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In deutschen Städten

Jeder Mensch ist Sonderling
© Fritz-Jochen Kopka

Nach Doktor Faustus fing ich mit Stiller an. Max Frisch. (Den ich sehr schätze). Und doch zweifelte ich schnell. Muss man das noch lesen? Ist das nicht arg aus der Zeit gefallen? Dieses: Ich bin nicht Stiller. Und dieses: Du sollst dir kein Bildnis machen. Die brotlose Kunst der Identitätssuche. Die unberührbare Frau. Bildnis der Frau in der Klinik.

Was mich überraschte. Ich hatte ein paar Bleistiftstriche hinterlassen. Auf den ersten Seiten und im Nachwort. Es war mir entfallen, dass ich in dem Buch gelesen hatte. Ich hätte geschworen, dass es die ganze Zeit unbenutzt im Regal stand.

Sowieso denke ich an Doktor Faustus zurück. Wie Thomas Mann gearbeitet hat. Was er über die Städte wusste, in denen sich seine Akteure aufhalten. Halle, Leipzig, München. Die universitäre Situation. Communitys von Künstlern und Gelehrten. Abgelegenheit und Naturnähe der Bauernhöfe. Die Leute, die Thomas Mann kennenlernte und ertrug und wie er sie in seine Romane hineinholte. Sein kameradschaftlicher Hochmut. Oder Kaisersaschern, wo Serenus Zeitblom und Adrian Leverkühn zur Schule gingen. Ich glaube, Naumburg ist gemeint.

„Das Kennzeichen solcher altertümlich-neurotischen Unterteuftheit und seelischen Geheim-Disposition einer Stadt sind die vielen ›Originale‹, Sonderlinge und harmlos Halb-Geisteskranken, die in ihren Mauern leben und gleichsam, wie die alten Baulichkeiten, zum Ortsbilde gehören.”

Wer, wenn nicht Thomas Mann, kann solche Gedanken zu solchen Sätzen formen. Und gabelt dann noch ein Wort wie Unterteuftheit auf. Seinem italienischen Übersetzer (und nicht nur dem) musste er es erklären. Das Wort kommt aus der Bergmann-Sprache und bedeutet das durch Bergwerkarbeit Unterminiertheitsein der Erdoberfläche. Teuf ist soviel wie tief. Unter den deutschen Städten spürte Mann sowas wie mittelalterliche Schächte. Das Mittelalter hatte nicht aufgehört. Es ging – Thomas Mann schrieb den Faustus von 1943 bis 1946 – um „die befremdlichen Züge des immer schon dämonisch inspirierten, phantastisch delirierenden, dem Wahnsinn nie ganz fernen Volkes” (Thomas Klugkist). Die Assoziation von Unterteuftheit zu Teufel war nicht ungewollt. Mann versuchte sich zu erklären, wie es dazu kommen konnte, dass sich die Deutschen dem Faschismus unterwarfen.

Natürlich zeigt Mann diese „Sonderlingstypen von Kaisersaschern” vor und ebenso die Rotte der Jungens, „die hinter ihnen herziehen, sie verhöhnen und in abergläubischer Panik vor ihnen davonrennen.” Hexenhafte alte Weiber („klein, greis, gebückt, tückisch von Ansehen, mit Triefaugen, Schnabelnase, dünnen Lippen”), Veitstänzer, ewige Bräute, Kleinrentner mit Warzennasen, die immer wieder dasselbe unsinnige Wort plapperten.

So, so hat jeder, in jeder Stadt und jeder Kindheit, es erlebt.

Doktor Faustus lesen

Gibt schon ausgefallene Namen im Telefonbuch, aber keinen Schildknapp und schon gar keinen Schlaginhaufen

Über die Namensfindung bei Thomas Mann ist noch zu reden. Adrian Leverkühn und Serenus Zeitblom habe ich schon erwähnt, die Protagonisten des „Doktor Faustus”. Sprechende Namen, man vernimmt das Knirschen der Konstruktion. Aber das reichte noch lange nicht. Der Dichter gab keine Ruhe.

Auf dem Hof Buchel der Leverkühns unweit von Kaisersaschern ist die Verwalterin des Molkereiwesens eine Frau Luder, eine haubentragende Witwe, „deren ungewöhnlich würdevoller Gesichtsausdruck zu einem Teil wohl der Verwahrung gegen ihren Namen galt”. Leverkühns Kommilitonen während seines Theologiestudiums in Halle/Saale heißen etwa Deutschlin, Baworinski, Dungersheim, Carl von Teutleben, Hubmeyer, Matthäus Arzt und Schappeler.

Die Dozenten: Eberhard Schleppfuß (Privatdozent), eine „leibarme Erscheinung”, Professor Ehrenfried Kumpf, der „saftigeste Sprecher an der ganzen Hochschule”, Kolonat Nonnemacher, der Philosophie las.

In erwähnten Sagen und anderen Überlieferungen kommt ein Heinz Klöpfgeißel, ein Fassbinder, vor.

Leverkühns Ärzte in Leipzig, seinem zweiten Sudienort: Dr. Erasmi und Dr. Zimbalist. Der eine stirbt, der andere wird in Handschellen abgeführt. Leverkühns Behandlung (Syphilis) kann nicht fortgeführt werden. Schicksal sowas.

Leverkühns neben Zeitblom wichtigster Freund, der Anglist Rüdiger Schildknapp, die vielleicht schönste Nebenfigur des Romans, bleibt lebenslang in Leverkühns Nähe.

In München, der nächsten Lebensstation, verkehren die Freunde im Salon der ursprünglich Bremischen Senatorswitwe Rodde und ihrer Töchter Ines und Clarissa. Dort treffen wir das Ehepaar Knöterich, den Gelehrten Dr. Kranich, die Maler Leo Zink und Baptist Spengler, den Geiger Rudolf Schwerdtfeger, den Papierfabrikanten Bullinger, die Wagner-Heroine Tanja Orlanda, den Heldentenor Harald Kjoejelund, „ein schon dicker Mann mit Zwicker und erzener Stimme”, Jeanette Scheurl, die Deutsch-Französin, den Verleger Radbruch, den Generalintendanten Exzellenz von Riedesel, „ehemaliger Reiteroberst”, den Privatgelehrten Dr. Chaim Breisacher, den Glattmaler Nottebohm.

Konkurrierende Salons finden in den Häusern Schlaginhaufen, Langewiesche und Rollwagen statt. Der Fagottbläser Griepenkerl leistet Leverkühn unschätzbare Dienste beim Kopieren seiner Werke. Ein längst verstorbener Musikprofessor Jimmerthal wird am Rande erwähnt.

Leverkühns Schwester Ursula heiratet den Optiker Johannes Schneidewein von Langensalza, einen „vortrefflichen Mann”. Ines Rodde ehelicht den Ästhetiker und Kunsthistoriker Dr. Helmut Institoris

In Pfeiffering, unweit von München, findet Leverkühn endlich sein ultimatives Domizil auf dem Gehöft der Schweigestills, ländlicher Menschen, die nur das Nötige reden. Dort wird von einer Baronin von Handschuchsheim erzählt, einer wahrscheinlich gemütskranken Frau, die bei den Schweigestills Schutz suchte. Als Kreisarzt amtiert ein gewisser Dr. Kürbis.

So speziell und modern Leverkühns Musik auch sein mag, er hat zwar wenige, aber doch sehr treue, aufopferungsvolle Verehrer, das sind vornehmlich Meta Nackedey, Klavierlehrerin, und Kunigunde Rosenstiel, Mitinhaberin eines Darmgeschäfts.

Der Erzähler Zeitblom wiederum wird, sich unweit von Leverkühns Pfeiffering, in Freising niederlassen. Das Haupt der dortigen theologischen Hochschule ist Monsignore Hinterpförtner.

In den Jahren des ersten Weltkriegs ist Zeitblom Teilnehmer eines Gesprächskreises in der Schwabinger Wohnung des Buchschmuck-Künstlers und Sammlers Sixtus Kridwiß, ein Gesprächskreis, der ihn eher belastet als entlastet, aber er braucht doch Austausch in der schweren Zeit. „Ich will nur … bekennen, dass ich mir eigentlich zu keinem von der Tischrunde so recht ein Herz fassen … konnte”: nicht zu Dr. Egon Unruhe, einem philosophischen Paläozoologen, nicht zu Professor Georg Vogler, dem Literaturhistoriker, dem Dürer-Forscher Gilgen Holzschuher und schon gar nicht zu dem Dichter Daniel Zur Höhe mit seinem auf Büttenpapier gedruckten Werk „Proklamationen”. Die hochgestochenen Debatten stressen Zeitblom derart, dass er vierzehn Pfund Gewicht verliert, worüber er sich, als vermutlich schmaler Mann, gar nicht freut.

Okay, das sind so Namen, und ich frage, ob Thomas Mann es nicht etwas unauffälliger hätte machen können, gelegentlich denke ich, ob ich nicht sogar etwas an Respekt verliere, wenn ich ständig über diese ausgefallenen Findungen und Erfindungen stolpere. Doch stelle ich auch fest, dass sich die Namen und die dazugehörigen Leute in meinem Kopf festmachen, sie kommen mir nicht so schnell abhanden, leiten zu Assoziationen. Und nicht zuletzt lässt sich nicht leugnen, dass es Thomas Mann Vergnügen bereitet haben muss, solche Gestalten zu erfinden und sie mit Namen zu versehen, die sie auch irgendwie festnageln. Der Leser spürt eben dauernd: So ausgefallen geht es im Leben eher selten zu, also das hier ist etwas Anderes, ist Erfindung, ist Roman, und ja: Alles richtig gemacht.

Die Leipziger glauben an ihre Lerchen

„Das Kreuz auf dem Gebäck sind die Bänder, die damals zum Zubinden der gefüllten Tiere verwendet wurden.” Wiener Feinbäcker

„Das Kreuz auf dem Gebäck sind die Bänder, die damals zum Zubinden der gefüllten Tiere verwendet wurden.”
Wiener Feinbäcker

Ich weiß noch, dass Leipzig nach der Wende als eine verlorene Stadt galt. Das Zentrum sah noch einigermaßen aus, aber in den äußeren Quartieren hatten die Häuser doch mehr oder minder Ruinenstatus. Die Schlauen meinten, man müsse die Stadt verlassen; sie sei abgehängt und ihre Bewohner erst recht. Aber immerhin. Es gab Auerbachs Keller, den Naschmarkt, das Alte Rathaus und die Alte Handelsbörse. Was eine richtige Messestadt ist, das rappelt sich auch wieder hoch, und so sieht es heute aus. Der Bahnhof – der größte Sackbahnhof Europas, wie man immer sagte – ist nicht mehr wiederzuerkennen, wobei ich nicht weiß, ob das der Sinn einer Rekonstruktion sein kann. Der Leipziger zeigt wieder Stadtstolz. Er kommt zu Besuch und bringt als kleines Gastgeschenk eine Leipziger Lerche mit, diese Gebäckspezialität.

Die Leipziger Lerche ist repräsentativ verpackt. Um die Sache abzurunden, ist ihr ein Infozettel beigegeben. Da erfahren wir nun zu unserem Entsetzen, woher die Gebäckspezialität ihren Namen hat. Die Leipziger verzehrten früher besonders an Festtagen Singvögel als kulinarische Delikatesse. Die lieben Sachsen. Man kann nur staunen. Nach dem Verbot des Vogelfangs im Stadtgebiet 1876 kreierten die fischelanten Bäcker aus Mürbeteig, Mandeln, Nüssen und Erdbeerkonfitüre ein Surrogat: die Leipziger Lerche. Sie hat mir trotz allem geschmeckt. Ich las den Zettel allerdings auch erst nach dem Essen.

Ich erinnere mich, dass meine Wirtsleute zu meiner Leipziger Studentenzeit auf dem Balkon etliche Vögel in einer Voliere hielten. Ein Kommilitone hatte ein Vergnügen daran sich auszumalen, wie man die Vögel briet und verzehrte, und schließlich kämen die Wirtsleute nach Hause und sähen nur noch die Überreste ihre Lieblinge. Ich weiß nicht, was in den Jungen gefahren war, zumal er auch noch den Spitznamen Dohle trug.

 

Feierabend

Das kann jetzt lange dauern © Christian Brachwitz

Das kann jetzt lange dauern
© Christian Brachwitz

Dieses Bild aus Leipzig von 1989 könnte auch von 1959 oder von 1929 sein. Reden wir hier von Zeitlosigkeit? Zeitlos schön? Zeitlos verhängnisvoll? Nach der Arbeit konnte man nach Hause gehen und sich anhören, wie schwer es die Ehefrau daheim gehabt hatte. Man konnte auch in eine leere Wohnung gehen und nachsehen, was der Kühlschrank zu bieten hatte, wenn die Wohnung einen Kühlschrank zu bieten hatte. Diese Freiheiten waren voll verfügbar. Und noch mehr: Man konnte auch am Kiosk hängenbleiben und ins Gespräch kommen mit Vertretern anderer Gewerke. Man konnte in einen Erfahrungsaustausch eintreten. So lange die Lulle noch schmeckt und wenn wir den Humor nicht hätten. Wir sind ein sächsisches Schlitzohr. Haben uns noch immer durchgeschlagen. Ob das auch für den Fremden gilt, ist nicht so sicher. Den Reisenden aus einer anderen Schicht, der sich das Gesicht zuwachsen ließ und dem es nicht gelingt, am Gespräch derer, die immer hier stehen, teilzunehmen. Die besten Gespräche, sagt er dann zu sich, führt er sowieso mit sich selbst. Er würde aber schon gern ein bisschen dazugehören. Kontakt aufnehmen. Er weiß noch nicht, wo er heute sein besorgtes Haupt betten wird. Andererseits gehen ihm fremde Menschen schnell auf die Nerven. So hat er es sich schon mit vielen verdorben. Gegen solche und andere Sorgen gibt es hier Dt. Pilsner für 0,38, Nordhäuser Korn für 1,40, Weinbrand für 1,90 Mark. Das Glaspfand, das scheint besonders wichtig zu sein, beträgt 2.- M. Es wird nämlich in acht Sprachen mitgeteilt. Das war der proletarische Internationalismus, wie wir ihn pflegten.

Hängengeblieben

Hängengeblieben – ist doch schön hier © Fritz-Jochen Kopka

Hängengeblieben – ist doch schön hier, die Strickjacke, der Hund, das Schloss, gespiegelt im Wasser
© Fritz-Jochen Kopka

Zu DDR-Zeiten wurde auch ich gecastet, an zwei Ereignisse erinnere ich mich gerade.

Ich hatte keinen Studienplatz bekommen und dachte, ich würde in der Kleinstadt hängebleiben, die ein paar Seen und ein paar Kirchen hatte, ein Theater, dessen Schauspieler verspottet wurden, ein Schloss, zwei Kinos, drei erfolglose Fußballvereine … Eine Milchbar, ein Jugendklubhaus. Ich spielte im Kabarett, ich schrieb und las im Zirkel Schreibender Arbeiter, ich spielte Tischtennis bei der BSG Post Güstrow. Manchmal fuhren wir zu den Punktspielen im gelben Paketauto durch den Bezirk Schwerin. Der bizarrste Ort, den wir erreichten, war Zarrentin, Traktor Zarrentin, ziemlich nah an der Westgrenze (Wikipedia: Der Name könnte übersetzt heißen „Ort des Bösen“.)

Eines Tages tauchte ein blonder Lockenkopf aus Berlin bei der Kabarettprobe auf. Er sah sich an, was wir machten, er sah sich überhaupt die ganze Stadt an; und nach der Probe sprach er mich an, sie suchten Moderatoren für ihre Sendung im Jugendfernsehen, vielleicht wär das was für mich oder ich für sie. Er fuhr wieder nach Berlin und sagte, ich würde von ihnen hören. Dann bleibe ich doch nicht hier hängen, dachte ich, dachte aber auch, dass das sowieso nichts wird, wie ja alles nichts wurde, und es passierte auch nichts. Später kreuzten zwei Redakteure bei mir auf, unterhielten sich mit mir, wie etwa auch der Lockenkopf sich mit mir unterhalten hatte, und dann kam die dritte Stufe, die fand in einem Hotel in der nahegelegenen Kleinststadt Schwaan statt. Wir spielten einem Regisseur und einem Kameramann einen Sketch aus unserem Kabarettprogramm vor. Das Vorspiel fand in einem schäbigen Hotelzimmer statt. Der Regisseur hat einen bedeutenden Schnauzbart in einem mürrischen Gesicht, er sah sich das an und sagte kein Wort. Das war alles.

Zwei, drei Jahre später wurde ich noch mal gecastet. Das war in Leipzig. Ich war doch nicht in der Kleinstadt hängengeblieben. Ich war Student, ich spielte in der Studentenbühne, und bei diesem Casting ging’s um die Silvestersendung des DDR-Fernsehens. Immer zu viert spazierten wir in den Probenraum, da saßen nun wieder Regisseure und Kameraleute, die machten irgendwelche blöden Witze und wir, so hatte man uns instruiert, sollten uns möglichst ausschütten vor Lachen. Wer am hemmungslosesten und ohne Grund lachen konnte, hatte gute Chancen, und wer dazu noch ein bisschen bescheuert aussah, der war schon so gut wie genommen. Es war immer ein Glück, nicht auserwählt zu werden, aber das wussten wir damals noch nicht. Also war man blöd genug, in künstliches Gelächter auszubrechen, rumzuzappeln und Grimassen zu schneiden, um die hundert Mark zu verdienen oder rauszukommen aus der Misere.

Später habe ich die meisten Leute wieder gesehen, als ich für ein paar Jahre beim Fernsehen arbeitete. Der Lockenkopf war sehr dick und sehr einsam geworden, ich sah ihn oft am Wochenende auf der Trabrennbahn, er trug ein weißes Hemd und weiße Jeans, anscheinend war er der Wettleidenschaft und dem Alkohol verfallen. Der Regisseur trug immer noch seinen bedeutenden Schnauzbart. Er war für kleinste Produktionen zuständig, und wenn sie in der Republik unterwegs waren, wohnte er mit der Aufnahmeleiterin zusammen in einem Hotelzimmer; sie führten eine regelrechte Arbeitsehe, obwohl oder weil sie beide anderweitig verheiratet waren. Das ging so durch. Wahrscheinlich hatten sie alle einen Knall, ich will keinen ausschließen.

Der Täter stempelt sich ab

April 10, 2012 1 Kommentar

Nach fast drei Stunden Doppel-Tatort ist die Lösung eines Serienmords absurd einfach. Der Name des Täters ist auf die Rückseite eines Fotos gestempelt. Foto Bransky. Die Leipziger Polizistin Saalfeld wird daraufhin so leichtsinnig, dass sie mit geschürztem Mund das Fotoatelier betritt, vom Täter umgehend einen Schlag auf den Hinterkopf erhält, so dass sie das Bewusstsein verliert, fachmännisch gefesselt und der Dienstwaffe entledigt wird.

Die Doppelfolge war gerechtfertigt, weil Kölner und Leipziger Kommissare gemeinsam ermitteln und beide Städte abgefilmt werden mussten, Kölner Dom und Leipziger Unihochhaus, Wurstbraterei und Babystrich, wenn sich auch die Polizisten erstmal gegenseitig Nasenstüber versetzten, weil sie unabgesprochen im fremden Revier auftauchten. Wenig später beginnen Kommissarin Saalfeld (Eva) und Kommissar Schenk (Freddy) Süßholz zu raspeln, der Gang von Kommissar Ballauf wird stetig zierlicher und Kommissar Keppler lässt überraschend Charme aufscheinen. Das alles klingt nicht umsonst etwas altmodisch, es ist auch so gedacht und gemacht und warum auch nicht.

Die Kommissare haben alle mit ihrem Gewicht oder anderen menschlichen Schwächen zu schaffen. Die dickeren haben bereits aufgegeben und verspeisen mit drei, vier Bissen riesige Brathähnchen, die anderen kämpfen (noch) und nagen an freudlosen Käsebrötchen. Auffällig, dass die Tatorte zwar regional, aber nicht unbedingt dialektfreundlich daherkommen. Nur die unteren Chargen dürfen Dialekt sprechen, etwa der Wachtmeister, der die Verdächtigen abführt. Das ist in Wien natürlich ganz anders.

Am Ende muss der gute Freddy Schenk gleichsam im letzten Moment den Täter erschießen, der ihre eigene Dienstwaffe auf Eva Saalfeld gerichtet hat. Es ist nicht das erste Mal in Schenks Polizistenleben, dass ihm so was widerfährt. Was die Sache nicht leichter macht, wie alle meinen, Zuschauer eingeschlossen.