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Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Ein Wort, ein Wort zum Song Contest

Der rettende Pfeil zeigt leider nach unten
© Klaus

Nicht, dass man da länger zusehen könnte, es sei denn, man befindet sich in einer Gruppe von fünf bis zehn Leuten, in der jeder den anderen mit seinen Einfällen beim Zusehen übertrifft, aber wo soll man so viele Zyniker hernehmen.

Ich hatte nach dem deutschen Vorentscheid keinen schlechten Eindruck von Levina, wenn mich auch die Scheindemokratie des ausführenden NDR störte, alle Entscheidungen den Leuten zu überlassen, um selbst keine Verantwortung zu tragen, denn die grundsätzliche Entscheidung, wer da überhaupt mitkrähen durfte, haben sie ja doch da getroffen, beim Sender.

Also, ich fand Levina nicht schlecht, aber die Performance jetzt in Kiew hat mich sofort verstört. Da stand ein überglückliches Kind aus dem Wirtschaftswunderland und erzählte den Menschen aus den eher unglücklichen Nationen etwas vom perfekten Leben. Wir stehen doch ohnehin im Verdacht, dass wir die Großmeister des Glücks sind und die anderen Länder unentwegt belehren müssten, ohne dass denen das je etwas gebracht hätte. Und da stand nun diese junge Frau, der man wahrscheinlich gesagt hatte, sie solle nicht hundert, sondern tausend Prozent geben, völlig verkrampft vor überschäumender Freude. Das war kein Song, das war ein Reklamespot für das schier Unerreichbare, das wir Deutschen jedoch haben.

Beim Vorausscheid fand ich Levinas asymmetrische Gestik reizvoll. Aber hier musste sie das Mikro in der rechten Hand halten, und damit war auch dieser aparte Nebeneffekt futsch. Ja, und dann wurde die Veranstaltung natürlich im Liveticker von den deutschen Medien begleitet, und kaum war klar, das dies nun wieder ein Begräbnis erster Klasse würde, machte sich der deutsche Selbsthass in primitivem Spott breit. Wenn nicht mindestens Top five, dann am besten null Punkte. Aber es wurden ihrer sechs. Nicht mal das hat geklappt.

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Das Wort Provinz verwenden wir nicht

Nicht, dass wir aneinander vorbeireden …

Originalton Dialog:

Nach längerer Abwesenheit traf der Oberprofessor wieder ein und untermauerte sofort seine Vormachtstellung. Er trabte durch alle Zimmer und lobte Artikel, die nicht unter seiner Herrschaft erschienen waren, als wollte er zeigen, wie frei von Eigennutz und Eitelkeit er einerseits sei und wie weitgehend sein Gedankengut auch in seiner Abwesenheit wirke. Er ging sogar soweit, dass er bekannte, er habe eigentlich vorgehabt, Lobeskarten zu verschicken und Lobesanrufe zu tätigen. Mich holte er erst am dritten Tag in seinen Saal.

Ich wollte dir sagen. Deine Seite. Das Wort Provinz verwenden wir nicht.

Wer verwendet es nicht, fragte ich lebhaft.

Ich, sagte er.

Ach so, sagte ich, warum sagst du das nicht gleich.

Ich und die Partei, fügte er hinzu.

Die Partei, das stimmt nicht, sagte ich.

Doch. Das stimmt. In Parteikreisen kenn ich mich besser aus als du.

Das soll auch so bleiben, beruhigte ich ihn. Aber gegen das Wort Provinz ist nichts einzuwenden.

Doch. Ich will das nicht.

Dann schau doch mal ins Wörterbuch.

Das muss ich nicht. Ich mach hier Zeitung, und das ist ’ne politische Sache.

Das hat aber auch mit Sprache zu tun.

Nein, wenn man die richtige Politik vertritt, dann kann auch die Sprache nicht falsch sein.

Als nächstes ist Wullsteins Artikel, „ich sage das in Anführungsstrichen”, von der Nebenwohnung dran. Einen Artikel über ’ne Nebenwohnung will der Oberprofessor nicht in seiner Zeitung haben. Ich sage, es gibt so viele Nebenwohnungen. Er sagt, nein, er kennt nur Erwin Strittmatter, der ’ne Nebenwohnung hat, ansonsten gibt’s tausend arme Schweine, die keine Wohnung haben. Ich sage, aber es gibt Gesetzblätter über Nebenwohnungen, dann muss es ja diese Wohnungen wohl auch geben, oder sind diese Gesetzblätter nur wegen Erwin Strittmatter gemacht. Nein, sagt er, das ist arrogant, er sage was Wichtiges, nicht zuletzt, um mir zu helfen, damit ich meine Aufgaben richtig erfüllen kann, und zum Dank wage ich, ihm zu sagen, er solle ins Wörterbuch oder ins Gesetzblatt schauen.

WAHRS* in Magdeburg

November 7, 2016 2 Kommentare
Gegen gewisse Fans helfen auch die schönsten Zäune nichts

Gegen gewisse Fans helfen auch die schönsten Zäune nichts

Ein wüstes Spiel haben wir arme Hansa-Rostock-Schweine in Magdeburg gemacht. Drei Platzverweise, eine Bengalo-Orgie, der Platz in Nebel gehüllt, Spielunterbrechung, Rudelbildung, zehn Minuten Nachspielzeit. Am Ende 1:1. In der Vorsaison sind wir 1:4 untergegangen. (Obwohl das eigentlich auch ein Unentschieden-Match war, was ich nachträglich nicht mehr beweisen kann; ist ja auch egal. Bloß dass die da dann gleich so euphorisch wurden, die Anhaltiner!) Eine Viertelstunde haben wir gut gespielt, nur die Torchancen nicht mit letzter Konsequenz gesucht. Dann holte uns die mecklenburgische Lethargie ein. Ich meine, ich zähle nur zwei Mecklenburger bei uns, reicht es schon aus, in Rostock und Umgebung zu wohnen und zu spielen, um lethargisch zu werden? Der Spielzug der Magdeburger zu ihrem 1:0 war wirklich schnell und gut, wurde allerdings auch von eben dieser Lethargie begünstigt. Sorgen machte uns auch der Schiedsrichter (Benjamin Brand, junger Mann noch), der das harte Einsteigen der Magdeburger als guter Gast der Stadt unentwegt duldete. In der zweiten Halbzeit konnte man lange nichts mehr sehen wegen dieser Bengalos in unserem Block, die uns teuer zu stehen kommen werden. Wir haben unsere Lethargie wieder abgelegt, namentlich Timo Gebhart, der zwei dicke Chancen hat, die aus irrationalen Gründen nicht reingehen. Dann schickt der Schiedsrichter den extrem übermotivierten Magdeburger Handke mit gelbrot vom Platz, der das partout nicht einsehen will, nur zwei fette Fouls und dann gleich vom Platz!? Ja, Jugendfreund, zwei Fouls, die gepfiffen wurden und etliche, die man dir durchgehen ließ. Der Schiedsrichter wusste, dass er uns mit dieser Herausstellung keinen Gefallen tat. Wir spielen so selten in Überzahl, dass wir damit überhaupt nicht umgehen können und haben folgerichtig weniger Torchancen als zuvor. Letztlich macht Timo Gebhart doch noch das 1:1. Und das auch noch in der Nachspielzeit, was die Magdeburger so empört, dass sie Gebhart verkloppen wollen. Da der sich wehrt und vor Freude über das Tor das Hemd ausgezogen hat, sieht er in einem Aufwasch gelbrot. Der Magdeburger Butzen, der zuerst zugelangt hat, bekommt die glattrote Karte. Schlusspfiff. Magdeburg versteht die Welt nicht mehr. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine schon. Es gibt eine Schiedsrichtergerechtigkeit und eine höhere Gerechtigkeit, in deren vollen Genuss man eher selten kommt.

  • WAHRS = Wir Armen Hansa-Rostock-Schweine

Irrtum der Natur

Das Leben hat diese Seiten – leider © Christian Brachwitz

Das Leben hat diese Seiten – leider
© Christian Brachwitz

Es war (wieder mal) in Wien. Das Burgtheater inszenierte „Glaube und Heimat” von Karl Schönherr und schickte den Theaterfotografen zu einer Schlachtung, weil es Fotos von einer solchen für das Programmheft zu brauchen glaubte. Dem Fotografen, wenngleich ein Mann aus ländlichen Gefilden und der Natur mit all ihren Schön- und Rauheiten zugetan, konnte nicht gefallen, was er sah, es war zuviel Stahl, Blut und Lärm, aber er durfte die Augen nicht abwenden und musste seine Arbeit tun, dachte jedoch auch an die zunehmende Zahl von Vegetariern.

Das Stück ist aus dem Jahr 1911. Karl Schönherr war ein „stark heimat- und volksverbundener Schriftsteller”, Verfasser „schlagkräftiger Heimat- und Bauerndramen um erdverwurzelte, oft holzschnittartige Menschen der Tiroler Bergwelt” (Lexikon der Weltliteratur, Alfred Kröner Verlag). Es ist anzunehmen, dass das Theater eine recht moderne und ironische Version des Stücks auf die Bretter brachte. Der nach der Schlachtung reichlich bediente Fotograf wunderte sich hingegen, dass die Schweineköpfe auf seinen Fotos unvermutet glücklich aussahen. „Erklär’s mir. Ich kann es nicht.” Es handelt sich offensichtlich um einen Irrtum der Natur, eine Ironie des Schicksals, irgend so etwas. Die Schweine hatten ein Schweineleben hinter sich. Man sah es ihnen nicht mehr an.

Die Fleischerfamilie bekam extra gute Freikarten für die Premiere. Wie sie sich da fühlte – wer weiß das schon.

Erster Irrtum

kopkastagebuch gab es bisher bei http://www.magda.de, rechte Randspalte, und auch in der linken Randspalte unter „Kolumnen”, da gibt’s Kopkas Tagebuch immer noch, gleichwohl ist dies hier ein Schritt in die Selbständigkeit, ein Tappen im Dunkeln, ein Irren-ist-menschlich, ein Versuch im Vorfeld eines Versuchs, und Ihr seid dabei, wohin der Schritt in ein selbstbestimmtes Netzleben auch immer führen mag. Ich weiß, was ich sagen will, aber ob und wie das dann im Netz erscheint – ich kann mich nur überraschen lassen.

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