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Das Recht des Hundes am eigenen Bild

Light in January Fotos © FJK,ADe

Light in January
Fotos © FJK, ADe

Es war wie ein Osterspaziergang im Januar. Je nachdem, wohin die winteraktive Sonne kam und wohin nicht, Eiskruste, verharschter Schnee oder Pfützen. Der alte Winter in seiner Schwäche zog sich in rauhe Berge zurück. Von dorther sendet er fliehend nur ohnmächtige Schauer körnigen Eises, doch die Sonne duldet nichts Weißes. Soviel weiß ich noch aus dem Kopf von Goethe, Faust und dem Ostspaziergang. Unsere gerade von einer nicht allzu animierenden Reise zurückgekehrte Freundin sagte „die Eltern meiner Tochter” und stutzte, weil diese Formulierung sie ja zu mindestens 50 Prozent einschloss, ohne dass sie sich selbst gemeint hatte. In der Fremde hat sie die Ästhetik halber Sätze entdeckt.

… auch Pferde

… auch Pferde

Eine Schautafel mit Verlautbarungen über das Schicksal und die Perspektiven der Zauneidechsen in der Karlshorster Heide. Auf einer verharschten Wiese eine dicke Frau mit einem dicken Pferd, daneben eine dritte sitzende, weitgehend unbeteiligte Person. Die dicke Frau hat eine schlanke Reitgerte in der Hand, eher zum Streicheln als zum Schlagen geeignet. Ein Stück weiter ist ein verschwundener Teich wieder an die Oberfläche gedrückt worden, eine Eisfläche ist entstanden. Da spielen Kinder, Erwachsene und ein riesiger brauner Hund. Sieht alles ein bisschen nach Pieter Breughel aus. Der Hund hat strenge Hundehalter, die ihr Tier vor Übergewicht bewahren wollen. Sie halten ihn knapp mit der Nahrung, er nagt vor Hunger an einem abgebrochenen Ast. Plötzlich springt er an mir hoch, legt die Pfoten auf meine Schultern, schnappt nach der Kamera. Wird von seinen strengen Hundehaltern zurückgerufen und pariert sofort. Ich bin froh, dass ich unter dem Aufprall nicht umgefallen bin, und stolz, dass ich keinen Schreckensschrei ausgestoßen habe. Allerdings entschuldigen sich die Hundehalter nicht bei mir. Wenn ich mich nicht täusche, murmeln sie etwas vom Recht des Hundes am eigenen Bild. Da hört sich doch wohl alles auf.

Breughel hätte noch einges Gewimmel hinzugemalt

Breughel hätte noch einiges Gewimmel hinzugemalt

Wir umgehen die beeindruckende Immobilie der Wasserwirtschaft und landen auf einem Deich zwischen Trabrennbahn und neuerbauter Einfamilienhaussiedlung. Ein Deich mitten in der Stadt! Die Siedlung war einst vor dem Regierungsumzug von Bonn nach Berlin für die Bundestags- und Regierungsmitarbeiter geplant. Aber die waren leicht zu erschrecken. Als sie hörten, dass in der Nähe mal die Russen hausten, schreckten sie sofort zurück. Nun ist die Siedlung zwar trotzdem gebaut, aber ziemlich kleinzügig geraten, wenig Platz zwischen den Mauern, wenig Busch und Baum. An Infrastruktur ist nur ein Kindergarten zu erblicken. Es gibt die Bauhaus-inspirierte Klar- und Schlichtheit, es gibt aber auch die unermüdlichen Kultur-am-Heim-Aktivisten, die nicht ruhen, bis  überall ein Türmchen, ein Wendeltreppchen und ein Zierleistchen angebracht ist.

Die Schatten werden länger

Die Schatten werden länger

Am Tag danach sind die Pfützen überfroren, Ostern ist vertrieben und der Winter zwischen Stärke und Schwäche zurückgekehrt. Jedenfalls müssen wir zu Ostern keinen Osterspaziergang mehr machen, den haben wir abgehakt.

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