Frauensachen

(… häng dich da nicht rein)

Irgendwas mit Medien – auf’m Alexanderplatz
© FJK

Ist das Verhältnis der Frauen zum Alkohol möglicherweise verlogen?

Ich könnte Feministinnen (und Frauen überhaupt) absolut verstehen, wenn sie dagegen kämpften, dass diese Computer mit Frauenstimmen sprechen; es schürt Abneigung, wenn die Maschinen mit weiblichen Stimmen reden und uns des öfteren nicht verstehen wollen oder sich stur stellen.

Frauenweisheit: Männer müssen beschäftigt werden. Sonst machen sie Dummheiten.

Erst kam die Allergie und dann noch die Pandemie.. Sie hat ein neues Medikament, das das alte ablösen soll, das sowieso nicht hilft. Das neue wahrscheinlich auch nicht, aber es ist eben neu, es könnte sich ein Placebo-Effekt einstellen. Ich habe aber viel Zeit gehabt, sagt sie, und meinen Balkon auf Vordermann gebracht.
Das ist sexistisch, sagt der Mann. Es sollte heißen: auf Vorderfrau. Ich habe meinen Balkon auf Vorderfrau gebracht.
Wir bemühen uns um Gendersternchen, wir achten auf die indiskrete Pause zwischen dem r und dem folgenden I (Teenager-Innen). Viel wichtiger ist es doch, die Sprache nach solchen ungerechten Maskulina zu durchforsten, die letztlich die Rolle der Frau in der Geschichte und im alltäglichen Leben ignorieren und neue, geschlechtergerechte Neubildungen anzustreben.

Ist auch beleidigend für ’ne Frau, als moralischer Kompass Europas bezeichnet zu werden. Ist doch ein Mensch aus Fleisch und Blut, die Frau Merkel. Moralischer Kompass, was soll das. Auch sie als mächtigste Frau der Welt zu bezeichnen, finde ich nicht in Ordnung. Wie soll ein Mann einer solchen Frau noch gegenübertreten. Ich hab’s jetzt mit der mächtigsten Frau der Welt zu tun; wie soll ich mich bloß verhalten. Am besten nur mit ja und nein antworten, gnädige Frau. Außerdem wissen wir, dass auch die Mächtigen oft genug ohnmächtig sind und nichts ausrichten können.

Wenn eine Frau ausfegt, habe ich manchmal die Zwangsvorstellung, sie könnte sich gleich auf den Besen setzen und als Hexe davonfliegen – durch die Lüfte.

Wenn wir den Klatsch nicht hätten

In einer kleinen Stadt vor einer langen Zeit
© Christian Brachwitz

Wenn der Brautzug sich auf den Weg zur Kirche macht, ist die Stadt leer, vom Hochzeitspaar und seinen Gästen abgesehen, so siehts aus. Die Stadt ist alt, von den Fassaden fällt der Putz, doch das Fallrohr ist noch intakt, wenn auch der Regen, falls er denn fällt (wir hatten immer schon mal diese Dürrephasen), ungebremst auf den Bürgersteig rauscht, das machte man so, auch wenn es den Kellern nicht gut tat, man dachte da nicht groß weiter. Man will nicht viel wissen von der Außenwelt, die Jalousien sind unten. Die Männer tragen schwarz, die Frauen eher weiß. Wie die Stadt ist auch das Paar nicht mehr taufrisch; umso jünger ist die Begleitung, Teenager und Twens, kein graues Haar, keine gebeugte Gestalt, keine Gebrechlichkeit, seltsam. Vielleicht haben wir es mit Zugezogenen zu tun. Ich weiß es nicht.
Mag sein, dass die Protagonisten nicht ihre erste Ehe schließen wird. Ein Kind aus einer vorvergangenen Beziehung ist dabei. Woran frühere Ehen gescheitert sein mögen, die Frau, die sich in klassischer Pose aus dem Fenster lehnt, weiß das natürlich und amüsiert sich. Man hat ja den Klatsch in einer kleinen Stadt und wenn man ihn nicht hätte, den Klatsch, wäre alles noch älter, grauer und bröckliger.

An die Befreier denkt keiner

Vorjahrescollage April – Mai – Juni

Einmal nach Treptow pilgern und wieder zurück
© FJK

Da spielten bei uns Bob Dylan, Herman van Veen, Konstantin Wecker, Georges Moustaki, José Feliciano, John McLoughlin und Paco de Lucia. Vor der Freilichtbühne der Trabrennbahn tanzte der Heizer in der Dämmerung. Das ist doch keine Seuchenmusik. Der Mensch lebt nicht von Brot und Klopapier allein. Noch immer fällt es mir schwer, das wegzuschmeißen. Corona-Aprilscherze werden weltweit streng bestraft. Barbara T. brachte ins Studentinnen-Wohnheim frische Eier vom Lande mit. Robert Byron starb südwestlich der Faröer-Inseln. Immer neue Konfliktfelder. Es ist immer noch Krieg. Die Rolle des Pferdes als Partner des Menschen in seiner Verbindung zur Entwicklung Berlins. Kulturell hatte die DDR irgendwie ihr bestes Jahr. Sie drücken sich aneinander vorbei, als wäre jeder ein Verbrecher. Jeder kann Täter, jeder kann Opfer sein. Der Gemüsevietnamese kann wieder lächeln. Hoffentlich denunziert uns keiner, denn wir sind ja eine Menschenansammlung. Ich glaube ihn gesehen zu haben, wie er mit seiner Frau und einer Krücke ins Auto stieg. Das ist ein Punkt, bei dem das Stadion die Kirche ersetzt hat. Die Alten, das waren früher immer die anderen. Die Liebe überwindet spielend und unbedenklich den Mindestabstand. Schenk, der DEFA-Guru, liefert den Nachruf. Viele Gräber waren mit bunten Ostereiern geschmückt. Wir mussten Schnaps trinken. Der war in Ordnung. Den Streit sprach keiner an. Mehr depressive Fußballprofis. Auch so sehen die Helden der Seuche aus. Die volle Ladung banales Leben. Ihr Freund hatte breite Schultern und große Ohren. Und dann meinte er, dass Anna Karenina für ihn sowieso eine Schlampe sei, und der Landarzt Bovary tat ihm auch leid. Er trank das mit den Zähnen geöffnete Bier und redete auf die Blonde ein. Philemon und Baucis warten wieder auf die Götter. Er hat es satt, Perlen vor die Säue zu werfen. So wirr Peggy im Kopf ist, so handfest packt sie zu, wenn es hart auf hart kommt. Ich möchte mir von Frau Merkel nicht sagen lassen, dass ich mir die Hände waschen muss.

Was machen wir jetzt ohne Fußball. Oh Mann, mir geht’s so schlecht. Wir hatten wilde Ballwechsel vor dem Lockdown. Am Ende sind doch fast alle tot. Sogar die Dummen. Das Grundgesetz ist Gott. Er ist sein Hirte. Er ist auch Musiker und hat einen Ehemann. Gestern unternahm er einen Versuch, mich (oder eine Wählerstimme) zu grüßen. Sperrbarrieren, Familien, Fahrräder, Kinderwagen, Idioten. An die Befreier denkt keiner. Wir schlugen unser Wasser im Garten ab. Wetterberichte sind für mich die reine Blasphemie. Ich lese kurz rein und lege sie in die Papiertonne. Das war das Schlimmste, was er sich vorstellen konnte: eine Wespe mitzutrinken. Ich nehme den Hörer ab und habe einen Sachsen an der Strippe. Die Technik macht, was sie will. Man hat ja in unseren Kreisen seit Ewigkeiten keinen Betrunkenen mehr gesehen. Manchmal schütteln ihn Lachanfälle, die klingen aber so, als würde er gewürgt. … ihr wisst ja selbst, nehmt es mir nicht übel, einer Frau fällt es leichter, den Teufel zu küssen, als eine andere Frau schön zu nennen. Das Geld wird sowieso nichts mehr wert sein, er möchte es ausgeben, weiß aber nicht wofür, weil er keine Ansprüche hat. Sylvius vereinte die Eleganz und geistige Gepflegtheit, die angenehme Form einer humanistischen Bildung mit der Beschränktheit eines reaktionären Geistes … Er sägt seine Möbel von Ehepaar-Format auf Single-Größe zurück, das Ehebett, die Schränke, das Sofa. Ich nenne ihn Hiob. Könnte uns alle so nennen. Es drängt sich der Eindruck auf: Je nach Tabellenplatz entdeckt man plötzlich die Moral. In den Stadien lief es besser als in den Kneipen und in den Kirchen. Die Nachbarin hatte Lockenwickler eingearbeitet und wirkte ein Science-fiction-Monster. Unverständlich ist das, was sie machen. Unverständlich.

Arno ist ein dicker alter Mann, der jede Menge dicker alter Sätze schreibt, mit denen er schlanke junge Frauen bezaubern möchte. Ihre Treppe ist sehr steil, sagte er. Mit solchen Spielern macht sich jede Mannschaft unbeliebt. In der ersten Halbzeit waren wir die klar bessere Mannschaft. Man soll nicht selbständig eintreten. Bin ich jetzt schon entmündigt? Alfreds Mutti ist sehr dick und sehr sportlich. Stör sie nicht, wenn sie telefoniert. Glatzen, Übergewicht und Gebrechlichkeit auf dem Flur, nur die Jungen sitzen. So muss man denken in der Marktwirtschaft. Es gibt zusätzlich das Geräusch der Presslufthämmer. Die Frau des Schriftgelehrten hängt die Wäsche auf (wie jeden Tag). Eindrücke von anderen Lebenswegen und Arbeitskämpfen. Irgendwann wird sich das auszahlen, dass er überall mal reingerochen hat. Ab und zu fragte er: Adolf Hitler? Mich hat dieser kleine nervöse und irgendwie gestörte Mann immer interessiert. Wenn’s keine Rassen gibt, kann’s auch keinen Rassismus geben. Die werfen doch auf alles ein Auge. Für ein Weißbrot und ’ne Flasche Rotwein wird es immer reichen. Erstmals war der Schauspieler Krause nicht unter den Gästen. Da lecken sich doch die Weiber alle zehn Finger nach! Man saß zusammen bei Bier und Schnaps und die Zeit spielte keine Rolle. Der Regen kümmert sich nicht um den Wetterbericht. Wenn du ihn verstanden hast, dann war es nicht Gott. Die greise Helga hat für die DDR den Bachmann-Preis erkämpft. Alle Organe sind betroffen. Aber den kategorischen Imperativ und den gestirnten Himmel über mir führen wir alle im Munde. Auch beim Bürger Gramberg brannte Licht. Seitdem ich weiß, dass ich sowieso alles falsch mache, geht es mir viel besser. Für Menschen wie mich ist Macht irrelevant.

Zitate: Wieland Freund, Pferdesportpark Karlshorst, Hans Ulrich Gumbrecht, FAZ, Frank Castorf, Jerome Charyn, Nikolai Gogol, Martin Gumpert, Christian Seifert, der Schriftgelehrte, Florian Kohfeldt, FAZ-Leserbrief

Der Bürgeramt arbeitet trotzdem

Oktober 1, 2021 2 Kommentare

Try to remember the kind of September
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Berliner Bürgeramts-Tauben

Frau Giffey und der Vogelzug

In den Institutionen werden zur Zeit allenthalben die Toiletten rekonstruiert, im Dussmann-Kultur-Kaufhaus und im Bürgeramt, dieses „Unser Klo soll schöner werden” liegt im Interesse des Kunden, das nächste öffentliche WC gibt’s im Fall Dussmann am Bahnhof Friedrichstraße. Im Bürgeramt am Tierpark wird gleich der ganze Gebäudekomplex rekonstruiert; außerdem regnet’s. Man kann froh sein, wenn man schlau genug war, einen Termin zu ergattern. Ohne Termin wird gar nicht erst abgefertigt. Kannste gleich wieder nach Hause oder in den Septemberregen gehen. Zugang ist möglich über den verlotterten Dienstboteneingang. Durch Dreck und uninspiriertes Graffiti steigst du hinauf. Sie haben sicher einen Termin. Ja. Dann dürfen Sie sich am Tresen melden. Ich will sicherheitshalber noch ein Passfoto machen, es soll ja aktuell sein, und der Automat steht hinten links in der Ecke. Ich komme mit der Münzeinwurftechnologie nicht zurecht und verliere ein paar Euro. Da ich denke, dass das auch so angedacht ist, verzichte ich auf einen Protest. Die staatlichen Einrichtungen sollen gewinnbringend arbeiten, es wenigstens versuchen. Auf dem Foto sieht mich ein anderer Mensch an; das sind wir schon gewöhnt.
Es sind hauptsächlich Migranten, die sich hier in Passangelegenheiten versammelt haben, und sie kommen gut mit den Regularien zurecht, auf jeden Fall nicht schlechter als ich. Nach der Fotografiererei habe ich vergessen, die Maske wieder aufzusetzen, werde aber nicht des Raumes verwiesen. Dann bin ich dran. Ich kenne dieses Office schon. Die Beamten (wenn sie denn Beamte sind, keine Ahnung), sitzen weit verstreut an ihren Arbeitstischen. Meine Bearbeiterin macht, soweit ich das beurteilen kann, einen guten Job; sie will wissen, ob ich eine weitere Staatsbürgerschaft beantragt habe („Die eine reicht mir.”), nimmt auch meine Fingerabdrücke und ist dabei sehr genau. Ich leiste zwei Unterschriften und werde gefragt, ob ich mit der Unterschrift, wie sie dann im Pass stehen wird, einverstanden bin („Besser wird’s sowieso nicht mehr.”) Die Bearbeiterin scheint mit meinen Antworten zufrieden zu sein und lässt mich unter der Hand wissen, dass der Staat alles über mich weiß, etwa, dass ich noch einen abgelaufenen, aber nicht ungültig gemachten Pass besitze und dass ich vor vier Jahren keinen Reisepass beantragt habe, weil ich nicht mehr reisen wollte. So war’s. Macht mir nichts aus. Ich kenne den Staat ja auch. Dann bin ich fertig. Es kann jetzt vier Wochen dauern oder auch fünf. Bescheid bekomme ich im Netz. Draußen trifft mich die Tristesse eines Septemberregentages und der Trübsinn eines lange vernachlässigten Gebäudekomplexes, dem nun wieder aufgeholfen werden soll. An der Laterne hängt noch ein zuversichtliches Giffey-Plakat und unmittelbar darüber wie die Zusatz-Info eine Belehrung über den Vogelzug. Wann beim Vogel die Zugunruhe einsetzt, sei genetisch festgelegt. Was nicht passt, wird passend gemacht. Aber es passt ja irgendwie.

Noch ein Wort zur Wahl

Wenn man hier Herrn Laschet plakatiert hätte, es hätte anders kommen können
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Wir geduldiges Wahlvolk

Spannung lag in der Luft

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine waren übellaunig, weil wir 0:2 gegen Simon Terodde verloren hatten. Der alte Terodde! Uns aus seiner Union-Zeit noch bestens bekannt. Wie der noch mit dem Kopf blitzschnell bis fast zur Grasnarbe runterkam und die Flanke ins Tor köpfte, unglaublich. Es sei ihm verziehen, zumal er sich nach dem Spiel sehr anerkennend über unsere Leistung äußerte. Und dann der Wahltag. Unsere Nachbarn waren unverrichteter Dinge vom Wahllokal zurückgekehrt, weil die Schlange der Wahlwilligen einfach zu lang war; sie wollten es später noch mal versuchen. Wir warfen noch einen Blick auf den einsamen Wahlkämpfer in unserer Straße, ein Mann, allein auf weiter Flur, ohne Gegnerschaft, das war ja irgendwie auch ein Symbol für diesen, wir sagen mal, Parallelwahlkampf. Unser Wahllokal, dieses Mal nicht in einer Kita, sondern im Kreativschulzentrum. Wir stellten uns ans Ende der beträchtlichen Schlange, erfuhren aber durch Zufall, dass wir, vom Wahllokal 629, gleich auf den Schulhof gehen konnten und uns an einer minder langen Schlange positionieren durften, die sich allerdings auch nur träge vorwärts bewegte; kein Wunder, wenn der Wähler sechs Kreuze anzubringen hat und die Wahllokal-Belegschaft aus Azubis besteht; junge Menschen, die immer etwas langsamer sind als die alten, weil ihnen noch die Routine fehlt, zum Glück, denn nach der Last der Merkel-Jahre wollen wir uns nun doch wenigstens zum Teil von eingeübten Handlungen lösen.
Am Nachmittag saßen wir mit Gästen im Garten. Jeder hatte was zu essen oder Bier mitgebracht, und jeder stellte fest, dass sich seine Spannung in Grenzen hielt. Um sechs sahen wir uns die Hochrechnung an. Herr Laschet hatte noch einen schönen Endspurt hingelegt und lag Kopf an Kopf mit Herrn Scholz, was ihn aber nicht davon abgehalten hatte, seinen Wahlzettel offen, also falsch, in die Urne zu stecken. Man konnte das aber noch mal durchgehen lassen. Frau Baerbock blieb unter ihren Erwartungen, was wohl in ihrem eigenen Interesse war, sie ist vielleicht nicht zu jung, aber doch zu kindlich, warum soll sie mit all ihrem Selbstbewusstsein vor der Zeit verbrannt werden. Herr Laschet liegt nun also 1,6 Prozentpunkte hinter Herrn Scholz und meint, dass Herr Scholz deshalb nicht Sieger und er nicht Verlierer genannt werden kann. Man hat ihn auf den Sport verwiesen. Dort liegt einer eine Hundertstelsekunde vorn und ist der Sieger. Eindeutig. Sonst kann man ja gleich aufhören zu zählen und zu messen.

Gute Zeit für Stubenhocker

Vorjahrescollage Januar – Februar – März

Plötzlich die Stadt wie leergefegt
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Das neue Jahr begann mit einem Abba-Song. Wir landen nur in Sackgassen. Man weiß, dass man sich gleich seinen Platz erkämpfen muss. Zwei Frauen stehen an der Gartenpforte, Evangelistinnen. Ich war eigentlich jedem Gespräch gewachsen, es sei denn, ich hatte von vornherein zu viel Respekt vor dem Gesprächspartner. Man glaubt es nicht, was die für eine gequirlte Scheiße redet. Wie meine Oma fragte er: Sind’s bessere Leute? Seine Hauptthemen heißen Feuerwehr, Baustelle und Polizei. Alles muss mindestens drei Mal gesagt werden. Es gab überall viel zu viele Geschenke. Diese Last müssen wir nicht mehr tragen. Das ist von der Satirefreiheit nicht mehr gedeckt. Anscheinend ist das Naturerlebnis ohne Nervenkitzel in der neueren Zeit nicht mehr viel wert. Er durchforstet die Vergangenheit, in der er zum Teil noch lebt. Er war der Mann, der sein Leben lang beharrlich insistierte und reklamierte. Frau König mit weit aufgerissenen Augen. Zu ihrem Glück sieht, hört und riecht sie nicht mehr viel. Wer schnarcht, lebt noch. Was für eine Prosa. Schnell, schlicht, distanziert, gefühlskalt. Ich aß ’ne Banane und fuhr nach Friedrichshagen.

Die Junker waren zurückgekehrt. Ein Greis mit großem Kopf und viel Silberhaar. Auf seinen Fotos scheint es genauso wirr vorzugehen wie in seinem Kopf. Er ist so feurig wie das HB-Männchen. Es ist durchaus plausibel, dass jemand in dieser Umgebung den Verstand verliert. Er war so dünn wie ein Bindfaden und trug maßgeschneiderte Anzüge. Nach Aussprechen der Verwarnung folgten erneut respektlose Gesten vor den Augen des Schiedsrichters. Zwei Jungs begeben sich in eine Autowaschanlage und kommen als Waschbären wieder raus. Für mich war die Flucht ein romantisches Kleinjungenerlebnis. Herricht und Preil, die find ich geil. Man ist immer mit einigen Tonnen Übergewicht unterwegs. Es ist die Zeit der Rücktritte. Merkels Gretchen. Der Alte Fritz ist ein Erbstück von Hans’ Oma. Der Unparteiische hörte auch immer wieder genau hin, ob sich vielleicht der eine oder andere Spieler im Ton vergreift. Er kam von seiner Hochzeit zurück. Stieg aus. Ohne Braut. Allein und einsamer als je. Frauen verdienen mehr, als sie zugeben. Der Lebenskünstler aus Potsdam im feinen Zwirn geht mit 500 € nach Hause. Man spürt in keinem Satz den Suizidalen. Der unangenehme Typ mit dem angenehmen Äußeren.

Männer, die durch ihr Leben taumeln, Frauen suchen und Alkohol finden. An Wochenenden ließ ich mich schlafen. Erster Corona-Fall in Berlin. Als nächster kommt Giuseppe, der seine Mütze nicht absetzt. Der kommt bestimmt nicht vor’s Gendergericht. Die Ostler hatten schon immer das bessere Immunsystem. Die Frau des Deutschen ging vorbei. Sie war zu groß, um schnell zu sein. Wenn ich nur im Entferntesten wüsste, was diese Idioten von mir wollen, dann würde mir leichter fallen, das zu verstehen. Er gehörte zu jenen Spezialisten, die glaubten, es sei Humor, wenn sie sich altmodisch ausdrückten. Meine Oma wohnt auf dem Bahnhof vom ICE. Die Gerüste stehen da wie eisern. Ihr Vater war ein ungarischer Jude und ihre Mutter war schwanger. Sie holt aus ihrer Tasche trockene Schwarzbrotscheiben raus und beginnt zu essen mit dem Rücken zum Restaurant. Die Windräder bringen alles durcheinander. Für zwei Millionen Euro war die Frage übrigens viel zu leicht. Weltmeister im Händewaschen sind wir schon. Aprilwetter gilt neuerdings fürs ganze Jahr. Das ist keine Seuche, sondern ein feministischer Geheimplan zur Liquidierung alter weißer Männer. Ein Quoten-Ossi muss schon sein. Die Verkäuferin lacht, der Kaffeetrinker verzieht keine Miene. Für Stubenhocker ist das eine große Zeit. Wir sind alle Helden, sage ich, man stimmt mir zu.

Zitate: Christoph Petersen, Tobias Sippel, Christian v. Plessen, FAZ (zwei), Dietmar Hopp, Doris S. Justus S.

Ich weiß, es ist reichlich spät für die Vorjahrescollagen. Mancher begreift eben erst im Herbst, dass das neue Jahr begonnen hat.

Wieder so’n Stadttag

Das erste sympathische Wahlplakat der Saison
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Ein schöner Tag am Phone

Sag deiner Friseurin, sagt Verheugen, sie soll deine Haare nicht wieder so stark färben. Als wir zuletzt zusammensaßen, ist dir die ganze Suppe den Hals runtergelaufen, sah schrecklich aus. Ich hab nichts gesagt, weil ich taktvoll bin und dich nicht kränken wollte. Ich bin ja nicht wie du.
Warum läuft mir denn jetzt die Zeit weg! Ich muss mich beeilen, auch noch Geld ziehen, was essen unterwegs. In der Bahn lese ich Manzoni, Die Verlobten, erfahre aber von meinem telefonierenden Gegenüber, dass seine Bekannte einen Fahrradunfall hatte, dass er sein Rennrad abgeschafft hat, weil das in der Großstadt keinen Sinn macht, dass seine Bekannte in eine neue WG eingezogen ist, dass sie am Wochenende brunchen wollen, dass die Bekannte und ihre Mitbewohnerin Vegetarier sind und dass mein Gegenüber, ein rothaariger Lockenkopf mit vegetarischen Jeans, alles mitbringen will, was man für ein Omelett braucht. Von Manzonis Verlobten weiß ich nicht so viel. Auf dem Hackeschen Markt ess ich ’ne Currywurst. Auffallend viele junge Mütter sind mit Lastenrädern (um nicht wieder Lasterräder zu sagen wie neulich) unterwegs. In den Behältern vorn sitzen die Kinder zusammengekauert hinter Plastikscheiben und fremdeln mit der Welt. Ich fremdele anscheinend auch. Was machst du schon hier, sagt meine Friseurin. Du bist in einer Stunde dran. Tatsächlich. Ich habe nicht auf die Stunden, sondern nur auf die Minuten geachtet. Jetzt hab ich sie wieder, die Zeit, die mir vermeintlich weglief. Zuerst sehe ich das erste sympathische Wahlplakat der Saison, es ist eines ohne Parolen und ohne diese schlechten Fotos. Ein junger Exot fragt mich in vornehmem Deutsch, ob ich mich in der Gegend auskenne. Äh, nicht besonders … Wo ist das St. Hedwig-Krankenhaus? Ich erinnere mich an einen roten Backsteinbau. Ist es nicht das dort? Der Mann bedankt sich auf seine vornehme Weise, umso peinlicher für mich, als ich später feststelle, dass es sich um die Berliner Elektrizitäts-Werke handelt, das Krankenhaus ist gleich um die Ecke. Ich stelle mich in den Buchladen „do you read me”, vorwiegend englisches Sortiment, wird auch so gut wie nur englisch gesprochen, ich blättere in Ikigai, japanische Lebenskunst, und weiß jetzt, was die fünf Säulen des Ikigai sind: 1. Klein anfangen 2. Loslassen lernen 3. Harmonie und Nachhaltigkeit leben 4. Die Freude an kleinen Dingen entdecken 5. Im Hier und Jetzt sein.
Der Knöchel des rechten Fußgelenks schmerzt, ich setze mich auf die Bank gegenüber dem Kinderspielplatz und bringe den e-Book-Reader in Stellung. Der Schwarze auf der Bank gegenüber telefoniert leidenschaftlich, kann zwischendurch aber auch gut zuhören. Was mich besonders amüsiert, ist das engagierte Gestikulieren, der Gesprächspartner kann es ja nicht sehen. Ein Junge hat es sich dem Felsgipfel des Spielplatzes gemütlich gemacht, bis seine Freundin auftaucht, jetzt balancieren sie auf den kleineren Felsbrocken rum, das Mädchen ist ziemlich vorsichtig und der Junge ein echter Profi.
In der Hair Company herrscht Urlaubsstimmung. Die Friseurin amüsiert sich über den Joke mit meinen gefärbten Haaren und überlegt bei einem Espresso im Garten, was sie mir für einen Schnitt verpassen könnte.
Auf der Westseite des Alexanderplatzes singt eine Frau Adele-Songs, unter der Weltzeituhr steht ein Gitarrero und spielt einen never ending Blues. Ich habe ’ne übervolle Packung Fish ’n Chips in der Hand und kriege es hin, dass nichts runterfällt.
U-Bahnhof Weberwiese. Der Vietnamese, der Mexikaner, der Grieche, der Böhme. Da sitzt Verheugen am ersten Bier. Wir haben den Prachtboulevard des Arbeiter- und Bauern-Staats im Blick. Die Straße hat sich so viel Raum genommen, dass es kein Gedränge gibt. Platz für alle. Alle Menschen. Es ist eine seltsame Mischung aus Nähe und Ferne, die wir erleben. Viele Läufer sind unterwegs, die meisten mit Übergewicht, die werden bald wieder aufhören, wenn sie mitkriegen, wie lange man laufen muss, um ein paar Pfund zu verlieren. Ein Zwei-Meter-Mann mit einer winzigen Frau Hand in Hand. In der Mitte passt man immer zusammen, sagt Verheugen. Am Nebentisch hat sich ein Paar mit zwei kleinen Hunden niedergelassen, die unablässig verwöhnt werden. Diese Rasse scheint Mode zu sein; es gibt sie meistens im Doppelpack. Der dunklere der Hunde mustert Verheugen mit einem langen nachdenklichen Blick, und der blickt ebenso nachdenklich zurück.
Er greift die alten Bücher aus dem Regal, gerade jetzt Der Zauberberg. Hans Castorp hat immer viel gegessen, zitiert er aus dem Gedächtnis, auch wenn er keinen Hunger hatte. Er aß schon aus Selbstachtung. Ein snobistischer Gedanke, finde ich, typisch Thomas Mann. Die Blocks auf der anderen Straßenseite bilden die unbekannte, mal reizvolle, mal unheimliche Ferne ab. Auf unserer Seite haben sich die E-Roller durchgesetzt: Sie rollen in gespenstischer Geschwindigkeit an uns vorbei. Die verzückt lächelnden Fahrer stehen erstarrt auf dem Trittbrett. Das wird die Zukunft sein. Bewegung und Stillstand vereint. Der Mensch drückt Buttons.

Die meisten Plagiate

Leuchte, M 2, leuchte
© FJK

Ich liebe das schlechte Wetter im Sommer. Es verpflichtet zu nichts. Man kann drinnen bleiben und sich die schönsten Beschäftigungen suchen.

Der Himmel ist inkontinent.

Die guten Menschen: Alles Böse kommt vom Fußball. (Eltern haften für ihre Kinder, Hundehalter haften für ihre Hunde, Hühner haften für ihre Eier, und Fußballvereine haften für ihre Fans)

Schön, dass man jetzt die Fußball-EM sehen kann, ohne die Last des Patriotismus zu spüren. Danke, Trainer. – Das galt für die Löw-Zeit. Jetzt haben wir die Flick-Zeit. Mal sehen, ob wir wieder Patrioten werden können.

Eine Frau, die ihren Mann nicht zur Weißglut bringen kann, hat ihr Geschlecht verfehlt.

Sie ist kein Mensch für die Großstadt, aber in den Bergen singt sie.

Männer sind zu ihren Frauen toleranter als Frauen zu ihren Männern. Keiner kann mir erklären wieso, aber es ist so.

Für meine schlechte Laune kann ich mich nicht entschuldigen. Ich hab mir die nicht ausgesucht.

Frauen können nicht mit Gartenschläuchen umgehen, je länger die Schläuche sind desto weniger.

Die Frau ist der Frau ein Wolf. Mit dem Feminismus lässt sich das ein wenig verhüllen.

Das ist kein Bauch. Das ist ’ne Sache, die hängt mit der Atmung zusammen. Wenn ich nicht ausatmen müsste, wäre da gar nichts.

Das werde ich dir nicht erzählen. Ich sollte dir überhaupt nichts erzählen. Du vergisst ja nichts.

Politiker-Bücher im Wettbewerb: Wer hat die meisten Plagiate.

Falls das Humor war, hab ich’s verstanden.

Korrekt muss es heißen: Lasterräder. Man kann auf ihnen auch den Geschlechtsverkehr durchführen. Deshalb wollen die Grünen die Sache auch exorbitant fördern. Respekt. Wir hatten sie immer für prüde gehalten.

Die Rente steigt unmerklich an.

Denis Scheck wird immer übermütiger. Keiner stopft ihm das Maul. Der Clown im weißen Festanzug. Robinson spielt König. Der Clown spielt Gott.

Die jungen Angeber mit ihren apodiktischen Urteilen. Für sie gilt nur das randständige Neue.

Hier können Berliner schlechte Laune kriegen.

Es arbeitet eigentlich nur der Kran. Die Arbeiter stehen daneben, stecken sich kleine weiße Stäbchen in den Mund und entzünden sie. Die brennen nicht, die qualmen nur, wie kleine Schornsteine.
Sagenhaft, es geht um ein banales Einfamilienhaus, aber was da für riesige Maschinen herangefahren werden, Bagger, Kräne, Schwerlaster … Früher hätten drei Maurer das schon längst fertig gebaut.
Es ist ja wohl ein Hybridhaus. Ein bisschen wird schon noch direkt am Ort vermauert. Ansonsten werden Bauteile herangefahren und montiert.

„Hast du deine Zeitung schon reingeholt?”
„Brunhilde ist einkaufen.”

Von meiner Friseurin erfuhr ich, dass sich Marilyn Monroe nicht wegen Depressionen oder der Männer umgebracht habe, sondern weil sie alle drei Tage ihre Haare blondieren lassen musste, der Schmerz (denn das ist schmerzhaft) war einfach zu viel. Das ist meine Version, sagte die Friseurin. Je dunkler die Originalhaare, desto schwieriger das Blondieren.

In den hohen Bäumen sammeln sich die Vögel für den großen Flug. Sagenhaftes Gezwitscher in der Luft. Bald wird es still.

Hast du ihn vor deinem geistigen Auge, falls man von sowas bei dir reden kann?

Im Retro-Land

Im Paradies der Dinge
© FJK, ADe

Weckt ihn nicht, bis er sich regt

Sie kommen von weit her

Der Riesen-Flohmarkt, an jedem ersten Wochenende des Monats, ist vielleicht das vierte Standbein unserer ehrwürdigen Trabrennbahn. Für uns ist das ein Spaziergang in einer naturnahen Umgebung. Wenn du nichts im Auge hast, was du brauchst oder nicht unbedingt brauchst, aber eben haben willst, wirst du dir bald verloren vorkommen. Es ist so viel Zeug da, hauptsächlich Vasen. Geschirr massenhaft, Reklameschilder, Modelleisenbahnen, Klamotten, Schallplatten natürlich, Bücher. Im Tribünenunterbau Briefmarken, Münzen, historische Stadtansichten. Wehrmachts-Devotionalien kommen vor. Interessant ist das Werkzeug aus einer Zeit, als es noch keine Elektrogeräte gab. Eisen, Stahl und Holz. Schwere Sachen. Wir Heutigen wissen von einigen Geräten nicht mehr, was man mit ihnen anfangen kann. Wenn man das wüsste, würde man vielleicht zuschlagen.
Die Händler, mit denen wir redeten oder die wir reden hörten, waren Sachsen oder Polen. Die Sachsen schlagfertig, aber nicht unbedingt witzig. Hier und da fallen Zahnlücken auf. Die Polen lässig und stolz.
„In Berlin denkt ihr, wir in Radebeul sind alle Millionäre. Sind wir ja auch. Aber in Moritzburg haben sie uns überholt.”
Die Sendung Bares für Rares ist oft Thema.

Man nennt solche Märkte gern Antik-Märkte. Alles soll antik und original sein, die Händler sowieso, manchmal auch die Besucher: wie aus einer anderen Zeit gefallen. Kinder verzweifeln mitunter, weil sie nirgendwo einen Lego-Stand finden oder weil es ihnen einfach zu voll ist.
Häufig gestellte Fragen: Wie rechnet sich das alles? Die Besucher laufen ja nicht mit dem dicken Portemonnaie übers Gelände. Und außerdem hat jeder zu Hause schon zu viel von allem. Wie mühsam ist es, das alles auszupacken, aufzustellen und unverkauft wieder einzupacken? Wie einfach mag es sein, das eingenommene Geld zu zählen? Und passt das alles denn tatsächlich in das Auto rein?
„Du musst was auf der hohen Kante haben. Aber ich hab nichts auf der hohen Kante. Und der weiß das auch.”
Für den Händler kommt es darauf an, sich des Wertes seiner Ware bewusst zu sein und sich nur minimal runterhandeln zu lassen.
„Das ist alles noch original. Gut erhalten. Und komplett. Das findet man heutzutage kaum noch. Das sind schöne Sachen, und schöne Sachen kosten schönes Geld. Wie schöne Frauen auch schönes Geld kosten.”
Der Besucher kann hier guten Kaffee trinken, frisches Bier trinken, Quarkkeulchen und Bratwurst essen. Sich auf Holzbänke setzen und überlegen, ob er noch einen Versuch macht. Dieses Set mit Emaillegefäßen für Seife, Soda und Sand. Ob der Händler am Ende des Tages doch noch demütig geworden ist? Ist er nicht.

Hansis Debüt

Kein Durchkommen. Berlin Alexanderplatz
© FJK

Liechtenstein – Deutschland 0:2. Man erwartet gegen das 38 000-Einwohner-Ländchen ein zweistelliges Ergebnis, aber die Liechtensteiner, Spieler aus der 2. bis 6. Schweizer Liga, hielten bis zur 41. Minute das 0:0. Dann avancierte Timo Werner zum Spielverderber. Ulkig, wie dem armen Leroy Sané (oder Sahne laut Löw) in der ersten Halbzeit das Pech an den Schuhen klebte, ihm gelang nichts, kein Dribbling, kein Pass, dafür in der zweiten Halbzeit das 2:0. In den Spielern waltet noch viel Löwscher Geist. Bundestrainer Hansi Flick immerhin schien auch belustigt zu sein, als die Experten scharf nachfragten. War ja auch amüsant zu beobachten, wie die Liechtensteiner Amateure und Halbprofis mit Geschick, Glück und Leidenschaft ihr Tor verteidigten. Nach zwei gelungenen Paraden zu Beginn war Torwart Benjamin Büchel im Flow und wurde zum Super-Hero.
Ich hoffe, Uli Hoeneß hat das Spiel nicht gesehen. War er doch der Meinung, dass Toni Kroos das deutsche Spiel mit seinen Querpässen gelähmt und im modernen Fußball nichts mehr zu suchen habe. Er kann nicht vergessen, dass Kroos den FC Bayern via Madrid verließ, weil das Gehaltsgefüge bei den Bayern aus dem Gleichgewicht geraten war. Nun konnte man sehen, wer da in die Lücke, die Kroos mit seinem Rücktritt hinterlassen hat, sprang. Von Kimmich war nicht viel zu sehen. Der machte den Eindruck eines verwöhnten Knaben, der es nicht erträgt, dass ihm die anderen Kinder das Spielgerät wegnehmen. Wenn man eine tiefstehende Mannschaft nicht knacken kann, helfen Standards und Fernschüsse. Was wir da von Gündogan und Süle, von Sané und Kimmich sahen, war ärmlich. Die Lücke ist größer als gedacht, das heißt: Mir war das schon klar.

War schon ungünstig, dass Hansi Flicks Debüt nach der bleiernen Löw-Zeit ausgerechnet gegen den Fußballzwerg Liechtenstein stattfand. Auch wenn du haushoch gewinnst, siehst du da irgendwie schlecht aus. Aus meinem Freundeskreis hörte ich, dass jemand, der mit über fünfzig noch Hansi genannt wird, es nicht weit bringen wird. Das sehe ich nicht so. Wie soll man sich gegen so einen Namen wehren. Ich fand Flicks Lockerheit bemerkenswert. Alles Schicksalhafte ist ihm fremd. Er hat einen weiten Weg zu gehen, und er hat nichts zu verlieren.