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Archive for November 2013

Als ich Lehrling war

Nicht unbedingt eine verschworene Gemeinschaft – Malerlehrlinge 1977 © Christian Brachwitz

Nicht unbedingt eine verschworene Gemeinschaft – Malerlehrlinge 1977
© Christian Brachwitz

… was heute Azubi hieße. Lehrling ist auch echt kein schönes Wort, falls man in die Verlegenheit kommt, darüber nachzudenken. Es müsste sowieso Lernling heißen. Und dieses angehängte –ling … –  gar nicht schön. Einen Mann, der immer grüne Anzüge trägt, nennt man Grünling, ein dickes Kind Feistling, also, ich bin mit dem Wort Azubi einverstanden.

Als ich Lehrling war, trug ich einen Kittel. Schriftsetzer. Wir erfuhren, dass man die Schriftsetzer früher Stehkragenproletarier nannte und der Arbeiteraristokratie zurechnete. Im Sinne einer historischen Gerechtigkeit bestrafte die DDR uns, die wir nichts dafür konnten, indem sie uns schlecht behandelte. Wir gehörten irgendwie nicht zur führenden Klasse und wurden besonders mies bezahlt.

Wir waren lustig und ziemlich aktiv und gingen erwachsenen Leuten schwer auf die Nerven. Wir hatten eine Fußballmannschaft, wir nahmen an Handballturnieren teil, wir gründeten ein (Rabauken-) Kabarett, diskutierten einen Redakteur vom Sender Schwerin in Grund und Boden, der uns einen Vortrag über die feindliche Ideologie in Westschlagern hielt. Zu jedem Fest dichteten wir irgendwelche Verse, in denen wir uns, aber auch unsere Lehrausbilder und Erzieher (wir wohnten in einem Lehrlingswohnheim) zur Sau machten. Wir hatten eine Lehrausbilderin, die es tatsächlich noch schaffte, in den Westen abzuhauen, und einen Lehrausbilder, der – was noch unglaublicher war – aus dem Westen in die DDR gekommen war. Unser Lehrobermeister war schwerer Alkoholiker, der immer Pfefferminzbonbons lutschte, und der Leiter der Lehrwerkstatt sprach, wenn wir in den Ernteeinsatz mussten, davon, dass wir das Brot des Volkes einbrächten. Wir hatten meistens Liebeskummer, aber manchmal ging auch was.

Die Jungs auf diesem Bild, das aus den siebziger Jahren stammt, sind auch okay. Der eine macht sich freiwillig zum Affen, weil er, verglichen mit den anderen, viel zu groß ist, und die Komiker, die in die Leitern geklettert sind, geben sich besonders gewitzt. Über allen Dingen sein. Wir haben den Spätaufsteher unter ihnen und jenen, dem das Bier nicht bekommt, das man trinken muss, weil das ja männlich ist. Es gibt natürlich gruppendynamische Prozesse und den Starken, der am mächtigsten allein ist. Möglich, dass sie eine Band gegründet haben, die aber nur einen einzigen Song über die Rampe bringt. It Was a Hard Day’s Night. Sie blicken furchtlos in die Zukunft, aber nicht allzu erwartungsvoll. Heute sind diese Jungs Mitte fünfzig. Sie haben in ihrem Leben einige tausend Tonnen Farbe verarbeitet, aber der mit dem besonders weißen Gesicht ist Schauspieler geworden. Jetzt haben sie allen Grund, furchtlos in die Vergangenheit zu schauen.

Üble Nachrede Blatt für Blatt

An die Wand geschrieben. Berlin Mitte, Rosenthaler Straße

An die Wand geschrieben. Berlin Mitte, Rosenthaler Straße

Vor drei Jahren zog sich Fritz J. Raddatz an den eigenen Haaren aus dem Sumpf der drohenden Vergessenheit, indem er seine Tagebücher 1982 – 2001 veröffentlichte (Rowohlt). Das Buch wurde unerwartet ein enormer Erfolg, und Raddatz hatte, was er wollte. War wieder in. Das Klatschbedürfnis der literarischen Klasse wurde mehr als erfüllt. Und das Buch war klüger als sein Autor. Es redete, wahrscheinlich wider Willen, von einer Randfigur, die sich immer im Mittelpunkt wähnt. Das durchgängig Unsolide offenbart seine Anziehungskraft. Der Kleinbürger, der sich für einen Aristokraten hält, steht den selbst erkannten Schwächen und Schuftigkeiten machtlos gegenüber. Die Frage, die ihn umtreibt, ist diese: Warum mögen die Leute mich nicht? Und es ist ein Phänomen, dass er sie niemals beantworten kann, aber uns, seinen Lesern, das Wissen an die Hand gibt, die Antwort zu finden. Der Leser mit seinen menschlichen Schwächen kommt voll auf seine Kosten, wenn er Despektierliches über die Promis des Kulturbetriebs erfahren möchte. Nur Frank Schirrmacher, der FAZ-Herausgeber, wird geschont und bedankt sich, indem er das Buch als den lange ersehnten, großen Gesellschaftsroman der Bundesrepublik feiert. Um eine schräge These war Schirrmacher nie verlegen.

Raddatz spielt gern den feinen Pinkel, gibt mit seinen Messerbänkchen an und wird nicht müde, sich darüber zu beklagen, wie schlecht er bewirtet wird, wo er auch hinkommt, wie mager die Büffets sind, wie minderwertig das Essen, wie geizig und lieblos die Gastgeber und statt Champagner gibt es immer nur Sekt. Was ihn nicht hindert, seinem Gast, in diesem Fall Rolf Hochhuth, die Bissen förmlich in den Mund zählen. Es ist bereits Mitternacht, da wagt Hochhuth zu fragen: Haben Sie noch einen Cognac? Raddatz wollte ihm schon längst ein Taxi rufen. Hochhuth hat bereits Champagner, Weißwein, Wasser, Rotwein und Calvados in sich hineingeschüttet, 3 Heringsfilets und danach 3 Kohlrouladen verschlungen.

Raddatz ist wie Treibsand, nichts, woran er sich festhalten kann, nur die Größten wären ihm gut genug und vergleichbar, aber die wollen nichts von ihm wissen, und wer ihn lobt, den hat er schnell durchschaut, denn auch wenn er eitel ist und sich sehr schätzt, im Grunde ahnt er, wie es um ihn bestellt ist.

Auch er ist ein Medienopfer. Er liest, dass Heiner Müller und Christa Wolf mit der Stasi redeten und sofort sind sie für ihn gebrandmarkt, er, als Mann mit DDR-Erfahrung, wirft sich sofort in die Brust und haut noch mal drauf, ohne die Akten bewerten zu können, ohne auch an das große Erfahrungsloch zu denken, das bei ihm klafft, er lebte ja den größten Teil der Zeit in einer anderen Welt. Hinzu kommt, dass er die Medien besser kennen müsste, er weiß, wie mancher Text entsteht, er hätte allen Grund, den Aussagen zu misstrauen, aber wenn es ihm in den Kram passt und wenn er Leute damit attackieren kann, die ihm sowieso zu berühmt sind, dann tut er das unbedenklich. Wie ein Bremer Stadtmusikant: „Dieser Ruhm sollte besser mir zukommen.”

Sinnloser und bezeichnender Weise setzt Raddatz sich (auf Augenhöhe) mit Proust und Fontane auseinander. Zitiert Proust und meint, wenn ich so was in meine Texte einbaute, dann würde man auf mich einschlagen. Via Fontane weiß er zu sagen, Prosa ohne Psychologie sei keine. Er findet sich großartig und zeigt doch nur, dass er nicht viel begriffen hat. Es kommt nicht auf, aus dem Zusammenhang genommene, Zitate an. Alle Welt ist sich einig, dass etwa bei Dostojewski viele schlecht geschriebene Passagen zu finden sind, und doch ist er unwiderstehlich und erst recht unersetzlich.

Raddatz bietet dafür vier Tagebücher in einem: das Tagebuch eines Jammerlappens, einer beleidigten Leberwurst, eines Aufschneiders und einer Klatschbase.

Auch als Devotionalienjäger und als Nachlasspfleger der eigenen Hinterlassenschaft tritt Raddatz hervor. Er ruft die Leute aus Marbach ins Haus und ärgert sich schwarz, dass sie in dem Vorlass herumwühlen und nicht würdigen, was er alles besitzt und andere, wie etwa Gottfried Benn, eben nicht besaßen. Und dass man über sein Handschriftliches hinweggeht, während Autographen von Willy Brandt große Andacht hervorrufen. Er hat bereits dafür gesorgt, dass es nach seinem Ableben in Hamburg ein Raddatz-Museum geben wird. Da stehen dann zum Beispiel seine Picasso-Vasen. Vielleicht auch seine Messerbänkchen.

Und immer wieder: Wenn ich so schlecht schriebe wie Proust, wie Updike, mir würde man die Rübe abhacken. Aber die feiert man.

Fast durchgängig hat man in diesem Buch das Gefühl, es mit übler Nachrede zu tun zu haben und stellt dabei hoch erstaunt fest, dass der Autor sich auch ständig selbst beschädigt. In dem Sinne von: Ich kann nicht anders, als schlecht über andere Leute und mich zu reden.

Dazu gehört Schneid, das muss der Neid ihm lassen.

Der Pyrrhus-Sieg des Ökofreaks

Irgendwat is immer mit der Bahn

Irgendwat is immer mit der Bahn

Die Bahn fährt nur bis Ostbahnhof. „Aus diesem Zug alle aussteigen”, heißt es dann aus dem Lautsprecher, und die Leuchtschrift mahnt: Bitte nicht einsteigen. Es dauert eine Weile, bis auch der Letzte noch den Zug verlassen hat. Ein uniformierter Mitarbeiter geht prüfend durch die Wagen und gibt dem Fahrer das Zeichen. Alles in Ordnung. Die Bahn klingelt ab und fährt an, aber dann kommt noch ein bärtiger, hagerer Ökofreak angerast und schafft, was man normalerweise nie schafft: reißt die Tür auf, springt in den Wagen, die Bahn stoppt, die Tür schließt wieder, die Bahn fährt weiter und der Freak landet nun auf irgendeinem Abstellgleis. Hier zeigt sich die Fragwürdigkeit des Erfolgs.

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Ein Hero aus dem Schwabenlande

Wie soll man sich hier zurechtfinden

Wie soll man sich hier zurechtfinden

In der S-Bahn ein nervöser Schwabe, das Handy an Ohr und Mund, den Blick auf das Nahverkehrsschema gerichtet. Aufgeregt berichtet er, dass er sich jetzt in „Berlin-Karlschhorscht” befinde und dass er nach Berlin- Friedrichstraße fahren müsse, ob man sich dort treffen wolle, und dann zählt er vor aller Ohren die Stationen von „Karlschhorscht”, was für ihn wohl ähnlich beängstigend klingt wie „Schteppe“, bis Friedrichstraße ab. Als das erledigt ist, geht er zurück zum Platz mit seinen zwei Gepäckstücken und pendelt mit dem rechten gegen meine Sitzbank. Er hört damit wieder auf, aber nur, um heftig mit dem Oberschenkel zu vibrieren. Mein Gott, was ist denn so aufregend! Berlin ist letztlich eine normale Stadt, die S-Bahn ein praktikables Verkehrsmittel. Muss man alle Leute im Wagen verrückt machen? Kann man sich nicht zügeln? Der Schwabe rennt abermals durch den Wagen, steigt wieder ein ins Selbststudium des Berliner Nahverkehrsschemas. Hat er sich vielleicht doch verzählt, vorhin, als er die Zahl der Stationen angab? Stimmen Karte und Wirklichkeit überein oder hat die, nein nicht die, sondern der Stasi, der sicherlich nicht tot ist, ihm, dem Schwaben, einen Falle gestellt? Er greift wieder zum Handy und ruft die Firma, die Basis seines Trachtens und Fühlens, an. Ja, hallo, ich muss noch mal dä Herrn Vetter spreche. Nach Minuten stellt sich heraus, dass dä Herr Vetter nicht an seinem Platz ist. Macht nichts. Ruf ich später noch mal an. Dann meldet sich aber der Herr Vetter seinerseits. Ich wollt mich nur noch mal für die Verpflegung bedanke, trompetet unser schwäbischer Held glücklich durch den Berliner S-Bahnwagen, war allesch wunderbar. Gut zu wissen für uns alle.

Wir sind jetzt am Hackeschen Markt. Ich muss aussteigen und kann nicht dabeisein, wenn der vorzüglich verpflegte Held aus dem Schwabenlande seine Verabredung auf dem östlichen Territorium Berlins verfehlt. Denn dass er sie verfehlen wird, ist sicher.

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Wir sind beruhigt

So romantisch kann ein Tatort sein – nicht nur Mord und Dodschlag

So romantisch kann ein Tatort sein – nicht nur Mord und Dodschlag

Die Insellage definiert den Tatort aus Hamburg. Isolation, Gummistiefel, jeder kennt jeden, maritime Kneipe, gleißender Strand. Der Kommissar ist nicht als Kommissar, sondern als erholungsbedürftiger Kurgast vor Ort (so’n junger Mann noch). Kann es aber nicht lassen zu ermitteln, wenn der „Mord auf Langeoog” geschieht. So dass der Film sich mit Zuständigkeitsproblemen herumschlagen muss, die zwischen Wotan Wilke Möhring und Petra Schmidt-Schaller (beide unzuständig) und Nina Kunzendorf (zuständig) mit sprödem Charme abgewickelt werden. Viel schiefgehen kann mit solchen Schauspielern nicht, und so lässt man sich Zeit in diesem Tatort, was uns hier nicht stört, das Feuilleton aber als Langeweile pur empfindet. Dieser Hamburger Tatort tritt auch mit dem aus Frankfurt in Konkurrenz, indem er für Nina Kunzendorf ein ganz anderes Image erfindet. Kurzhaarschnitt, Joppe, das Gesicht verschwindet fast hinter der überdimensionierten schwarzen Brille. Mit leiser, spitzer Stimme versteht sie es, den psychisch schwer angeschlagenen Verdächtigen zu beruhigen: „Verliebt zu sein und Sex zu haben, ist ganz normal.” Na. Da sind wir alle doch gleich mit beruhigt. Norddeutsche Art ist nicht schlecht getroffen. „Florian war das nich”, sagt Möhring alias Thorsten Falke. „Was macht dich da so sicher”, fragt Schmidt-Schaller alias Katharina Lorenz. „Bauchgefühl”, sagt Falke. „Is ja wirklich ’n schlagendes Argument”, sagt Lorenz. „Was so alles Kunst ist!”, wundert sich Falke auch noch. Aber in der Täterfrage hat sein Bauchgefühl (ich dachte, über sowas verfügen nur Frauen) nicht getrogen. Die Frage nach ungeklärten Parallelfällen hilft schließlich weiter. „Was sind Sie doch für’n Arschloch!”, so couragiert tritt Lorenz dem neuen Verdächtigen gegenüber. „Stehe für keine weiteren Ermittlungen mehr zur Verfügung” – das sind die letzten Worte des Täters. Und ich wiederhole: Mit solchen Schauspielern kann nicht viel schiefgehen.

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine (6)

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine verstehen die Welt nicht mehr. Wir spielen gegen den FC Bayern der dritten Liga, RB Leipzig oder auch die von Red Bull aus dem Boden gestampften Bullen, und die verhalten sich wie die Bayern, bloß noch kleinlicher, sie glauben die Lizenz zum unentwegten Reklamieren und Protestieren zu besitzen, jeden Einwurf möchten sie für sich gepfiffen haben, und wenn sie ihn kriegen, den Einwurf, klauen sie jedesmal fünf bis sechs Meter, das sind Manieren wie im Kindergarten oder bei der Geldaristokratie, natürlich versuchen sie auch einige Male einen Elfmeter zu schinden, aber der Schiedsrichter benachteiligt uns arme Hansa-Rostock-Schweine nur minimal, und so sind wir es, die das Tor machen, David Blacha zieht aus der Luft kurz und trocken ab, und der Leipziger Torwart Domaschke fliegt eindrucksvoll am Ball vorbei; und da wissen nun die Bullen, dass sie es mit uns armen Hansa-Rostock-Schweinen an diesem Tag nicht leicht haben werden; sie bekommen immer noch keinen Elfmeter, und auch das zweite Tor machen wir arme Hansa-Rostock-Schweine, Alex Mendy flankt von rechts außen mit viel Effet vors Tor und der gute Johan Plat, der wochenlang wegen Rückenproblemen ausfiel, spritzt in die Flanke hinein und verlängert ins Tor. Daraufhin bekommt der Schiedsrichter allerdings Angst vor seiner eigenen Courage. Die Bullen machen den Anschluss per Freistoß, und unser eingewechselter Stürmer Nikolaos Joannidis, der an der Strafraumgrenze gefoult wird, sieht gelb wegen einer angeblichen Schwalbe, dabei wurde er klar am Bein getroffen. Und trotzdem: Wir verstehen die Welt nicht mehr: Der Schiri mit seiner Angst vor der eigenen Courage ließ schon in der ersten Halbzeit vier Minuten nachspielen und jetzt in der zweiten Halbzeit noch mal mehr als vier Minuten, und da fallen ja immer die Tore gegen uns arme Hansa-Rostock-Schweine, da wird uns der Sieg noch entrissen oder das Unentschieden, aber hier ist es so, dass wir immer noch die besseren Chancen haben und dass es eher ein Debakel für die Bullen geben könnte als ein Unentschieden, das liegt natürlich auch an unserem Innenverteidiger Denis-Danso Weidlich, der im Zweikampf schier unüberwindlich ist, und an unserem Offensivverteidiger Alex Mendy, der immer wieder nach vorne stürmt, aber warum jemanden hervorheben, wenn das ganze Team endlich einmal die berühmte Mischung aus Kampfkraft und Leichtigkeit hinbekommt, so gut haben wir armen Hansa-Rostock-Schweine uns in dieser Saison noch nicht gesehen. Und darum verstehen wir im Moment die Welt nicht mehr.

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Wiener Tage

Ich weiß nicht, wie dieser blonde Kopf auf mein Bild kam. Plötzlich war er da © Fotos und Text: Andrea Doberenz

Ich weiß nicht, wie dieser blonde Kopf auf mein Bild kam. Plötzlich war er da
© Fotos und Text: Andrea Doberenz

So sieht Weihnachtsschmuck in der Mitte Wiens aus, hier in der Rotenturmstraße. Gleich hinterm Stephansplatz. Und am Graben leuchten die Lüster.

wien_bettSchlafen in Wien. Hotel Kaiserhof. Behütet vom Kaiser und der Sissy. Die junge Sissy aß am Morgen gern eine Scheibe Rind und trank dazu ein Glas Rotwein. Zum üppigen Frühstück im Kaiserhof wird dem Gast erzählt, dass Sissy in ihren späteren Jahren auf ihre Linie sah, eine Schale Tee, etwas Obst und Gebäck genügten ihr. Was der Kaiser davon hielt, ist nicht überliefert. Der Gast zieht es vor, der Kaiserin in diesem Punkt nicht zu folgen.

wien_schraubeSelten sieht der Mensch so viele Denkmäler von Technikern und Erfindern wie hier. Josef Madersperger ist, wie jeder weiß, der Erfinder der Nähmaschine und nicht primär Herr Singer. In seiner Nähe steht Josef Ressel, der Erfinder der Schiffsschraube, der dem Park den Namen gab. Hinter dem Denkmal die Technische Universität. Die Latte für die Studenten liegt hoch. Macht ihnen aber nichts aus.

wien_palmenhausSchloss Schönbrunn, Sommerresidenz der Habsburger, auch Österreichs Versailles genannt. Das Palmenhaus. Die Gewächse sind den Wiener Gärtnern gefügig. Die Touristen zieht es im November eher auf die Christkindlmärkte als nach Schönbrunn. Die Krähen bleiben da unter sich.

wien_tögelHerrn Tögels Saftladen kurz vorm 1. Bezirk. 1. Wiener Mostfachgeschäft ist eine geniale Umschreibung. Herr Tögel verkauft die schönsten Obstler, die sich der Genießer nur vorstellen kann. Auch Botschafter kaufen bei ihm. Herr Tögel persönlich bevorzugt allerdings wirklich den Most. Der Laden ist überwältigend in der Fülle des Wohlgenusses. Die Verkostung kann schon am Mittag beginnen, gnädige Frau: Marillenbrand, Schwarzbrot Edelbrand, Heubrand und besonders überwältigend der Brand aus den Zapfen der Zirbe, einer Kiefernart aus der Steiermark.

wien_gröstlWiener Spezialitäten auf dem Weihnachtsmarkt. Sättigung schlägt die Romantik. Die Reisende bevorzugt allerdings eine Melange im Café Korb oder im Prückel mit Sachertorte, Topfenstrudel oder ohne. Am Abend geht’s ins Burgtheater. Sie spielen die Courage, die man aus Berlin ganz anders kennt.