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Archive for the ‘Deutsche Grammatik’ Category

Chancen und Gefahren

In den Trams geschieht Angenehmes
© Kopka

In den Straßenbahnen sitzen die Obdachlosen und sagen zu den Journalistinnen: Ihr habt so ein schönes Lächeln. Passt gut auf euch auf. Und die Journalistinnen sind großmütig genug, das nicht als sexuelle Belästigung zu empfinden, sondern als Kompliment. Bedanken sich aufrichtig.

Das ist vielleicht der Ausweg aus der Misere: Man erfindet die Komplimente gleich selbst, dann kann nichts mehr schiefgehen damit.

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Letztlich, sagt der Kunde zu seiner Friseurin, wird sich diese MeToo-Kampagne zu meinem Bedauern doch nur gegen die Frauen richten. Die werden als Loser dastehen. Kein Mensch wird sich ihnen noch nähern wollen. Auch Frauen werden sich Frauen nicht mehr nähern. Es ist zu riskant. Sie werden vereinsamen.

Die Friseurin nickt nachdenklich.

Bye, bye Jamaika

Die Hunde hierzulande leiden nicht mehr

Ich habe gelitten wie eine Hündin, sagt Katrin Göring-Eckardt vorbildlich korrekt über ihre Gefühle während der Sondierungsgespräche. Da bekommt man gleich noch einen Hinweis, warum diese Gespräche scheitern mussten. Die pingelige Art, sich auszudrücken und wahrscheinlich auch die Welt zu sehen. Da müssen Redewendungen umgetextet werden, damit ja keiner auf die Idee kommt, eine Grüne verletzte das feministische Fairplay. Leiden wie ein Hund – da ist das Geschlecht überhaupt nicht angesprochen. Man könnte auch sagen: leiden wir ein Tier. Katrin Göring-Eckardt würden dann sicher sagen: Ich habe gelitten wie eine Tierin. Sie denkt übrigens beim Verwenden dieser Redewendung auch nicht daran, dass dieser Satz total veraltet ist. Heutzutage leiden die Hunde (und die Hündinnen) am wenigsten. Sie werden vielmehr verwöhnt. Da kann mancher Mensch nur von träumen.

Und die SPD ist nach dem Scheitern von Jamaika angeblich in der Klemme. Nach der Wahlpleite hat sich die Partei mit großer Geste von der großen Koalition verabschiedet und alle haben gejubelt. Richtig so. Aber nun, wo eine Minderheiten-Merkel oder gar Neuwahlen drohen, soll die SPD sich nicht so haben, nicht nur an sich denken und schnell mal umfallen. Verantwortung zeigen. Und die Partei schwankt. Wie sie sich auch entscheidet: Der Wähler wird es nicht honorieren. Dabei ist die Sache einfach. Wenn es um das Land geht, könnte die Partei sagen, werden wir uns nicht verweigern. Aber bitte mit frischem Personal. Angela Merkel hat genug geleistet. Ihre Ära dürfen wir nicht verlängern.

Und schon läge der Ball wieder im Feld der CDU.

Östliche Bilder, preußische Speisen

November 18, 2017 2 Kommentare

Fünf Gebäude ergeben noch kein Ensemble
© Fritz-Jochen Kopka

Die Kunstreise, die Verheugen und ich unternehmen, scheitert in keinem Punkt. Regionalzug von Alexanderplatz nach Potsdam Hauptbahnhof. Der Weg vom Bahnhof zum Barberini Museum ist kurz, führt über eine Brücke, wir sehen das umkämpfte DDR-Hotel „Mercure”, das Günter Jauch, Hasso Plattner und Mathias Döpfner am liebsten persönlich abreißen würden. Es gibt zwei Potsdams. Jenes, der Ureinwohner, und dieses der neu zugezogenen Stifter und Spender, die das preußische Potsdam wieder haben wollen, wozu sie die Spuren der DDR beseitigen müssten, aber die Alteingesessenen haben unter der DDR offensichtlich nicht so gelitten, wie diese Neubürger, die sie, die DDR, nicht erlebten. Und dann gibt es noch uns, die Berliner, die der Meinung sind, dass die wirkliche Stadt in Potsdam nirgendwo anfängt. Alles ist flach, zufällig und fügt sich nicht zusammen. Du hast doch gesagt, sagt Verheugen, dass in Potsdam auch die dünnen Leute dicke Ärsche haben, wo sind die denn. Sie lassen die heute nicht raus, sage ich.

Lost in Exhibition

Im Museum Barberini, das der Software-Unternehmer Hasso Plattner so großzügig und vorbildlich wieder aufgebaut hat, zeigen sie unter dem Titel „Hinter der Maske” DDR-Kunst und wollen in einer vornehmen Geste vorführen, dass es nicht nur platten sozialistischen Realismus im Osten gab. Aber das wussten wir schon. Trotzdem ist es großartig, hier viele schöne Bilder wiederzusehen und einige Entdeckungen zu machen. Für schlappe 14 Euro. Der Herr ist aus der alten DDR, sage ich und zeige auf Verheugen, er hat gehört, dass er hier für die Hälfte reinkommt. Die Kassiererin ignoriert die Bemerkung total. Mit deiner Art von Humor können sie hier nichts anfangen, sagt Verheugen. Er hat den Eintrittspreis längst in Schnaps umgerechnet. 14 Euro, sagt er, das wäre eine ganze Flasche Johnny Walker. Davon hätte ich länger was. Das kannst du doch gar nicht wissen, sage ich. Einige Bildeindrücke prägen sich deinem Gedächtnis ein und werden dich noch lange beschäftigen, bis in die Träume. Warum nimmt der so viel Eintritt, der Plattner, mosert Verheugen. Der hat hier viel Kohle reingesteckt; das muss sich einigermaßen rechnen, sage ich. Wenn er kein Geld hat, dann soll er sowas nicht machen, sagt Verheugen. Er drückt seinen Unmut aus, indem er vor jedem Bild grämliche Grimassen schneidet.. Dann aber erwärmt er sich für das Gemälde „Hinter der Tür” von Wolfgang Peuker und ein Atelierbild von Otto Möhwald. Das ist Poesie, sagt Verheugen, das ist poetisch.

Hinter der Tür von Wolfgang Peuker

Ich sehe eine mir bekannte Gestalt auf einem Gemälde von Arno Rink, den Kunstkritiker Henry Schumann, wie er in meinen Studentenjahren mürrisch im Café Korso in Leipzig saß, mit dicken Brillengläsern und dicken Lippen, er sah aus wie ein Buchhalter, und dann war plötzlich sein großartiger Band „Ateliergespräche” da, besonders originell war das Gespräch mit Werner Tübke, der nicht müde wurde, Schumann zu belehren und zurechtzuweisen. Er war ein ganz spezieller Fremder, ich meine Tübke, wir saßen auch mal in seinem Atelier und waren impertinent genug, ihn zu fragen, ob er Depressionen kenne, das geht über die Grenzen, meine Herrschaften, diese Fragestellung, sagt er, aber die Frage nach Selbstzweifeln ließ er zu: Das kommt doch gar nicht in Frage. Aber natürlich weiß ich: Was du heute Vormittag gemacht hast, das ist zwar in Ordnung, aber es hätte ein Spur eleganter kommen können.

Einige Selbstbildnisse von Tübke finden wir in der Ausstellung, irgendwo im Süden, mit breitkrempigem Hut, mit schnellen Hunden, ein Mann, der vielleicht auch sich selbst fremd war. Willi Sitte, och unter dem Einfluss von Pablo Picasso. Künstlerbilder von Harald Metzkes und Peter Herrmann, berühmte Maler wie Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig, weniger bekannte wie Jutta Damme und Thomas Ziegler.

Es bleibt doch wie immer Enttäuschung und Leere zurück, sagt Verheugen draußen vor der Tür. Er ist in seinen Pessimismus verliebt. Hinter der Maske. Das impliziert, dass in der DDR alle eine Maske trugen, und dass nur zählt, was hinter der Maske war. Eine solche Deutung kann ich nur vermessen nennen.

Kann man in Potsdam etwas essen und Bier trinken – sieht nicht so aus. Bis wir das Restaurant Loft finden, zu erreichen mit dem Lift im dritten Stock. Die Welt ist sofort in Ordnung. Kellner, denen ihr Job Spaß macht, und ein ambitionierter Küchenchef. Preußische Traditionen, Gewürze wie zu Friedrichs Zeiten. Wo sonst, wenn nicht hier, ist das angebracht. Der Abschied von Potsdam fällt versöhnlich aus. Wir sind bereit, unsere Vorurteile zur Disposition zu stellen.

Ist das nicht sexistisch?

Das in einen ungewissen Himmel aufragende Hochhaus – da schirmen wir uns lieber ab

In der Lokalzeitung fällt mir eine Todesanzeige auf. Josephine Müller, geb. Müller, ist verstorben, zeigt Dr. Wolfram Müller an. Ziemlich viel Müller, gewiss, aber entscheidender: Wolfram Müller – geborener was? Warum wird nur bei Frauen vermerkt, was für geborene sie sind und nicht bei Männern? Diese Art von Sexismus – warum wird dazu geschwiegen! Und es ist Sexismus, schon weil es eine Ungleichbehandlung darstellt. Ich wundere mich überdies, dass in der Sexismus-Aktion derzeit vergessen wird, dass Männer in Massen ihr Wasser im öffentlichen Raum abschlagen, zum Beispiel im und am Kölner Dom. Das ist nicht nur eine sexistische, sondern auch eine hygienische und ästhetische Belästigung. Auch da kommen Leute daher und behaupten, sie hätten schon Frauen gesehen, die ihre Röcke lüften, um ihre Notdurft zu verrichten (aber nur, wenn sie nicht mehr anders können). Vor diesem Positivismus sollten wir uns hüten. Über eine Wiedereinführung der Todesstrafe muss nachgedacht werden, möglichst ohne öffentliche Debatte wie bei der Rente ab 65 für Frauen, der Abschaffung der Wehrpflicht und der Schließung der AKW.

 

 

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Sexistische Grenzfälle

Ich finde dieses Bild sexistisch. Wenn ich nur wüsste warum …
© Fritz-Jochen Kopka

Für die Sondierungsgespräche hat sich Katrin Göring-Eckardt noch mal ganz neu eingekleidet. Frischer, bunter, bewusster. Es war nicht billig, aber es könnte sich lohnen.

(War das jetzt schon Sexismus? Hoffen wir das beste.)

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F: Ich hab hier doch immer die Arschkarte gezogen.

M: Als Frau solltest du solche Ausdrücke nicht verwenden.

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Ist es gestattet, dass Frauen auf Herrenfahrrädern fahren?

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Warum ist eigentlich noch nie auf einer Frauenquote bei der Müllabfuhr bestanden worden?

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Einer der bekanntesten und schönsten Romane der Weltliteratur ist „Väter und Söhne” von Iwan Turgenjew. Das wesentlich komplexere Thema ist aber doch „Mütter und Töchter”. Ein berühmter Roman mit diesem Titel fehlt auf der literarischen Landkarte. Wie konnte das geschehen? Ist das Thema vielleicht zu komplex?

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Die Wissenschaftsredakteurin warf einen bewundernden Blick auf die stattliche Figur der sich erhebenden Sekretärin.

Wenn ich ein Mann wäre, sagte sie, ich wüsste jedenfalls, was ich will.

Der Chefredakteur wusste es anscheinend auch und fasste ihr in einer stillen Stunde an den Hintern.

Pfoten weg, zischte die Sekretärin. Damit war das erledigt. So gingen wir mit dem Thema zu DDR-Zeiten um.

 

Vom Rasen

Das an Überversorgung leidende Gras

Wir säten wohl, aber wir düngten nicht, und trotzdem wuchs der Rasen, jede Woche mussten wir mähen und wollten wir mähen, so war das mit uns und dem Rasen zu DDR-Zeiten. Der Rasen war gesund, wir wässerten ihn einmal wöchentlich, es war ein Nutz-, Liege- und Sportrasen, kein Angeber-Rasen, kein grüner Teppich. Dann kam die Wende, die Einheit, die Vielzahl der Bau- und Gartenmärkte, der Angebote. Wir mussten einräumen, dass wir unseren Rasen nicht ernst genug genommen und schon gar nicht verwöhnt hatten. Jetzt wässerten wir jeden Tag, wir lüfteten und vertikutierten, fingen auch an zu düngen. Die Versprechen auf den Packungen wurden allerdings immer nur kurzfristig eingehalten. Wir entfernten den Löwenzahn per Hand aus dem Rasen und dann auch die Gänseblümchen mit einer speziell zurechtgebogenen Gabel. Den Weißklee bekämpften wir chemisch, aber darüber konnte diese Pflanze nur lachen: Sie kam immer wieder. Wir sind Helikopter-Gärtner geworden, und was müssen wir feststellen, wenn wir uns nicht selbst in die Tasche lügen? Unser Rasen wächst nicht mehr. Wenn wir ihn vier bis fünf Mal pro Saison mähen, dann reicht das schon aus. Ist doch schön, könnte man sagen, spart man Zeit, aber es ist beunruhigt uns doch. Was ist los mit unserem Rasen? Haben wir ihm nicht alles gegeben? Ist er krank? Wird er sich allmählich noch ganz unsichtbar machen?

Mein Nachbar, ein schweigsamer Herr, reagiert, wie soll ich sagen, provokativ. Er mäht nicht mehr wie früher jede Woche, sondern jeden Tag. Wenn ich ihn so sehe, erinnert er mich oft an den Zwerg in Schneeweißchen und Rosenrot, der sich in seiner Verbissenheit den Bart in einem Baumstamm eingeklemmt hat. Es können nur Bruchteile von Millimetern sein, die er abmäht, aber er mäht. Seine Frau macht sich Sorgen, sein Sohn macht sich Sorgen, das Gras macht sich Sorgen; der Rasenmäher vermutlich auch. Das sind also die Folgen der Überversorgung. So was gab es in der DDR nicht. Da wuchs der Rasen von allein, das war irgendwie ein Land im Naturzustand.

Ich denke nun auch an die Familie Grefe und ihren Opa. Den Opa trieb es nachts oft aus dem Bett. Dann setzte er sich in die Küche und schälte Kartoffeln. Die Familie schlug morgens die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie sah, was geschehen war. Berge geschälter Kartoffeln. Das konnte kein Mensch verzehren. Man wagte auch nicht, die Kartoffeln zu verstecken, weil: Was würde der Opa dann treiben, wenn es ihn nachts aus dem Bett trieb? So oder so ähnlich sind dann wahrscheinlich die lustigen Kartoffelkneipen entstanden.

 

Gänge, Gespräche in G.

Die Ernst-Barlach-Stadt vergisst ihren Protagonisten nicht
© Fritz-Jochen Kopka

Wenn sie durch G. schlendern, die Abiturienten von 1962, erzählt Herr Schmidt, der Sesshafteste der Sesshaften, in einer halbfiktionalen Art, was war, was geworden ist und was wahrscheinlich nichts mehr werden wird im gebauten Bild der Stadt. Heute zieht er es vor zu schweigen, aber das fällt nicht weiter auf. Da, im Flachbau gegenüber vom Dom, hatten wir Religionsunterricht, soweit unsere Eltern noch keine Heiden waren. Das Wort Religion war für Mecklenburger allerdings zu umständlich. Sie sagten: Rilljon. Und was fällt uns dazu ein? Vor Rilljon gingen wir in die Wohnung von Nieschen Holz’ Opa, sofern der gerade auf dem Markt Freibankfleisch verkaufte. Wir tranken Opas Bier und rauchten seine Zigarren, uns wurde schlecht, aber an diesem Tag vergriffen wir uns an seinem Priem, ohne zu wissen, wie das geht. Wir kauten darauf rum, im ersten Moment schmeckte es wie Lakritze. Nieschen Holz hatte zehn Stück konsumiert und mitten in den biblischen Geschichten musste er verdächtig aufstoßen und spuckte in seine Fuchspelzmütze. Der Katechet, ein Mann von beachtlicher Körperlichkeit, packte Nieschen am Schlafittchen und schleuderte ihn aus dem Raum. Ich sah ihn draußen vorbeigehen: kalkweiß, Tränen in den Augen, kaum noch bei Sinnen. Das werden wir nicht vergessen und immer wieder erzählen, auch in hundert Jahren noch.

Neben der Schule war ein eingezäuntes Kleingartengebiet; das ist jetzt eine offene Parkanlage, gleich neben der Schanze. Unsere Klassenbeste zeigt hinüber. Da war die verborgene Stelle, wo in den Pausen heimlich geraucht wurde. Der Hausmeister war so freundlich, vor den Aufsicht habenden Lehrern zu warnen. Der Reiz des Verbotenen. Unsere Klassenbeste hat ihn so verinnerlicht, dass sie sich das Rauchen immer noch nicht versagen kann, obwohl es zu ihr gar nicht passt, so viel Klasse, wie sie hat.

Bahnhof, Sonnabend um neun: fahren oder bleiben?

Dann kann gespottet werden: Die Skulptur eines ortsansässigen Künstlers, drei Rohre, von denen jedes in eine esoterische Richtung zeigt. Es gab ja in G. noch nie einen Künstler, der vor den Augen seiner Mitbürger Gnade gefunden hätte. Das passierte erst, wenn sie draußen, in der Welt, berühmt geworden waren. Dann hatte man aber in G. noch immer eine spezielle Meinung zu ihnen.

Die Abiturienten-Rentner könnten jetzt den Turm der Pfarrkirche besteigen, aber das haben sie ja schon vor vier Jahren gemacht und verzichten. Sie sitzen im Garten des Theatercafés und kramen weiter in Erinnerungen. Ihr unglücklicher erster Klassenlehrer, der aufs Dorf verbannt wurde und plötzlich im Alter hohe Preise als Maler erzielt. Die Klassenbeste kann sich endlich ihre Zigarette anzünden. Sie entnimmt sie einem eleganten Etui, die Schreckensbilder auf der Packung muss sie nicht anschauen. Sie verlieren einige Worte über die fehlenden Klassenkameraden. Und kommen zur wahren mecklenburgischen Kunst. De söben Sinnen von Rudolf Tarnow. Plattdeutsche Läuscheln und Riemels. Wir können das noch auswendig, wir haben es damals aufgeführt, den Vortrag des Kösters Klickermann vor der Schulklasse: „… wenn manche sagen, dass vor Jahren die ersten Menschen Affen waren! Nein, Kinder, so was gibt zu denken und kann die besten Eltern kränken.” Wenn das nicht witzig war.

Am Abend treffen sich die Abiturienten zum Abendbrot im „Wallensteiner” am Schloss und stellen verwundert fest: Von unseren Mädchen (den alten Damen) ist keine mehr erschienen! Sind sie erschöpft? Haben sie besseres zu tun? Die Gespräche werden folglich schwerwiegender und zurückhaltender. Das Bier läuft. Es gibt Ochsenbacke, Schweinefilet und rustikale Brotzeiten. Herr Schmidt, der so lange geschwiegen hatte, läuft zu Hochform auf mit seinen phantastischen Geschichten, die er alle für wahr erklärt. Wir reden von der Gunst der Ruhmlosigkeit und stellten fest, dass wir AfD-, Merkel- und Linkswähler unter uns haben. Wir sind das Volk.

Genug gegessen und getrunken. Vielleicht auch genug gequatscht, gedacht und gelacht. Genug erinnert. Um zehn steht die Stadt still. Ich bin allein wie ein Kind in der Steppe. In der Nähe des Markts, der unbeweglich steht wie alles andere, führt ein älteres Ehepaar einen Hund aus oder, umgekehrt, der Hund das Paar. Sie fixieren den Fremden, der vielleicht weniger ein Fremder ist als sie, aus dem Augenwinkel. Von ihm geht keine Bedrohung aus.