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Posts Tagged ‘Katzen’

Hund & Katz

Berlin Alexanderplatz. Hund skated, Herrchen streicht die Gage ein © Fritz-Jochen Kopka

Berlin Alexanderplatz. Hund skated, Herrchen streicht die Gage ein
© Fritz-Jochen Kopka

Wie es kommt, dass dieser oder jener keinen Hund und auch keine Katze hält, obwohl er doch nicht bestreiten würde, tierlieb zu sein, ist einfach: Er möchte nicht dominiert werden. Einar Schleef, als er noch nicht berühmt, aber doch schon hier und da als halbes Genie bekannt war, verkehrte in Wien mit Hilde Spiel und ihrem (zweiten) Mann, der Schleef „als bedeutendster österreichischer Autor vorgestellt wird”, und wie so oft: Je bedeutender jemand ist, desto unbekannter ist sein Name. Hans Flesch-Brunningen. Er geht mit einem weißen Spitz durch den Schnee. Zu Hause putzt sich das Hündchen (himself? itself?) sauber. „Die Begegnung blieb steif”, schreibt Schleef in seinen Tagebüchern (Suhrkamp), „er spielte mit seinem Hund, der sich vor ihm auf dem Rücken wälzte, während er dessen Bauch und Geschlechtsteil betätschelte, …, läufig waren beide, Herr und Hund.” Der Hund bepinkelt sich und rächt sich an Schleef für dessen distanzierte Sicht, indem er ihm unterm Tisch in Bein oder Schuh beißt. Wie steht es mit den Katzen? Eva Hesse, die grandiose Ezra-Pound-Übersetzerin, erzählt in einem Interview mit der FAZ von ihrem Kater Pussy, „der ist auf vielen berühmten Leuten gesessen. Er hat sich breitgemacht wie ein Fladen. Von ihm habe ich gelernt, was ›besitzergreifend‹ heißt.”

Es ist so. Die Tiere übernehmen nach und nach und ohne, dass der Mensch es recht merkt, die Herrschaft. Und warum halten trotzdem so viele Menschen Hunde und Katzen? Eben darum. Weil sie, die Tiere, dominant sind. Mancher Mensch braucht das. Mancher nicht.

Das Geburtstagskonzert

August 5, 2015 3 Kommentare
Wenzel mit Kapitänsmütze, an der Gitarre Künstlerfreund Andreas Dresen

Wenzel mit Kapitänsmütze, an der Gitarre Künstlerfreund Andreas Dresen

Die Schlange erstreckte sich über den Hof des Admiralspalasts und über ein gutes Stück der Friedrichstraße, und sie bewegte sich kaum vorwärts. Da es um das Geburtstagskonzert von Wenzel (60; ich glaub, er mag das Wort Liedermacher nicht, schon wegen des unschönen Verbs machen) war es eigentlich unvermeidlich, dass man einige Leute in der Schlange zumindest flüchtig kannte, aber an die Dame, die vor mir stand, musste ich mich doch mit einer Frage wenden: Hab ich mich so verändert oder hast du dich so verändert, dass wir uns nicht mehr erkennen? Ach, sagte sie, ich erkenne die Leute doch nur an ihrer Stimme, das war schon immer so, es ist so eine Anomalie der Augen, die sonst gar nicht so schlecht sind, ich kann die Leute eben nur an ihrer Stimme erkennen. Aber du redest noch so wie früher. Sie nannte auch den Namen dieser Anomalie, aber ich hatte schon in diesem Moment keine Hoffnung, dass ich mir den merken könnte, und so kam es auch. Als wir schon ziemlich weit vorn an dem Tisch mit den Karten waren, ging ein ehemaliger Bundestagspräsident stolz an der Schlange vorbei und ließ sich seine Karten sofort aushändigen. Ich möchte wissen, welche Berechtigung er dafür anführen kann, sagte die Dame. So einfach ist es mit der Demokratie nicht, dass immer alle gleich sind, sagte ich, wahrscheinlich hat er das Minibuch mit dem Text des Grundgesetzes bei sich und findet für jede heikle Frage die geeignete Antwort. Später erinnerte ich mich, dass es vor knappen vierzig Jahren eben diese Dame gewesen war, die mich an die Kunst von Wenzel und damals noch Mensching heranführte, indem sie mir sagte, dass die besondere Ästhetik der beiden darauf beruhe, dass sie Anarchisten seien; wenn man das nicht wisse, könne man sie nicht verstehen. Ich dachte an Bakunin und an Herrschaftslosigkeit und muss zugeben, dass mir trotz einer unerklärlichen Voreingenommenheit das, was die beiden mit ihren Ensembles und Bands machten, von Anfang bis Ende gefallen hat. Es war einfach anders als alles andere und vielleicht schon aus diesem Grund anarchistisch. Sie haben immer Schwerstarbeit auf der Bühne geleistet und es dabei immer so aussehen lassen, als ginge das leicht und lässig, abgesehen davon, dass sie irgendwann getrennte Wege gingen, so dass Wenzel der Clown, der er eben auch war, abhanden kam, allein konnte er, glaube ich, kein Clown sein, der große Clown, Wenzel, brauchte den kleinen Clown, Mensching, und der kleine den großen. Wenzel konnte auch ernste und traurige Lieder im Clownskostüm singen, es schadete den Liedern nicht, ihm Gegenteil, es gab ihnen noch eine Extraportion Anarchie dazu. Allein war er dann Poet, Sänger, Instrumentalist, Schauspieler, Anarchist, aber eben nicht mehr Clown, was ich sehr bedauerte, weil da eine wichtige Seite fehlte.

New Generation Mascha, Karla und Theo plus Gitarristen

New Generation Mascha, Karla und Theo plus Gitarristen

An diesem Tag, dem 31. Juli, wurde er 60 und gab sein Geburtstagskonzert zusammen mit seiner Band und einigen Künstlerfreunden. Er kam allein auf die Bühne, griff sich das Akkordeon und legte los. Der Mann, der in diesen Momenten sechzig wurde, hat das unbezahlbare Talent einer leichten wie selbstverständlichen Bühnenexistenz. Du siehst, dass die Leute auf der Bühne sich wohl fühlen, und du, im Zuschauersaal, fühlst dich auch wohl, du gehörst fast dazu und wartest nicht umsonst darauf, dass Wenzel einige seiner charmanten Unverschämtheiten von sich gibt, dass er den Prenzlauer Berg, wie er war, adelt oder Europa, wie es gerade wird, mit Stirnrunzeln betrachtet. Er nimmt seine drei Kinder mit auf die Bühne (das jüngste ist fünf) und jedes hat etwas beizutragen, am eindrücklichsten natürlich Karla, die Älteste, und am rührendsten Mascha, wenn sie das Lied von der kleinen Insel singt. Wenzel ist auch ein großer Katzenfreund, aber so weit hat er es noch nicht getrieben, dass er auch die Katzenfamilie mit auf die Bühne nimmt, obwohl er absurde Geschichten über sie erzählen kann (seinen Landkater musste er persönlich sexuell aufklären). Ob er auf der Bühne steht oder an seinem Gartentisch in Vorpommern sitzt, er ist der Fürst in seinem Reich (Capote über Brando), die Sätze fallen ihm zu, er schert sich nicht darum, dass sie ungerecht sind, wenn er gerechte Sätze sprechen wollte, würden sie schlapp werden, er sagte: In diesen Städten hast du keine Chance. Damals meinte er Zwickau, aber er spielte auch in vielen anderen Städten, in denen er keine Chance hatte, und er hat sie immer genutzt. Wenn ich etwas an Wenzel auszusetzen hätte, dann wäre das die Theorielastigkeit seiner Interviews, aber auf der Bühne ist von dieser Last nichts zu spüren. Die Theorielastigkeit, die sich plötzlich in nichts auflöst, gehört mit dazu, dass ich denke: Dieser Wenzel mit seiner witzigen Melancholie ist eigentlich unentschlüsselbar.

Orden um Orden, Zahn um Zahn. Wenzel und Mensching als Clowns Weh und Meh

Orden um Orden, Zahn um Zahn. Wenzel und Mensching als Clowns Weh und Meh

Er hat eine gute Band, die naturgemäß etwas gegen die Textverständlichkeit anarbeitet, aber der Geist der Songs überträgt sich doch, weil ein Lied bekanntlich immer Redundanz hat. (Ein Lied ist alles, was allein laufen kann.) Auf der Bühne ging es manchmal zu wie in einem Traum oder wie in Phantasiestücken von E. T. A. Hoffmann. Musiker sind sonderbare Gestalten, ich denke an die schöne singende Riesin im schwarzen Gewand oder an den Akkordeonisten, der weiß, wie man die Instrumente richtig halten muss. Wenzels Lieder sind atmosphärisch, poetisch, ironisch, polemisch. Balladesk eher selten. Sie haben keine Helden, nur das lyrische, zweifelnde Ich und die mehr oder minder ferne Geliebte. Typisch für ihn ist „An mich, nachts” mit der Refrainzeile: „Ich habe mir für morgen so viel vorgenommen”, kann aber nicht schlafen, verdammt. Am Ende trafen sich die Wege von Wenzel und Mensching nach all den Jahren noch einmal. Sie zogen die alten schäbigen Klamotten an, die immer noch nicht auseinander gefallen sind (und auch noch passten) (( und nicht weggeworfen wurden)), sie spielten die Ordensverleihung und die Pikoeisenbahn-Szene, und alle, die diese Stücke von früher kannten, sagten mit Tränen in den Augen: Wie schön, dass wir das noch einmal erleben durften.

Zettelwirtschaft

Berlin-Wedding. Zettels Traum und Albtraum © Christian Brachwitz

Berlin-Wedding. Zettels Traum und Albtraum
© Christian Brachwitz

Der Baum trägt Laub, der Mast trägt Zettel. Das gelbe DHL-Auto hat bei mir ein gutes Image. Das kommt immer mal wieder vorbei mit einem kommunikativen Fahrer. Und wenn man partout keinen hat, der einem ein Paket schickt, begibt man sich ins Netz und schickt sich selber ein Paket. Ich weiß aus Erfahrung, dass man sich über solche Eigenpakete kaum weniger freut als über überraschende Sendungen, denn es ist in einem Eigenpaket halt immer was drin, das man wirklich haben will. Eine DVD, ein Buch, sechs Flaschen Wein aus Spanien. Wenn es sich um ein Paket mit zwölf oder achtzehn Flaschen Wein handelt, fangen die Fahrer auf eine gutmütige Weise an zu spotten. Wir sind ja alle Säufer irgendwie.

Aber das wesentliche hier ist der Mast mit seiner Zettelbelaubung. Berlin ist eine Zettelstadt. Auf Grund eines solchen Zettels habe ich vor ein paar Jahren meinen Tischtennisverein gefunden. Zettel konfrontieren uns mit herzzerreißenden Klagen über verloren gegangene Tiere, besonders Katzen und Wellensittiche. Da kann man ermessen, wie sehr ein Menschenleben an einem Tier hängen kann. Und wie schwer die Einsamkeit wiegt: „Rentner, leicht gehbehindert, sucht liebe Frau.” Alarmierende Zettel lesen wir, wenn ein Handy verloren gegangen ist. Der Verlust eines Handys kann noch einschneidender sein als der Verlust eines Haustiers. Ein Jazz-Chor sucht Mitglieder, besonders Männer (weil: Frauen hat er genug, der Chor), junge, hilfsbereite Familien suchen eine Wohnung mit Garten. In einer Kneipe im Kreis Havelberg hing dieser Zettel: „Auf Beschluss-Nr. 41/40/V/72 des Rates der Gemeinde erhält der Bürger Erich Hendrich vom 1. März 1972 bis 1. März 1973 Gaststättenverbot. Zum Empfang einer warmen Mittagsmahlzeit ist der Bürger Hendrich berechtigt die Gaststätte kurzfristig zu betreten.”

Damals war ich wehrpflichtiger Soldat und sah, dass es auch andere Menschen schwer hatten im Leben.

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Männer und Frauen, nein, Frauen und Männer

© Fritz-Jochen Kopka

Ein modernes Frauenbild setzt sich durch; hier und da.

Es war Thomas Steffens durchaus bewusst, dass er verheiratet war. Aber seine Frau wohnte in Hamburg, und er wohnte in Würzburg, es war ihm nicht gelungen, eine Stelle in Hamburg zu ergattern, und es würde ihm auch weiterhin nicht gelingen. Wenn er seine Frau in Hamburg besuchte, gefiel ihm das nicht besonders, außerdem war es strapaziös, und wenn sie ihn in Würzburg besuchte, gefiel ihm das auch nicht, aber es war weniger strapaziös, die Fahrerei entfiel, wobei es weniger um das Fahren an sich ging als um die vielen verlorenen Stunden. Steffens war ein Mensch, der viel Zeit für sich benötigte; er war gern langsam.

Manchmal vergesse ich, dass ich verheiratet bin.

Manchmal vergaß Steffens, dass er verheiratet war.

Ich bin ja verheiratet. Ich hatte es nur gerade wieder vergessen. Meine Frau wohnt in Hamburg, ich wohne in Würzburg. Dazwischen ist eine große Leere, dazwischen ist einfach nichts. Wenn ich sie sehen will, muss ich mir ein Bild anschauen, wenn ich sie lieben will, muss ich hinfahren, es dauert ein paar Stunden hin, es dauert ein paar Stunden zurück, ich finde in Hamburg einfach keine Stelle, sie findet in Würzburg keine Stelle, wobei ihre  Stelle in Hamburg sowieso die bessere, besser bezahlte und sicherere ist. Sicherheit ist das Wichtigste in dieser Zeit. Meine Freunde sagen, wir passen nicht zusammen.

*

Ehepaare als Landplagen, wie kommt das bloß? Sie tragen ihr schwieriges Binnenklima nach draußen.

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Kleingärtnerehepaare tragen erdfarbene Kleidung. Auch die Haare sind erdfarben. Mindestens dreimal knallen die Autotüren, meistens aber sechs- bis achtmal, wenn sie ankommen, unsere Straßen vollstellen und ihren Kleingarten aufsuchen. In unserer kleinen Straße wiegt das Knallen der Autotüren schwer, es schreckt uns auf.

Der Kleingärtner hat sich seine Haltung durch das ewige Bücken und Herumkriechen auf dem Erdboden verdorben. Er kann sich nach all der Bückerei nicht mehr richtig aufrichten oder es ist ihm einfach zu umständlich.

Jüngere Kleingärtner sind in der Minderzahl. Mir fallen hier erst einmal nur der Afroblonde mit dem Damenfahrrad und der Macho mit den Strähnchen ein. Diese jüngeren Kleingärtner zeichnen sich dadurch aus, dass sie massenhaft Material und Lebensmittel mitbringen. Man fragt sich oder konkret frage ich mich, wie sie das alles in einem Kleingarten unterzubringen vermögen. Sie kommen und holen erst einmal die Schubkarre aus dem Garten und dann laden sie aus.  Der Kleingarten als Stützpunkt für alles Mögliche. Zuhause halten wir es zusammen nicht mehr aus, wohl aber im Kleingarten. Großwelt und Kleinwelt. Wenn die Großwelt unterzugehen droht, ziehen wir uns zurück in die Kleinwelt. Der Macho mit den Strähnchen lässt übrigens seine kleine, magere, aber zähe Frau (ich schätze, er wiegt doppelt so viel wie sie) schleppen. Er selbst schwingt sich eine leichte Reisetasche über die Schulter. Sie trägt vier schwere Teile, schwankt und wankt, das kümmert ihn nicht.

Wer seinen Partner verliert, gibt den Garten ab. Allein ist ein Garten nicht auszuhalten. Oder man findet einen neuen Partner, zum Beispiel den Alkohol. Im Kleingarten Seite an Seite mit dem Alkohol, das geht auch.

Ärztin und Hauptkommissar:

Ihre Leber sieht gut aus.

Ich trinke nicht.

Rauchen?

Nein, auf keinen Fall. Nichtraucher.

Treiben Sie Sport?

Auch nicht. Um Himmels willen.

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In der Regel finden Frauen, dass ich mir zu oft die Hände reibe. Was soll denn so schlimm daran sein!

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In den schweren Zeiten teilte die Katze mit ihm die Einsamkeit. Sie wartete auf ihn und freute sich, wenn er kam. Ein Lebewesen mit glänzendem Fell. Treuer als alle Menschen. Das vergaß er ihr nie. Er fühlte mit ihr mit, sie war ihm näher als Menschen.

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Alleinerziehende Frau mit Hund. Sie hatte kein Kindermädchen, aber ein Hundemädchen.

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Der Neid der Frauen auf die Männer, weil Männer jeden Tag dasselbe anziehen können, ohne jenseits der guten Gesellschaft zu stehen, während sie, die Frauen, jeden Morgen faustische Zweifel wälzen, was zieh ich an, ich hab nichts anzuziehen, ehe sie, immer noch schwankend, in die Röcke springen  können.

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So ein Mann macht doch viel Dreck im Haus, sagte sie.

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Sarahs Tagebuch

Düstere Tage zwischen Land und Wasser

Düstere Tage zwischen Land und Wasser

Wieder mal ein Tagebuch von Sarah Kirsch, „Märzveilchen”, DVA. Die Landbewohnerin, die sich nicht mehr vorstellen kann, in der Stadt zu wohnen. Viel umgebende Natur. Das Haus, in dem sie wohnt, Maxe, der Sohn, die Katzen, die Nachtspeicheröfen. Verspielte Sprache, Veräppeln der Grammatik. Aversionen gegen Lebende, besonders, wenn sie aus dem Osten kommen. Filme gefallen der Dichterin oft (Eric Rohmer, Landschafts- und Naturfilme). Zivilisations- und Kulturbetriebsverdruss. Januar ist Jaguar, Februar Zebra, März Nerz. Montag ist Mohntach, Mittwoch Mistwoch, Donnerstag Donner. Kein Wort, keine Regel ist vor Sarah sicher. Kein Kollege. Sie teilt die Welt in Feinde (viele) und Freunde (einige). Die Feinde finden keine Gnade vor ihren Augen, die Freunde keinen Makel. Ungerecht ist das fast immer. Spaziergänge, Haus- und Gartenarbeit. Fatalität. Wie gut, dass alles kam, wie es kam, und ist, wie es ist (ganz meine Meinung übrigens). Gelesen und eine Nadel gestrickt, so gehen die Tage. „Zu dieser Jahreszeit und wenn die Bäume noch kahl sint, da fliegen die Krähen, die hier angestammt sind, wie Rochen ums Haus. Und die Weidenkätzchen sind fett. Wir sitzen in Watte, ringsherum soll Sonnenschein sein”, schreibt die Landfrau im März, Verzeihung, Nerz. Gelassenheit und Leidenschaft. 750 Seiten in schlechter Sprache, zu einem Buch, das „Bildverlust” heißt. Oder dies: „ Hab nun ach! Die Interpretazione zu meine Schwarze Bohnen von M.R.-Ranicki zugeschickt bekommen, alles ganz wacker aber nicht gut. Er ist dermaßen ein Realist dass ihm die höhere Witterung abgeht. Wo es bei mir heißt „Nachmittags setze ich den zermahlnen Kaffee/Rückwärts zusammen schöne/Schwarze Bohnen” da schreibt er. „was sie möchte, ist unmöglich, zermahlene Bohnen lassen sich nicht wieder zusammensetzen…” Das zeugt nicht von Kompetenz! Ich setze sie zusammen, und zwar rückwärts, basta! Ich kann mich nur wundern!” Die Dichterin selbst wird auch nicht geschont. „ Kamen Rezensionen zu Schwanenliebe. Je kleener die Zeitung, desto schärfer die Verrisse. Besonders die aus dem Osten… Herr Heise der Großkünstler aus Kiel hat mir ooch verrissen.” Stürmische Tage? „ Die Katzen dürfen den ganzen Tag in den Betten liegen.” Und wenn man draußen war in den großen Städten: „… also das ist nicht meine Welt. Literatur im Foyer gut überstanden, aber diess mach ich nicht wieder, basta.” Es ist eine Lust, diese desillusionierte Prosa zu lesen und zu sehen, wie die Einfälle blitzen.