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Archive for März 2012

Der Rösler und die Schlecker-Frau

Wo Schlecker war oder Die Furie des Verschwindens

Wo Schlecker war oder Die Furie des Verschwindens

Deutschland hat ein neues tragisches Idol. Die Schlecker-Frau. Jahre-, jahrzehntelang ist sie schlecht bezahlt, belauert, ausgebeutet, unterdrückt worden, hat dennoch unter schlechten Bedingungen auf engen Flächen gern und tüchtig gearbeitet. Nun wird die trübe Filiale der unverdrossenen Schlecker-Frau geschlossen. Sie steht buchstäblich „vor Tatsachen” sprich auf der Straße. Eine Auffanggesellschaft, die große Zwischen-Hoffnung der Schlecker-Frau, kommt wegen des ordnungspoltischen Anspruchs und des wirtschaftspolitischen Sachverstands der untergehenden und um ihren Nachruhm besorgten FDP nicht zustande. Parteichef Rösler, besser bekannt als Hans im Glück oder Frosch im Glas, bringt dennoch die Kraft auf, der Schlecker-Frau Mut zu machen. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist für leidensfähige Verkäuferinnen gut. Es gelte nun für die Schlecker-Frau, „schnellstmöglich eine Anschlussverwendung zu finden”. Der Rösler ist doch immer wieder für eine originelle Formulierung und einen unauffälligen Humanismus gut. Die Schlecker-Frau arbeitet nicht, sie wird – wenn das Glück ihr hold ist – anschlussverwendet. Und wenn das Glück ihm hold ist, wird sich auch der Rösler im Falle eines Falles schnellstmöglich um eine Anschlussversorgung, äh, -verwendung bemühen. Und in seiner, der politischen Klasse stehen die Chancen ausgesprochen gut.

Die Thriller von heute sind die Märchen von gestern

Überall Kintopp. Hinterhof. Rosenthaler Straße. Berlin-Mitte.

Überall Kintopp. Hinterhof. Rosenthaler Straße. Berlin-Mitte.

Normal sehe ich mir einen Thriller wie „Headhunters” nicht an, aber wir sind zu dritt und müssen uns einigen, da kommt man dann auf einen Film, den keiner wirklich will. Und schon ist man Teil dieses Publikums mit Popcorn, Tütenknistern, Knien, die sich in deinen Rücken bohren, und Witzigseinwollen. Publikum, das durch die Detonationen und Atemlosigkeiten der Werbespots, die für mich ein kleiner Krieg sind, unerschütterlich hindurchgeht. Ich empfinde diesen Lärm, diese Hysterie als Bedrohung und bin irgendwie neben mir. Früher hat man sich auf die Trailer kommender Filme gefreut, aber da sieht man heute auch nur Effekte und Abartigkeiten, es kommt mir so vor, als ginge es immer um Außerirdische und Robotermenschen. In welcher Welt befinden sich Leute, die sich diese Filme freiwillig ansehen. Okay, ich weiß schon, es sind die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm von heute. Für die muss man andere Augen und Ohren und überhaupt Sinne haben, als sie bei mir ausgebildet sind. Ich meine, ich bin keine Mimose und auch nicht besonders schreckhaft, aber ich glaube das Recht zu haben, mich inmitten dieser schlecht motivierten Weltuntergänge unwohl zu fühlen. Warum macht man das.

Der, ich sag mal, Hauptfilm zeigt zunächst die sterile Welt der Reichen oder anders: Er zeigt die Welt der Reichen steril, weil, man kennt sie nicht wirklich, die Welt der Reichen, und die Reichen werden sie nicht so zum Angrapschen und Anglotzen hergeben. Überall steht irgendwas wertvolles Wesenloses herum. Und die Typen führen stahlharte Dialoge. Sie tragen diese bekannten kosmopolitischen Kunst(honig)-Namen. Roger Brown und Clas Greve. Oh Mann. (Der Film kommt aus Norwegen, basiert auf einem Roman von Jo Nesbö und versucht, an den Welterfolg der Milleniumsfilme anzudocken.)

Roger Brown ist nur 1,68 groß und darum umso ehrgeiziger. Er ist der beste Headhunter, wie er findet, und klaut Gemälde, um Lebensstil und Gattin zu finanzieren, aber auch aus Freude daran, andere Leute zu linken. Das Spektakel kippt, als das Handy seiner Frau, Diana, zu seinem Entsetzen im Schlafzimmer seines Feinds Clas Greve klingelt, als  der böse Roger gerade dabei ist, Greve einen Rubens zu klauen und kurz mal Diana anrufen. In diesem Moment dreht sich das Leben des Headhunters. Er wird vom Täter zum Opfer, vom Jäger zum Gejagten, vom Topmanager zum Todeskandidaten. Um sein Leben zu retten, muss er buchstäblich in der Scheiße untertauchen und durch eine Klopapierrolle Luft holen. Ich sehe, wie meine Tochter Emilia sich ekelt und des öfteren zusammenzuckt. Ich sehe ebenso, wie meine Tochter Julia sich ständig vor Lachen schüttelt, und damit der Rentnerin an ihrer Seite den schönen Schauder versaut.

Roger Brown sieht plötzlich wie Klaus Kinski aus. Er ist eine Art Jesus auf dem Weg nach Golgatha.  Er kann nur die nackte Haut retten, aber auch das ist nicht genug. Er muss sich auch noch die Haare abrasieren, weil die mit einem Ortungsgel präpariert sind und zerschneidet sich dabei den Schädel. Monstermäßig sieht er aus, und am Ende zeigt sich, dass es sein Fehler war, nicht an Dianas Liebe zu glauben. Die hätte auch ohne die große Kohle zu ihm gestanden. Banal, wa?

Auch der Film besteht letztlich aus lauter Werbespots. Werbung dafür, das große Geld zu machen. Werbung dafür, sich ein Image zu verschaffen. Werbung für den Überlebenswillen. Werbung für die Überwindung des Ekels (siehe Dschungel). Werbung dafür, die nackte Haut zu retten. Werbung dafür, noch als Loser ein Sieger zu sein.

Wir trinken zwei Bier und zwei Radler und sind zufrieden, dass wir uns konkret in Berlin-Mitte befinden. Oder noch besser: Berlin Alexanderplatz. Unsere Haut ist schon gerettet.

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Reden über den Redner

Adler über den Wipfeln der Republik

Adler über den Wipfeln der Republik

Ich rede hier nicht über den Bundespräsidenten Gauck, ich rede über die Medien, die über Gauck reden. Euphorisch sind sie überwiegend, die Leitartikler und Berichterstatter. Es ist eher ein Singen als ein Reden, mit dem sie Gauck bedenken. Die Hymniker sind angetreten, um den Monothematiker noch einmal zu erhöhen und noch einmal. In der  FAZ vom Sonnabend sind in der Kommentarspalte zwei Hymniker am Jubeln, der Mann auf der Aufschlagseite des Feuilletons bemüht sich wenigstens noch um etwas Bodenhaftung. Fluch der guten Tat: Damit macht er sich extra lächerlich. Der Autor Kaube geht auf Aristoteles zurück, um das Phänomen Gauck zu deuten. Es sei „der Ton” gewesen, der die Rede des Bundespräsidenten so erfreulich machte: „ungestelzt, ausgeglichen, selbst im Pathos unterorchestriert”. Verdammt, wo habe ich da meine Ohren gehabt! Oder wo hatte der Autor Kaube sie? „Wir hörten jemanden”, sagt er, „der gern spricht, aber nicht, weil er gern verbal fuchtelt.” Sondern? Darauf geht Kaube nicht ein. Dann ergänze ich: … weil er sich gern reden hört. Autor Kohler auf Seite 1 attestiert dem Monothematiker Gauck, dass er noch ein weiteres Thema entdeckt hat: Mut. Gauck habe unentwegt, auch unausgesprochen, aufgerufen: „Habt Mut!” Bitte doch sehr. So stelle ich mir Freiheit nicht gerade vor, dass ich unablässig zu Verhaltensweisen genötigt werde, die mir erstens nicht fremd sind und über die ich zweitens schon gern selbst verfügen würde. „Gauck selbst brachte den Mut auf, nicht nur von Schuld und Schatten zu reden, sondern vor allem von den ›kostbaren Gütern‹ der deutschen Nachkriegsgeschichte.” Damit dieser Mut aber nicht Übermut werde, bestehe Gauck lediglich auf „Paradigmenergänzung” und nicht gleich auf einen Revisionismus der Erinnerungskultur. Co-Kommentator (oder –Hymniker) von Altenbockum befindet: „Die Freiheit, die Gauck predigt, ist … alles andere als alltäglich.” Alles andere als alltäglich und sehr allgemein. In dieser allgemeinen und undurchdachten Form nicht hilfreich. Die Frage, die nicht gestellt wird, ist: Denkt Gauck wirklich so undifferenziert oder bedient er sich nur einer geglaubt zugkräftigen Formelhaftigkeit, weil er meint, dass sie seinen Zuhörern, den westdeutschen vornehmlich, wie es scheint, behagt? Nebenher attestiert von Altenbockum den Osteuropäern und mithin Ostdeutschen, dass sie „Insassen einer sowjetischen Anstalt” waren.

Das Beste zum Schluss. „Die Welt” setzt keinen Hymniker, sondern einen lyrisch begabten Schnulzensänger ein: „Joachim Gauck versteht es, wie ein Ehrfurcht gebietender Adler mit weiten Schwingen über den Wipfeln dieser Republik zu fliegen.” Geht’s noch, Freunde? Wie wär’s, wenn ihr den Kollegen für ein halbes Jahr an den Kopierer setztet? Damit er zu sich kommt? Oder soll das Kabarett sein?

Der Fußball und das Nichts

Is mir zuviel Fußball, muss ich mir anhören von einem Leser des Blogs. Hart, aber wahr. Zuviel über Fußball reden ist eine Charakterschwäche von Männern. Man redet über Fußball und stellt irgendwann fest, dass man über nichts redet. Oder immer über dasselbe.

Uli Hoeneß ist der Zeit schon 18 Tage voraus. „Wenn wir in Dortmund gewinnen, werden wir Meister.” Wen interessiert das eigentlich? Diese Bedingung einer Behauptung einer Unklarheit oder wie man das nennen soll. Wird da schon wieder im Wald gepfiffen? Es soll Taktik im Titelkampf sein. „Das ist ein Zermürbungskampf, in dem man immer wieder Nadelstiche setzen muss. Irgendwann wird das wirken.” Nicht sympathisch, was Hoeneß da sagt. Außerdem gedankenlos. Er bedenkt nicht, dass Dortmunds Trainer Klopp zu intelligent und zu cool ist, um sich von solchen Nebelkerzen einhüllen zu lassen. Wahr ist: Fußball ist eine Geschichte vieler Unwägbarkeiten. Dortmund kann gegen die Bayern gewinnen und trotzdem nicht Meister werden, wenn sie gegen einige Abstiegskandidaten nur unentschieden spielen. Das Wägbare sind die dumpfen Verbalattacken von Hoeneß und Co. Und das ist der Punkt, wo man über nichts redet, wenn man über Fußball redet.

Ein großer Ärger schwingt unausgesprochen mit. Die Bayern zeigen sich seit Jahren ausgesprochen einfallslos und kleinmütig in der Trainersuche. Es muss immer ein großer Name sein, am besten einer mit Weltruf, dessen man sich in München bedient. Den Mut, Jürgen Klopp aus Mainz zu holen, hatte man nicht. Den hatte die Borussia aus Dortmund. Die Bayern riskieren lieber eine dicke Lippe, als eine komplizierte Personalie mit Zukunft umzusetzen.

Zeugen zur Nachbarschaft

Der Künstler gibt Auskunft

Der Künstler gibt Auskunft

In Nachbarschaften wie dieser werden viele signifikante deutsche Vornamen im Munde geführt, Herbert, Hilde, Helga und Horst, Friedel und Lothar, Irmgard und Ilse, Erna und Günter. Irgendwie neige ich dazu, diese Vornamen für kleine Reime zu missbrauchen („In deinem Alter, Walter!”, „Bist du im Bilde, Hilde?”, „Doch nicht im Winter, Günter!”) oder sie, die Vornamen, anderweitig zu verhunzen. Ich weiß, verdammt noch mal, nicht warum. Hinzu kommt, aber das ist ein philosophisches Problem, dass Günter ja nicht Günter ist, sondern ein Mensch, der, aus Gründen der Unterscheidbarkeit, nur als Günter eingetragen wurde. Man müsste also alle diese Namen in Anführungsstriche setzen. Manchmal tue ich das auch und komme mir dabei entweder witzig oder tiefsinnig vor.

Im Winter zeigen diese Leute, dass der biologische Faktor im Menschen den gesellschaftlichen Faktor dominiert. Man sieht sie nicht. Sie halten Winterschlaf wie die Tiere. Im Sommer hingegen ist ihre Präsenz überwältigend.  Sie haben alle ihre guten Eigenschaften, die Nachbarn, ich erwähne nur die interessanten. Sie sind nicht auf den Mund gefallen. Manchmal wunderte ich mich, wie viel sie zu erzählen haben, bis ich feststellte, dass sie alles drei oder vier Mal sagen. Jeder hilft jedem. Da ist der alte Dozent, den man morgens oft beim Selbststudium der Bildzeitung beobachten kann (wir nennen ihn ehrfürchtig den Schriftgelehrten). Danach beobachten wir ihn beim Erholungsschlaf, der gleichzeitig ein Vertiefungsschlaf ist (Vertiefung der gewonnenen Einsichten). Nachmittags und abends trifft sich der Schriftgelehrte mit ausgewählten Nachbarn zum Round-Table-Talk mit Bierchen und Tierchen. Nun verbreitet er in populärer Form, was er des Morgens bei Bild dechiffriert hat. In dieser Nachbarschaft sind immer alle auf der Höhe der Situation. Den sonst so geläufigen politikmüden oder unpolitischen Bürger findet man bei uns nicht. Never. Es gibt ja viele evaluierte Ostwissenschaftler, die nach der Wende in den Sog eines Bedeutungsverlustes gerieten, weil sie für ihre Ausführungen einfach kein geneigtes Ohr mehr fanden. Hier haben wir nun ein positives Beispiel dafür, wie man sich eine neue Zuhörerschaft und damit auch eine neue Bedeutung verschaffen kann.

Häuser gehen und kommen. Werden abgerissen und neu aufgebaut. Größer, moderner, technischer. Auch die Leute, die dort einziehen, sind größer, moderner, technischer. Der Mann geht zum Rauchen vor’s Haus, die Frau zum Telefonieren. Kann das gut gehen? Jetzt haben sie einen Hund angeschafft. Der Hund springt freudig erregt an dem Kind hoch, wenn der Mann es vom Kindergarten abgeholt hat. Die Familie scheint nach den Ausweglosigkeiten der Bauphase wieder zueinander zu finden. Der Hund spielt dabei keine unwesentliche Rolle.

Manche Männer wirken auf ihren Fahrrädern wie Untote. So unbeweglich und mit einem so abgewandten Gesicht. Kaum, dass sie in die Pedale treten. Nicht sie fahren Fahrrad, das Fahrrad fährt sie. Die Unebenheiten der Straße nehmen sie regungslos hin. Ein Ziel oder einen Willen besitzen sie nicht. Sie befinden sich in einer Art Vorhimmel.

Hin und wieder ereignen sich kleine Epidemien. Im vorletzten Jahr wurden viele Dächer neu eingedeckt, im letzten einige Bäume gefällt, Nadelbäume natürlich. Aus einer hohen Kiefer entstand, zwei Meter hoch, die Skulptur eines Greifvogels, ausgeführt von einem Kettensägenkünstler. Dass es eine international weit verzweigte Gemeinschaft von Kettensägenkünstlern gibt (Skandinavien soll führend sein), die sich auch zu Wettbewerben treffen, war mir bis dahin unbekannt. Die Skulptur des Greifvogels ist nun neben der Trabrennbahn die Hauptattraktion unseres Wohngebiets. Leute bleiben stehen mit offenem Mund. Das Volk liebt die Kunst, hiermit ist es bewiesen. Ich höre nur positive Urteile, sagt der Eigentümer zufrieden, auch wenn es nervt, ständig Rede und Antwort stehen zu müssen. Er muss nun nicht alles vier, sondern zwanzig Mal sagen. Was macht das schon. Irgendwann werden sich doch alle an den kettensägengeborenen Vogel gewöhnt haben.

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Ich melde ein Patent an

Der Erfinder im Selbstversuch

Der Erfinder im Selbstversuch

Was machen die Mode(hinterher)läufer, wenn jetzt die Sonne wieder verstärkt in Erscheinung tritt? Sind sie in der Lage, auf die Brille als chice Kopfbedeckung zu verzichten, um sie als Sonnenschutz der Augen zu verwenden?  Was wird dann aus ihrem modischen Chic? Stehen sie dann außerhalb der modischen Elite? An diesem Punkt setzt mein Geschäftsmodell „Doppelsonne”  (für den Weltmarkt: „Twin-Sunglasses”) an. Ich entwickle eine doppelte Sonnenbrille, die beides gleichzeitig leistet: den modischen Effekt auf dem Haupthaar  und den Schutz der Augen. Die Idee ist so einfach wie genial. Die Verknüpfung zweier Sonnenbrillen bietet jede Menge Synergien. Nicht nur, dass nunmehr die Augen geschützt sind und der Kopf des modischen Charmes nicht entsagen muss. Die Doppelbrille bietet verblüffende optische Effekte. Der moderne Mensch erscheint wie ein Wesen, das seine Augen gleichsam überall hat. Sie wirft aber auch Fragen auf, die intelligente Lösungen harren. Welche Brille passt zu welcher Brille? Nach welchem Prinzip gehen wir vor? Gleich und gleich gesellt sich gern? Oder: Gegensätze ziehen sich an? Bunt und schlicht? Oder bunt und bunt? Große Gläser, kleine Gläser? Die Designer dürfen sich freuen. Und die Endabnehmer erst recht.

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Vom Torwart nicht zu reden

118 Minuten mussten wir ausharren, bis sich das Drama ereignete. Kurz vor dem Elfmeterschießen zwischen Greuther Fürth und Borussia Dortmund im DFB-Halbfinale wechselt Mike Büskens für den vortrefflichen Torwart Max Grün den Ersatztorhüter Jasmin Fejzic ein. Der soll im Training ein wahrer Elfmeterkiller und auch ein guter Schütze sein, hat aber in dieser Saison noch kein Ligaspiel gemacht. 118. Minute. In der 119. Minute zieht der eingewechselte Dortmunder Ilkay Gündogan von der Strafraumgrenze ab. Fejzic sieht den Ball spät, hechtet in die Ecke, ehe er dort ankommt, klatscht der Ball gegen den Pfosten, von da auf den Rücken des gerade gelandeten Fejzic und vom Rücken des Torwarts, der uns allen darin gleicht, dass er hinten keine Augen hat, ins Tor. 1:0 Dortmund. Das Spiel wird gar nicht mehr angepfiffen. Schluss. Dortmund ist im Finale. Die famosen Fürther sind draußen und deutlich unter Wert geschlagen. Fassungslos, wütend, den Tränen nah.

Wie soll man bewerten, was da geschah? Das ist Fußball, sagen die Leute. Mag sein, aber es ist doch wohl eher selten, dass Fußball so ist, oder?

Ich denke, man kann auch manchmal zu viel tun, man kann auch manchmal zu schlau sein. In der 118. Minute bereits das Elfmeterschießen gestalten zu wollen, ist wohl vorauseilender Scharfsinn, der einem leicht auf die Füsse oder eben auf den Rücken fallen kann. Vielleicht wäre Max Grün gar nicht mehr in die Ecke gesprungen nach fast zwei Stunden Spielzeit. Dann wäre da kein Rücken gewesen, von dem aus der Ball ins Tor hätte prallen können. Vielleicht wäre er gar nicht so schnell dorthin gekommen wie ein frischer Mann von 1,98 m Körpergröße. Für solche Mutmaßungen fehlte Trainer Büskens am Ende verständlicherweise die Toleranz. Gleichviel. Etwas von einer tragischen Figur hat er schon, vom Torwart nicht zu reden.