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Posts Tagged ‘Deutschland’

Deutsches Phlegma

Deutschland – Mexiko. Eine innere Stimme und der Fußballsachverstand sagten mir: 0:1. Aber mein Patriotismus veranlasste mich, 2:2 zu tippen. Und die Zuversicht der Medien. Bei Spiegel online konnte man erfahren, dass die deutschen Spieler ihren Trainer nahezu abgöttisch lieben, was allerdings dazu geführt haben könnte, dass sie ein Gutteil von seiner Tranigkeit übernommen haben, was dem Spiel nicht unbedingt gut tut. Die Mexikaner wussten damit geschickt umzugehen. Sie spielten schnell und rasant nach vorn und fanden große Räume, in die sie hineinstoßen konnten. Vermasselten allerdings viele Chancen, so dass man schon glauben konnte, wir kommen mit einem blauen Auge davon. Kamen wir aber nicht. Was ist mit der Mannschaft los? Sie spielt mit der Selbstgefälligkeit des Weltmeisters. Die Bayern-Spieler sind immer noch fest davon überzeugt, dass sie beim Ausscheiden gegen Real Madrid in der Champions League in beiden Spielen die bessere Mannschaft waren. Sowas vernebelt die Gehirne. Ich entdecke keine andere Spielidee bei uns als Toni Kroos. Der Taktgeber. Es ist ein einfaches Mittel, seine Passwege zuzustellen, und das haben die Mexikaner gemacht. Von Özils berühmten schrägen Ideen war wenig zu sehen. Die deutschen Spieler gehen alle zum selben Friseur (so sieht’s jedenfalls aus). Und: Es sind zu viele Phlegmatiker in der Mannschaft. Ich will sagen: zu viel Gleichförmigkeit. Die Spieler scheinen von der Masse der erhobenen Daten über alles und jedes erdrückt zu werden. Es wurde etwas besser, als die Unsrigen in der zweiten Halbzeit in ihrer Not anfingen, unstrukturierter und wilder zu spielen. Und es ist verdammt vermessen, zur WM zu fahren und nur die Titelverteidigung im Auge zu haben. Nicht an den Titel denken! Nur an das nächste Spiel! Muss man denn an diese einfache Fußballweisheit immer wieder erinnern?

 

Aus einem vorvergangenen Dezember

Man muss dem Glas auch trauen. Dom und Lustgarten. Dezember 2016
© Fritz-Jochen Kopka

Beim Bäcker trinken Arbeitsanzüge aller Art Kaffee zum Käseblatt.

Wer isst, muss nicht arbeiten. Wer arbeitet, kann nicht essen.

Der Patron am Laptop im Souterrain Tummelplatz der Familien.

Die Mütter tragen das unsichtbare Schild: Wir retten Deutschland.

Vater betreut Trennungskind. Gestikuliert mit Messer und Gabel.

Toller Eindruck, den ich bei dem Kind hinterlasse. Det schafft

Keen Stiefvater. Ooch wenn’s mir Jeld kostet. Ick rede mit die Kleine

Uff Augenhöhe. Den Beipackzettel zu lesen endet mit Unwohlsein.

Einkaufen in Zeiten des Ersatzverkehrs. Stecken Sie das wieder ein,

Ich nehme Sie so mit. Auf Höhe der Mittellinie sehen wir

Wie Unions Fußballgötter mutig nach vorn spielen. Auf Gegners Seite vornehmlich

Kleinwüchsige. Da geht doch was. Von den hinteren Rängen kommt

Bier über uns. Maul halten im Ersatzverkehr im Rudel der feindlichen Fans.

Ein Mann wird sechzig in einem Klub der Volkssolidarität.

Welche Gnade, nicht aus dem Haus zu müssen, das sag ich immer wieder, aber

Zu können, wenn man will. Was im Alter hilft, ist der freiwillige Rückzug. Sagt

Joop. Der Liebling der Sachsen füllt riesige Säle. Infekte Infekte. Es geht

Mir jeden Tag auf ’ne andere Art schlecht. Die Beine spielen nachts verrückt.

Ohne eine Idee passiert bei uns nichts. Deshalb passiert bei uns so viel.

Bücher Filme Bilder Gedichte Dramen. Wir bewegen uns erst, wenn

Wir eine Idee haben. Deshalb bewegen wir uns so oft. Im Halbschlaf des

Kranken entsteht der Traum eines Geschäftsmodells. Ob der auch

Albträume hat. Nein. Er träumt nie. Martin Fourcade rennt ungerührt

Vor der Meute der Biathleten her. Zugezogene Westdeutsche, die sich

Sofort integriert fühlen im Kiez, kaum hergezogen, geben sie

Den Ton an, gründen Bürgerinitiativen, ein Thema findet sich. Allemal.

Das mittlerweile immer berühmter werdende DDR-Modejournal Sibylle

Alles ist anders nach dem Anschlag auf den Breitscheidplatz.

Heute dämmert der Polizei: Wir haben den falschen Mann.

Das heißt: Der Richtige rennt noch bewaffnet herum. Der Alte

Versitzt die Zeit vorm TV und diskutiert. Die Welt ist aus den Fugen.

Traurige Weihnachtsmärkte. Dezemberregen, der die Seelen verwüstet.

Jeder kann ein Gefährder sein. Noch heult der Sturm. In der Presse

Zum Jahresabschluss unverhohlene Schadenfreude über

Gescheiterte Promi-Ehen. Angus & Julia Stone: I’m a soldier,

But I don’t know how to fight. I’m the darkness but I want to be the light.”

 

Reiches Land

Hellersdorfer Fläche

Hubert Schubert saß zufällig im Asia Imbiss im Marktplatz Center Hellersdorf über einer Ente kross mit rotem Chili. Im ersten Stock hatte er einige unvermietete (oder entmietete) Flächen gesehen, die sich schamhaft hinter bunten Fotostellwänden verbargen, auf denen fröhliche Leute in der Gewissheit fröhlich shoppten, dass ihnen nie das Geld ausgehen würde. Die Ente war, wie sie war, für 7,50 €. Hätte auch schlechter sein können, aber auch nicht ganz so trocken. Hubert Schubert dachte daran, dass er sich in diesem Moment in einem Land befand, dessen Einwohner es sich längst zur lieben Gewohnheit gemacht haben, zu sagen und zu glauben, dass dies ein reiches Land ist. Ein reiches Land. Ein Land, in dem wir gut und gerne leben. Er betrachtete die Leute, die an ihm vorüberzogen, von A, wo sie vermutlich nicht gern waren, nach B, wohin es sie vermutlich auch nicht zog. Hubert Schubert musterte sie ohne Ungeduld. Er hatte ja die trockene Ente und das stille Wasser. Reiches Land? Okay. Wenn Übergewicht für Reichtum steht, dann vielleicht. Hubert Schubert gestand sich ein, dass er auch kein Master of Fashion ist, aber die Kleidung der Vorüberziehenden war doch allzu unschön, ausgebeult, mit beziehungslosen Wörtern und Bildern bedruckt und ihren Körpern nicht angemessen. Fast alle hatten einen absurden Gang, sie hätten bei Monty Python auftreten können. Ein Arzt hätte einige gesundheitliche Schäden diagnostiziert. Man kann sich auch anderswo in den öffentlichen Raum setzen; der Eindruck wird sich nicht sehr unterscheiden. Was sagt uns das, dachte Hubert Schubert, sollen wir vielleicht mal darüber nachdenken, was es heißt, ein reiches Land zu sein? Und was es nicht heißt? Reden wir nur davon, dass wir in diesem Land gut und gerne leben und verstehen nicht, wie das geht? Sollten wir den Discountern ins Gewissen reden, damit sie aufhören, miese Klamotten für schlechtes Geld und Geiz als geil zu verkaufen?

Am Tresen des Imbisses lümmelte ein übergewichtiger Strolch, der auf seine Asia-Nudeln wartete. Halb lag er auf dem Tisch, halb versperrte er mit seinem Fettarsch den Weg. Warum haben wir nicht mehr die Spannung, aufrecht zu stehen und zu gehen. Am liebsten würde man ihm die Beine unterm Hintern weghauen; vielleicht würde er dann aufwachen aus der Trance. Ich sehe das alles und habe noch nicht mal schlechte Laune. Wenn man sich wenigstens dadurch unterscheidet?!

Wir sind draußen na und

Im Haus der Fußballkulturen ist Platz für alle
© Kopka

Die Fußballeuropameisterschaft der Frauen ist nicht tot. Sie ist nicht einmal vergangen. Diesen toten Eindruck macht sie nur, weil wir deutsche Frauen im Viertelfinale ausgeschieden sind. Das ist uns wohl noch nie passiert. Sechs Mal in Folge wurden wir Europameister und waren ziemlich sicher, dass dieses Turnier in den Niederlanden den siebten Titel bringen könnte.

Das Drama in den Medien war groß, als wir mit 1:2 gegen Dänemark ausschieden. Steffi Jones, die noch ziemlich frische Trainerin, wurde in Frage gestellt und überhaupt so ziemlich alles. Aber wo ist, verdammt, das Problem? Das Wunder, dass wir sechs Mal den Titel holten, ist viel größer als das (negative) Wunder jetzt eben ausgeschieden zu sein. In den Jahren unserer Dominanz, die so erheblich auch nicht war, haben wir offensichtlich verlernt, zu verlieren wie eine gestandene Frau, in aller Sachlichkeit und ohne emotionalen Überbau. Die Däninnen spielten frischer, fröhlicher, einfacher, wie eben Fußballerinnen, die noch nicht viel gewonnen haben. Sie schleppten nicht den Rucksack einer glorreichen Tradition mit sich herum. Unsere Frauen ging diese Lust, zu spielen und zu treffen, ab. Sie machten ihre Tore mit Elfmetern und nach Torwartfehlern; viel mehr war da nicht. Und doch hätten sie auch gegen Dänemark den Ausgleich und das Elftmeterschießen schaffen können, aber im Fußball spielt das Glück eine nicht unwesentliche Rolle. Und mehr noch als bei den Männern gibt es im Frauenfußball jede Menge Zu- und Unfälle, die eine Rolle spielen, wenn es um Sieg oder Niederlage geht. Wir sehen sehr deutlich das Konzept, das die Trainerin vorgegeben hat, und wir sehen, was bei der Umsetzung alles nicht klappt. Es hat wenig Sinn, den Frauenfußball mit Männerfußballaugen zu sehen. Der Reiz liegt ja gerade in der größeren Zufälligkeit, den schrägen Situationen, den verrutschten Schüssen. Deshalb ist es, Claudia Neumann vom ZDF, sinnlos, den Frauen schon im Moment der Aktion allwissend ihre Fehler vorzuhalten, schlechtes Abspiel, viel zu langsam, zu eigensinnig, zu wenig mannschaftsdienlich. Das macht die Reportage zu einem absurden Worthülsenstück. Auch wenn der Frauenfußball sich in den letzten Jahren enorm verbessert hat, er ist und bleibt eine Wundertüte. Nehmen wir ihn, wie er ist. Stellen wir uns der Tatsache, dass wir Verlierer sein können. Wir müssen es aber auch wirklich können.

Der Glaube versetzt gar nichts mehr

Was??? Ich war Zähneputzen! Und jetzt steht es 5:0!!

So ungefähr war das in der unwirklichen Nacht vom Dienstag zum Mittwoch. Am Ende 7:1. Ein solches Halbfinale hat es noch nie gegeben. Brasilien spielte ohne seinen Superstar Neymar und glaubte, ohne ihn noch besser zu sein, weil nun alle anderen für ihn mitspielen und das Beste und Letzte aus sich herausholen würden. Jedoch. Die Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat und der Glaube Berge versetzen konnte, sind lange vorbei. Die Brasilianer sind die Größten der Welt, sie tragen fünf Sterne am Trikot für gewonnene Weltmeisterschaften, aber gestern mussten sie die Spanier beneiden, deren Absturz gegen die Niederlange mit 1:5 vergleichsweise glimpflich ausging. Sie mögen es geglaubt haben, aber niemand konnte auch nur annähernd die Rolle von Neymar Jr. übernehmen, und auch der naive Innenverteidiger Thiago Silva erwies sich als unersetzbar. Misstraut dem Glauben! Beargwöhnt die Emotionen! Quatscht euch nicht besoffen! Das perfekte Spiel gibt es nicht, aber die deutsche Mannschaft spielte schon ziemlich vollkommen. Sie war grandios in ihrer Sachlichkeit, in ihren Spielverlagerungen, in ihrer schnellen Entschlossenheit. Sie war – zum Glück – nicht genial. Dazu war sie viel zu besonnen, zu professionell. Als die Brasilianer nach der Halbzeitpause aufbegehrten, raubte Manuel Neuer ihnen mit seinem Stoizismus die letzte Zuversicht. Auf den Tribünen spielten sich Dramen ab, die Tränen flossen still oder impulsiv.

„Ein Gänsehautauftritt der deutschen Elf, aber auch Mitgefühl für die Brasilianer”, sagte der einfühlsame Bela Rethy, und dann warf er sich für den brasilianischen Stürmer Fred in die Bresche, der von den eigenen Fans gnadenlos ausgepfiffen wurde: „So ist das, wenn die Massen einen ausgucken.” Am liebsten hätte er wohl gesagt: der Mob.

Der unglückliche Fred, der als Ungerührter, als Unbeteiligter durch diese Weltmeisterschaft ging, der Mann, den die Bälle nie erreichten und der trotzdem wie ein zufriedener Friseurmeister aus der Vorstadt aussah: Der Laden läuft, meine Kunden bezahlen mich gut, ich kriege sogar Trinkgeld. Seine einzige Heldentat war ein Schwindel: der gegen Kroatien herausgeholte Elfmeter. Was auch immer Fred in seinem Fußballerleben geleistet haben mag, in dieser Weltmeisterschaft ist er überhaupt nicht angekommen. Dass Trainer Scolari ihn trotzdem immer wieder in die Startelf stellte, zeigt ein Problem dieses Mannes, dieser Mannschaft und dieses Landes. Man fühlt sich eins mit Gott und glaubt in seiner Selbstgefälligkeit die Realität überlisten zu können.

Mich würde interessieren, welche Gebete die brasilianischen Spieler am Ende in den Himmel geschickt haben: Verzeih uns, dass wir Deinen Auftrag nicht ausführen konnten. Wir sind nur schwache Menschen. War es das? Oder: Mein Gott, warum hast du uns verlassen? Was wolltest Du uns mit diesem Debakel sagen? Vielleicht beteten sie auch: Lieber Gott, danke. Danke, dass du uns – hoffentlich für immer – erlöst hast von unserem hochfahrenden Glauben an unsere Genialität und von unserer Gewissheit, dass Du immer auf unserer Seite stehen wirst.

Das wäre wohl das Beste.

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Hausaufgaben und Körpersprache

Deutschland – Österreich 3:0. Waren wir so stark, waren die Ösies so schwach? Halten wir uns, wie so oft und so gern, an den Bundestrainer: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.” Normalerweise hat man für solche Sätze fünf Euro ins Phrasenschwein zu werfen, aber hier gibt uns die Phrase die Deutung an die Hand. Die Österreicher haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Gewiss ist man mit einer solchen Erklärung so schlau als wie zuvor. Was mir als Laien auffiel: Die Österreicher waren devot. Man sah es an ihrem Trainer Marcel Koller, unmittelbar vor dem 1:0. Dem war eine Fehlentscheidung vorausgegangen. Koller protestierte, um sich sogleich beim deutschen Kapitän Philip Lahm zu entschuldigen und ihn mit großer Herzlichkeit zu umarmen. Es hätte Freistoß für Deutschland geben müssen oder Einwurf für Österreich, aber nicht Einwurf für Deutschland. Und dafür entschuldigt sich der nette Herr Koller noch. So kann man international nicht auftreten. Was mich weiter wunderte: In entscheidenden Situationen wirkten die Österreicher, ob vor dem eigenen oder dem gegnerischen Tor, immer zerstreut. Gelegentlich servierten sie den Deutschen die besten Pässe. Ich meine, eine Innverteidigung Mertesacker/Boateng müsste eigentlich zu knacken sein. Darüber hinaus taten die deutschen Innenverteidiger für den Spielaufbau so gut wie nichts. Immerhin hatten wir ein starkes, kompaktes Mittelfeld.

Das Münchner Stadion war ausverkauft. Aber es kam keine Stimmung auf. Die Loser aus dem Nachbarland machten da noch mehr Radau als die deutschen Fans. Natürlich fehlt die Spannung, vielleicht fehlten auch die spektakulären Szenen. So sieht das eben aus, wenn man seine Hausaufgaben erledigt.

Kann man einem Menschen eigentlich seine Körpersprache vorwerfen? Ich denke nicht. Man könnte ihm höchstens ein paar Szenen zeigen und sagen, schau, Jogi, so sieht das aus, wenn du jubelst, so sieht das aus, wenn du zornig bist. Etwas memmenhaft, nicht wahr? Denk mal drüber nach. Aber wo soll das enden? Man könnte ihm ja auch seine Statements vorspielen. Hör dir das mal an, Joachim, das sind deine Sätze, achte mal auf Floskeln und nichtssagendes Zeug und lass dir das durch den Kopf gehen.

Zwecklos, einen Menschen ändern zu wollen.

In der Nacht, im Traum, war mein Auto weg (in Wirklichkeit habe ich sowieso keines mehr). Ich hatte vergessen, wo ich es hingestellt hatte. Wollte einen Freund anrufen, der dabei gewesen war, aber das ging auch nicht im Traum. Bei all den Problemen entging mir, dass ich plötzlich drin saß in meinem Auto. Nun suchte ich aber eine Schnapsflasche, von der ich wusste, dass ich sie ins Auto gelegt hatte. Wieder wollte ich den Freund anrufen, wieder ging das nicht. Dann fuhr ich mit dem Auto ein Stück zurück und suchte das Auto, in dem ich ja saß, und die Schnapsflasche, mit der ich ja sowieso nichts hätte anfangen können. Müßig zu erwähnen, dass es dabei fast zu einem Unfall kam.

Vermutlich war das Fußballspiel schuld an diesem blöden Traum.

Das Schicksal schlägt zurück

Berlin ist tierlieb

Berlin ist tierlieb

Angestrichene Sätze aus dem Jahr 2007

In der Silvesternacht war der Zwergenkönig so klein wie ein Kind. Das Rentnerehepaar arbeitete eine Stunde schweigend und verbissen, um seine Raketen abzufeuern; sie sahen nicht mal hin, wenn eine Rakete aufstieg, es war eine reine Pflichtaufgabe.

Tischtennistraining. Der Rentner Dieter schmettert wie entfesselt.

Runder Geburtstag. Martin, der eine Rede schwingt, es aber nicht schafft, die Leute zum Weinen zu bringen.

Am Morgen kämpfte Horst Schiller aus Wurzen mit der hohen Stimme eines sächsischen Psychopathen im Deutschlandradio wieder einmal  für den Fortbestand der Demokratie, die – seiner Meinung nach – weniger gegen die Extremisten von rechts, als vielmehr gegen die von links verteidigt werden muss, die in Regierungen und Parlamenten sitzen und ausgemachte Demokratiefeinde sind.

Polizeiruf noch aus der DDR. Man kann sich da wirklich amüsieren über die extrem harmlosen Gestalten, die fortwährend um ihr Geld betrogen werden und sich dann bei den besorgten Genossen von der Volkspolizei ausheulen.

Langsam wird es lächerlich, wie Ole Einar Björndalen im perfekten, aber auch grotesken Skating-Schritt vor dem Feld herläuft und die besten des Feldes als panische Meute aussichtslos hinter ihm her hetzen.

Für den Demütigen kann der bittere Rest des Lebens auch süß sein.

Die Psychoanalyse/Schmeckt heut wie Frischgemüse.

Die marodierende Rentnerin erkennt mich nur in Verbindung mit meinem Haus.

Bei Genazino stößt man doch immer wieder auf befremdliche anatomische Details, die man nicht wissen möchte.

Was hassen Sie in oder an Deutschland? Vornamen von Männern und Hüte von Frauen. Wenn Frauen in Kneipen sitzen und ihre Kopfbedeckungen nicht abnehmen, kriege ich Magengeschwüre.

Leben wir, um zu rauchen, oder rauchen wir, um zu leben …

In den Kleingärten hantieren ein paar Kleingärtner. Zweifellos gehören sie der Unterschicht an. Wahrscheinlich schlafen sie in ihren Lauben, waschen sich nicht und scheißen an die Böschung oder auf ihre Komposthaufen.

Die Sturmwarnung sieht aus, als würde der Millimetermann sie ab und zu bei den Beinen packen und mit ihrem Schopf die Küche und das Bad schrubben.

Vier Menschen sitzen an einem Geburtstag vor dem TV-Gerät und drücken auf unterschiedliche Fernbedienungen. Modern times.

Sich sprachlich auf die andere Gesellschaft einstellen fällt immer noch schwer. Zum Beispiel Schumann: Arbeiternehmer.

Unterschicht ist oft gleich Übergewicht.

Rudolf Scharping auf Fotos sieht aus wie schlecht gemalte Heiligenbildchen.

Ja, keine schlechte Frage. Gibt es eine Vergangenheit? Oder ist das, was wir Vergangenheit nennen, Literatur?

Ich geh in den Saturn, halte nach Geschirrspülern, Rasierapparaten und DVD Ausschau, obwohl wir schon lange keine DVD mehr angeschaut haben.

Mittagsruhe im Garten. Meine Nachbarin liegt auf der Bild-Zeitung.

Halten Sie den Mund, wenn Sie mit mir reden, schnauzt ein Offizier den Rekruten Oliver Hardy an. Sowas ist noch das Beste, was vom Fernsehen her an unser Ohr dringt.

Ehepaare als Landplagen

Witwen und Witwer

Meine Mutter hegt den Verdacht, dass ihr Leben endlos sein könnte. Es gibt Gründe genug, beunruhigt zu sein, dass hier und da keine Enden abzusehen sind. Soll das denn alles nun für immer so bleiben, kein Ende finden, sich nicht ändern, fragt man sich. Deshalb freue ich mich auch irgendwie, wenn eine Tube leer, ein gelber Sack voll ist, irgendwas zum Abschluss kommt.

Man schlägt das Schicksal, und das Schicksal schlägt zurück.

Das Husten der Dienstboten. Sind sie eigentlich immer krank?