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Ansprüche

Was Fußballer in der Freizeit anstellen? Sie färben sich die Haare. Robert Lewandowski sieht inzwischen aus wie Margot Honecker, Rafinha wie Marilyn Monroe. So zeigt sich die Nähe des Fußballs zur Politik und zur Kunst.

Der grüne Punkt

Stille Straße mit grünem Punkt
© Christian Brachwitz

Wer weiß, ob du deinem Sohn einen Gefallen tust, wenn du ihm seinen größten Wunsch erfüllst und ihm das Messi-Trikot kaufst. Er mag damit durch die Straßen laufen und sich hinter einem Mast festsetzen, kein Problem, auch wenn die Werbung neben dem BSR-Abfallbehälter reichlich bedrohlich wirkt (worum geht’s da eigentlich? Computerspiel?) Aber wenn’s ernst wird, wenn es wirklich zum Spiel kommt, dann wird dein Sohn an Lionel Messi gemessen und daran wird er für einen Nachmittag zerbrechen. Auch wenn es sich nicht um das Messi-Trikot vom FC Barcelona, sondern um das der argentinischen Nationalmannschaft handelt, in der Messi regelmäßig unter seinen Möglichkeiten bleibt. Kauf deinem Sohn einfach das Trikot von André Schürrle. Da erwartet keiner was von ihm. Da kann er, wenn ihm was gelingt, das Image von André Schürrle sogar aufwerten. Er muss nur daran denken, dass Fußball nicht aus Rennen, Rennen, Rennen besteht, sondern auch aus Tricks, Pässen und Einfällen.

Aber es geht ja doch um das Bild. Um die menschenleere Straße. Um die Sanftheit des Jungen und die Bedrohlichkeit des Reklamemanns. Darum, was der Junge da mit zugekniffenen Augen fixieren mag. Und um den rätselhaft leuchtenden grünen Punkt in dem Treppen- oder Klofenster des Hauses rechts. Das grüne Leuchten – wo kommt es her, was hat es vor. Stille Tage im Sommer. Es hat sie gegeben und wird sie wieder geben.

 

 

 

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Der Weihnachtsgeschichtenerzähler liest

Ziemlich gruftig, das Ambiente, das Mikro ist zu erkennen, die Leselampe, zwei Flaschen Wasser und die Silhouette des Weihnachtsgeschichtenerzählers. Und seine Lesebrille

Sonntagabend 18 Uhr liest Alexander Osang im Kino Union in Friedrichshagen (das sogenannte Lippi-Kino) Weihnachtsgeschichten. Wird ja auch höchste Zeit. Alle sind schon da und sichern sich gute Plätze. Osang noch nicht. Er kommt zehn vor sechs. Seine innere Uhr sagt ihm, dass er jetzt noch nicht reingehen sollte in den Saal. Ist ein Moderator da? Sagt mich jemand an? Nee. Ist Osang recht. Macht er selbst. Der Haustechniker informiert, dass alles aufgebaut ist. Zwei Flaschen Wasser stehen auf dem Pult. Am Mikrofon ist ein kleiner Schalter. Es ist jetzt abgeschaltet. Osang soll dann den Schalter anknipsen.

Osang betritt den Saal, ein schlanker Mann, dem man ansieht, dass er einen schönen, zwiespältigen, anstrengenden Beruf hat. Beifall kommt auf. Osang geht ans schwarzverkleidete Podest, das recht vergruftet aussieht. Er sagt mit heller Stimme Hallo und tastet das Mikrofon ab. Den Schalter findet er nicht. Der Haustechniker kommt ihm zur Hilfe, das wird Teil der spontanen Inszenierung. Osang weiß, dass die Friedrichshagener nicht gern das Haus verlassen und schätzt sich umso glücklicher, dass sie so zahlreich erschienen sind. Und nachdem ich Sie gleich mal beleidigt habe, können wir ja anfangen.

Osang ist nicht nur Reporter und Romanschreiber, sondern auch Erzähler von Oster- und Weihnachtsgeschichten. Die stehen zu gegebener Zeit in der Berliner Zeitung. Die Weihnachtsgeschichten sind jetzt als Buch erschienen. Es heißt „Winterschwimmer”. An diesem Friedrichshagener Abend gibt es drei Geschichten. Die Helden heißen Anka Bendig, Markus Buch und Lars Petzold. Man kann es nicht beweisen, aber es sind irgendwie prekäre Namen. Die Leute, die diese prekären Namen tragen, haben, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheinen mag, prekäre Berufe, sie führen prekäre Ehen oder Einzelexistenzen und sie geraten in prekäre Situationen. Alle stecken sie im Journalismus oder in der Öffentlichkeitsarbeit. Ohne es zu wissen, leiten sie daraus den Anspruch ab, den Leuten da draußen erklären zu können, was sie von der Politik zu halten haben und wie sie ihr Leben gestalten sollen. Aus diesem fatalen Anspruch ergibt sich, was alles so falsch läuft im Land. Am Heiligabend etwa unternimmt es der Radiosprecher Buch, die einsamen Herzen der Zielgruppe 50 plus zu trösten. Das heulende Elend verkauft sich besser als die familiäre Harmonie. Das steckt dahinter. Quote machen oder untergehen. In Marzahn wollen die RBB-Reporter Leuten auf den Zahn fühlen, die nicht neben Flüchtlingen wohnen wollen, haben aber keinen blassen Schimmer, was los ist vor Ort. Nur dass sie auf der richtigen Seite stehen, immer, das wissen sie. Nach ein paar Minuten haben wir uns mit diesen merkwürdigen Helden verbunden. Die Geschichten enden nicht mit dem denkbar schlechtesten Ende, sondern mit dem Verlust der Illusionen und Missverständnisse. Selbsterkenntnis. „Es tat gut, endlich zu sagen, was er dachte.” Das ist doch schon viel. Wir fangen noch mal an, wir geben nicht auf. Das ist allerdings eine Replik von Lars Gustafsson. Osangs Südschweden würden diese Sätze nicht sagen, aber wir können uns vorstellen, dass sie sie denken.

Ein Vorzug der Texte ist die Wiedererkennbarkeit. Marzahn ist erkennbar als Marzahn, Pankow als Pankow, Wilmersdorf als Wilmersdorf und die Wilhelminenhofstraße in Schöneweide soll nicht mehr ganz trostlos sein wie früher. Mit ihrem schlechten Ruf verliert sie aber auch einen Ruf komplett.

Osang kriegt seine Leute (jedenfalls mich), indem er die verborgenen Ressentiments unserer Community entdeckt. Ressentiments, die uns nicht bewusst waren, aber wir fühlen uns entlastet, wenn jemand sie ausspricht. Wir sind also als Berliner nicht verpflichtet, Hertha BSC zu lieben, wir können sogar Union Berlin und seiner Weihnachtssingerei gleichgültig gegenüberstehen. Es ist auch übertrieben, wenn man die Raucher behandelt wie Aussätzige. Man ist als Ostler nicht verpflichtet, jeden Ost-Star zu schätzen.

Dann ist Schluss. Es ist viel gelacht worden, aber nicht so exzessiv. Ich signiere Ihnen dann noch das Buch, sagt Osang, ich signiere Ihnen alles, was Sie wollen. Der Autor und seine Leser. Das wird noch mal eine richtig familiäre Aktion.

Eine Osang-Geschichte aus dem wahren Leben fällt mir noch ein. Unser Chefredakteur hatte die fixe Idee, dass er die defizitäre Wochenpost retten könne, wenn es ihm nur gelänge, Osang von der Berliner Zeitung abzuwerben. Er traf sich ständig mit Osang, lud ihn zu allen möglichen Gelegenheiten ein, zum Beispiel zum Spargelessen. Mittlerweile fragt er mich schon gar nicht mehr, ob ich zur Wochenpost komme, sagte Osang. Höchstens mit den Augen. Aber er lädt mich immer noch ein.

Eine Weihnachtsgeschichte wäre, dass Osang den fragenden Augen endlich ein Ja zur Antwort gibt und dass die Wochenpost trotzdem eingeht. Und dass das auch nicht so schlimm ist wie vermutet. Wir fangen noch mal an. Wir geben nicht auf.

Alexander Osang,Winterschwimmer, Aufbau Verlag, 20 €

Sonnabend in der Galerie

Die Ausstellung ist eröffnet
© ADe

von ADe

Der Blick in die Galerie Helle Coppi in der Auguststraße am Sonnabendabend. Gehen wir rein zur Vernissage. „Schöne Ansichten” heißt die Ausstellung, unser Freund stellt seine Fotos unter Gemälden und Plastiken aus, Straßen in Berlin, menschenleer, wie man sie eigentlich nur auf seinen eigenwilligen Bildern findet.

Plastik von Robert Metzkes

Ausstellungsgespräche. Vorne Plastik von Hans Scheib

Wir gehen auf die Gesichter von Frauen zu, sie kommen uns bekannt vor, wir müssen aber doch auf die Schilder schauen, ja, natürlich, Ingeborg Bachmann und Simone Signoret, die kürzlich verstorbene Ellen Fuhr hat ihr Wesen genial erfasst. Diese Frauen kommunizieren mit den von Herta Günther gemalten Frauen auf der anderen Seite des Raumes, einsame Geschöpfe, verloren in Kneipen, melancholische Augen, halbleere Gläser. Dazwischen wilde Frauen, Holzplastiken von Hans Scheib, wütende Weiber, die mit beiden Fäusten auf den Tisch dreschen werden.

Wolf Jobst Siedler: Schellingstraße

Im hinteren Raum ein zeitloses Frauengesicht, dieser Blick, diese Augen, versonnen und klar, eine Plastik von Robert Metzkes.

Zwölf Künstler stellen aus, schöne Ansichten, meistens auf Frauen, ein paar Landschaften, Stadträume, am Ende nehmen ich mir eine Kunstpostkarte von Herta Günther mit, Matrosen und Frauen, eine vielsagende Mischung, komisch und traurig zugleich.

Chancen und Gefahren

In den Trams geschieht Angenehmes
© Kopka

In den Straßenbahnen sitzen die Obdachlosen und sagen zu den Journalistinnen: Ihr habt so ein schönes Lächeln. Passt gut auf euch auf. Und die Journalistinnen sind großmütig genug, das nicht als sexuelle Belästigung zu empfinden, sondern als Kompliment. Bedanken sich aufrichtig.

Das ist vielleicht der Ausweg aus der Misere: Man erfindet die Komplimente gleich selbst, dann kann nichts mehr schiefgehen damit.

*

Letztlich, sagt der Kunde zu seiner Friseurin, wird sich diese MeToo-Kampagne zu meinem Bedauern doch nur gegen die Frauen richten. Die werden als Loser dastehen. Kein Mensch wird sich ihnen noch nähern wollen. Auch Frauen werden sich Frauen nicht mehr nähern. Es ist zu riskant. Sie werden vereinsamen.

Die Friseurin nickt nachdenklich.

So geht Advent auch

Distinguished Dogs – not amused
© ADe

An einem 1. Advent lohnt sich der Kollwitz-Markt. Wie sagen die Westler dazu? Alles so überstrukturiert hier!

Du kannst eine handliche Thüringer Bratwurst für 4 € essen, dazu Senf in unzähligen Sorten, soviel du erträgst, ohne Aufpreis. Später werden wir bedauern, dass wir keine von den schönen dicken Wollsocken gekauft haben; der Wind ist eisig, wir könnten die Socke als Mütze über den Kopf ziehen, das wärmt und bringt einen speziellen Look.

Das ist ja hier die schwarz-goldene Husemann-Welt. Ein Stück Rekonstruktion von Alt-Berlin, das sich die DDR leistete, als sie noch nicht an ihren Untergang glauben mochte. Tradition, Historizität, Nostalgie. Sorgsames Handwerk. Eine Weinprobierstube, ein Friseur-Museum, ein Museum des Arbeiterlebens um 1900, eine Scherenschleiferei. Nichts davon hat sich gehalten. Die Husemann-Straße steht neben den Zeiten.

Ein besonderer Weihnachtsmarkt ist jener in der Kulturbrauerei, nämlich ein skandinavischer, es ist tatsächlich authentisch skandinavisch kalt hier, selbst die exklusiv gekleideten Hündchen schlottern vor sich hin. Überall streift dich der Elch, in Form von Elchbratwurst, Elchgulasch, Elchsuppe …

Zum Wohl des Gastes

Wir sind froh, dass wir uns in den Schusterjungen Danziger/Ecke Lychener Straße flüchten können, eine der wenigen übriggebliebenen Berliner Eckkneipen. Die hier ist schon was Besseres, hat nicht nur Molle, Korn und Bulette zu bieten. Natürlich voll, aber der Wirt geht alle Möglichkeiten durch und präsentiert uns einen Vierertisch, das muntere Berliner Familienleben mit turnenden Kleinkindern im Rücken. Der Wirt findet uns irgendwie komisch, alles läuft, als kennten wir uns schon ewig. Als unser Junior sich zur Gänsekeule die zweite Cola light bestellt, kann der Wirt nicht mehr an sich halten: Sag mal, Alter! Jetzt muss ick dich mal was fragen: Wat trinkst du hier eigentlich für ein Zeug die ganze Zeit!

Auch uns hat das sonderbare Trinkverhalten eines Menschen aus unserer Mitte irritiert. Wir lachen befreit auf.

Ich trinke auch gern einen guten Wein, rechtfertigt sich der Junior, aber nicht um diese Zeit!

Alter, sagt der Wirt, guck mal raus, es ist schon fast dunkel.

Happy mit Cola light

Der Junior bleibt bei seinem Leisten. Was soll ich machen. Es schmeckt mir ja, da ist Koffein drin, das erfrischt.

Da ist gar nüscht drin, sagte der Wirt, außer Zucker.

Sie haben einige Weine in Ihrem Keller, die mich interessieren würden, sagt der Junior, hab ich auf der Karte gesehen. Zu einer späteren Zeit.

Na dann. Den Schusterjungen gibt es an dieser Ecke unter wechselnden Namen und Wirten seit fast hundert Jahren. Früher hat man sich hier viel gekloppt, wegen Frauen, wegen Fußball, wegen Politik. Spät nachts tanzten die Damen auf den Tischen.

Der jetzige Wirt hat seinen Beruf im Café Moskau gelernt und sich anschließend viel Wind um die Nase wehen lassen. Irgendwann erntest du, was du gesät hast.

Mehr Graustufen

Das Titelbild: Kann eine Straße leerer sein …
Fotos © Jürgen Hohmuth

Jochen Stamm, der Verleger, und Jürgen Hohmuth, der Herausgeber und Fotograf von „Graustufen” erzählten, wie der Band entstand. Hohmuth stellte ein Konvolut von 200 Fotos zum Download zusammen. Die Autoren hatten den Zugriff und konnten sich für das (oder die) Bilder ihrer Wahl entscheiden. Es ist klar, dass dieses Verfahren seinen Tücken hat wie alles mehr oder minder Basisdemokratische. Im absurdesten Fall entscheiden sich 40 Autoren für ein und dasselbe Foto. Der Herausgeber kann umlenken. Einige Autoren halten sich nicht an die Vorgaben, andere würden den Band am liebsten allein betexten.

Als ich den Band das erste Mal durchblätterte, sah ich, dass einige der für mich eindrucksvollsten Fotos nicht in den Band hineingekommen waren. So unterschiedlich sind Autoren zum Glück. Was vermisste ich. Mir wurde bewusst, dass Jürgen Hohmuth für mich vor allem der Fotograf, um nicht zu sagen: der Rhapsode der leeren Straßen ist. Verlassenheit. Leere Straßen in großen Städten, leere Straßen in thüringischen oder anhaltinischen Nestern. Wer ist hier mehr verlassen: die bröckligen Häuser, das ansteigende Pflaster oder die Menschen, die sich nicht sehen lassen oder die aneinander vorübergehen, wenn sie sich sehen lassen? Die leeren Straßen hatten sich mir eingebrannt. Andere werden andere Bilder vermissen.

… oder verlassener?

Ziellose Fußgänger, sentimentale Hoffeste, trotzige Kinder, melancholische Bürgerrechtler, schräge Teenager, Autowracks und fahruntüchtige PKW, dreckige Teller, geduldige Schlangesteher, improvisierte Versorgungsleitungen, hochezüchtete Motorräder, euphorische Konzerte, herrenlose Hunde, verlotterte Höfe, introvertierte Punks, morbide Balkons, sonnensüchtige Großstädter, trostlose Häuser, deprimierte Funktionäre, seelenlose Neubaublocks, Gleichmut, Vereinzelung, Resignation – all das sehe ich. Es gibt nicht zu hundert Prozent mein Lebensgefühl jener Zeit wieder, aber ich weiß, dass das alles real ist, und gut, dass uns diese Erinnerungen nicht verloren gehen.

Zu einigen dieser Fotos hatte ich Stichworte aufgeschrieben, das ging etwa so:

– Die Wäsche hängt. Die Sonne scheint. Die Schuhe sind ausgezogen. Die Kinder in ihr Spiel vertieft. Die Mütter glücklich.

– Familientristesse mit Bildstörung und philosophischem Säugling. Dem Kleinkind gibt schon zu denken, in was es da hineingeboren wurde.

– Melancholische Demonstranten in Jena. Wer war Franz Hering? Woher kommt unsere Schwermut. Was sagen uns diese Fahnen? Wie lange müssen wir hier noch rumstehen? So viele Fragen …

– Der Bus kommt anscheinend schon seit Jahrhunderten nicht. Kein Grund, ungeduldig zu werden. Es geht ja nur zur Arbeit.

– Die Zeit des Hauses scheint abgelaufen. Die Tür schließt noch. Das Fenster ist vergittert. Der Müllbehälter für den Müll wird alle überleben.

– Gib Gott, dass es nur ein Traum ist. Allein auf dem Rad unter lauter Trabants. Die Sonne steht hoch, mein Schatten ist minimal. Ein Moment wird Ewigkeit. Die Bewohner dieser Welt sind Pappautos. Ich komm hier nie wieder weg.

– Der Schlaf des Gerechten im Park. Nicht: Einer muss wachen. Sondern: Einer muss schlafen. Alle Müdigkeit des Landes hat sich in ihm konzentriert. Da ist noch das Netz mit dem Einkauf. Die letzte Flasche Bier ist umgekippt und ausgelaufen. Besser eine Bier- als eine Urinpfütze. Und seine Mitbürger tun das Beste, was man in einem solchen Fall tun kann. Weck ihn nicht, bis er selber sich regt.

– Der Kiez-Casanova, ganz in Weiß, kann es nicht fassen, wie die Leute ihren Umzug mit einem fahrbaren Müllcontainer erledigen. Allerdings: Die Leute sind nicht allein. Der Mann hat immerhin Frau und Kinder. Der Kiez-Casanova hat nur seine weißen Jeans und seine hohe Meinung von sich.

– Der Regen verschluckt die ganze Halb-Stadt Ostberlin. Wer Lust hat zu überleben, hat sich längst versteckt. Nur der Rollstuhlfahrer nicht. Dem ist öfter schon viel Schlimmeres passiert.

– Die Haare könnte ihm der Stasifriseur persönlich geschnitten haben. Er ist stolz auf seine Neubauwohnung, auf die Gehölze vor dem Balkon, auf den Sohn, der lieber mit dem Schlauch spritzt als Schularbeiten zu erledigen, er ist auch stolz auf sein Übergewicht.

– Nach dem Verdruss im Betrieb kommt der häusliche Verdruss. Da hilft ein deutsches Pilsner freier Stadtluft, und stünde der Stehtisch noch so schief.

Jürgen Hohmuth: Graustufen, Edition Braus, 29,90 €