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Posts Tagged ‘Todesangst’

Schnelle Gerechtigkeit

Von den alten Kämpfern ist kaum noch einer da. Läuft aber trotzdem
© Kopka

Gut, dass wir armen Hansa-Rostock-Schweine nach der unglücklichen Niederlage gegen Meppen nun in Würzburg siegen konnten. Stellt sich Gerechtigkeit neuerdings so schnell ein? Gegen Meppen half uns der Schiedsrichter beim Verlieren, nun half er uns beim Siegen, jeweils mit einem Platzverweis, über den man streiten konnte. Die Würzburger, früh durch einen Standard in Rückstand geraten und alsbald durch ein sehr hartes Rot gegen Jopek in Unterzahl spielend, stürmten dennoch auf unser armes Hansa-Tor, wir verdanken es einer Klasseabwehr, einem überragenden Torwart und dem Pfosten, dass die Null stehen blieb. Schiedsrichter, sagt übrigens der Erfurter Trainer Stefan Krämer, der gerade einen Negativlauf hat, sollen Spiele leiten, sie sollen sie nicht entscheiden. In Freud und Leid ein guter Mann, dieser Stefan Krämer.

Den Sportfreunden vom Inoffiziellen Meppener Fanforum schulde ich noch einen tiefen Dank. Sie haben nach ihrem Auswärtssieg bei uns meinen Blog mit vielen Klicks gestürmt. Das bin ich nicht gewöhnt und darauf kommt’s mir auch nicht unbedingt an. Aber wenn es mal so ist, dann ist es eben auch schön. Insbesondere sträubten sich bei den Meppener Freunde die Nackenhaare wegen meiner Deutung der spielentscheidenden Situation, der Roten Karte für Amaury Bischoff. Das ging etwa so: „Was für eine gequirrlte (sic!) Kacke. Was hat der Verfasser alles eingenommen. Junge, lass die Drogen weg, sonst kämpft du bald ohne Gegenspieler mit dem Tod.” Oder so: „Ich glaube nicht, dass der Wissenschaft bekannte Substanzen derartige Sinnestäuschungen verursachen.”

Man muss so einen Text auch lesen können. Der war nicht ganz Ironie-frei. Ich hatte gesagt, dass Amaury Bischoff in Todesangst um sich geschlagen habe, weil der Meppener Granatowski ihn würgte. Vielleicht hatte er auch Angst, vergewaltigt zu werden. Keine Ahnung. Der Schiedsrichter hätte es gar nicht so weit kommen lassen müssen, wenn er Granatowskis Aufspringen und Klammern regelgerecht abgepfiffen hätte. Aber er huldigt wohl einer pazifistischen Grundhaltung: „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin.“ Man darf sich nicht wehren. Man soll erdulden.

Meppen liegt an der Mündung der Hase in die Ems. 30 100 Einwohner. Elektro- und Maschinenbau, Erdölförderung, Kunststoffverarbeitung, Erdgas-Kraftwerk. Ich weiß, dass Meppen immer als Synonym für das Unterklassige im Fußball genommen wurde. Wenn ein Team abgestiegen war, sagte man: Wir fahren jetzt nicht mehr nach Köln oder München, wir fahren jetzt nach Meppen. Das galt als Höchststrafe. Jetzt ist Meppen wieder im Profifußball, aber die Wunden sitzen noch tief. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine können das sehr gut nachvollziehen. Und wir hassen euch nicht, wie ihr behauptet, wir wollen keineswegs, dass ihr wieder absteigt. Wir haben eine bittere Heimniederlage hinnehmen müssen und reagieren so emotional und ungerecht wie die Fans in jeder anderen Stadt. Wir gönnen euch auch euern 4:0-Sieg gegen Zwickau. Der könnte euch helfen, etwas mehr über den Dingen zu stehen.

Der Mann, der Granatowski hieß

August 6, 2017 1 Kommentar

Wanderer, kommst du ins Ostseestadion, wirst du absurde Sachen erleben
© Kopka

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine wähnten uns auf einem guten Weg und warteten auf das Ereignis, das uns von diesem Weg abbringen würde. Es war der Mann, der Granatowski heißt. Nico Granatowski, SV Meppen, ein Kicker von quadratischer oder eben granatenhafter Statur, stoppte den guten Lauf unseres neu zusammengestellten Teams. Mitte der ersten Halbzeit sprang Granatowski unseren Spielmacher Amaury Bischoff von hinten an. Er quetschte seine Brust, er würgte ihn am Hals, er zerrte und drückte, er saß in seinem Nacken wie der böse Geist im Märchen, den du nicht los wirst. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine sahen die Angst und den Schmerz in Amaury Bischoffs Gesicht. Für ihn musste klar sein, dass dieser Mann auf seinem Rücken ihn ermorden wollte. In seiner Todesangst schlug er mit den Armen nach hinten aus und traf Granatowski an der Wange. Wir haben selten einen Schiedsrichter erlebt, der die ständigen Reklamationen der Meppener Kicker bei einem Pfiff gegen sie so freundlich hingenommen hat wie der biedere Thorben Siewer aus Westfalen. Aber hier zeigte er seinen Sinn für die Umkehrung der Sachverhalte. Amaury Bischoff, der sich eben freute, dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein, zeigte er die Rote Karte. Granatowski konnte sich mit Gelb geradezu geehrt fühlen. Wir meinen, wenn Monsieur Siewer das Foul Granatowskis rechtzeitig gepfiffen hätte, wäre Bischoff gar nicht erst in diese lebensbedrohliche Lage gekommen. Okay. Wir spielten 65 Minuten in Unterzahl. Meppen ging in Führung, wir glichen aus. Die Geschichte wäre unkomplett, wenn nicht Granatowski in der 88. Minute mit einer Granate, wie sie nur einem Kampfschwein gelingt, für den Sieg der Meppener gesorgt hätte. Ausgerechnet Granatowski, der längst hätte vom Platz gestellt sein müssen. Er wusste immerhin, was sich gehört. Nach dem Abpfiff bedankte er sich beim Schiedsrichter mit einem warmen Händedruck für diesen absurden Sieg.