Startseite > Brachwitz weekly > Der Genius loci, wo man ihn trifft

Der Genius loci, wo man ihn trifft

Wie lange noch, Genius loci? Für immer
© Christian Brachwitz

Brachwitz wollte mir den Genius loci zeigen. Den Geist des Ortes oder besser noch Schutzgeist des Ortes. Der kann überall sein, aber in diesem Fall musste ich mich zum Westhafen begeben, das ist eine S-Bahnstation auf dem Ring. Ich war zu früh da. Brachwitz war noch früher da. Eine schroffe Gegend, aber das Licht war gut. Die Brücke über der vielgleisigen Bahnstrecke. Der Verkehr auf der mehrspurigen Fahrbahn. Kein Platz für Menschen scheinbar, eher einer für Fahrzeuge, für Geschwindigkeit. Der Zusammenstoß der Architekturen. Industriebauten. Ein Stück weiter das Robert-Koch-Institut, dann ein imposantes Bürgerhaus. In welchem Stadtbezirk sind wir hier? Sowie eine Frage auftaucht, fragt Brachwitz. Die junge Frau war stolz, dass sie ihr Wissen preisgeben konnte. Das hier ist Wedding, und auf der anderen Seite des Kanals ist schon Moabit. Da mussten wir hin. Dachte man nicht, dass der Wedding so aussehen kann. Der sanfte Schwung des Wasserlaufs – man kam sich vor wie in Halle an der Saale. Vor der Ausländerbehörde standen zwei Schwarzafrikaner und klärten ihre Aussichten ab. Und dann waren wir an diesem Ort. Eine Brücke brach ab, eine neue wird gebaut. Kräne und Bagger am Heben und Wühlen. Daneben der aufgegebene Kiosk. Da wurden vielleicht mal Zeitungen, Getränke und Zigaretten verkauft. Der Ort ist verlassen, aber bemalt. Nicht mal ein Unort ist von allen guten Geistern verlassen. Ein maritimes Fabelwesen, eine Hyäne, Ornamente. Zwischen den Betonplatten struppiges Gras. Ein Mann in einer schwarzweiß karierten Joppe begibt sich in eine Nische neben dem Kiosk. Da ist tatsächlich noch eine Toilette.

Es wird weiter verändert und weiter gemalt werden, bis das alles verschwunden ist. Der Verkehr wird fluten. Was Neues, was Großes wird entstehen. Der Genius loci – hier ist er der Geist der Kleinteiligkeit in der Großteiligkeit. Er wird seine Kommentare geben. Wenn auch alles anders wird, der Genius loci wird die Kleinteiligkeit und die Randständigkeit schützen. Die Zeit, die aus der Zeit, und den Raum, der aus dem Großraum fällt.

  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: