunst. Erinnert mich an Hemingways: A Farewell to Arms. Danke, Fritz.

  2. November 11, 2016 um 10:52 pm

    Ja. Andererseits waren sie ziemlich weit auseinander und redeten nicht gerade gut über den jeweils anderen.

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