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Metzkes und Freunde

Wenn du an einem Donnerstagabend im sonnigen Abendlicht durch Berlin Mitte flanierst, kannst du von einer Galerie in die andere fallen, aber Helle Coppi eröffnet an diesem 6. September die Ausstellung „Harald Metzkes und Freunde” und da wollten wir sowieso hinein, nachdem wir an Häusern vorbeikamen, die, noch gar nicht mal alt, schon wieder dekonstruiert werden, an grünen Höfen, an genialischen Inschriften und an Karossen, die auch nicht im Halteverbot parken dürfen, obwohl sie Porsches sind.

Auguststraße 83. Blick von außen
© Fritz-Jochen Kopka

Harald Metzkes und Freunde, das sind Manfred Böttcher, Walter Libuda und Konrad Maass. Außer dem früh verstorbenen Böttcher sind sie anwesend in der Auguststraße 83 und können sich auf die Zuwendung der Besucher – Kollegen, Sammler, Enthusiasten – verlassen. Die Freundschaften, die Harald Metzkes pflegte und pflegt, sind locker, verlässlich und kreativ. Von allen berühmten Malern aus der DDR ist Metzkes wohl der zurückhaltendste, nachdenklichste, aber auch jeder Zeit auskunftsfähige.

Helle Coppi eröffnet

1989, als wir eine Reportage-Reihe über den Kollwitz-Platz schrieben, suchten Jutta Voigt und ich Harald Metzkes in seinem Atelier auf. Wir fielen gleichsam mit der Tür ins Haus, weil die Telefone mal wieder alle tot waren. Metzkes ließ sich ohne Umschweife in seiner Arbeit stören, um über die Maler am Platz zu reden, Berliner Straßen und Bäume, die klassischen Blöcke der Häuser, Käte Kollwitz, die Invasion der Autos, die die Stadt gründlich veränderte – „man steht am Rande einer ewigen Durchreise.”. Ein Blick aus dem Fenster: „Ich steh nicht am Straßenrand und seh an der Fassade lang, sondern ich steh in der Mitte der Straße und gucke wie Ludwig XIV. in Versailles. Alle Linien führen auf mich zu.”

Harald Metzkes im Profil. Das Blau des Pollunders wäre ihm wohl zu blau

Damals war Metzkes, auch wenn das seltsam klingt, ein junger Mann von sechzig Jahren. An diesem Abend in der Galerie ist er, und das klingt ja noch seltsamer, ein junger Mann von 89 Jahren, schlank, aufmerksam, auskunftsbereit. Mit Manfred Böttcher war er seinerzeit Meisterschüler an der Akademie der Künste, Böttcher bei Heinrich Ehmsen, Metzkes bei Otto Nagel. Sie erhielten Stipendien, die Meister wiederum ließen sich selten sehen, das war vielleicht auch ganz gut so, erzählt Helle Coppi in ihren Eröffnungsworten.

Konrad Maass, Stahlschiffbauer und Maler, könnte auch einen guten Kapitän abgeben

Konrad Maass, der gelernte Stahlschiffbauer, war aus Rostock nach Dresden gekommen und machte dem Staat mit seiner mecklenburgischen Sturheit ordentlich zu schaffen. Er wurde zum Studium an der Kunsthochschule zugelassen, wollte aber nicht mehr studieren, nachdem er gesehen hatte, wie es da zuging. Franz Fühmann hatte ihm geraten, sich auf sich selbst zu besinnen. Dabei half ihm Metzkes, der Maass als inoffiziellen Meisterschüler aufnahm und unterstützte. In Maass’ Vita finden sich folgende Sätze: „Am 4. Juni 1952 bei Sonnenaufgang in Rostock geboren. Am 10. 11. 1970 gegen 14 Uhr Beginn des Zeichnens aus Langeweile. Arbeit als Nachtwächter an der Gemäldegalerie Alte Meister Dresden. Kopie des ›Trunkenen Herkules‹. Verweigerung des Armeedienstes (Reserve). 1991 Verwirklichung des alten Traums, die Ostsee zu überqueren. ”

Frau vor Schwiegertochter

Weißwein- und Wassergläser in der Hand promenieren wir an den Bildern vorbei. Ein U-Bahnbild von Böttcher, ein U-Bahnbild von Metzkes. Das „Bildhaueratelier am Strand” von Maass und ein Strandbild von Metzkes, rätselhafterweise „Die Schwiegertochter” betitelt, alle Figuren in leichter Schräglage, vom Meer kommt eine Brise her. Eine Terrakottaplastik von Walter Libuda, „Der Ingenieur”, ein Ingenieur, kann man da empfinden, ist ein nachdenkliches, Gedanken sogleich in Resultate umsetzendes Wesen, das uns sowohl Achtung als auch ein Lächeln abnötigt. Wir sehen Nähe, wir sehen Vergleichbares und Unvergleichliches, wir sehen den weiten Horizont der Kunst und auch der Freundschaft.

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