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Das Wort Provinz verwenden wir nicht

Nicht, dass wir aneinander vorbeireden …

Originalton Dialog:

Nach längerer Abwesenheit traf der Oberprofessor wieder ein und untermauerte sofort seine Vormachtstellung. Er trabte durch alle Zimmer und lobte Artikel, die nicht unter seiner Herrschaft erschienen waren, als wollte er zeigen, wie frei von Eigennutz und Eitelkeit er einerseits sei und wie weitgehend sein Gedankengut auch in seiner Abwesenheit wirke. Er ging sogar soweit, dass er bekannte, er habe eigentlich vorgehabt, Lobeskarten zu verschicken und Lobesanrufe zu tätigen. Mich holte er erst am dritten Tag in seinen Saal.

Ich wollte dir sagen. Deine Seite. Das Wort Provinz verwenden wir nicht.

Wer verwendet es nicht, fragte ich lebhaft.

Ich, sagte er.

Ach so, sagte ich, warum sagst du das nicht gleich.

Ich und die Partei, fügte er hinzu.

Die Partei, das stimmt nicht, sagte ich.

Doch. Das stimmt. In Parteikreisen kenn ich mich besser aus als du.

Das soll auch so bleiben, beruhigte ich ihn. Aber gegen das Wort Provinz ist nichts einzuwenden.

Doch. Ich will das nicht.

Dann schau doch mal ins Wörterbuch.

Das muss ich nicht. Ich mach hier Zeitung, und das ist ’ne politische Sache.

Das hat aber auch mit Sprache zu tun.

Nein, wenn man die richtige Politik vertritt, dann kann auch die Sprache nicht falsch sein.

Als nächstes ist Wullsteins Artikel, „ich sage das in Anführungsstrichen”, von der Nebenwohnung dran. Einen Artikel über ’ne Nebenwohnung will der Oberprofessor nicht in seiner Zeitung haben. Ich sage, es gibt so viele Nebenwohnungen. Er sagt, nein, er kennt nur Erwin Strittmatter, der ’ne Nebenwohnung hat, ansonsten gibt’s tausend arme Schweine, die keine Wohnung haben. Ich sage, aber es gibt Gesetzblätter über Nebenwohnungen, dann muss es ja diese Wohnungen wohl auch geben, oder sind diese Gesetzblätter nur wegen Erwin Strittmatter gemacht. Nein, sagt er, das ist arrogant, er sage was Wichtiges, nicht zuletzt, um mir zu helfen, damit ich meine Aufgaben richtig erfüllen kann, und zum Dank wage ich, ihm zu sagen, er solle ins Wörterbuch oder ins Gesetzblatt schauen.

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