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Hier ist der Feminist

Der Deutsche Wortschatz: Mensch. Lebensalter.
De Gruyter 1970

Wenn er läuft, denkt der Feminist nicht übers Laufen nach. Ihm schießt das Wort Matrone in die Birne. Das ist, findet er, während er läuft und läuft, kein angenehmes Wort. Welche Frau möchte heute gern als Matrone bezeichnet werden. Aber was das eigentlich Schlimme ist, denkt der Feminist, während er schon seine zweite Runde läuft: Es gibt kein Gegenwort für die Matrone. Kein gleichwertiges Maskulinum. Wie es ja auch schon bei dem herablassenden Fräulein der Fall ist. Wie erklärt sich das? Das ist doch total sexistisch. Es gibt doch weiß Gott ältere, füllige Männer, wohin man schaut (und sei es in den Spiegel). Warum gibt es für sie keinen Begriff? Gut, Patrone kann man sie nicht nennen, das Wort ist besetzt. Aber Patronus? Das könnte gehen. Warum macht sich hier niemand Gedanken? Warum setzt sich niemand für Geschlechtergerechtigkeit ein? Nur eben der Feminist.

Er schaut in die Wörterbücher. In „Wörter und Gegenwörter. Antonyme der deutsche Sprache” (VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1984) taucht das Stichwort nicht auf. Klarer Fall, man hätte ja kein Gegenwort aufzubieten gehabt. Auch in „Das Deutsche Wort” von Richard Pekrun, Leipzig 1933, ist das Stichwort nicht vorhanden. Das verwundert schon. Das Wort und das, was es bezeichnete, muss es ja gegeben haben. In „Der Deutsche Wortschatz” von Franz Dornseiff, De Gruyter Berlin, New York 1970, soll es angeblich unter Kapitel 2 „Pflanze. Tier. Mensch (Körperliches),”, Abschnitt 15, „Weib” stehen, ist da aber nicht auffindbar, auch nicht in Abschnitt 21 „Geburt”, dafür in 24 „Mittleres Lebensalter” zwischen „älterer Herr” und „bemoostes Haupt” und in 25 „Hohes Alter” zwischen „Hexe” und „Mütterchen”. Im Duden (Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich) 1991, steht Matrone für „ältere, ehrwürdige Frau, Greisin, abwertend für ältere korpulente Frau”. Im dtv-Lexikon 1991: „bei den Römern die freigeborene verheiratete Frau; jetzt allgemeiner: ehrwürdige, ältere Frau; auch abwertend gebraucht.”

In den neuen Duden habe ich noch nicht geschaut. Da sieht man wahrscheinlich die Matrone vor lauter Neologismen nicht. An der Sprache muss weiter gearbeitet werden, und nicht nur an der neuen.

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