Archiv

Archive for the ‘Berlin’ Category

So geht Advent auch

Distinguished Dogs – not amused
© ADe

An einem 1. Advent lohnt sich der Kollwitz-Markt. Wie sagen die Westler dazu? Alles so überstrukturiert hier!

Du kannst eine handliche Thüringer Bratwurst für 4 € essen, dazu Senf in unzähligen Sorten, soviel du erträgst, ohne Aufpreis. Später werden wir bedauern, dass wir keine von den schönen dicken Wollsocken gekauft haben; der Wind ist eisig, wir könnten die Socke als Mütze über den Kopf ziehen, das wärmt und bringt einen speziellen Look.

Das ist ja hier die schwarz-goldene Husemann-Welt. Ein Stück Rekonstruktion von Alt-Berlin, das sich die DDR leistete, als sie noch nicht an ihren Untergang glauben mochte. Tradition, Historizität, Nostalgie. Sorgsames Handwerk. Eine Weinprobierstube, ein Friseur-Museum, ein Museum des Arbeiterlebens um 1900, eine Scherenschleiferei. Nichts davon hat sich gehalten. Die Husemann-Straße steht neben den Zeiten.

Ein besonderer Weihnachtsmarkt ist jener in der Kulturbrauerei, nämlich ein skandinavischer, es ist tatsächlich authentisch skandinavisch kalt hier, selbst die exklusiv gekleideten Hündchen schlottern vor sich hin. Überall streift dich der Elch, in Form von Elchbratwurst, Elchgulasch, Elchsuppe …

Zum Wohl des Gastes

Wir sind froh, dass wir uns in den Schusterjungen Danziger/Ecke Lychener Straße flüchten können, eine der wenigen übriggebliebenen Berliner Eckkneipen. Die hier ist schon was Besseres, hat nicht nur Molle, Korn und Bulette zu bieten. Natürlich voll, aber der Wirt geht alle Möglichkeiten durch und präsentiert uns einen Vierertisch, das muntere Berliner Familienleben mit turnenden Kleinkindern im Rücken. Der Wirt findet uns irgendwie komisch, alles läuft, als kennten wir uns schon ewig. Als unser Junior sich zur Gänsekeule die zweite Cola light bestellt, kann der Wirt nicht mehr an sich halten: Sag mal, Alter! Jetzt muss ick dich mal was fragen: Wat trinkst du hier eigentlich für ein Zeug die ganze Zeit!

Auch uns hat das sonderbare Trinkverhalten eines Menschen aus unserer Mitte irritiert. Wir lachen befreit auf.

Ich trinke auch gern einen guten Wein, rechtfertigt sich der Junior, aber nicht um diese Zeit!

Alter, sagt der Wirt, guck mal raus, es ist schon fast dunkel.

Happy mit Cola light

Der Junior bleibt bei seinem Leisten. Was soll ich machen. Es schmeckt mir ja, da ist Koffein drin, das erfrischt.

Da ist gar nüscht drin, sagte der Wirt, außer Zucker.

Sie haben einige Weine in Ihrem Keller, die mich interessieren würden, sagt der Junior, hab ich auf der Karte gesehen. Zu einer späteren Zeit.

Na dann. Den Schusterjungen gibt es an dieser Ecke unter wechselnden Namen und Wirten seit fast hundert Jahren. Früher hat man sich hier viel gekloppt, wegen Frauen, wegen Fußball, wegen Politik. Spät nachts tanzten die Damen auf den Tischen.

Der jetzige Wirt hat seinen Beruf im Café Moskau gelernt und sich anschließend viel Wind um die Nase wehen lassen. Irgendwann erntest du, was du gesät hast.

Mehr Graustufen

Das Titelbild: Kann eine Straße leerer sein …
Fotos © Jürgen Hohmuth

Jochen Stamm, der Verleger, und Jürgen Hohmuth, der Herausgeber und Fotograf von „Graustufen” erzählten, wie der Band entstand. Hohmuth stellte ein Konvolut von 200 Fotos zum Download zusammen. Die Autoren hatten den Zugriff und konnten sich für das (oder die) Bilder ihrer Wahl entscheiden. Es ist klar, dass dieses Verfahren seinen Tücken hat wie alles mehr oder minder Basisdemokratische. Im absurdesten Fall entscheiden sich 40 Autoren für ein und dasselbe Foto. Der Herausgeber kann umlenken. Einige Autoren halten sich nicht an die Vorgaben, andere würden den Band am liebsten allein betexten.

Als ich den Band das erste Mal durchblätterte, sah ich, dass einige der für mich eindrucksvollsten Fotos nicht in den Band hineingekommen waren. So unterschiedlich sind Autoren zum Glück. Was vermisste ich. Mir wurde bewusst, dass Jürgen Hohmuth für mich vor allem der Fotograf, um nicht zu sagen: der Rhapsode der leeren Straßen ist. Verlassenheit. Leere Straßen in großen Städten, leere Straßen in thüringischen oder anhaltinischen Nestern. Wer ist hier mehr verlassen: die bröckligen Häuser, das ansteigende Pflaster oder die Menschen, die sich nicht sehen lassen oder die aneinander vorübergehen, wenn sie sich sehen lassen? Die leeren Straßen hatten sich mir eingebrannt. Andere werden andere Bilder vermissen.

… oder verlassener?

Ziellose Fußgänger, sentimentale Hoffeste, trotzige Kinder, melancholische Bürgerrechtler, schräge Teenager, Autowracks und fahruntüchtige PKW, dreckige Teller, geduldige Schlangesteher, improvisierte Versorgungsleitungen, hochezüchtete Motorräder, euphorische Konzerte, herrenlose Hunde, verlotterte Höfe, introvertierte Punks, morbide Balkons, sonnensüchtige Großstädter, trostlose Häuser, deprimierte Funktionäre, seelenlose Neubaublocks, Gleichmut, Vereinzelung, Resignation – all das sehe ich. Es gibt nicht zu hundert Prozent mein Lebensgefühl jener Zeit wieder, aber ich weiß, dass das alles real ist, und gut, dass uns diese Erinnerungen nicht verloren gehen.

Zu einigen dieser Fotos hatte ich Stichworte aufgeschrieben, das ging etwa so:

– Die Wäsche hängt. Die Sonne scheint. Die Schuhe sind ausgezogen. Die Kinder in ihr Spiel vertieft. Die Mütter glücklich.

– Familientristesse mit Bildstörung und philosophischem Säugling. Dem Kleinkind gibt schon zu denken, in was es da hineingeboren wurde.

– Melancholische Demonstranten in Jena. Wer war Franz Hering? Woher kommt unsere Schwermut. Was sagen uns diese Fahnen? Wie lange müssen wir hier noch rumstehen? So viele Fragen …

– Der Bus kommt anscheinend schon seit Jahrhunderten nicht. Kein Grund, ungeduldig zu werden. Es geht ja nur zur Arbeit.

– Die Zeit des Hauses scheint abgelaufen. Die Tür schließt noch. Das Fenster ist vergittert. Der Müllbehälter für den Müll wird alle überleben.

– Gib Gott, dass es nur ein Traum ist. Allein auf dem Rad unter lauter Trabants. Die Sonne steht hoch, mein Schatten ist minimal. Ein Moment wird Ewigkeit. Die Bewohner dieser Welt sind Pappautos. Ich komm hier nie wieder weg.

– Der Schlaf des Gerechten im Park. Nicht: Einer muss wachen. Sondern: Einer muss schlafen. Alle Müdigkeit des Landes hat sich in ihm konzentriert. Da ist noch das Netz mit dem Einkauf. Die letzte Flasche Bier ist umgekippt und ausgelaufen. Besser eine Bier- als eine Urinpfütze. Und seine Mitbürger tun das Beste, was man in einem solchen Fall tun kann. Weck ihn nicht, bis er selber sich regt.

– Der Kiez-Casanova, ganz in Weiß, kann es nicht fassen, wie die Leute ihren Umzug mit einem fahrbaren Müllcontainer erledigen. Allerdings: Die Leute sind nicht allein. Der Mann hat immerhin Frau und Kinder. Der Kiez-Casanova hat nur seine weißen Jeans und seine hohe Meinung von sich.

– Der Regen verschluckt die ganze Halb-Stadt Ostberlin. Wer Lust hat zu überleben, hat sich längst versteckt. Nur der Rollstuhlfahrer nicht. Dem ist öfter schon viel Schlimmeres passiert.

– Die Haare könnte ihm der Stasifriseur persönlich geschnitten haben. Er ist stolz auf seine Neubauwohnung, auf die Gehölze vor dem Balkon, auf den Sohn, der lieber mit dem Schlauch spritzt als Schularbeiten zu erledigen, er ist auch stolz auf sein Übergewicht.

– Nach dem Verdruss im Betrieb kommt der häusliche Verdruss. Da hilft ein deutsches Pilsner freier Stadtluft, und stünde der Stehtisch noch so schief.

Jürgen Hohmuth: Graustufen, Edition Braus, 29,90 €

Grau ist das alte Bunt

Er las im roten Pullover. Links neben mir Jürgen Hohmuth, rechts über mir das Foto mit der Normaluhr
© Corinna Fricke

Schon wieder eine Kunst-Tour und das am Sonntag, 1. Advent. Mit S-Bahn und M 2 zum Georg-Büchner-Buchladen Wörther Str. 16. Kein Mensch kann diese Gegend wiedererkennen. Einige Dutzend, wenn nicht hundert Male hat sich hier das Wunder des Malachias ereignet. Häuser, die verschwunden sind. Selbst einige tapfere Nachwendegründungen, ich sage nur Piepers Kneipe, genannt Sozialstation, sind nicht mehr auffindbar.

Vor dem Laden stehen der Verleger sowie der Herausgeber. Der Herausgeber ist auch gleichzeitig der Hauptautor, nämlich der Fotograf Jürgen Hohmuth. Der Band „Graustufen” zeigt, wie es hier und anderswo ausgesehen hat zu DDR-Zeiten und wie die Leute damit umgegangen sind. Wie sie es ertrugen, wie sie sich ertrugen, wie unerschütterlich sie waren und wie erschütterbar.

Die Regale im Laden sehen gut aus, so kann sich eine Buchhandlung sortieren im digitalen Zeitalter, und alle Plätze sind längst besetzt. Aber wir stehen auch gern und sehen alles aus der Distanz.

Die Helden des Ostens sind versammelt. Sie müssen nicht mehr jammern, sie müssen auch nicht mehr so tun, als seien sie was Besseres oder Edleres. Sie haben ihre Mitte gefunden. Hohmuths Bilder tragen dazu bei. Der Verleger, Jochen Stamm von der Edition Braus, spricht, Jürgen Hohmuth spricht, das Buch entstand wie von selbst, es zeigt die vielen oder soll ich sagen unzähligen Graustufen des Ostens, das Grau ist das alte Bunt. Die Stimmung ist generös und familiär im besten Sinne. Alle erschienenen Autoren werden genannt. Und dann schickt es sich so, dass einer nach dem anderen seinen Text liest, fast am Ende auch ich. An die Wand wird das jeweilige Foto projiziert, die Atmosphäre der verlebten Jahre ersteht.

In dem Moment habe ich das Buch zum ersten Mal in der Hand, und sehe zu meinem Erstaunen, dass unter meinem Text „Die Normaluhr” ein fremder Satz steht: Was meinen Sie? Das gibt noch mal einen netten Gag. Der Satz ist nicht von mir, sage ich, der muss von dem Mailwechsel mit der Lektorin stehengeblieben sein. Andere mögen sich ärgern, wir alle können herzlich darüber lachen.

Letzten Endes befreit man sich selbst.

Was meinen Sie?

Berlin Alexanderplatz (31): Novembertage

Hier entsteht nicht nur ein Modulgebäude von Kleusberg, sondern auch ein Weihnachtmarkt. Höchste Zeit
© Fritz-Jochen Kopka

Meine Brille wird zwei Jahre alt. Ich lese Verheugen am Telefon vor, was Fielmann mir aus diesem Anlass zu bieten hat. Er will es zwar nicht hören, ich lese aber trotzdem und dann klingt es doch erheiternd. Ich kann jetzt noch nichts essen. Novembertage. Joppe, Wollmütze, aber immer noch Laufschuhe. Der rechte mit dem langsam größer werdenden Loch, da muss ich langsam mal was machen. Krieg und Frieden in der S-Bahn. Alexanderplatz. Hier entsteht der erste Weihnachtsmarkt des Jahres in Form einer Pyramide. Alexa. Auf dem Mittelstreifen davor zwei Musiker, die vermutlich im Strom der Vorübereilenden nichts verdienen werden. Fielmann ist voll. Ich erfahre, dass solche Angebote Firmenroutine sind und selten wahrgenommen werden. Ich kann auch in andere, weniger überfüllte Filialen gehen. Die Qualität hat dort das gleiche Niveau (dämliche Frage). Ja, hat überall das gleiche Niveau. Was soll die Filemann-Frau auch sonst sagen. Jetzt habe ich viel Zeit, denn ich kann nicht vor halb vier bei Verheugen klingeln, der in der Nacht schlecht geschlafen und deshalb einen Mittagsschlaf eingeplant hat. Und jetzt habe ich auch Hunger, aber keine Lust auf Döner und auch nicht auf Fish & Chips. Also Asian Food, mit Hinsetzen. Der Laden ist sehr sauber. Ente kross. Ich sitze einer Dame ohne Eigenschaften, aber mit Manieren, gegenüber, die das auf dem Tisch befindliche Saucen-Angebot ausgiebig nutzt. Sie stemmt den linken Ellenbogen auf den Tisch, auch um den Teller gegen Diebstähle abzuschirmen, die rechte Hand ergreift den Löffel und schaufelt das Essen in den Mund. Ab und zu schaut sie, was das Smartphone macht. Hinter ihr eine junge Frau mit einem älteren Ehepaar. Die junge Frau kümmert sich um alles, das Ehepaar sitzt auf seinen Plätzen und wartet, was auf es zukommt. Die Frau trägt Jeans, meine natürliche Blickrichtung geht auf ihren Hintern. Wenn sie sich nach vorn beugt, sehe ich Dimensionen, die ich durchaus als sexuelle Belästigung empfinde, ich will nichts von der Frau, warum lässt mich ihr Hintern nicht in Ruhe. Im Ohr habe ich die Stimme Erich Arendts, die scharf artikuliert das Gedicht November spricht: „Nebel zerbrachen mit raumloser Hand die letzte Blume des Sommers  Der Mund des Lichts verschloss sich der Welt” Jeans und Joppen im New Yorker. Ich überlege kurz. Aber 40 € für eine Jeans beim New Yorker, die mir nur zu sechzig Prozent gefällt, eher nein. Und eine Joppe habe ich ja an.

Kategorien:Berlin Schlagwörter: , , , , ,

Survived in Kreuzberg

Zwischen Mitte und Kreuzberg
© Fritz-Jochen Kopka

Jannowitzbrücke hatte ich noch viel Zeit, also ging ich zu Fuß zum Aufbau-Haus, zunächst durch die Brücken-, dann durch die Heinrich-Heine-Straße. Ich sah auf dem Weg von Mitte nach Kreuzberg alte Bierkneipen, andererseits mehrere Sushi-Bars warum weshalb weswegen, und wenn die Brückenstraße endet, kann man noch eine weiße und eine schwarze Hand als Wandmalerei bewundern, dann gibt’s ein paar schlichte Wohnblocks und keine Läden mehr, schließlich Physiotherapeuten, Kosmetiker und Fitness-Coaches. Dann der Kreisverkehr, der den Moritz-Platz für die Fußgänger so ungemütlich macht. Keine einzige Ampel, und der Autoverkehr fließt unablässig und träge dahin. Anders die Gymnasiastinnen, sie kichern, gackern und haben sich unendlich viel zu erzählen, während phlegmatische Bettler erwarten, dass man sie ungebeten mit einer Spende bedenkt. Jetzt habe ich doch noch den Sänger in der S-Bahn vergessen, der ein ziemlich witziges Lied spielte über Probleme, die er früher nicht hatte, ich gab ihm was und fragte: eigener Song? Leider nein, sagte er. Gut ausgesucht, sagte ich. War ja auch so.

Verheugen braucht von seiner Wohnung in der Allee eine halbe Stunde bis hierher. Eingangs der Buchhandlung sucht er sich einige Kunstpostkarten zum Preis von 1€ aus. Den Buchhändler fragt er nach dem Gesprächsbuch von Alexander Kluge und Ferdinand von Schirach. Kluge hält er sowieso für einen der allergrößten. Kann nicht sein, sage ich, der ist mir zu redselig. Solche Einwände schätzt Verheugen überhaupt nicht. Ich hole mir bei Modulor einige Dinge für meine künstlerische Arbeit, wie ich selbstironisch behaupte, aber die Ironie wird nicht erkannt (das geht mir oft so).

Jetzt müssen wir eine Kneipe suchen. Auf der anderen Seite ist schon eine, sie heißt „Zur Mütze”, klingt originell. Sicher ne Raucherkneipe, sagt Verheugen, er sieht es auf hundert Meter Abstand an den Gardinen und hat recht. Da er seinen Tabak nicht dabei hat, hat er keine Lust, in die Raucherkneipe zu gehen, und auch nicht in die nächste und nicht in die übernächste, hier häufen sich die Raucherkneipen, das ist Kreuzberg, in seinem Viertel kennt er nur eine einzige. Er prüft die Bierpreise. 2,90 €. Ist das nicht zu viel für Kreuzberg?

Vor zwanzig Jahren oder so habe ich hier gearbeitet. Ich bin es gewöhnt, dass sich eine Gegend, wenn man sie nach so langer Zeit wiedersieht, total verändert hat, aber hier: Es gibt noch die Stiege, es gibt noch das Restaurant „Max und Moritz” , sicher nicht mehr mit dem strengen Wirt, dem einfach die Nase mancher Gäste nicht passte und der missmutig von seinem Tresen aus in sein Lokal blickte, es gibt sogar noch das kleine Antiquariat. Wir entscheiden uns für die Stiege.

Verheugen ist sofort eingenommen vom historischen Ambiente, der dunklen Wandtäfelung, den alten Radios, die überall rumstehen. Der Wirt sieht noch so aus wie vor fünfzehn Jahren, so dass die Frage erlaubt sein muss, ob hier die Zeit stehen geblieben ist. Ist sie nicht. Aber wir bleiben manchmal stehen, bleiben uns treu, die Zeit kann uns nichts anhaben, wenigstens scheinbar. Zwei ältere Damen sitzen ein paar Tische weiter und essen Calamari livorno, der Geruch verbreitet sich. Geschenkt. Die eine könnte ich kennen, sie sieht aus wie die Lektorin XYZ aus dem Verlag ABC. Eine Dame, für die das Alter eine Gnade ist, ich sage nicht warum. Wirt und Kellner treten ab und zu vor die Tür und rauchen eine. Good bye, Kreuzberg, wir kommen wieder.

Komm auf die Wiese, Luise

Kaum eine Metropole ist so grün wie Berlin
© Fritz-Jochen Kopka

Ist das nicht schön hier? Die Kommune (Berlin Mitte) stellt den Bürgern die Liegewiese zur Verfügung und erwartet im Gegenzug, dass diese die Idylle nicht durch den Verzehr von Alkohol (man kann auch Saufen dazu sagen) oder andere Zuwiderhandlungen beeinträchtigen. Jeder gibt, was er zu geben vermag. Auch das ist Demokratie.

Kategorien:Berlin Schlagwörter: , ,

Was hast du mit unseren Bäumen gemacht, Xavier!

Oktober 6, 2017 1 Kommentar

Die Häuser stehen noch
© Fritz-Jochen Kopka

Der Wetterbericht geht bei mir in das eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus. Das Hirn nimmt ihn nicht wahr. Insofern überraschte mich Xavier auf dem Weg vom Supermarkt nach Hause. Auf der Terrasse hatte er bereits die Pflanzen umgenietet. Die größten und schönsten Töpfe waren zerschmettert. Ich wollte einen Oleander retten, hob ihn hoch, damit hatte ich fahrlässig meine Körperoberfläche vergrößert, Xavier packte mich und die Pflanze, als wären wir ein Segelflugzeug und schleuderte uns in die Luft – nein, ganz so schlimm war’s nicht, ich konnte mich gerade noch so ins Haus retten. Die Bahnen hatten den Verkehr eingestellt, es gab Tote und Verwundete, meistens Leute, die in ihren Autos saßen, wir hatten gedacht, dass dieses stolze Blech eine bessere Rüstung abgäbe. Als viele schon dachten, sie müssten im Büro übernachten, verabschiedete sich Xavier in Richtung Polen. Aber was hatte er mit unseren Bäumen gemacht! Auf dem Traberweg waren einige entwurzelt, in der Trautenauer Straße kamen die Baumkronen erst auf dem Dachstuhl zum Halten. In der Güntherstraße stieg ein Mann aus dem Firmenwagen, fotografierte den umgestürzten Baum und meinte, das sei wohl normal in Lichtenberg, dass die Bäume umfallen; „bei uns in Buch ist nichts passiert”. Ja. Dafür wurden wir beim großen Regen nicht so geflutet wie andere Berliner Bezirke. Soll das heißen, dass die Natur gerecht ist? Ach. An sowas denkt die Natur gar nicht. Falls sie überhaupt denkt.

Der Cowboy rechts hinten wird das schon wieder hinkriegen

Die Helfer vor Ort ratlos

So sehen entwurzelte Wesen aus

Kategorien:Berlin Schlagwörter: , , , ,