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News aus dem Zehngeschosser

Ich will keinen Balkon neben meinem. Dann lieber keinen

Wie sagte ich? Ich wohne im zehnten Stock. Balkons gibt es nur bis zum neunten Stock und auch der Fahrstuhl fährt nur bis zum neunten. Den Rest oder den Anfang geht man zu Fuß. Die Wohnungsgesellschaft scheint das gelesen zu haben. Der Fahrstuhl soll jetzt bis zum zehnten Stock hinaufgeführt werden. Ja, toll. Das heißt nämlich auch, dass er wegen der Umbauarbeiten für drei Monate ausfallen wird. Für diese Zeit bekommen wir eine Mietminderung. Okay. Das Geld nehme ich. Aber ich möchte nicht zählen, wie viele fuß-, herz- und asthmakranke Herrschaften in diesem Haus wohnen, von mir selbst mal abgesehen. Ich nenne nur den kleinen Herr Schulz aus dem sechsten Stock, der mir ans Herz gewachsen ist und dessen Frau ab und zu aus dem Bett fällt und die dann allein und auch nicht mit seiner Hilfe wieder aufs Bett hinauf kommt. Ja, solche Schicksale. Herr Schulz oder Hans, wie ich ihn nennen darf, ist ein wahres Stehaufmännchen. Ich habe ihn beobachtet, wie er versuchte, über die Allee hinüberzukommen zur Apotheke. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, weil es ewig dauerte, und er war noch auf der Straße, als ein weiterer Pulk Autos heranraste. Inzwischen hat Hans sich wieder aufgerappelt. Mensch, Eugen, sagt er zu mir, du bist so ein toller Mann, warum lebst du allein? Du kannst doch haben … an jedem Finger eine! Ach, Hans, sage ich, wie soll ich mich denn als alter Mann noch an eine alte Frau gewöhnen. Aha, sagt der kleine Herr Schulz, du wartest auf ’ne junge, cleverer Bursche.

Ich bin nicht seiner Meinung, aber es schmeichelt mir. Von anderer Seite höre ich, dass ich fordern soll, dass wir jetzt auch einen Balkon bekommen wie die Etagen unter uns, wenn sie jetzt schon den Fahrstuhl bis zu uns hinaufführen. Das würde meine Lebensqualität verbessern. Ich denke an laue Sommerabende, ich sitze auf dem Balkon, trinke ein Bier, rauche meine Pfeife und schaue hinunter auf die Allee. Was sich dort tut. Bin allein, aber auch nicht allein. Spiele eine CD und denke entspannt über das Leben nach. Habe ich wirklich alles falsch gemacht? Kann ja nicht sein. Aber die Nebenwohnung hätte dann a auch einen Balkon. Der wäre direkt neben meinem – und diese Nähe: Ich will das nicht!

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