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Das dünne Mädchen

Versunken, versunken
© Christian Brachwitz

Wann das war, wo das ist, nicht so wichtig, sagt der Fotograf, spielt keine Rolle, es ist ein Bild. Ich weiß aber, wo wir sind: an der Peripherie des Festes einer Stadt, die am Rand des Landes liegt. Kleine Städte sind immer Rand. In der Mitte des Bildes aber steht das dünne Mädchen. Nein. So dünn ist sie gar nicht. Sie ist nur so leicht wie Luft. Nur die Schuhe sind nicht leicht, und dass sie eine Kniebandage trägt, ist sicher auch nicht leicht. Wenn ich das Bild vergrößere, sehe ich, dass sie mit einem bunten Ball spielt, der an Fäden hängt, die zwischen ihren Händen aufgespannt sind. Sie scheint ganz auf den Ball und diese Fäden konzentriert zu sein, aber das glaube ich nicht. Unter dieser vordergründigen wirkt eine tiefere Konzentration. Die ist gerichtet auf das Leben, das auf sie zukommen wird. Wird es sie wegführen aus dieser kleinen Welt der geflochtenen Körbe, in der (hinten links) so hingebungsvoll gegessen wird? Aus dieser Welt, in der alles Handarbeit ist? Und alles alt? Und wo man den Schatten aufsucht, weil die Sonne so viel Macht hat? Und wann und wie wird ihr bewusst werden, was sie verloren hat, wenn sie diese Welt hinter sich gelassen hat? Das weiß ich nicht, und das sollte man auch nicht wissen wollen.

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