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Die Bilder des Sizilianers

Unter Tigern
© FJK,ADe

Wir waren von einem späteren Beginn ausgegangen, und dann kam noch der Schienenersatzverkehr mit seinen Unwägbarkeiten und Kampfszenen, aber auch seinen unerwarteten Solidaritätsbekundungen hinzu.

Die Galeristin, der Maler, eine Bewunderin, der Weißwein

Als wir bei Helle Coppi endlich anlangten, waren die einführenden und einfühlenden Worte längst gewechselt für Isabelle Dutoit (Sieben Tiger) und Giuseppe Madonia (Vedute Interiori), zwei Maler, die eine aus Groß- Gerau, der andere aus Palermo gebürtig, Giuseppe, der Sizilianer, der seit 1982 in Berlin lebt, wo er viele Haare verlor und seinen Weg zur Kunst fand oder wiederfand, ohne Akademien. Wir kannten ihn schon von einem Salonkonzert und sahen ihn wieder mit einem Weißweinglas in der Hand, umringt von Kunstkennern und Enthusiasten, die ihn fühlen ließen, wie sie seine Kunst verstanden und schätzten. Giuseppe, so schien es uns, war dabei nicht ganz wohl zumute, so dass ich mich bemüßigt fühlte, ihm zu sagen, dass er das Bad in der Menge genieße, aber so viel Ironie hatte er mir nicht zugetraut.

Die Stadtmetaphern des Sizilianers

Seine Bilder hingen unten, im Kabinett genannten Keller der Galerie, Ölpastelle auf verschiedene Pappen gemalt, ein Kritiker hat sie als Stadtmetaphern bezeichnet, das trifft es ganz gut, ein anderer schrieb von der Verbindung des Mediterranen mit dem Nordischen. Giuseppes Stadtmetaphern sind in der Realität nicht auffindbar, wobei die wirklichen Städte ihn durchaus inspirieren. Das wird im Kopf oder soll ich sagen in der Seele gespeichert und kommt modifiziert wieder hoch und auf die Pappe. Wir sahen seine Häuser nicht als Steingebilde, sondern als Wesen, als Individuen. Ja, sagte Giuseppe, der schon erschöpft schien von den vielen Antworten, die er geben musste, es geht mir um Humanität. Hauptsächlich wohl um Kunst, um Schöpfungen, um Stadtmetaphern, die innere Bilder wiedergeben.

Einmal hat Giuseppe gesagt: „Ich finde in der Gegenständlichkeit liegt eine gewisse Abstraktion. Ich betrachte meine Bilder als abstrakt. Man erkennt dort wahrscheinlich Gebäude und Landschaften, im Grunde genommen sind das aber Abstraktionen.” Anregende Gedanken, die einem beim Betrachten der Bilder einiges geben. Man denkt vielleicht an Italo Calvinos unsichtbare Städte und fühlt sich in diese Stadtfragmente hinein. Wie würde es einem als Teil dieser Stadtstücke ergehen? Was würde einem geschehen? Ich würde eine Verlorenheit empfinden, die mir kostbar vorkommen könnte, würde mich verbunden fühlen mit den altmeisterlichen Farbigkeiten und könnte mir vorstellen, auf Exponenten aller möglichen Zeiten zu treffen

Kinder und Hunde fallen schon noch auf unter den Freunden der Kunst

Wieder oben in der Galerie konnten wir nach den scheinbaren Wirklichkeiten die scheinabren Unwirklichkeiten Isabelle Dutoits kaum noch würdigen, diese uns so fremden Tiere und üppigen Vegetationen, die aus dem Bildhintergrund hervortreten und sich wieder auflösen. Ein anderes Mal.

Eine Galerie ist ein schöner Ort für einen Samstagabend. Es gibt so viel zu sehen und zu reden. Die meisten Kunstkenner tragen schwarze Kleider, und schließlich sind auch Kinder und Hunde unter ihnen. Der Junge in der grünen Kapuzenjacke stand ungerührt und stocksteif zwischen all den schwarzen Hosenbeinen. Eine Kunst für sich.

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