Archiv

Posts Tagged ‘Hunde’

Bye, bye Jamaika

Die Hunde hierzulande leiden nicht mehr

Ich habe gelitten wie eine Hündin, sagt Katrin Göring-Eckardt vorbildlich korrekt über ihre Gefühle während der Sondierungsgespräche. Da bekommt man gleich noch einen Hinweis, warum diese Gespräche scheitern mussten. Die pingelige Art, sich auszudrücken und wahrscheinlich auch die Welt zu sehen. Da müssen Redewendungen umgetextet werden, damit ja keiner auf die Idee kommt, eine Grüne verletzte das feministische Fairplay. Leiden wie ein Hund – da ist das Geschlecht überhaupt nicht angesprochen. Man könnte auch sagen: leiden wir ein Tier. Katrin Göring-Eckardt würden dann sicher sagen: Ich habe gelitten wie eine Tierin. Sie denkt übrigens beim Verwenden dieser Redewendung auch nicht daran, dass dieser Satz total veraltet ist. Heutzutage leiden die Hunde (und die Hündinnen) am wenigsten. Sie werden vielmehr verwöhnt. Da kann mancher Mensch nur von träumen.

Und die SPD ist nach dem Scheitern von Jamaika angeblich in der Klemme. Nach der Wahlpleite hat sich die Partei mit großer Geste von der großen Koalition verabschiedet und alle haben gejubelt. Richtig so. Aber nun, wo eine Minderheiten-Merkel oder gar Neuwahlen drohen, soll die SPD sich nicht so haben, nicht nur an sich denken und schnell mal umfallen. Verantwortung zeigen. Und die Partei schwankt. Wie sie sich auch entscheidet: Der Wähler wird es nicht honorieren. Dabei ist die Sache einfach. Wenn es um das Land geht, könnte die Partei sagen, werden wir uns nicht verweigern. Aber bitte mit frischem Personal. Angela Merkel hat genug geleistet. Ihre Ära dürfen wir nicht verlängern.

Und schon läge der Ball wieder im Feld der CDU.

Liebe Nachbarn, böse Nachbarn

Sensationen in der Nachbarschaft

Im Supermarkt stehen Frauen in Zweiergruppen und reden vom großen Regen. Es strömte von allen Seiten in den Keller, wir waren alle unten und haben geschöpft und geschöpft, bis in die Nacht, die Feuchtigkeit ist sogar in einige Wohnungen gedrungen.

Im Deutschlandfunk Kultur, wie sie sich jetzt nennen, reden sie über das Thema Nachbarschaft. Wir wohnen in einer kleinen Straße mit kleinen Häusern und respektierten Zäunen, sagt ein Hörer. Dann kam der große Sturm, der machte vor den Zäunen nicht halt, einige Bäume fielen um. Wir haben uns gegenseitig geholfen, seitdem haben wir eine gute Nachbarschaft.

Ganz anders bei der Frau, die des Nachts die Strahler störten, die die Nachbarn an ihrem Haus angebracht hatten. Nachdem sie das thematisierten, durfte ihre Katze nicht mehr den Garten des Nachbarn betreten. Sie hat es der Katze gesagt, aber die Katze macht, was sie will. Ja, sagt der Experte im Studio und kann sich ein Lachen nicht verkneifen, Katzen hören nicht. Er weiß auch nicht, wie man sich da einigen soll. Vielleicht die Strahler des Nachbarn akzeptieren.

In Deutschland verzweifeln viele Leute an ihren Nachbarn. Ich bin selbst versucht, zum Hörer zu greifen. Überall spielen sich diese Dramen ab, aber bei mir ist alles bestens. Ich habe Gründe, mit meinem Nachbarn nicht mehr zu reden, ja, ich grüße ihn nicht mal mehr. Daraus folgt, dass wir uns blendend verstehen. Es gibt niemals Streit. Mehr Harmonie geht nicht. Man muss nur zu schweigen verstehen.

Es geht auch anders. Meine Nachbarin zur Linken hat ein Paket für mich in Empfang genommen. Ich hole es ab und kriege jede Menge Infos über den Hund des Hauses. Ungefragt natürlich. Der Hund hatte es im Rücken, weil er immer die Garageneinfahrt runtersprang. Deshalb wurde die mit einem Drahtzaun abgesperrt. Und die Treppe zum Eingang, nun, da wurde eine Rutsche angebaut, weil dem Hund wegen des Rückens das Treppenhinabundhinaufsteigen schwer fällt. Bauen Sie ruhig das ganze Haus um für den Hund. Erst der Hund, dann der Mensch, sage ich. Na ja. Mit dieser Interpretation ist die tüchtige Nachbarin auch nicht ganz einverstanden. Im übrigen hat sie Mühe, das Paket für mich herauszufinden. Sie hat mehrere Sendungen in Verwahrung genommen, womöglich für die ganze Straße. Da böte es sich doch an, eine Filiale der Deutschen Post in ihrem Haus einzurichten. Das wäre ein echtes Geschäftsmodell. Brächte Geld und Anerkennung.

 

The Dog of the Future

Wir tun viel für unsere Hunde, aber bei weitem nicht genug
© Fritz-Jochen Kopka

Der Hund, der mich – und auch andere Kunden (ich will nicht angeben) – stets aufgeregt begrüßte, lag apathisch in einer Ecke des Salons. Wie ein nasser Lappen, könnte man behaupten. Dabei hatte die Friseurin eben noch Ärger mit drei anderen vereinigten Hundehalterinnen bekommen, weil ihr Hund angeblich aggressiv sei und einem der fremden Hunde eine Verletzung zugefügt habe. Sie sind als Hundehalterin absolut ungeeignet!, oder so. Dabei gibt es meines Wissens keine Frau, die so tief in die Psyche eines Tieres eingedrungen ist wie meine Friseurin. Später kam auch der Mann der Friseurin, um den Hund abzuholen. Sie deutete auf mich und sagte: Er meint, unser Hund ist eine Schlaftablette. Halt mal, das habe ich nicht gesagt. Ich sagte vielmehr: Der Hund befindet sich in der Modifikation vom Abenteurer zum Philosophen. Damit war der Mann einverstanden. Wenn man uns so einen Hormonchip einsetzen würde, würden wir uns auch nicht anders verhalten, sagte er. Und: Philosoph ist gar keine schlechte Perspektive. Außerdem, fügte er hinzu, geht der Hund bei Regenwetter nicht gern raus. (Wie alle Philosophen)

Da kam mir die Idee für ein Geschäftsmodell. Es gibt alles Mögliche für Hunde, Kleidung, Signallampen, von exklusiver Verpflegung ganz zu schweigen. Aber keine Regenschirme. Regenschirme für Hunde anzufertigen dürfte keine allzu schwierige Sache sein. Man könnte sie aufmunternd bunt gestalten, und dem Hund wäre es eine Freude, bei Wind und Wetter hinauszugehen.

Und warum, frage ich, gibt es keine Handys für Hunde. Einfache Handys, in die man die Nummern ihrer Hundefreunde eingibt; sie könnten mit der Nase darauf stupsen und den Kollegen am anderen Ende anbellen, der bellt zurück und so ergibt sich ein Austausch, auf den wir Menschen ja auch nicht verzichten möchten. Sicher ist es schwieriger, ein Handy für Hunde herzustellen als einen Regenschirm, aber unmöglich sollte es nicht sein.

Hund & Katz

Berlin Alexanderplatz. Hund skated, Herrchen streicht die Gage ein © Fritz-Jochen Kopka

Berlin Alexanderplatz. Hund skated, Herrchen streicht die Gage ein
© Fritz-Jochen Kopka

Wie es kommt, dass dieser oder jener keinen Hund und auch keine Katze hält, obwohl er doch nicht bestreiten würde, tierlieb zu sein, ist einfach: Er möchte nicht dominiert werden. Einar Schleef, als er noch nicht berühmt, aber doch schon hier und da als halbes Genie bekannt war, verkehrte in Wien mit Hilde Spiel und ihrem (zweiten) Mann, der Schleef „als bedeutendster österreichischer Autor vorgestellt wird”, und wie so oft: Je bedeutender jemand ist, desto unbekannter ist sein Name. Hans Flesch-Brunningen. Er geht mit einem weißen Spitz durch den Schnee. Zu Hause putzt sich das Hündchen (himself? itself?) sauber. „Die Begegnung blieb steif”, schreibt Schleef in seinen Tagebüchern (Suhrkamp), „er spielte mit seinem Hund, der sich vor ihm auf dem Rücken wälzte, während er dessen Bauch und Geschlechtsteil betätschelte, …, läufig waren beide, Herr und Hund.” Der Hund bepinkelt sich und rächt sich an Schleef für dessen distanzierte Sicht, indem er ihm unterm Tisch in Bein oder Schuh beißt. Wie steht es mit den Katzen? Eva Hesse, die grandiose Ezra-Pound-Übersetzerin, erzählt in einem Interview mit der FAZ von ihrem Kater Pussy, „der ist auf vielen berühmten Leuten gesessen. Er hat sich breitgemacht wie ein Fladen. Von ihm habe ich gelernt, was ›besitzergreifend‹ heißt.”

Es ist so. Die Tiere übernehmen nach und nach und ohne, dass der Mensch es recht merkt, die Herrschaft. Und warum halten trotzdem so viele Menschen Hunde und Katzen? Eben darum. Weil sie, die Tiere, dominant sind. Mancher Mensch braucht das. Mancher nicht.

Macht der Gewohnheit

Die Integration der Hunde haben wir geschafft. Wobei der Anteil der Hunde dabei nicht gering einzuschätzen ist.

Die Integration der Hunde haben wir geschafft. Wobei der Anteil der Hunde an dieser Leistung  nicht gering einzuschätzen ist.

Im bereits halbdunklen Wäldchen kam eine Frau mit einer Horde Hunde auf mich, den Läufer, zu, vorneweg ein schwarzes, zotteliges Ungeheuer mit heraushängender Zunge. Bleiben Sie nicht stehen, rief die Frau, laufen Sie einfach weiter!

Mach ich doch, sagte ich.

Jut, lobte die Frau. Dieses berlinische Lob gefiel mir nicht, auch wenn ich für Lob durchaus empfänglich bin. Es war mir aus dem Mund einer Fremden zu vertraulich. Ich lass mich auf meiner Laufstrecke überhaupt nicht gerne stören.

Und wenn wir schon mal beim Laufen sind. Wie schaffen wir es, jeden Tag auf die Piste zu gehen, egal, wie wir uns fühlen, gleichgültig, wie das Wetter sich aufführt.

Ist es Willensstärke oder die Macht der Gewohnheit? Mir ist bekannt, dass die Macht der Gewohnheit einen schlechten Ruf hat und allgemein den Spießbürger erkennen lassen soll. Ich sehe das anders. Kann über die Macht der Gewohnheit viel Gutes sagen. Du lieber Himmel: Jeden Tag Willensstärke zeigen, wie soll das gehen! Aber wenn das tägliche Laufpensum einmal in Fleisch und Blut übergegangen ist, wenn wir es im Geist und in den Knochen verewigt haben, dann ist es beinah schwerer, nicht zu laufen als zu laufen. Und was haben wir davon: Wir fühlen uns fitter. Wir sagen nicht, dass unser Bauch verschwunden ist, wir sagen: Unser Sixpack trägt nicht mehr so auf wie früher. Es geht nicht um Medaillen oder Rekorde, es geht um Schadensbegrenzung, es geht um unser Spiegelbild in den Schaufensterscheiben, die Macht der Gewohnheit ist unser Verbündeter.

Hunde aus der Nachbarschaft

Lauter Nachbarn

Lauter Nachbarn

Am Fenster. Jetzt unterhalten die sich wieder über ihre Hunde. Der eine Hund schnuppert am Hintern des anderen. Dann entdeckt er die Katze und läuft auf sie zu. Die Frauen lächeln verzückt.

*

Zwei kleine Mädchen gehen mit ihrem winzigen Hund am Nachbar-Grundstück vorbei, der Hund des Hauses beginnt zu kläffen, der Winzling kläfft zurück. Komm her, Rambo, rufen die Mädchen, komm her. Wie heißt der Hund, frage ich. Rambo, sagen die Mädchen mit früher Selbstironie. Das kann nicht wahr sein, sage ich. Dieser kleine Hund?

Der kleine Hund scheint im Bell-Duell mit dem Nachbar-Hund die Oberhand zu behalten. Er trägt seinen Namen nicht zu Unrecht, sagt das eine der Mädchen mit leisem Nachdruck.

*

Na, führt Ihr Hund Sie wieder aus? Jawoll. Was soll er auch machen, wenn Sie mal müssen.

*

Vor dem Park. Das große Treffen der Hundehalter. Acht oder neun Personen. Jede möchte den anderen zeigen, wie gut er seine Bestie erzogen hat.

*

Am Fenster. Gerade seh ich eine ziemliche naturbelassene Frau mit fünf Hunden aus dem Wäldchen kommen. Vier sehr schlanke, wahrscheinlich Windhunde, an Leinen geführt und alle mit einem wärmenden Überwurf versehen. Leinenlos trottet ein kleiner, dicker Hund in großem Abstand hinterher. Niemand kümmert sich um ihn. Und eine Decke hat ihm auch niemand übergeworfen. Warum nicht? Wärmt den Außenseiter das Fett?

*

Ich bin beim Häckseln und fahre plötzlich zusammen. Ein mörderischer Krach hinter mir. Der kleine Hund von nebenan tritt als Bestie auf. Ich rufe ihn zur Ordnung und jage ihn weg. Aber kaum bleibe ich stehen, bleibt er auch stehen und glotzt mich böse an. Wenn ich weggehe, läuft er aggressiv hinter mir her. Wenn ich auf ihn zugehe, läuft er wieder weg. Er ist gleichzeitig feige und aggressiv. Ein total falsch erzogener Hund. Irgendwann taucht zwergenhaft der alte Nachbar auf, der auch Mühe hat, irgendwas bei dem Mistvieh zu erreichen. An eine Entschuldigung denkt er natürlich auch nicht.

*

Vor meinen Fenstern gab es hier eine äußerst sportive Frau. Sie hatte auch einen sportiven Mann, sie kamen zusammen aus dem Wäldchen, offenbar waren sie lange gejoggt, und nun machten sie im Gehen noch einige sehr spezielle Dehnübungen; dabei lachten sie und waren glücklich. Man sah deutlich, dass die Frau der treibende Keil war; sie war noch fröhlicher als der Mann und ihre Bewegungen waren noch dynamischer.

Jetzt ist der Mann weg, spurlos verschwunden. Die Frau geht jetzt mit einem Hund; den Sport lässt sie weg, das Gesicht ist grau und missmutig, die Haltung gebeugt. Ein Hund kann viel, aber nicht alles.

Kategorien:Deutsche Grammatik Schlagwörter: , , ,

Im Einsatz für die Frauen

Berlin Alexanderplatz. Zwei Fäulein und viele, viele Russenmützen

Berlin Alexanderplatz. Zwei Fäulein und viele, viele Russenmützen

Die deutsche Sprache weist einige Ungerechtigkeiten mit Diskriminierungspotential auf. Im Moment meine ich das Wort „Fräulein”. Nenne mir jemanden, der, äh, die so angesprochen werden möchte. Zeige mir jemanden, der das Wort verwendet und es nicht verletzend meint. Das Fräulein ist laut Duden eine unverheiratete weibliche Person. Die meisten weiblichen Personen möchten nicht unbedingt verheiratet sein, aber Fräulein wollen sie trotzdem nicht genannt werden. „Im ersten Stock wohnt ein älteres Fräulein”, vermerkt das Stilwörterbuch als Beispiel. Oder: „Gegenüber wohnen nur zwei ältere Fräulein.” Das Synonymwörterbuch erläutert: „Bei der Anrede für eine erwachsene weibliche Person sollte, unabhängig von Alter und Familienstand, immer Frau statt Fräulein gewählt werden. Die Anrede Fräulein ist nicht mehr üblich, es sei denn, die angesprochene Frau wünscht diese Bezeichnung selbst.”Das ist ja schon ein Fortschritt. „Auch als Anrede für eine Serviererin sollte Fräulein vermieden werden. Die vorgeschlagene Ausweichbezeichnung Frau Ober hat sich bisher allerdings kaum durchgesetzt”, bekennt das Wörterbuch. Ein Fräulein beklagt sich bitter, in diesem Kästner-Titel ist die ganze Zimperlichkeit enthalten. Empörend finde ich, dass es kein Gegenwort zu Fräulein gibt. Ein Herrlein beklagt sich bitter. Das wäre gerecht. Herrlein als Ausdruck für eine unverheiratete männliche Person. Im ersten Stock wohnt ein älteres Herrlein. Gibt’s aber nicht. Schreit zum Himmel. Es existiert jedoch, kann man mir entgegenhalten, das Wort Herrchen. Ja, aber nur im Zusammenhang mit Hunden. Sowas zählt nicht.

Kategorien:Deutsche Grammatik Schlagwörter: , , ,