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Das Einkaufsverhalten muss untersucht werden

Kaiser’s bleibt. Erst mal noch

Heute war’s wieder speziell bei Netto. Lauter junge Frauen, die den Einkaufswagen verschmähen und sich einen leeren Karton organisieren, in den sie ihre Waren einsortieren. Manche versuchen es auch ohne Karton und ohne Wagen, sie stellen den hohen Anspruch an sich, alles auf Händen zu tragen. Dann wird jongliert, unter die Arme und zwischen die Beine geklemmt; Abenteuer und Zirkus im Supermarkt. Ich versteh es nicht. Was ist so schlimm daran, einen Wagen zu nehmen! Sind die unökologisch, konservativ, reaktionär; eine Provokation für Vergetarier? Oder wollen sie eigentlich nur eine Sache kaufen, aber dann werden es doch unversehens zwanzig? Wie neulich eine zu ihrer Bekannten sagte: Ich wollte nur Milch holen, aber dann sah ich die Artischocken und dachte: upps! Vielleicht erhalten sie einfach mehr Aufmerksamkeit, wenn sie ihre Kunststückchen vorführen, und das scheint ihnen nicht unwichtig zu sein.

Es war eine ganz Flotte dabei. Lange Bohnenstange mit Kapotthütchen, unter dem grün gefärbte Haarfransen hervorstachen. Sie trug eine Leopardenfelljacke und Hosen mit breiten Seitenstreifen, die allerdings arg befleckt waren. Als sie hätte bezahlen müssen, klingelte ihr Handy mit einem obskuren Klingelton, sie stieg in das Gespräch ein und hoffte wahrscheinlich, ums Bezahlen herumzukommen.

Zwei Rentner verstellten, in ihren Klatsch vertieft, bei Kaiser’s die Gasse zur Kasse. Natürlich Sachsen. Und mir warn im Urlaub und da lag noch Schnee, drei Doache (dt: Tage) lang, sagte die Frau, über die Verhältnisse empört, die so was bewirken. Sie denkt natürlich an den Klimawandel. Das Wetter spielt verrückt.

Bei Netto kann ich nicht mehr einkaufen gehen. Der Kassiererin gefiel meine Unterschrift nicht. Ich lehnte es ab, für sie Schönschreibübungen zu leisten. Die Schlange wurde länger. Sie rief den Chef vom Dienst. Ich sollte beweisen, dass die Karte mir gehört. In einem Supermarkt, wo ich seit 35 Jahren einkaufe. Ein Trinker in der Schlange forderte mich auf, Folge zu leisten. Wir stehen hier wie blöd, sagte er. Sie haben es wohl eilig, an ihre Flasche zu kommen, wollte ich sagen, tat es aber nicht. Ich gab die Waren zurück und entfernte mich. For ever. Wer zu viel Dreck im Vorabendprogramm sieht, der will dann auch Ermittler sein.

Ich stand in der Gasse und vor mir eine Aufpackerin, ich wollte nur kurz eine Milch nehmen. Ach, Sie wollten zur Mülsch, sagte sie, übrigens eine schicke Westdeutsche, ja, sagte ich, aber ich habe Milch gesagt, machen Sie mich mal nicht zum Primitivberliner; eine Bemerkung, die einigen Beifall verdient gehabt hätte.

Bei Penny gabs Wasserkocher. Meiner ist sowieso hinüber. Ich legte einen in den Einkaufswagen. Heben Sie den Kassenzettel für den Wasserkocher auf, mahnte die Kassiererin. Wieso, fragte ich, funktionieren die nicht? Gehen die gleich kaputt? Kann man nicht wissen, sagte sie, man steckt ja nicht drin. Zum Glück!, rief ich aus, zum Glück steckt man nicht drin. Könnte heiß werden, sagte sie. So stelle ich mir einen Einkauf vor.

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