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In Ewigkeit Fußball

Muss ein Fan können: Bierflaschen mit Bierflaschen öffnen
© Fritz-Jochen Kopka

Fußball hört nicht auf, insofern kann er auch nicht anfangen. Die Sommerpause ist verschwunden. Fußball erhält Ewigkeitsstatus. Wir mochten die Sommerpause, weil sie uns frei gab vom Fußball, von den mit ihm verbundenen Triumphen und Leiden (mehr Leiden als Triumphe und mehr Scheintriumphe als echte Triumphe) )und weil wir in der Sommerpause spürten, dass ein Leben ohne Fußball möglich ist; womöglich spielten wir selbst Fußball, vielleicht am Strand und nicht mal schlecht. Die Sommerpause half uns, den Fußball zu relativieren, ja, er ist eine Nebensache, er kann uns nicht retten, und dann waren wir gespannt darauf, was passieren würden, wenn der Fußball wieder anfing; ob er sich befreit hatte von den ewigen Dilemmata (keine Tore, Abstiegskampf, Schiedsrichterwillkür), aber jetzt geht es eben einfach weiter; es gibt keine Zäsur. Wir brauchen ja doch diese kleine Sommerpausen-Freiheit, um einen klaren Kopf zu bekommen und den Fußball mit anderen Augen zu sehen.

Und jetzt? Die Ligen beenden die Spielzeit, aber es folgen alle möglichen Endspiele, Landespokal, Championsleague, Europapokal, Jugendfinales.

Ein Kollege, der dem Fußball eher fern steht und es wagt, das zuzugeben, schrieb, er habe gehört, dass den wahren Fußballfan der Confederations-Cup und die Junioren-EM nicht wirklich interessieren.

Da ist etwas Wahres dran. Der Fußballfan sagt: Confed-Cup? Das tu ich mir nicht an. Und kommt sich dabei vor wie ein Held. Und dann kann er nicht anders und schaut doch mal hin und bleibt dran. Es gibt auch beim Confed-Cup und der U-21.Junioren-EM einige interessante Aspekte, wobei mich die deutschen Junioren mehr interessieren als die verjüngte Nationalmannschaft, das sind alles gute Jungs, die gut am Ball sind, sehr kaltblütig agieren und viele überraschende Dinge draufhaben, die ich bei Löws Team weniger sehe, das ist sehr eingespielt, auch mit den neuen Leuten.

Wofür interessiert sich ein junger Fußballprofi heutzutage wirklich? Woher soll ich denn das wissen. Doch, du kannst es sehen, wenn du genau hinschaust. Er interessiert sich für seine Haare, für die gestochenen Bilder und Schriftzüge auf seiner Haut und für die möglichst auffällige Farbe seiner Fußballschuhe, die nicht schwarz sein dürfen. Gerade fragte der Schalker U-21-Spieler Thilo Kehrer seinen Cheftrainer Kuntz, ob er seinen Friseur für sich und seine Freunde nach Polen einfliegen lassen dürfe. Stefan Kuntz fasste sich an Kopf. Alter, habt ihr einen Schuss? Der Friseur reiste trotzdem an und designte das Team. Das klingt seltsam, aber ich habe den Verdacht: Sie spielen wirklich besser, wenn man ihnen vor dem Spiel die Haare gemacht hat und wenn sie sich noch mal extra schön finden. Wie sowas sein kann, darüber kann man sich echt den Kopf zerbrechen.

Diese Woche las ich im Leipziger Stadtmagazin Kreuzer (bei dieser Gelegenheit ein Gruß an den Fußballnomaden) ein Interview mit den Amateur-Kickern Stefan Karau und Benjamin Schmidt von der BSG Chemie Leipzig. Wenn man das liest, hat man das Gefühl, dass es nichts Schöneres gibt, als Amateurfußballer zu sein. Der Profi, der mit 22, 23 Jahren seine ersten Millionen hat, hat es brutal schwer, „seinen eigenen Charakter durchzubekommen”, sagt Schmidt. „Da haben wir es einfacher, weil – jeder lebt so sein eigenes Leben.” „Diese braungebrannten, tätowierten Spieler gibt es bei uns nicht”, sagt Karau. Er wollte auch mal Profi werden, hatte aber nie vor, sich einen Berater zuzulegen, „und daran ist es wahrscheinlich gescheitert … Du brauchst jemanden, der dich ins Geschäft bringt.”

Wir Fußballfans haben alle unsere Probleme mit dem, was aus dem Fußball geworden ist und weiter aus ihm wird. Vielleicht geht es uns besser, wenn wir ab und zu mal dem Amateurverein vor unserer Haustür die Ehre geben. Da sind wir auf jeden Fall nah dran. Am wirklichen Leben.

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