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Der Mann, der Granatowski hieß

August 6, 2017 1 Kommentar

Wanderer, kommst du ins Ostseestadion, wirst du absurde Sachen erleben
© Kopka

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine wähnten uns auf einem guten Weg und warteten auf das Ereignis, das uns von diesem Weg abbringen würde. Es war der Mann, der Granatowski heißt. Nico Granatowski, SV Meppen, ein Kicker von quadratischer oder eben granatenhafter Statur, stoppte den guten Lauf unseres neu zusammengestellten Teams. Mitte der ersten Halbzeit sprang Granatowski unseren Spielmacher Amaury Bischoff von hinten an. Er quetschte seine Brust, er würgte ihn am Hals, er zerrte und drückte, er saß in seinem Nacken wie der böse Geist im Märchen, den du nicht los wirst. Wir armen Hansa-Rostock-Schweine sahen die Angst und den Schmerz in Amaury Bischoffs Gesicht. Für ihn musste klar sein, dass dieser Mann auf seinem Rücken ihn ermorden wollte. In seiner Todesangst schlug er mit den Armen nach hinten aus und traf Granatowski an der Wange. Wir haben selten einen Schiedsrichter erlebt, der die ständigen Reklamationen der Meppener Kicker bei einem Pfiff gegen sie so freundlich hingenommen hat wie der biedere Thorben Siewer aus Westfalen. Aber hier zeigte er seinen Sinn für die Umkehrung der Sachverhalte. Amaury Bischoff, der sich eben freute, dem Tod noch einmal von der Schippe gesprungen zu sein, zeigte er die Rote Karte. Granatowski konnte sich mit Gelb geradezu geehrt fühlen. Wir meinen, wenn Monsieur Siewer das Foul Granatowskis rechtzeitig gepfiffen hätte, wäre Bischoff gar nicht erst in diese lebensbedrohliche Lage gekommen. Okay. Wir spielten 65 Minuten in Unterzahl. Meppen ging in Führung, wir glichen aus. Die Geschichte wäre unkomplett, wenn nicht Granatowski in der 88. Minute mit einer Granate, wie sie nur einem Kampfschwein gelingt, für den Sieg der Meppener gesorgt hätte. Ausgerechnet Granatowski, der längst hätte vom Platz gestellt sein müssen. Er wusste immerhin, was sich gehört. Nach dem Abpfiff bedankte er sich beim Schiedsrichter mit einem warmen Händedruck für diesen absurden Sieg.

Wir armen Hansa-Rostock-Schweine in Lotte

Und hier noch ein absurdes Trotz alledem

So ein Spiel können wir eigentlich nicht verlieren, denken wir armen Hansa-Rostock-Schweine zuversichtlich nach zehn Minuten gegen den Pokalschreck Sportfreunde Lotte, okay, der Platz ist tief und matschig, aber wir spielen mutig nach vorn und haben Chancen. Tim Väyrynen steht das zweite Mal in der Startelf und wir sehen zu unserem Erstaunen, dass er sich durchaus in 1:1-Situationen durchsetzen kann, so eckig es aussehen mag. Der Finne hat Mumm in den Knochen. Dann gibt es auf unserer rechten Seite eine unklare Situation, ein schneller, steiler Pass der Sportfreunde, die Hereingabe, Schuhen streckt sich, der abgewehrte Ball fällt einem Lotter vor die Füße, und wir liegen 0:1 zurück. Absurd, aber das wirre Haar unseres Trainers verhieß schon nichts Gutes, und die wirre Amtsführung des Schiedsrichters Patrick Ittrich, ja, jener, der für die Bayern ein 1:1 gegen die Hertha erkämpft hat, verspricht mit seinen Entscheidungen, dass es weiter absurd zugehen wird. Da gibt es eine klare Tätlichkeit des Lotters Rahn, Monsieur Ittrich kann sich gerade noch bequemen, ein Foul zu pfeifen, aber nicht mal Gelb zu ziehen, wobei das klar und eindeutig glatt Rot war. Wir spielen weiter Chancen heraus und machen sie weiter nicht rein. Das ist unser Beitrag zum Absurden Theater an diesem unglückseligen Nachmittag. In der Halbzeit nimmt der Trainer mit dem wirren Haar zwei wirre Auswechslungen vor. Grupe und Bischoff, gewiss nicht die schlechtesten, müssen raus, der filigrane Wannenwetsch und der unermüdliche Ahlschwede kommen rein. Quiring, unser sogenannter Königstransfer, bleibt drin, obwohl er seit Wochen total neben sich steht. Inzwischen hat Monsieur Ittrich eine neue Idee. Er pfeift jeden Zweikampf des filigranen Wannenwetsch ab, Foul, sobald Wannenwetsch diesen Zweikampf gewinnt. Wenn Wannenwetsch nach einem Foul des Gegners den Ball verliert, pfeift er nicht. Da packt unsern Käptn Gardawski die Wut, er holzt den Gegner, das wird natürlich gepfiffen, Gardawski murmelt irgendwas wie Arschloch und sieht Gelb für das Foul und Gelbrot für das Wort. Kurz zuvor ist schon das 2:0 für Lotte gefallen, nach einer irregulär ausgeführten Ecke, aber bei den Lotter Holzhackerbuern schaut der Schiedsrichter nicht so genau hin, zu recht, denn wenn er das täte, wäre er nur am Pfeifen, und dazu hat er keine Lust. Das war also so ein Spiel, das wir armen Hansa-Rostock-Schweine auf keinen Fall verlieren konnten. Und das kommt dabei heraus. Diese Idioten schaffen es wirklich, einem jedes WE zu versauen, darauf ist Verlass, heißt es anschließend im Netz. WE heißt Wochenende.