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Posts Tagged ‘Jeanne Moreau’

Sehen, um zu sehen oder so

Dahinten geht’s dann scheinbar nicht mehr weiter
© Kopka

Der FAZ-Kulturredakteur Platthaus möchte eine feinsinnige Würdigung der verstorbenen Jeanne Moreau schreiben. Er ist im Feuilleton der FAZ der Mann für Cartoons, Donaldismus und alle Fälle, dazu zählt dann auch Film. Wie fängt er seine Würdigung an? „Wo immer man sie auch sah, war sie gar nicht zu übersehen.” Wie schade, dass Jeanne Moreau das nicht mehr lesen konnte. Sie hätte gelacht und würde vielleicht noch leben.

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Ach nee, der letzte Biss!

Kinobar vor der Vorstellung

Kinobar vor der Vorstellung – du bist nicht allein, wenn du auch allein bist

Wir sahen „Der letzte Tycoon”, eine der Aufnahmen auf unserem Receiver, ich meine, abgesehen von „Die Gräfin vom Hongkong” werden diese Aufnahmen mit großer Distanz aufgenommen, weil ich angeblich immer Filme aufnehme, die nur meiner Interessenlage entgegenkommen, aber so egoistisch bin ich nicht. Oft schauen wir nur zehn bis fünfzehn Minuten, um die Wiedergabe zu stoppen und den Film zu löschen, so dass wir wieder ein bisschen mehr Speicherplatz haben. Trotz dieser latenten Abwehr gefiel uns „Der letzte Tycoon” überraschend gut. Das ist ein Film von Elia Kazan von 1976 nach einem Romanfragment von Francis Scott Fitzgerald.

Wir haben nicht auf den Vorspann geachtet und sehen, dass wir es mit einem ziemlich jungen Robert de Niro zu tun haben, er ist der letzte Tycoon, der große Hollywood-Produzent, der immer hundert Prozent von seinen Ideen und Entscheidungen überzeugt ist, Machtbewusstsein und Charme hat, bis er auf eine Frau trifft, die er noch nicht mal halbwegs erobern kann und die einfach stärker ist als er. Damit sind alle Gewissheiten dahin und das Glück verlässt ihn, Monroe Stahr besitzt nicht mehr das Feeling für die richtige Entscheidung in der falschen. Die Szenen zwischen de Niro und seiner Angebeteten sind voller Geheimnisse und Überraschungen, nein ist nicht nein, und ja heißt nicht ja.

Irgendeine in diesem Film sieht aus wie Jeanne Moreau, und es ist auch Jeanne Moreau, irgendeiner sieht aus wie Tony Curtis, und es ist auch Tony Curtis. Gegen Ende taucht auch noch ein ziemlich junger Jack Nicholson auf, der den aggressiv betrunkenen de Niro mit einem Faustschlag niederstreckt.

„Die faszinierende Gestalt des Studiodiktators und das interessante Thema wurden in der filmischen Adaption verflacht”, meckert des Lexikon des internationalen Films vom Rowohlt Verlag. „Trotz sehr guter Besetzung … fehlt der letzte Biss, und der Film bleibt in einer Aneinanderreihung von Episoden stecken.” So ’ne hochnäsige Bewertung mit solchen Floskeln bringt uns nicht weiter. Nach meinem Eindruck war Fitzgerald keiner, der in die Tiefe lotete. Die Tiefe zeigte sich schon an der Oberfläche oder sie blieb eben draußen. Er näherte sich seinen Themen von der Peripherie her, er war wohl auch einfach zu oft betrunken und deprimiert, um sein Sujet glasklar zu analysieren. Also, zu verflachen war da nicht viel. Der Film ist hart und schonungslos. Wir hatten das Gefühl, einiges in dieser Zuspitzung noch nicht gesehen zu haben, subtile Beziehungen und Machtkonstellationen, Typen, die gleichzeitig mit- und gegeneinander kämpfen. Ich gehe mal davon aus, dass wir recht haben und das Filmlexikon eben nicht.