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Archive for Oktober 2013

Jürgen Klopp, der Fatalist

Jürgen Klopp verlängert seinen Vertrag bei Borussia Dortmund bis 2018. Ein Trainer, der Begehrlichkeiten weckt. Er könnte Bundestrainer werden. Er könnte nach England, Italien, Spanien gehen. Aber nein. Er unterschreibt, lange vor der Zeit, bei Dortmund. „Bis 2018 braucht also keiner mehr anzurufen”, sagt Klopp. Für mich ist das eine schöne Nachricht aus einer Fußballwelt, in der vieles unsicher ist, wenn nur das Kapital seine Stimme erhebt. Wenn ein Mäzen sagt, ich will diesen Spieler da, oder, ich will diesen Trainer. Klopp schreibt seine Erfolgsgeschichte beim BVB fort, die ja nie eine einfache Geschichte war, wenn man nur an den Anfang denkt oder an die eigentlich unverzichtbaren Kicker, die sie ihm weggekauft haben Klammer auf So ist Fußball Klammer zu. Schön auch, dass wir bei dieser Gelegenheit erfahren, dass Klopp ein gestandener Fatalist ist. Denn was sagt er noch: „Man muss nicht auf etwas warten, was besser aussieht. Das Gras ist woanders nicht immer grüner, und meine Fähigkeit ist es, das Glück zu sehen, wenn es da ist.” Es gibt nicht viele Trainer auf der Welt, die in der Lage sind, solche scheinbar einfachen Sätze zu sagen. Es gehört in der Tat zu den seltenen Fähigkeiten, das Glück zu erkennen, das sich in der Nähe befindet. Das Glück ist da, und ich bin mittendrin. Die meisten Leute hängen dem Wahn an, dass es etwas noch viel Besseres gibt als das, was sie gerade haben. Nicht Klopp, der Fatalist.

Ein bisschen Schmäh von ZDF und ARD

„Barbara hatte das schale Gefühl, etwas im Leben verpasst zu haben.”

„Barbara hatte das schale Gefühl, etwas im Leben verpasst zu haben.”

Titel

 Alles, was wichtig ist im TV: Pathos, Kitsch und Poesie. Witz und Charme. Und Liebe, Liebe, Liebe. Der Tod ist auch dabei.

Der Gesang des Windes. Die Legende der Kraniche. Ein Lied für Solveig. Marie Brand und das Lied von Tod und Liebe. / Mensch Mama. Mutter muss weg. Lena Fauch und die Tochter des Amokläufers. Wunschkind. Die kleine Lady. / Clarissas Geheimnis. Abschied von Hannah. / Auslandseinsatz. Verloren auf Borneo. Prager Geheimnis. Mein verrücktes Jahr in Bangkok. Wohin der Weg mich führt. Das Millionen Rennen. / Zu schön um wahr zu sein. Der Klügere zieht aus. Bei Hitze ist es wenigstens nicht kalt. Trau niemals deiner Frau. / Aus Liebe zu Dir. Ein Teil von dir. Eine Liebe im Herbst. / Der süße Duft des Bösen. Die Tote im Moorwald. In der Mitte eines Lebens. Herzversagen.

Genre

 Das Angebot ist zwar weit gefächert, doch scheint es unumgänglich zu sein, dass ein Fernsehfilm ein deutscher und nicht irgendein dahergelaufener Fernsehfilm ist. Und wenn es gar nicht anders geht, ist auch noch eine österreichische Komödie zu ertragen, wenn es eine mit Christine Neubauer ist. Das Schubfach muss stimmen: Deutsches Melodram, da sollte man wissen, was auf einen zukommt.

 Deutsches Drama. Deutscher Familienfilm. Deutsche Komödie. Deutsche Romanze. Deutscher Kriegsfilm. Deutsches Liebesdrama. Deutscher Kriminalfilm. Deutscher Liebesfilm. Deutsches Familiendrama. Österreichische Komödie mit Christine Neubauer. Deutscher Thriller. Deutsches Melodram. Deutsche Komödie mit Axel Prahl. Deutsch-österreichische Komödie mit Christine Neubauer. Deutsch-österreichischer Familienfilm mit Christiane Hörbiger, Veronica Ferres. Deutsch-österreichische Kriminalkomödie.

 Legende (Knapp zusammengefasst)

 Chronische Krankheiten. Anonyme Organspender, die einen Rückzieher machen. Millionäre tot im Swimmingpool. Wer kann da an Unfall glauben. Düstere Geheimnisse. Zerstörte Idyllen. Anja verschweigt einen Millionengewinn. Die Idylle wird jäh unterbrochen. Die Kette am Hals der Sekretärin. Untreue. Lebenskrisen. Die Kinder sind aus dem Haus, der Mann sowieso. Rückzug aufs Land. Warum habt ihr mir nie gesagt, dass ihr nicht meine richtigen Eltern sei! Mein Sohn ist ein Kuckuckskind. Warum hast du mir verschwiegen, dass du noch eine Tochter hast! Mein Mann wohnt jetzt im Gartenhaus. Erst kommen deine Brieftauben, dann kommt eine ganze Weile nichts, und dann erst kommen wir! Heldinnen wie die junge Künstlerin Josefine Mehdorn, die herzensgute Lehrerin Sonja und Julia, eine verwöhnte Adlige, treffen auf mein besonderes Wohlgefallen, aber auch der Industriekletterer indianischer Abstammung und der niemals aufgebende Winzer sind vielversprechend.

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Sitten und Unsitten

Was soll eigentlich ständig dieses blöden Brillieren im deutschen Feuilleton? „In ›Die Frau, die sich traut‹ spielt Steffi Kühnert eine ehemalige DDR-Leistungssportlerin, die in jüngeren Jahren als Schwimmerin brillierte … ” Thomas Thiel, FAZ. Ganz davon abgesehen, dass es sowieso eine blöde Wortfindung ist, es soll glänzen, sich hervortun bedeuten. Die ursprüngliche Bedeutung ist wohl „glänzen wie ein Beryll”, was die Sache nicht besser macht.  Hier ist es besonders überflüssig, da Schwimmer im Wasser sowieso glänzen, und wie soll man sich schwimmend hervortun? Es ist ein Wort, das man verwendet, wenn man eine Leistung gut findet, aber nicht imstande ist, sie zu beschreiben. Oder keine Lust hat, sich die Mühe zu machen, sie genau zu benennen.

Der Fußballfeld-Vergleich. Das Holocaust-Mahnmal ist angeblich so groß wie drei oder vier Fußballfelder, was ich bezweifle. Der Vergleich bezeugt nur, dass die Leute, die sich seiner bedienen, nicht wissen, wie groß ein Fußballfeld ist. Und nun: Das Tempelhofer Feld ist so groß wie fünfhundert Fußballfelder. So ein Quatsch. Ein Vergleich soll ja etwas vorstellbar machen. Aber wer kann sich die Größe von fünfhundert Fußballfeldern vorstellen?

Aufschlagen. Die Nachwuchsjournalistin Iris Radisch mokiert sich in der „Zeit” über alte Männer wie „der große Bob Dylan”, die „ein paar Stunden in Hannover, Hamburg, Düsseldorf, Berlin aufschlagen”. Als Nachwuchsjournalistin beherrscht Frau Radisch natürlich die Jugendsprache, und nach der treten alte Männer wie Bob Dylan oder Leonard Cohen nicht auf, sie gastieren oder konzertieren auch nicht, sie schlagen auf, wie Wasserbomben etwa. Und obwohl die alten Helden nicht mehr singen, sondern nur noch „in den Ruinenlandschaften ihrer Stimme umher” irren, eilen die „älteren Bewohner aus den besten Wohnlagen” herbei, um andächtig zuzuhören. Worüber regt man sich auf? Wohnt Frau Radisch etwa nur in einer mittleren Wohnlage? Werden diese Leute etwa gezwungen, zu Dylans und Cohens Konzerten zu gehen? Nehmen die Sänger, „beide sehr klein, sehr schmal und halb verschwunden in den Falten ihrer Legende”, vielleicht Frau Radisch das Publikum weg, dem sie mit ihrer mädchenhaften Stimme etwas aus ihren Rezensionen vorlesen könnte oder gar aus ihrer Biographie über Albert Camus, der sich auch nicht mehr wehren kann?

Too much, Munich

Wie beinahe zu erwarten war, hatte der Regisseur Dominik Graf mehr zu bieten, als ein Tatort an einem ambivalenten deutschen Sonntagabend vertragen kann. „Aus der Tiefe der Zeit” wehte uns das Schicksal eines SS-Hauptmanns an, eine Kunstschützin und Prinzipalin versuchte, die Szene zu beherrschen, die Allgegenwart von Meret Becker in wandelnden Kostümierungen war zu bewundern, ein Bruderzwist brach auf und ein, ein erpresserischer Coiffeur machte sich mausig, die kroatische Community sorgte für Unruhe, ein seltsamer Manager sprach irrwitzig von sich in der dritten Person, Politiker und Baufirmen wickelten krumme Geschäfte ab, Erdabrisse wie an Rügens Steilküste ereigneten sich, das Wasser des Schwimmbeckens färbte sich rot, das Navi nervte, das Licht war diffus, die Farben dramatisch, das Feeling amerikanisch, und wenn die Kommissare Verdächtige oder Zeugen befragten, ratterten gleich nebenan die Presslufthämmer. Ja. Etwas Ruhe und Gelassenheit brauchte auch der schärfste Krimi. Dabei war dieser Münchner Tatort mit hohem Formwillen, mit Charme, tollen Bildern und vielen Detailideen gemacht, aber die Story war nicht gerade stark und operierte nur zu gern mit Irrtümern, so dass am Ende mehrere Tote zu verzeichnen waren, aber kein wirklicher Mord. Trotzdem kamen angenehm banale Sätze vor wie dieser: „Wir haben auch eine Leiter im Haus, ja.” Für die Kommissare, die nicht viel mehr zu tun hatten, als dem Geschehen hinterherzulaufen, gab es immerhin eine Gewissheit: „Das Ende eines langen Arbeitstages ist der Anfang des nächsten.” Da hatten sie den fleißigen Deutschen an ihrem Sonntagabend aus der Seele gesprochen.

Ein Jahrhundert Unförmigkeit

Bölschestraße Samstagabend. Bei Apollo brennt noch Licht

Bölschestraße Samstagabend. Bei Apollo brennt noch Licht

Schon Friedrichshagen im Südosten Berlins ist eine andere Welt, mit der berühmten Bölschestraße und der Erinnerung an den Friedrichshagener Dichterkreis, Maulbeerbäume und Seidenraupenzucht. Da steht auch das Kino Union, Lippis Kino, wenn mich nicht alles täuscht, also das Kino, das der Entertainer Wolfgang Lippert unter gewissen Auflagen kaufte, die er nicht erfüllen konnte, weil es für ihn nicht mehr so lief wie erwünscht. Lange war das Kino geschlossen, von Abriss wurde geredet, jetzt spielt es wieder, Gott sei Dank. Nachdem der überaus charmante Kartenabreißer die Karten abgerissen hat, begeben wir uns auf die Suche nach dem Kinosaal, der sich rechts um die Ecke befindet und eine Wohnstubenatmosphäre bietet mit kleinen Tischchen und Sesseln, aus denen man schwer wieder hochkommt, schon was Besonderes, auch die Werbung, in der Geschäftsleute der Bölschestraße auf Leistungen verweisen. Eine andere Welt im Extrem ist dann das Dorf Wischershausen im Dokfilm „Am Ende der Milchstraße”, Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Fünfzig Seelen. Früh um fünf wälzt sich der Bauer Maxe aus seinem Bett, seine GefährtinCordula zieht sich die Decke über den Kopf. Maxe füttert die Schweine, dann macht er ein Bier auf. Ob nun Maxe oder Olli oder Maik, sie sind Männer, die nicht höher sind als breit, sie tragen grüne Arbeitsanzüge, man vermutet bei jedem mindestens einen Zentner Übergewicht und fragt ängstlich, wie die Sehnen und Gelenke das alles ertragen sollen. Das war eben immer so, in Mecklenburg: Wegen der schweren Arbeit in den Ställen und auf dem Feld, war es geboten, schwer und fett zu essen. Die Zeiten ändern sich schneller als die Einstellungen. Man sieht wenige PKW in diesem Dorf und denkt sich, dass das daran liegen könnte, dass diese Menschen nicht in ein normales Auto reinpassen oder dass der Wagen Übergewicht bekommt auf der Seite, wo sie einsteigen.

Andere reden vom Land, wo Milch und Honig fließen, sie reden von der DDR, wo jeder Arbeit hatte. Man fütterte einen Eber und verkaufte ihn für einige tausend Mark. Ihretwegen könnte man die Mauer wieder hochziehen, wenn sie auch mit der roten Scheiße nichts zu tun haben wollen, ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Erde ein, das hat ihrer Meinung nach Honecker gedichtet, der die schlechten Seiten des untergegangenen Staats personifiziert. Der Opa erzieht die Enkel, das Lehrbuch ist die Bild-Zeitung, wenn die Frau nicht das Essen auf den Tisch stellt, haut man sie dot, in dieser Grobheit, die das ganze Leben durchzieht, soll auch eine Ironie liegen.

Das Dorf ist arm. Die Leute sind arbeitslose Selbstversorger. Wer noch einen Job hat, weiß nicht, ob das morgen auch noch so sein wird. Oder er wird so bezahlt, dass er mit dem Geld einfach nicht auskommen kann. Was ist zu tun. Das Kalb aus dem Leib der Kuh reißen, Grünfutter machen, die Tiere füttern, austreiben, schlachten, essen und saufen. Kirschlikör, Goldkrone, Bier. Gabis Gatte, der kein schlechter Mann war, hat sich totgesoffen. Man gibt sich der Illusion hin, dass das an der Wende und der Arbeitslosigkeit lag.  Die Frauen, die übrigens Normalfiguren haben, haben ihre Lebenslektion gelernt: Nie mehr abhängig sein von einem Mann. Nur wenn man auf eigenen Beinen steht, kann man sich mit einem dieser Männer einlassen.

Manchmal, wenn die Sonne untergeht, unten am See, wenn man in die Allee hineinblickt oder wenn die Kinder auf Strohballen spielen, gibt es schöne Bilder in diesem Dorf am Ende der Milchstraße. Ansonsten niedrige Häuser mit Welleternitdächern, Schuppen, Ställe, Hallen, Hütten unausdenkbarer Unförmigkeit. Die Wohnungen sind verkramt, die Höfe vermüllt. Güllehalden und Reifenberge. Wie kommt sowas? Es hat doch immer auch schöne Dörfer und schöne Höfe gegeben. Der einzige Luxus ist ein Aquarium mit traurigen Goldfischen irgendwo. Und dann lebt da auch Harry, der Zugezogene, der keine Probleme hatte, in die Dorfgemeinschaft aufgenommen zu werden, weil er ein Technikversteher ist. Er repariert den Bauern die Geräte, und die Bauern füttern für ihn als Gegenwert ein Schwein. Harry gibt sich beim Angeln der Meditation hin, Harry befasst sich mit der Fotografie, und Harry sagt auch mal nein, wenn die Schnapsflasche kreist.

Auch Maxe hat eine Vision: „Wenn ich mal Rentner werden sollte, hol ich mir ein Schwein und geh mit spazieren.”

Das ist doch total hoffnunsglos! Nein. Ist es merkwürdigerweise nicht.

Die beiden Dokfilmer, Dirk Uhlig und Leopold Grün, haben sich ein Haus in Wischershausen gekauft und richten es her. Zuzug. Hoffnung. Perspektive.

Leben mit dem Verhängnis

Im Kraftwerk,Buna Schkopau 1978. Dreck drinnen, Dreck draußen. © Christian Brachwitz

Im Kraftwerk, Buna Schkopau 1978. Dreck drinnen, Dreck draußen.
© Christian Brachwitz

Neulich legten wir die DVD „Bankett für Achilles” ein, einen DEFA-Film von 1976, der im mitteldeutschen Chemiedreieck spielt. Roland Gräf hat ihn gedreht, Martin Stephan hat das Drehbuch geschrieben, Erwin Geschonneck spielte den Meister Karl Achilles. Der Film beschreibt den letzten Arbeitstag des Meisters, bevor er in die Rente geht. Wir dachten, dass das ganz schön langweilige und nostalgische 90 Minuten sein würden, aber nein. Der Film war richtig gut. Er zeigte den ganzen Dreck, den ein chemischer Großbetrieb ausspuckt, den düsteren Himmel, erzählt von den sisyphoshaften Bemühungen des alten Achilles, in seinem Garten dem belasteten Land doch so etwas wie Schönheit abzuringen, es ist eine permanente Asymmetrie da zwischen diesem spröden, lebensklugen, rechtschaffenen Mann und den hohlen Worten der Karrieristen und der Orientierungs- und Anspruchslosigkeit der Nachfolgenden. Heute wundert man sich, dass die DEFA einen so umweltbewussten, industriekritischen Film nicht nur drehen, sondern auch herausbringen konnte, der seine Geschichte unpathetisch, unpolemisch in einem dokumentarischen, reportagehaften Stil erzählt, Sequenzen unvermittelt abbrechend, um zur nächsten Episode überzugehen, ohne Urteil, ohne Kommentar. Die Bilder und Worte sprechen für sich. „Schwefelgelber Rauch steigt in dünnen Schwaden aus dem höchsten der sieben Schlote, die das Werk in den Himmel ragen lässt, er verteilt sich, wird blasser, durchsichtiger, wird Wolke unter vielen Wolken. Der Himmel heißt auch hier Himmel, die Leute kennen seine Bewohner: Vögel, im Herbst die bunten Papierdrachen der Kinder, hin und wieder ein Flugzeug.” So fängt die Erzählung zum Film an. Und wenn der Himmel auch hier Himmel heißt: Er ist doch anders, als er sein sollte. Man hat einfach vergessen, dass Arbeit sauberer sein kann, leiser, unheroischer. Wir hatten uns leider an Heldentum gewöhnt.

Alles lassen, wie es ist

Wir leben in den Zeiten der Koalitionsverhandlungen. Da ist es auch an der Zeit, dass uns die FAZ erklärt, warum niemand einen Energieminister braucht, auch wenn wir in den Zeiten der großen Energiewende leben und Energieminister im Trend liegen. Ein mutiges Unterfangen, dem sich der Korrespondent Andreas Mihm da unterwirft.  Er macht das in etwa so: Wir brauchen keinen Energieminister, weil „Änderungen im Machtgefüge bei laufendem Regierungsbetrieb kaum möglich” sind. „Auch im neuen Kabinett wollen solche Veränderungen bedacht sein.” Würden wir ein Energieministerium installieren, verlöre das Umweltressort die Zuständigkeit für den Ökostrom, das Wirtschaftsministerium die Verantwortung für Kraftwerke und Stromnetzausbau,  das Bauministerium jene für energetische Sanierung, die Forschung die Fördertöpfe für Energieforschung, Speicher und Effizienzverbesserung.

Schöne Argumentation. Wir sehen also, dass von allen möglichen Seiten (die Interessen der Bundesländer kommen noch hinzu) an der Energiewende herumgezuppelt wird. Allseits kann gefördert, aber auch blockiert werden. Sonderinteressen, Egoismen und Eitelkeiten können allenthalben zur Geltung gebracht werden, Reibungsverluste sich einstellen. Wenn das kein Argument für das Gegenteil, nämlich für ein starkes Energieministerium, ist! Die anspruchsvollste wirtschaftliche und auch gesellschaftliche Aufgabe der kommenden Jahre endlich mit einem klaren Programm und einer durchdachten Linie durchführen, statt unentwegt den Verbraucher für alle Ungereimtheiten und Halbheiten zur Kasse zu bitten.

Aber Mihm hat noch ein gewichtiges Argument: Es würde Monate brauchen, bis das neue Ministerium einsatzbereit wäre. Ja, dann … Dann fangen wir gar nicht erst an!

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