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Archive for Mai 2017

Dortmund feuert Trainer Tuchel wegen Erfolgssträhne

Das ist was Neues: Erfolg ist nicht alles im Fußball. Man kann einen Trainer auch feuern, wenn die Vertrauensbasis nicht mehr gegeben ist. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke wendet sich in einer langen Botschaft an die Fans. Man hat die direkte Champions-League-Qualifikation geschafft, man ist Pokalsieger geworden, und das in einer Saison, in der man drei Spitzenkräfte verlor und in der weitere Stützen der Mannschaft monatelang wegen Verletzungen ausfielen. Zu den Einzelheiten des zerstörten Vertrauens möchte Watzke nichts sagen. Ein feiner Mann. Oder nicht? Es ödet uns schon lange an, dass in den Fußballclubs herumregiert wird mit der Hand vor dem Mund. Wir leben in einer offenen Gesellschaft, aber der Profifußball nimmt sich heraus, die Öffentlichkeit, die Fans, auf die sie letztlich angewiesen sind, im Ungewissen zu lassen. Wer denkt sich jetzt das abenteuerlichste Gerücht aus? Es kann doch nicht unmöglich sein, einen Konflikt, der sich zwischen Führung des Clubs und Cheftrainer zuspitzte, genau zu untersuchen und zu benennen. Es ist die reine Arroganz, wenn man scheinbar unverständliche Entscheidungen trifft, ohne die Gründe zu liefern und sich hinter einem ehrpussligen Statement zu verstecken. Thomas Tuchel – warum kann man sich mit einem hochbegabten Trainer nicht arrangieren? (Es gibt von der Sorte nicht viele.) Und wenn man es nicht kann, warum kann man nicht in aller Härte und Fairness sagen, was die Gründe waren. Das könnte einem helfen, beim nächsten Mal schlauer zu sein, verdammt. In den Fußballclubs geschehen jede Woche nicht nachvollziehbare Geschichten. Und jedesmal werden begleitend Nebelkerzen abgeschossen. Das ist reines Mittelalter.

 

Reklamiert denn hier keiner!

Mittwochabend. Ajax Amsterdam gegen Manchester United. ManU siegte durch zwei Tore, die eher Zufallstreffer waren, ein abgefälschter Schuss, ein Gewühl nach einer Ecke, aus dem heraus Mkhitaryan den Ball ins Tor spitzelte. Ajax spielte schnell und kombinierte gut, aber es waren auch immer unerklärliche Fehlpässe im Spielaufbau dabei. José Mourinho verhielt sich erstaunlich ruhig, jubelte nicht mal bei den Toren, als wäre sie das Selbstverständlichste von der Welt.

Das Spiel war intensiv und dabei von einer beispielhaften Fairness. Keine Schwalben, keine Reklamationen bei Schiedsrichterentscheidungen, keine Proteste, keine Diskussionen. So was wäre wohl eher die Kernkompetenz des FC Bayern. Und wenn die Bayern reklamieren, muss es der Gegner auch tun, sondern wird er völlig verpfiffen. Auf die Art entstehen diese unschönen Spiele voller Lügen und Spekulationen.

Jamie soll erzogen werden

Foyer des Kinos „Union”. Popcorn gibt’s auch. Leider. Kauft aber keiner. Wie schön

Wir gingen ins Kino „Union” nach Friedrichshagen wegen des Films „Jahrhundertfrauen” von Mike Mills. Der Titel, so hört man, passt nicht, der Film, hört man auch, ist okay. Und das Kino Union gehört zum Südosten Berlins, zu dem wir auch gehören; da gefällt es uns erst recht, dass der Kartenverkäufer so höflich und lustig ist und uns auch noch dafür lobt, dass wir uns für die Bionade Streuobstwiese entscheiden, gute Wahl, sagt er, ist auch nicht so süß.

Der Alte Saal des Kinos ist eher breit als lang, verbreitet ein bisschen Stuben-Atmosphäre, auf den Polstersitzen liegen Zettel, dass die Stühle gerade erst gereinigt wurden und noch feucht sind; wir möchten uns die Jahrhundertfrauen nicht mit feuchten Hintern anschauen und steigen hinauf zum Balkon, wo eine Taz-Leserin mit ihrer Zeitung knistert und ihre Chips knuspert, allerdings nur, so lange die brave Friedrichshagener Werbung läuft. Als der Hauptfilm beginnt, stellt sie aus Solidarität mit den Jahrhundertfrauen ihre Geräuschproduktion ein; letztlich sieht sie sich auch als Jahrhundertfrau.

Der Film spielt 1979 in Santa Barbara, Kalifornien. Nicht weit davon entfernt, in Santa Monica, habe ich mal eine Woche verbracht, da fühlte ich mich nicht unvertraut.

Vorm Supermarkt brennt ein PKW, gleichsam vor den Augen der Besitzerin, Dorothea Fields, technische Zeichnerin, alleinerziehende Mutter. Jamie, der Sohn, 15, ist auch dabei. Die Feuerwehr löscht das Fahrzeug. Mrs. Fields hat Geburtstag und lädt die Feuerwehrleute zu ihrer Party ein, ich möchte für Sie kochen. Ihr Sohn kriegt die Krise. Sowas ist doch total uncool. Ansonsten ist es Dorothea, die laufend die Krise kriegt. Jamie entgleitet ihr, der Vater, den sie möglicherweise nie geliebt hat, ist lange weg. Dem Jungen fehlt etwas auf dem Weg zum Mann, und so bittet sie Julie, 17, und Abbie, eine schräge Fotografin und Punkerin, dem Jungen Anleitung zu geben. Sollte das nicht eher ein Mann tun? Nein. Mit William, der das Haus der Fields rekonstruiert, redet Jamie so gut wie kein Wort. Warum auch immer. Er ist eben rätselhaft.

Der Film ist langsam und nicht sehr fokussiert. Er nimmt sich Zeit, beschreibt die Epoche, erzählt Lebenswege ohne ein Ziel vor den Augen. Was man noch zu seinen Gunsten sagen kann: Er ist nicht auf Pointen aus. Er will eher die diffizilen Beziehungen zwischen Männern und Frauen aufspüren, er sagt zu diesem Hauptthema Dinge, die man nicht allzu oft hört. Die Leute sind in ihrem Misslingen und ihrer Verzweiflung oft komisch. Mrs. Fields gibt sich nicht damit zufrieden, altmodisch, aus der Zeit gefallen zu sein. Sie will das neue Leben kennenlernen, und sie wird es so wenig begreifen, wie die jungen Typen das alte Leben begreifen, aber dass der Wille vorhanden ist: Das macht schon etwas aus. Das macht sogar den Unterschied etwa zu Leuten, die komplett scheitern. In diesem Film scheitert keiner.

Schon gar nicht die Schauspieler. Annette Bening, die wir noch als Hexe, das heißt als neurotische Ehefrau aus „American Beauty” kennen (und hassen), liefert eine wahrlich fesselnde Leistung ab, Elle Fanning ist als Julie ein Teeanager, der es bei allem Understatement faustdick hinter den Ohren hat, und Greta Gerwig als Abbie tanzt inzwischen noch verrückter als in Frances Ha. Und Lucas Jade Zumann – wir kennen aus amerikanischen Filmen einige solcher Jungs, die einfach nicht entschlüsselbar sind, um die man aber keine Angst haben muss.

Der Film ist so wenig Einbahnstraße und so wenig fokussiert, dass es tatsächlich unmöglich war, einen adäquaten Titel zu finden. „Jahrhundertfrauen” erzählt, was das zwanzigste Jahrhundert den Frauen zugemutet hat und die Frauen dem Jahrhundert. Das 21. Jahrhundert soll das Jahrhundert der Frauen sein. Männer im Untergang. Ich glaube das nicht. Ich glaube an das empfindliche Gleichgewicht. Frauen machen sich von Männern ein falsches Bild (das haben sie in den Genen) und Männer von Frauen. Und das ist gut so.

Machen wir uns doch nichts vor

Die Grünen, Linken, Liberalen möchten gern am Kanzler-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz teilnehmen, um die Demokratie zu wahren, sie hätten nichts dagegen, wenn die AfD dabei wäre, auch wegen der Demokratie. Das scheint mir der falsche Ansatz zu sein. Auch Martin Schulz ist nicht Volkspartei genug, um sich ins Duell begeben zu können. Angela Merkel sollte das Kanzler-Duell mit sich allein führen. Vielleicht erfahren wir dann etwas über ihre inneren Kämpfe und Zweifel.

Berlin Alexanderplatz (29): Schattenflüchter

Schattenflüchter …
© Fritz-Jochen Kopka

Es ist die Zeit des Goldregens und des Flieders. Manchmal trifft uns unvermittelt eine sympathische Duftwolke, hüllt uns sein, und schon sind wir wieder vorbei. Kein Flieder mehr, S-Bahn. Am zweiten Tag ungebremster Sonne suchen wir die Schattenseite in der Bahn, aber die ist besetzt. Man sitzt und schwitzt. Im E-Book-Reader rufe ich Balzacs Verlorene Illusionen auf und bin abermals fasziniert, was der Mann in seiner Zeit bereits über die Ambivalenz der freien Presse wusste. Nicht auszuschließen, dass er gewisse Charaktere erst auf dumme Ideen brachte, was man mit einer Zeitung alles so anstellen kann. So lande ich am Bahnhof Alexanderplatz auch gleich mal im Presseshop. Da sind ein Angeber und ein Geduldsmensch aufeinander getroffen, und der Angeber ruft aus: Dafür hatte ich früher ja nie Zeit! Aber jetzt mache ich das alles. Früher hatte ich dafür nie Zeit.

… und Seifenblasenfänger

Er ist nach Berlin geeilt, trifft sich mit anderen Netzwerkern, sie arbeiten ihre Themen ab, werden aber auch das Jüdische Museum, den Bundestag, die Baustelle des Flughafens aufsuchen. Dafür! Hatte! Ich! Früher! Ja! Nie! Zeit!, ruft er abermals aus. Ihr seid also kein Unternehmen, sondern eine interaktive Gruppe, sagt der Geduldsmensch, um auch mal was zu sagen. Dafür hatte ich früher nie Zeit, wiederholt der Angeber ein übriges Mal. Ich haue ab. Mir eitern die Ohren. (Dafür hatten sie früher nie Zeit, die Ohren.) In einer Nische des Bahnhofsgebäudes hat eine Handvoll Polizeibeamte zwei Verdächtige gestellt. Die Verdächtigen werden nach allen Regeln der Dienstvorschrift auf Waffen, Drogen und Liebesperlen durchsucht. Die Polizisten gehen mit großer Akkuratesse vor, die Verdächtigen schneiden harmlose Gesichter und zeigen Geduld. Profis unter sich.

Nach einem Jahr suche ich wieder mal den Whisky Market in der Winsstraße auf. Auch in diesen stilleren Straßen flüchtet sich alles zu den schattigen Plätzen, und der Whisky Market ist mit seiner Ruhe und seinem dezenten Halbdunkel ein besonders günstiger Ort. Der Verkäufer will wissen, welche Marke ich normaler Weise bevorzuge, und weiß sofort bescheid, in Sherry-Fässern gereifte Whiskys, er könne mir aber, wenn es mir auf eine fruchtige Note ankomme, auch in Burgunder-Fässern gereifte Whiskys nahelegen. Ich entscheide mich für einen Highland Park Single Malt und bedanke mich für die Beratung. Ach, das war doch nichts, winkt der Verkäufer ab. Doch doch, sage ich, das bringt mir schon was.

The singer and the child

An der Straßenbahnhaltestelle klagt ein Mädchen ins Smartphone, dass ihr das Make up verlaufen sei in der Hitze, deshalb schminke sie sich ja selten, aber heute habe sie mal Lust dazu gehabt, und nun sei alles verlaufen. Je weniger sie zu erzählen hat, desto mehr sagt sie. Im Schatten des Funktionsgebäudes am Alexanderplatz singt jetzt Brea Robertson, eine Frau mit einer großen Stimme und einer kleinen Gitarre. Ein Kind hat sich neben dem Gitarrenkoffer niedergelassen, es hat nicht begriffen, dass es das Geldstück hier ablegen soll, die Mutter muss kommen und die Hand führen. Brea lacht, während sie singt, vor ihr hatte Lee Lo ihren Auftritt, nach ihr ein lustiger Typ, sie zupfen alle dieselbe kleine Gitarre und gehören zu einer lockeren Verbindung von Musikanten. Zusammen sind sie weniger allein auf der schattigen Seite des großen Alexanderplatzes. Vor dem Hotel verfolgen die Kleinsten der Kleinen, sofern sie schon laufen können, die Seifenblasen der Seifenblasenmacher. Ein Abenteuer der Poesie.

Sonne im Untergang

Im Haus Berlin sitzt Verheugen, von der Sonne im Beton der Innenstadt gemartert, am kleinen Tisch vorn rechts. Der einzige Tisch im Biergarten, der für ihn in Frage gekommen wäre, wird von Kartenspielern besetzt. Alle anderen sind zu sehr der Sonne ausgesetzt. Verheugen erzählt von den Wölfen Äthiopiens und davon, dass der Löwe kein Dschungel- sondern ein Savannentier sei. Du siehst wohl keine Tiersendungen, fragt er mit leisem Vorwurf. Ich sehe Sportsendungen, sage ich, das ist vergleichbar.

Wir trinken unsere fünf Bier. Dann gehen wir. Die Sonne scheint noch. Das Pflaster dampft noch. Die Kartenspieler spielen noch.

Ein Wort, ein Wort zum Song Contest

Der rettende Pfeil zeigt leider nach unten
© Klaus

Nicht, dass man da länger zusehen könnte, es sei denn, man befindet sich in einer Gruppe von fünf bis zehn Leuten, in der jeder den anderen mit seinen Einfällen beim Zusehen übertrifft, aber wo soll man so viele Zyniker hernehmen.

Ich hatte nach dem deutschen Vorentscheid keinen schlechten Eindruck von Levina, wenn mich auch die Scheindemokratie des ausführenden NDR störte, alle Entscheidungen den Leuten zu überlassen, um selbst keine Verantwortung zu tragen, denn die grundsätzliche Entscheidung, wer da überhaupt mitkrähen durfte, haben sie ja doch da getroffen, beim Sender.

Also, ich fand Levina nicht schlecht, aber die Performance jetzt in Kiew hat mich sofort verstört. Da stand ein überglückliches Kind aus dem Wirtschaftswunderland und erzählte den Menschen aus den eher unglücklichen Nationen etwas vom perfekten Leben. Wir stehen doch ohnehin im Verdacht, dass wir die Großmeister des Glücks sind und die anderen Länder unentwegt belehren müssten, ohne dass denen das je etwas gebracht hätte. Und da stand nun diese junge Frau, der man wahrscheinlich gesagt hatte, sie solle nicht hundert, sondern tausend Prozent geben, völlig verkrampft vor überschäumender Freude. Das war kein Song, das war ein Reklamespot für das schier Unerreichbare, das wir Deutschen jedoch haben.

Beim Vorausscheid fand ich Levinas asymmetrische Gestik reizvoll. Aber hier musste sie das Mikro in der rechten Hand halten, und damit war auch dieser aparte Nebeneffekt futsch. Ja, und dann wurde die Veranstaltung natürlich im Liveticker von den deutschen Medien begleitet, und kaum war klar, das dies nun wieder ein Begräbnis erster Klasse würde, machte sich der deutsche Selbsthass in primitivem Spott breit. Wenn nicht mindestens Top five, dann am besten null Punkte. Aber es wurden ihrer sechs. Nicht mal das hat geklappt.

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Letztes Heimspiel, Abschied vom Meer

Lost in uncertainty
© Kopka

Jetzt haben wir armen Hansa-Rostock-Schweine unseren Trainer gefeuert, der ja auch ein armes Hansa-Rostock-Schwein ist wie wir alle. Wir wissen nicht, ob es Übermut oder eher Untermut war, was uns dazu veranlasst hat. Wir wissen noch nicht mal, ob wir einen guten Mann in der Hinterhand haben, der Trainer Brand ersetzen soll, vielleicht träumen wir nur davon. Einen Freischuss haben wir nicht mehr. Die fällige Entscheidung muss sitzen. Brand hat zweimal den Abstieg ins Niemandsland verhindert. Mehr zu erwarten fehlt uns im Moment einfach die Phantasie oder sollen wir sagen: Euphorie?

Wir liefen im Stadionumfeld herum, kauften der Frau in der Tonne ein Programm ab, trafen zufällig ein armes Hansa-Rostock-Schwein aus Schwerin, mit dem wir auch schon mal auf der Tribüne in der Alten Försterei gestanden hatten, und Arne, ein ehemaliges Hansa-Talent, sagte, ich war auch schon mal bei Union, aber das war mir dort einfach zu lyrisch. Er meinte die ewige Singerei. Wir besuchten die Malstraße im Stadionanbau, wo angeschlagene Profis gut aufgelegt Autogramme schrieben. Wir sahen die Profis, die keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatten; auch die waren nicht unbedingt schlechter Laune. Wir waren im VIP-Bereich und hatten Zeit, uns am Büffet zu versorgen. Das Bier lief gut. Wir haben keine Spieler mehr, hörte man öfter mal. Das war nur ein halber Witz.

Ich sah Professor Klinkmann, einen Mediziner von Weltruf, früher Hansas Aufsichtsratsvorsitzender, inzwischen ein alter, etwas in sich versunkener Herr. Ich mag es falsch sehen, aber mein Eindruck ist: So lange Klinkmann Hansa-Boss war, war der Club konkurrenzfähig, was damit zusammenhing, dass Klinkmann ein weltläufiger, energischer Typ ist, kein Provinz-Ei. Wegen unklarer Stasigeschichten wurde er ausgebootet, man war da an der Küste immer ein wenig bieder.

Teamwork auf der Südtribüne

Bei Hansa sitzt man überwiegend, es gibt nicht viele Stehplätze. Das passt zur gedämpften Stimmung der Fans. Auf der berühmt-berüchtigten Südtribüne zeigten die Enthusiasten ihre Choreo; das war eine erhebliche Kollektivleistung, vor der die Profis sich verneigen, zu Recht, denn zu einem vergleichbaren Teamwork sind sie auf dem Platz zur Zeit nicht in der Lage. Als Hansa kurz vor Schluss 1:2 in Rückstand geriet, wurde auf der Tribüne ein Spruchband entfaltet: LEMMER RAUS SCHNEIDER RAUS BRAND RAUS. Wer ist Lemmer? Ein Vorstandsmitglied, saß eine Reihe vor uns. René Schneider, der Sportdirektor, wirkte introvertiert. Christian Brand, der Trainer, stand unmittelbar vor dem Transparent, das ihn rausgeschmissen haben wollte. Hansa hatte eine gute zweite Halbzeit hingelegt und stand am Ende dennoch zum dritten Mal in Folge mit leeren Händen da. Das zerrt an den Nerven. Arne hatte während des Spiels mit charakteristischen Handbewegungen erklärt, dass es zu wenig Bewegung gab zwischen den Blöcken bei Hansa.

Das hilft uns auch nicht weiter

Marcel Schuhen und Dennis Erdmann, zwei Identifikationsfiguren, begaben sich zu den Massen und sagten Bye bye. Beide gehen. Schuhen, weil er was Besseres hat, und Erde, weil sich der Verein auf dieser Position anders aufstellen will (Schneider). Erde ist ein großer und gerne provozierender Kämpfer mit einer Flut von Gelben Karten, der immer alles gegeben hat, im Spielaufbau sicher limitiert, aber wer ist das nicht bei Hansa? Im Prinzip trauern sie ihm jetzt schon nach.

Im VIP-Bereich konnte man sich wieder am Büffet versorgen, das Bier lief abermals gut, die Stimmung konnte man als milde Dauerdepression bezeichnen. Wäre schön, wenn wir aus dieser Phase bald mal rauskämen. Aber wie soll uns armen Hansa-Rostock-Schweinen das gelingen!