Archive

Archive for Juni 2016

Island-Heroes

An einem fußballfreien Freitagabend in Berlin-Mitte zeichnet sich die Apokalypse ab. Brexit,EM-Aus und so weiter © Fritz-Jochen Kopka

An einem fußballfreien Freitagabend zeichnet sich in Berlin-Mitte die Apokalypse ab. Brexit, EM-Aus und so weiter
© Fritz-Jochen Kopka

Die Polen retteten sich ins Elfmeterschießen und profitierten vom Fehlschuss Granit Xhakas. Man kann gar nicht ermessen, wie weit sein Schuss am Tor vorbeirauschte. Was vorher geschah: Ein Scherenschlagseitfallzieher Xherdan Shaqiris, der zum Ausgleich im polnischen Tor landete, ein Tor des Jahres des Kraftwürfels, wie ihn Reporter gern nennen, der zuvor nicht gerade von Glück und Geschick verfolgt war. Die Nordiren fliegen durch ein Selbsttor, in höchster Not erzielt, gegen Wales aus dem Turnier. Kroatien wurde durch Portugal in einen Lähmungszustand versetzt, auch hier war das Elfmeterschießen nah, bis Ronaldo am eigenen Strafraum einen Angriff über Renato Sanches einleitete, und als Nani von links außen flankte, war Ronaldo auch schon wieder vorn, der Torwart warf sich in den Schuss, den Abpraller versenkte Ricardo Quaresma. Die Zeit der kleinen Länder war im Achtelfinale vorbei, auch wenn Frankreich große Mühe mit den Iren hatte und die Belgier lange brauchten, um die famosen Ungarn letztlich noch klar zu besiegen. Das deutsche 3:0 gegen die Slowakei löste die Verkrampfung bei den Kommentatoren im Lande, nachdem sie vorher unentwegt gemeckert hatten. Aber waren die Änderungen des Bundestrainers in der Mannschaftsaufstellung wirklich so genial? Es lag doch auf der Hand, Götze aus dem Spiel zu nehmen und es noch mal mit Draxler zu versuchen, dem man nun gleich einen Zauberfuß zuschrieb, und wie erst die Hymne auf Jerome Boateng, der sein erstes Länderspieltor erzielte! Anders als die Ungarn und die Iren glaubten die Slowaken, warum auch immer, keine Sekunde an ihre Chance. Die Spanier glaubten an ihre Chance gegen Italien, aber sie spielten einen merkwürdig bedächtigen „Wie hat der Lehrer mal noch gesagt, wie wir spielen sollen”-Fußball, dass die Italiener mit ihrer kompakten und überraschend offensiven Spielweise kaum je gefährdet waren. Spanien ohne Feuer, ohne Verrücktheit. Kontrolle ist gut, Wahnsinn ist besser. Zum Spiel England gegen Island kam ich etwas zu spät. Da stand es schon 1:1. Und dann passen sich die Isländer am englischen Strafraum selbstbewusst und schnörkellos den Ball zu, Schuss Sigthorsson, Tor, Joe Hart sah ziemlich alt aus, 2:1. Die Stunde der Underdogs war doch noch nicht vorbei. Die Angst vor der Blamage setzte die Kreativität der Engländer außer Kraft. Der stolze Torschützenkönig Harry Kane hatte schon im ersten Gruppenspiel gezeigt, dass er bei dieser EM das Zeug zum Unglückraben hat. Hier sah er aus wie ein ausnahmsweise frisch frisierter Boris Johnson, der bei seinen unermüdlichen Torschussversuchen die Vergeblichkeit auf lächerliche Weise gepachtet hatte. Die Isländer waren großartig, kantig, gewitzt, mutig und aufopferungsvoll. Letztlich zeigten sie den Engländern, welchen Unterschied es macht, ob man irgendwo freiwillig austritt oder gezwungenermaßen rausgekegelt wird. Heroes of Island. Englands Untergang. Das war das Achtelfinale aus meiner Sicht. Auch wenn einem die Monster aus den Brüsseler Bürotürmen nicht gefallen – man kann sie bekämpfen, aber nicht durch Austritt. Das ist kein Kämpfen.

 

 

Fremdsprachen

Was ich (der Container) noch zu sagen hätte © Fritz-Jochen Kopka

Was ich (der Container) noch zu sagen hätte
© Fritz-Jochen Kopka

Die Sprache der Container (die wir noch erlernen müssen) ((wenn wir mit ihnen kommunizieren wollen)) (((was vielleicht nicht zwingend erforderlich ist)))

Oder doch? Erst wenn man sich näher kennenlernt, stellt man fest, dass so ein Container nicht nur Eisenwände hat, sondern auch ein Rohr, das Flüssigkeiten aus dem Behälter entlässt.

Kategorien:Deutsche Grammatik Schlagwörter: , ,

So verbringt ihr also eure Zeit …

… die euch auf Erden gegeben ist © Christian Brachwitz

… die euch auf Erden gegeben ist
© Christian Brachwitz

Diese Photoautomaten, und gerade auch historische Photoautomaten, kann man sich ausleihen, etwa für Partys, Feste, Messen und Hochzeiten. Das kostet ein gewisses Sümmchen, aber in der Eberswalder Straße leistet man sich sowas. Eberswalde liegt nordöstlich von Berlin und ist bekannt für seine Kräne und seine Würstchen. Die Eberswalder Straße vielleicht nur für ihre Würstchen und die U-Bahn-Station. Und wenn sie mal ausnahmsweise nicht viel zu tun haben, in der Eberswalder Straße, dann versuchen sie zu viert, auf so einen kleinen Bilderstreifen zu gelangen; da muss man sich ganz eng zusammendrängen. In den Zeiten von Wetten dass, also vor Markus Lanz, hätte das eine Wette sein können: Gelingt es Eberhard H. aus der Eberswalder Straße, sich zusammen mit neun Freunden und zwei Wildschweinen (vom männlichen Wildschwein kommt nämlich der Name Eberswalde) auf einem Photoautomatenbildchen zu verewigen. Hier sind es vorerst nur vier. Ich denke mal zwei Männer und zwei Frauen, auch wenn der Hintern hier vorn nicht so sehr weiblich aussieht. In Zweifelsfällen urteile ich immer nach den Schuhen. An ihren kleineren Füßen sollt ihr sie erkennen, die Frauen. Oder auch an der Flasche Schöfferhofer Weizen, die da steht, das trinken sie nämlich gern. Männer nicht so. Die trinken Becks, aber das reichlich.

Keine Zeit für Wunderkinder

Kein Wunderkind, aber happy – auch noch ein Bild vom Russenfest in Karlshorst © Fritz-Jochen Kopka

Kein Wunderkind, aber happy – auch noch ein Bild vom Russenfest in Karlshorst
© Fritz-Jochen Kopka

Also dann. Ich komme auf Cristiano Ronaldo zurück. Portugal – Österreich, wir hatten 2:1 getippt und gemeint, dass wir die Ösis damit eigentlich überbewerten, aber es war ja klar, dass sie sich wehren mussten mit allen Kräften. Mehr und mehr stellte sich heraus, dass hier Österreich gegen Cristiano Ronaldo spielte und dass dem Wunderkind das Glück wieder nicht hold sein würde. Jeder weiß, was Cristiano Ronaldo kann, jeder weiß, wie schnell er ist, wie hoch er springt, wie scharf und beidbeinig er schießt. Die Abwehrspieler haben auf unzähligen Videos seine Tricks und Videos studiert. Vier Mann sind eingeteilt, die sich um ihn kümmern, spätestens am vierten wird er sich festrennen.

In meinem Umfeld stehe ich mit meiner Fürsorge für Cristiano Ronaldo ziemlich allein da. Who care’s. Ich bin kein Mann des Mainstreams. Auch in dieser Beziehung stehe ich ziemlich allein da. Meine Töchter bedenken mich mit rücksichtsvoller Ironie. Verheugen sagt, Cristiano Ronaldo habe das Gesicht einer Puppe. Nein, sage ich, Hillary Clinton hat das Gesicht einer Puppe. Und Donald Trump hat das Gesicht einer misslungenen Puppe. Andrea sagt, Cristiano Ronaldo sieht aus wie eine Gestalt aus den Goldenen Zwanzigern. Dagegen hab ich erstmal nichts. Bisschen schmierig, sagt sie. Na ja, wie ein Gigolo, versuche ich das wieder grade zu rücken.

Mehr und wird das Spiel zu einem Duell Cristiano Ronaldo gegen Robert Almer, den österreichischen Torwart, der sich bei Energie Cottbus in der zweiten deutschen Liga nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Aber hier, um die Aura des Wunderkinds zu zerstören, wird er zum Übermenschen. Er hält eine Granate von Ronaldo von halb rechts, die eigentlich unhaltbar ist. Ronaldo steigt einen Meter höher als seine Gegenspieler und wuchtet den Ball mit dem Kopf aufs Tor. Almer hat den Arm dran. Ronaldo holt einen Elfmeter raus. Den wird er wahrscheinlich versemmeln, sage ich, der ich die Dramaturgie des Spiels und die Tragik, die Wunderkinder begleitet, begriffen habe. Ronaldo schickt Almer in die falsche Ecke und wuchtet den Ball an den Pfosten. Schließlich macht er das Tor dann doch mit dem Kopf. Ist aber abseits. Er hätte nur rechtzeitig zwei Schritte zurückgehen müssen. Portugal – Österreich 0:0. Cristiano Ronaldos Gesicht sprach Bände. Was war größer? Die Enttäuschung, die Verwunderung, die Fragen, die er sich nicht beantworten konnte? Das Wunderkind, dem die Saiten rissen. Es ist keine Zeit für Wunderkinder. Die Masters of Defense entzaubern sie. Die Wunderkinder bleiben zwei Meter unterhalb ihres Ruhms.

Und dann. Ein Flitzer kommt aufs Feld. Die Ordner verfolgen ihn, aber er erreicht sein Ziel. Cristiano Ronaldo. Möchte ein Selfie mit ihm schießen. Bekommt in der Aufregung sein Smartphone nicht in Gang. Die Ordner greifen zu. Ronaldo gebietet ihnen Einhalt. Legt die Hand auf die Schulter des verzweifelten Fans. Der Hochmütige, Verwöhnte, Eitle hat gerade mal wieder Demut gelernt. Und das Foto gelingt.

Expertentum

Auch ’ne Abwehrkette – beim Russenfest in Berlin-Karlshorst © Fritz-Jochen Kopka

Auch ’ne Abwehrkette – beim Russenfest in Berlin-Karlshorst
© Fritz-Jochen Kopka

Bei Hans im Glück jammerten vor Spielbeginn ein paar übriggebliebene Vuvuzelas, als ahnten sie schon, wie das Spiel verlaufen würde. Kurz und gut. Wir hatten Glück, dass der Pole Milik den Ball zweimal in aussichtsreicher Position verpasste. Die Polen scheiterten nicht (wie die Ukraine) an Manuel Neuer, sondern am Pech ihrer Torjäger. Und: Unsere Offensive funktioniert nicht. Müller, Götze, Özil, Draxler, da läuft wenig zusammen, es geht zu langsam, gibt keine Ideen.

Und nun zu den Experten. Nur in Bezug auf das Wetter gibt es sonst noch so viele Experten wie beim Fußball. Und neben den Jedermann-Experten, die hinterher immer alles schon vorher gewusst haben wollen, existieren die professionellen Experten, ehemalige Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Sportjournalisten. Die kriegen das bezahlt, dass sie es letztlich auch nicht besser wissen und meistens falsch liegen. Vor der Europameisterschaft rümpften sie die Nase über das aufgeblähte Turnier, 24 Mannschaften statt 16 wie sonst, 51 Spiele statt 31, das hieß doch, dass der Kreis der Erlauchten aufgeweicht wurde durch viel Mittel- und Untermaß. Und am schlimmsten: Vier der sechs Gruppendritten erreichen noch das Achtelfinale; das heißt die Vorletzten ihrer Gruppe, man stelle sich vor. Und dann begann das Turnier. Frankreich quälte sich gegen Rumänien und Albanien zu Last-Minute-Siegen, Deutschland, also wir, konnte von Glück reden, dass die Ukraine ihre Chancen vermasselte, Spanien musste lange anrennen, um ein Tor gegen Tschechien zu erzielen, Portugal mit Superstar Cristiano Ronaldo biss sich an den kantigen Isländern die Zähne aus (1:1), und das euphorisierte Österreich unterlag gar 0:2 gegen Ungarn. Ganz davon abgesehen, dass im Spiel Tradition gegen Innovation die von den Experten längst abgeschriebenen Italiener die hochbegabten Belgier besiegten.

Was ist da los? Auch wenn du keine hochbegabten Einzelspieler im Team hast, kannst du als Trainer deinen Kickern beibringen, gut zu verteidigen. Du baust zwei Viererketten vor dem Tor auf und doppelst die anstürmenden Superstars. Da erstarrt keiner mehr in Ehrfurcht vor den Welt- und Europameistern, im Gegenteil, je größer der Ruhm der Gegner, desto inbrünstiger werden die Abwehrschlachten geschlagen, werden die Flanken aus dem Strafraum geköpft, wirft sich immer noch einer in den Schuss der Ronaldos oder Girouds, sie sind Masters of Defense und entzaubern die Kreativität.

Man könnte von einer Krise des Fußballs sprechen. Der schöne, schnelle, ideenreiche Fußball zerbricht an den einfachen, grundsoliden Abwehrblöcken. Das kann auf Dauer echt stupide werden. Und hatten wir das nicht schon mal? Ich erinnere mich, wie wir seinerzeit Spiel für Spiel die Niederlagen Griechenlands getippt haben, so lange, bis sie schließlich Europameister waren; aber danach kam eben die Epoche der Spanier. Der Fußball muss durch dieses Nadelöhr hindurch.

Unterdessen arbeiten sich die Experten etwa an Cristiano Ronaldo ab. Angeblich hätten ihm die Isländer gründlich die Laune verdorben, er habe Gift und Galle gespuckt. Auch das ist nicht wahr. Nachdem er am Anfang einige Male wegen des harten Einsteigens der Isländer reklamierte, hatte er bald die Dramaturgie des Spiels (und was der Fußballgott da vorhatte) begriffen und lächelte. Da war Ironie dabei, Selbstironie und Allgemeinironie, Enttäuschung, Verwunderung, dass das Spiel seiner Portugiesen nicht zum Laufen kam und die Isländer immer noch eine Antwort wussten. Es war das ungläubige Lächeln eines Kindes.

Wieviel Eitelkeit man ihm auch immer vorwerfen mag – mir egal. Ich habe nichts gegen solche Kinder.

 

Vom Konservatismus

Es ist ein lichter Tag in Bwerlin Moabit. Die Wolken suchen die Nähe der Dächer und Schlote. © Christian Brachwitz

Es ist ein lichter Tag in Berlin Moabit. Die Wolken suchen die Nähe der Dächer und Schlote.
© Christian Brachwitz

Der Westhafen ist ein Teil der Stadt, den der gewöhnliche Ostberliner nicht streift, obwohl er der größte Binnenhafen der Stadt sein soll und durch zwei Kanäle mit Spree und Havel verbunden ist. Und obwohl er auch im Ortsteil Moabit im Stadtbezirk Mitte liegt, also leicht erreichbar ist. Bei Moabit denke ich immer an Gefängnis, das verdanke ich einigen Kinderbüchern, die ich vor etlichen fünfzig Jahren gelesen habe. Ich denke bei Moabit wegen des Klanges auch an Karbid. Karbid spielte in meiner Kindheit ebenfalls eine Rolle. Der charakteristische Geruch von Karbid und dass man mit Karbid und Wasser Explosionen auslösen konnte. Vorsicht war geboten. Das alles verbindet sich für mich mit Moabit, nicht gerade schmeichelhaft, ich meine für mich. Wir sehen hier, wie die Stadt sich neu aufstellt. Der Energieproduzent Vattenfall, von dem auch ich meinen Strom beziehe, die große Halle für asiatische Lebensmittel, die eine neue Farbe in unser Leben gebracht haben, und im Vordergrund der zusammengekarrte, sortierte, gepresste und gebündelte Müll, der einer Wiederverwendung zugeführt werden soll; Müll ist, bleibt und wird immer sein Sekundärrohstoff. Einen Kfz-Meisterbetrieb gibt’s auch im Revier. Nun fällt mir ein, dass Vattenfall mir ab und zu anbietet, mir auch Gas liefern zu wollen und dies preiswerter täte als andere. Und dass die Gasag mir anbietet, mir auch Strom liefern zu wollen und zwar preiswerter als alle anderen. Es ist letztlich kein Wunder, wenn die Menschen von ihrer Grundstruktur her konservativ sind. Sonst wären sie ja nur am Wechseln.

Deutschland – Ukraine absurde Momente

Die Tiefenschärfe der Nachwuchssportler – von den Deutsch-Russischen Festtagen in Berlin-Karlshorst am Tag des Ukraine-Spiels © Fritz-Jochen Kopka

Die Tiefenschärfe der Nachwuchssportler – von den Deutsch-Russischen Festtagen in Berlin-Karlshorst am Tag des Ukraine-Spiels
© Fritz-Jochen Kopka

Unsere Grillgäste kamen auf scharfen schwarzen Fahrrädern quer durch die halbe Stadt. Zuletzt streiften sie noch das Deutsche Haus. Deutsches Haus? Hier bei uns in Karlshorst? Na ja, das Haus, wo die vielen Deutschlandfahnen hängen. Kapiert. Fußballeuropameisterschaft. Unser entfernter Nachbar Hans im Glück übertrifft sich noch einmal selbst. Überdimensionierte Fahnen, große Fahnen, mittelgroße Fahnen, mittelkleine Fahnen, kleine Fahnen, Wimpel schmücken das Haus. Abends kreuzen Freunde und Verwandte auf und haben Raketen im Gepäck. Auf der Terrasse steht eine große Videoleinwand. Allerdings vermochte Deutschland gegen Ukraine keine Begeisterung zu wecken. Es blieb – trotz Sieg – merkwürdig still. Keine Raketen wurden abgefeuert, es sei denn, wir sind vorsichtshalber taub geworden.

Für meinen Geschmack lieferte das Spiel einige absurde Momente. Zunächst, wie Jerome Boateng, das Selbsttor, das er zu erzielen im Begriff war, noch mit einem halben Salto oder so, für den er von jedem Turnlehrer eine 4 minus bekommen hätte, verhinderte. Das musst du erst mal können: Deine eigene Rückgabe auf der Torlinie abfangen. Ich meine, er sieht in seinen Bewegungsabläufen oft etwas ungelenk aus, aber er bringt es einfach.

Für den zweiten absurden Moment sorgte Bastian Schweinsteiger. Ja, ganz richtig. Männer dürfen seit einiger Zeit etwas fülliger sein, auch Sportler, das ist durchaus sexy (hört man aus eingeweihten Kreisen). Schweinsteigers müde Beine wurden von der erwartbaren Flanke Özils magisch angezogen, so dass dem Spieler nichts weiter übrig blieb, als ihnen zu folgen. Özils Ball erreichte seinen rechten Fuß, er drückte ihn technisch anspruchsvoll über die Linie, 2:0. Die Kraft reichte gerade noch, um zur deutschen Bank zu laufen. Noch beim Interview nach dem Spiel pumpte er wie ein Maikäfer, aber er hatte in fünf Minuten Einsatzzeit ein Tor geschossen. Man fragt sich, wie das möglich ist, aber es geschah. Absurd war natürlich auch, wie die Ukrainer es fertig brachten, aus ihren vielen Möglichkeiten in der ersten Halbzeit kein Tor zu machen, und als unser Mustafi ihnen gegen Ende des Spiels helfen wollte, gelang auch ihm das Selbsttor nur halb, und den Rest erledigte der vorzügliche Manuel Neuer, der den mitgelaufenen rumänischen Stürmer in den Rasen rammte. Dass der Schiedsrichter das laufen ließ, war auch absurd.

Und an die letzte Absurdität haben wir uns längst gewöhnt. Ersatzspieler und Stimmungskanone Podolski feierte Schweinsteiger derart triumphierend, als wären es seine, Podolskis, Beine gewesen, die den Ball erlaufen und das Tor erzielt hätten. Am Ende ist immer Podolski der Sieger, auch wenn er gar nicht gespielt hat.