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Posts Tagged ‘Hansa Rostock’

Letztes Heimspiel, Abschied vom Meer

Lost in uncertainty
© Kopka

Jetzt haben wir armen Hansa-Rostock-Schweine unseren Trainer gefeuert, der ja auch ein armes Hansa-Rostock-Schwein ist wie wir alle. Wir wissen nicht, ob es Übermut oder eher Untermut war, was uns dazu veranlasst hat. Wir wissen noch nicht mal, ob wir einen guten Mann in der Hinterhand haben, der Trainer Brand ersetzen soll, vielleicht träumen wir nur davon. Einen Freischuss haben wir nicht mehr. Die fällige Entscheidung muss sitzen. Brand hat zweimal den Abstieg ins Niemandsland verhindert. Mehr zu erwarten fehlt uns im Moment einfach die Phantasie oder sollen wir sagen: Euphorie?

Wir liefen im Stadionumfeld herum, kauften der Frau in der Tonne ein Programm ab, trafen zufällig ein armes Hansa-Rostock-Schwein aus Schwerin, mit dem wir auch schon mal auf der Tribüne in der Alten Försterei gestanden hatten, und Arne, ein ehemaliges Hansa-Talent, sagte, ich war auch schon mal bei Union, aber das war mir dort einfach zu lyrisch. Er meinte die ewige Singerei. Wir besuchten die Malstraße im Stadionanbau, wo angeschlagene Profis gut aufgelegt Autogramme schrieben. Wir sahen die Profis, die keinen neuen Vertrag mehr erhalten hatten; auch die waren nicht unbedingt schlechter Laune. Wir waren im VIP-Bereich und hatten Zeit, uns am Büffet zu versorgen. Das Bier lief gut. Wir haben keine Spieler mehr, hörte man öfter mal. Das war nur ein halber Witz.

Ich sah Professor Klinkmann, einen Mediziner von Weltruf, früher Hansas Aufsichtsratsvorsitzender, inzwischen ein alter, etwas in sich versunkener Herr. Ich mag es falsch sehen, aber mein Eindruck ist: So lange Klinkmann Hansa-Boss war, war der Club konkurrenzfähig, was damit zusammenhing, dass Klinkmann ein weltläufiger, energischer Typ ist, kein Provinz-Ei. Wegen unklarer Stasigeschichten wurde er ausgebootet, man war da an der Küste immer ein wenig bieder.

Teamwork auf der Südtribüne

Bei Hansa sitzt man überwiegend, es gibt nicht viele Stehplätze. Das passt zur gedämpften Stimmung der Fans. Auf der berühmt-berüchtigten Südtribüne zeigten die Enthusiasten ihre Choreo; das war eine erhebliche Kollektivleistung, vor der die Profis sich verneigen, zu Recht, denn zu einem vergleichbaren Teamwork sind sie auf dem Platz zur Zeit nicht in der Lage. Als Hansa kurz vor Schluss 1:2 in Rückstand geriet, wurde auf der Tribüne ein Spruchband entfaltet: LEMMER RAUS SCHNEIDER RAUS BRAND RAUS. Wer ist Lemmer? Ein Vorstandsmitglied, saß eine Reihe vor uns. René Schneider, der Sportdirektor, wirkte introvertiert. Christian Brand, der Trainer, stand unmittelbar vor dem Transparent, das ihn rausgeschmissen haben wollte. Hansa hatte eine gute zweite Halbzeit hingelegt und stand am Ende dennoch zum dritten Mal in Folge mit leeren Händen da. Das zerrt an den Nerven. Arne hatte während des Spiels mit charakteristischen Handbewegungen erklärt, dass es zu wenig Bewegung gab zwischen den Blöcken bei Hansa.

Das hilft uns auch nicht weiter

Marcel Schuhen und Dennis Erdmann, zwei Identifikationsfiguren, begaben sich zu den Massen und sagten Bye bye. Beide gehen. Schuhen, weil er was Besseres hat, und Erde, weil sich der Verein auf dieser Position anders aufstellen will (Schneider). Erde ist ein großer und gerne provozierender Kämpfer mit einer Flut von Gelben Karten, der immer alles gegeben hat, im Spielaufbau sicher limitiert, aber wer ist das nicht bei Hansa? Im Prinzip trauern sie ihm jetzt schon nach.

Im VIP-Bereich konnte man sich wieder am Büffet versorgen, das Bier lief abermals gut, die Stimmung konnte man als milde Dauerdepression bezeichnen. Wäre schön, wenn wir aus dieser Phase bald mal rauskämen. Aber wie soll uns armen Hansa-Rostock-Schweinen das gelingen!

Als wir siegten

Parallelwelt der Pressekonferenzen
Foto Hansa TV

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine verfolgen die Pressekonferenz nach dem Spiel gegen die zweite Mannschaft des FSV Mainz und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Wir haben 4:2 gewonnen. Die Mainzer sind auf dem letzten Tabellenplatz. Auch ein Sieg hätte sie schwerlich vor dem Abstieg bewahrt, und nun sehen wir, dass wir armen Hansa-Rostock-Schweine vergleichsweise in einer guten Lage sind. Sandro Schwarz , der Mainzer Trainer, ist wirklich die arme Sau. Duisburgs Trainer hatte in dem Spiel zuvor die Niederlage gegen uns ritterlich hingenommen und akzeptiert. Sandro Schwarz schließt sein Statement jedoch mit der Bemerkung: Heute wäre es verdient gewesen, wenn wir als Sieger vom Platz gegangen wären. Mann! Sie lagen aussichtslos 1:4 zurück. Wie wollen sie als Sieger vom Platz gehen! Der Rückstand entstand natürlich aus einer strittigen Abseitsposition, hatten in der Halbzeitpause trotz des 0:1 das Gefühl, dass sie hätten führen müssen, ein klarer Elfmeter wird ihnen verweigert, sie haben zahlreiche Torchancen, schießen übers Tor oder dem Torwart den Ball in die Arme (was hat der da auch in der Mitte des Tors zu suchen!). Wenn du unten drinstehst, dann misslingt dir nicht nur alles, dann fängst du auch an zu träumen: Das Spiel hat wieder mal gezeigt, so Sandro Schwarz, dass wir mit die Besten sind, was zwischen den Strafräumen passiert, ganz klar …

Es ist wahr, man müsste nach Bedarf Regeln schaffen, die das Hauptaugenmerk auf das Gebiet zwischen den Strafräumen richten. Oder anders: Wir alle sind in Gefahr, uns zu Idioten zu machen, wenn wir reale Niederlagen zu virtuellen Siegen umdefinieren. Es geht nicht darum, verdient zu gewinnen und unverdient zu verlieren. Es zählt der Sieg an sich, die Niederlage an sich, das Unentschieden an sich. Alles andere ist schlechte Lyrik.

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine in Lotte

Und hier noch ein absurdes Trotz alledem

So ein Spiel können wir eigentlich nicht verlieren, denken wir armen Hansa-Rostock-Schweine zuversichtlich nach zehn Minuten gegen den Pokalschreck Sportfreunde Lotte, okay, der Platz ist tief und matschig, aber wir spielen mutig nach vorn und haben Chancen. Tim Väyrynen steht das zweite Mal in der Startelf und wir sehen zu unserem Erstaunen, dass er sich durchaus in 1:1-Situationen durchsetzen kann, so eckig es aussehen mag. Der Finne hat Mumm in den Knochen. Dann gibt es auf unserer rechten Seite eine unklare Situation, ein schneller, steiler Pass der Sportfreunde, die Hereingabe, Schuhen streckt sich, der abgewehrte Ball fällt einem Lotter vor die Füße, und wir liegen 0:1 zurück. Absurd, aber das wirre Haar unseres Trainers verhieß schon nichts Gutes, und die wirre Amtsführung des Schiedsrichters Patrick Ittrich, ja, jener, der für die Bayern ein 1:1 gegen die Hertha erkämpft hat, verspricht mit seinen Entscheidungen, dass es weiter absurd zugehen wird. Da gibt es eine klare Tätlichkeit des Lotters Rahn, Monsieur Ittrich kann sich gerade noch bequemen, ein Foul zu pfeifen, aber nicht mal Gelb zu ziehen, wobei das klar und eindeutig glatt Rot war. Wir spielen weiter Chancen heraus und machen sie weiter nicht rein. Das ist unser Beitrag zum Absurden Theater an diesem unglückseligen Nachmittag. In der Halbzeit nimmt der Trainer mit dem wirren Haar zwei wirre Auswechslungen vor. Grupe und Bischoff, gewiss nicht die schlechtesten, müssen raus, der filigrane Wannenwetsch und der unermüdliche Ahlschwede kommen rein. Quiring, unser sogenannter Königstransfer, bleibt drin, obwohl er seit Wochen total neben sich steht. Inzwischen hat Monsieur Ittrich eine neue Idee. Er pfeift jeden Zweikampf des filigranen Wannenwetsch ab, Foul, sobald Wannenwetsch diesen Zweikampf gewinnt. Wenn Wannenwetsch nach einem Foul des Gegners den Ball verliert, pfeift er nicht. Da packt unsern Käptn Gardawski die Wut, er holzt den Gegner, das wird natürlich gepfiffen, Gardawski murmelt irgendwas wie Arschloch und sieht Gelb für das Foul und Gelbrot für das Wort. Kurz zuvor ist schon das 2:0 für Lotte gefallen, nach einer irregulär ausgeführten Ecke, aber bei den Lotter Holzhackerbuern schaut der Schiedsrichter nicht so genau hin, zu recht, denn wenn er das täte, wäre er nur am Pfeifen, und dazu hat er keine Lust. Das war also so ein Spiel, das wir armen Hansa-Rostock-Schweine auf keinen Fall verlieren konnten. Und das kommt dabei heraus. Diese Idioten schaffen es wirklich, einem jedes WE zu versauen, darauf ist Verlass, heißt es anschließend im Netz. WE heißt Wochenende.

WAHRS* in Magdeburg

November 7, 2016 2 Kommentare
Gegen gewisse Fans helfen auch die schönsten Zäune nichts

Gegen gewisse Fans helfen auch die schönsten Zäune nichts

Ein wüstes Spiel haben wir arme Hansa-Rostock-Schweine in Magdeburg gemacht. Drei Platzverweise, eine Bengalo-Orgie, der Platz in Nebel gehüllt, Spielunterbrechung, Rudelbildung, zehn Minuten Nachspielzeit. Am Ende 1:1. In der Vorsaison sind wir 1:4 untergegangen. (Obwohl das eigentlich auch ein Unentschieden-Match war, was ich nachträglich nicht mehr beweisen kann; ist ja auch egal. Bloß dass die da dann gleich so euphorisch wurden, die Anhaltiner!) Eine Viertelstunde haben wir gut gespielt, nur die Torchancen nicht mit letzter Konsequenz gesucht. Dann holte uns die mecklenburgische Lethargie ein. Ich meine, ich zähle nur zwei Mecklenburger bei uns, reicht es schon aus, in Rostock und Umgebung zu wohnen und zu spielen, um lethargisch zu werden? Der Spielzug der Magdeburger zu ihrem 1:0 war wirklich schnell und gut, wurde allerdings auch von eben dieser Lethargie begünstigt. Sorgen machte uns auch der Schiedsrichter (Benjamin Brand, junger Mann noch), der das harte Einsteigen der Magdeburger als guter Gast der Stadt unentwegt duldete. In der zweiten Halbzeit konnte man lange nichts mehr sehen wegen dieser Bengalos in unserem Block, die uns teuer zu stehen kommen werden. Wir haben unsere Lethargie wieder abgelegt, namentlich Timo Gebhart, der zwei dicke Chancen hat, die aus irrationalen Gründen nicht reingehen. Dann schickt der Schiedsrichter den extrem übermotivierten Magdeburger Handke mit gelbrot vom Platz, der das partout nicht einsehen will, nur zwei fette Fouls und dann gleich vom Platz!? Ja, Jugendfreund, zwei Fouls, die gepfiffen wurden und etliche, die man dir durchgehen ließ. Der Schiedsrichter wusste, dass er uns mit dieser Herausstellung keinen Gefallen tat. Wir spielen so selten in Überzahl, dass wir damit überhaupt nicht umgehen können und haben folgerichtig weniger Torchancen als zuvor. Letztlich macht Timo Gebhart doch noch das 1:1. Und das auch noch in der Nachspielzeit, was die Magdeburger so empört, dass sie Gebhart verkloppen wollen. Da der sich wehrt und vor Freude über das Tor das Hemd ausgezogen hat, sieht er in einem Aufwasch gelbrot. Der Magdeburger Butzen, der zuerst zugelangt hat, bekommt die glattrote Karte. Schlusspfiff. Magdeburg versteht die Welt nicht mehr. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine schon. Es gibt eine Schiedsrichtergerechtigkeit und eine höhere Gerechtigkeit, in deren vollen Genuss man eher selten kommt.

  • WAHRS = Wir Armen Hansa-Rostock-Schweine

So viel Glück haben sonst immer nur die anderen

Nichts gegen Halle an der Saale

Nichts gegen Halle an der Saale

… sagen wir armen Hansa-Rostock-Schweine in unserer 11. Folge, und nun trifft es uns, das Glück, kann das wahr sein? Hallescher FC gegen Hansa Rostock. Seit der 37. Minute liegen wir zurück, nachdem Danso Weidlich eine klare Einschusschance verpasst, einen versprungenen Ball übers leere Tor geschossen hat. Nach der Pause will Halle alles klar machen, sie kommen immer wieder über die rechte Seite, und Marcel Schuhen macht sein bestes Spiel, seit er für Hansa im Tor steht. Er ist keiner, der die unhaltbaren Schüsse hält, aber ein sehr aktiver Torwart, der die Abwehr auf Vordermann bringt. Und dann passiert Halle das, was sonst unser Schicksal ist. Wenn man die eigenen Chancen nicht reinmacht, dann treffen die anderen. Ziemer ist es, in der 78. Minute, nach einer Ecke von Bickel. Das ist ja schon gut, aber dass wir armen Hansa-Rostock-Schweine in der 2. Minute der Nachspielzeit auch noch das Siegtor machen (Hüsing), das ist mehr, als wir träumen konnten. Der Schiedsrichter bestraft uns mit einigen gelben Karten, weil wir die Hallenser nicht mehr vor unser Tor lassen, aber wen kratzt das schon.

Was folgt daraus? Nicht viel. Wir sind immer noch in akuter Abstiegsgefahr, glänzen mit einem katastrophalen Torverhältnis, aber wir stehen in der Tabelle über dem Strich, haben die letzten fünf Spiele nicht verloren. Das zeigt, wie verheerend und geradezu hoffnungslos die Lage vorher war. Trainer Baumann und Sportdirektor Klein haben gut gearbeitet, in der Winterpause die richtigen Leute geholt, starke Charaktere, eine gute Vorbereitung gemacht, einen funktionierenden Plan ausgearbeitet. Und so kam auch das Glück zurück. Wir lernen also, dass das Glück die Schwadroneure nicht mag, Trainer, die die Augen vor der Realität verschließen und mit ihrer vollmundigen Larmoyanz den Verein lähmen. Wir standen kurz vorm Abgrund. Jetzt sind wir wieder ein paar Schritte von der Kante zurückgetreten.

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine (10)

Spiel mir das Lied vom vermeidbaren Abstieg

Spiel mir das Lied vom vermeidbaren Abstieg

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine können mal kurz durchatmen, nachdem wir zuletzt aus einer Ohnmacht in die andere fielen. Trainer Vollmann, der Trainer Bergmann abgelöst hatte, wurde in die Wüste geschickt, Trainer Baumann kam und verlor gleich mal zwei Spiele mit dem Torverhältnis 1:8, vorletzter Platz in der Tabelle (Zwischendurch hatten wir noch Trainer Lottner, aber den konnten wir nicht halten, weil sein Name nicht mit -mann endet. Da konnte er selbst gar nichts für.) . Anschließend beobachteten wir die Operation des Klubs am offenen Herzen, Spieler lösten freiwillig ihren Vertrag. Die besten oder hoffnungsvollsten Kicker wurden verkauft, was aber auch als Erfolgsmeldung deklariert wurde: Der Verein kann sie von der Gehaltsliste streichen, er ist ja eh verschuldet wie Griechenland. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine müssen einräumen, dass auch unsere Besten zuletzt sinnlos rummurksten auf dem Platz und dass unsere hoffnungsvollen Nachwuchsspieler bei uns aus unerfindlichen Gründen nicht besonders gut angesehen sind. Wir weinen ihnen gewöhnlich keine Träne nach. Wegen vorhandener Deckungslücken (ich spreche immer noch von Finanzen) durften neue Spieler nur unter Vorbehalt verpflichtet werden. Das Trainingslager in Spanien fand trotzdem statt; und zum Rückrundenauftakt zeigte unser neuer Trainer Baumann, vom dem wir noch nicht wissen, was wir von ihm halten sollen, echte Courage. Er setzte fünf neue Spieler ein, die alle keine Spielpraxis haben. Aber Baumann setzte auf die frischen Kräfte, weil er, wohl nicht zu Unrecht, meinte, dass die alten nach der deprimierenden Niederlagenserie schwer traumatisiert seien. Es ging nach Wiesbaden, gegen den SV Wehen, einen Aufstiegskandidaten. Das Hinspiel daheim hatten wir zur vollen Zufriedenheit von Trainer Vollmann mit 0:1 verloren, wir sind von einem Spitzenteam nicht an die Wand gespielt worden, so ähnlich drückte er sich aus. Und nun, in Wiesbaden, sahen wir: Die Mannschaft trat anders auf, nicht so labbrig und softy wie in der Hinrunde. Die neuen Spieler sind kantige Typen, die wollen sich zeigen, die lassen sich nicht die Butter vom Brot nehmen, die scheinen sich schon mit dem neuen Verein zu identifizieren; sie haben nicht die Hansa-Krankheit. Auf die alten Kollegen wirkte das ansteckend. Ziemer machte das eins, Schwertfeger das zwei zu null, aber wir wären nicht die armen Hansa-Rostock-Schweine, wenn der Sieg am Ende nicht wieder am seidenen Faden gehangen hätte, und natürlich schoss den Anschlusstreffer unser gerade nach Wiesbaden gewechselter David Blacha, der nach seiner Einwechslung im neuen Trikot so brandgefährlich auftrat wie bei uns zuletzt vor einem Jahr. Wenn Wiesbaden ihn von Anfang an gebracht hätte – wir hätten dieses Spiel wahrscheinlich verloren. Jetzt geht’s gegen den Jahn aus Regensburg. Da spielt, soweit ich weiß, kein ehemaliger Hanseat. Das stimmt zuversichtlich.

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine (9)

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine stellen fest, dass unser Trainer sich zum Gratulations-August qualifiziert hat. „Ich muss meinem Kollegen gratulieren”, das sagt er nun nach fast jedem Spiel. Statt zu sagen: „Mein Plan ist nicht aufgegangen, wenn ich denn einen hatte. Ich bin zutiefst bestürzt. Ich muss eine andere Spielidee suchen. Und wenn ich keine finde, was wahrscheinlich ist, dann muss ich die Brocken hinwerfen.” Ja, der gute Peter Vollmann hat die Vereinsführung und sich selbst besoffen gequatscht. Am Anfang ging es um den Aufstieg. Jetzt trennt uns noch ein Punkt von den Abstiegsplätzen. Gegen die Stuttgarter Kickers kamen wir in der ersten Halbzeit nicht ein einziges Mal gefährlich vors gegnerische Tor, während es bei uns pausenlos brannte. Die Mannschaft spielt larmoyant und nebulös, so wie der Trainer spricht. Er erreicht die Mannschaft eben zu gut und deshalb tritt sie zweikampfschwach, hasenfüßig, inkonsequent, lahm in den Reaktionen, ohne Zug zum Tor auf. Zuerst lag es daran, „dass wir zur Zeit einfach nicht hoch vereidigen können”. Hoch verteidigen, tief verteidigen. Was solls, falls das mehr ist als Sprachhülsen. Als Trainer kannst du nicht das machen, was dir so im Kopf herumspukt, du musst (in deinem eigenen Interesse) das spielen, was zu deiner Mannschaft passt. Als die Luft dann noch dünner wurde, wurde die Sache mit der Kondition thematisiert. Schlechte Laktatwerte. Hansa hat nur 3,4, man braucht aber 3,7. Sowas lasse sich aber nur langfristig aufbauen, und insofern liegt die ganze Misere beim Vorgängertrainer Andreas Bergmann. Schau mal an, wie schoflig man sein kann. Wenn die Kondition der Hansa-Spieler so schlecht ist, warum hat Vollmann dann nicht vorwiegend die Kicker spielen lassen, die er selbst geholt hat. So wenige sind das doch nicht. Und wenn man Fußball aufs Laufen reduzieren will, dann kann man ja das Spiel ausfallen lassen und stattdessen die Laktat-Werte gegeneinander halten. Wer den besseren Wert hat, bekommt die drei Punkte. Aber so einfach ist es zum Glück nicht. Was sagt gerade Pep Guardiola (bestimmt kein schlechterer Coach als Peter Vollmann): „Wir sind zu viel gelaufen mit dem Ball. Du kannst nicht gut spielen, wenn du zu viel läufst. Wir müssen auf unsere Positionen bleiben und den Ball laufen lassen.“ Darüber nachdenken, Peter Vollmann. Und ein neues Leben anfangen.