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Schreib mal Skrzybski

1:0 für den VfB

1:0 für den VfB

Unser Boss stand schon auf dem Bahnsteig, hatte seinen Sohn und seinen Fan-Schal mitgebracht, der Sohn war gewachsen, ein Kopf größer als zuletzt, sehr ausgeglichen, um nicht zu sagen cool. Wir verständigten uns darüber, dass wir Simon Terodde wiedersehen würden, der einst, mit wenig Erfahrung aus Köln kommend, für Union Tore schoss, ablösefrei nach Bochum weiterzog, wo er zum Torschützenkönig wurde, um beim VfB Stuttgart zu landen, dem heutigen Gegner. Vereine schätzen oft nicht, was sie haben. Heute weiß man, dass wir Terodde hätten halten sollen, einen Bessren find’st du nicht in dieser Preislage. Außerdem gefällt mir der Name. Terodde, sowas hört man selten. Es ist natürlich ausverkauft gegen den Aufstiegsaspiranten, der in der noch jungen Saison schon den Trainer gewechselt hat, der gerade erst zu Saisonbeginn eingestiegen war, und nun haben sie sich gefunden, die Schwaben, und werden ihr Saisonziel wahrscheinlich erreichen, zumal sie den Mut hatten, einen ganz jungen Trainer zu berufen.

Berliner Gemüts-Fans

Berliner Gemüts-Fans

Wir reihen uns in die geduldigen Schlangen vor den Einlasstoren ein, treten auf ausgetrunkene Schnapsflaschen und Bierbecher, wo soll man auch hin damit, wir lassen unsere auch fallen (die Bierbecher), werden fachmännisch abgetastet, meine Waffen haben sie nicht gefunden, sage ich, aber leise, denn sowas könnte Ärger geben. Man muss schon ziemlich optimistisch sein, um auf den dicht gefüllten Traversen noch einen Platz zu finden, aber wir haben das immer geschafft, mit Freundlichkeit und gutem Willen, Union-Fans machen Platz für Union-Fans, ist doch klar.

Das ist der Schwaben schwarzer Haufen

Das ist der Schwaben schwarzer Haufen

Der Stuttgarter Block ist mobil, die Fans winken mit schwarzen Luftschläuchen (warum so finster) und haben mehrere Sortimente Fahnen dabei. Wenn es um Fußball geht, scheint der Schwabe nicht so sparsam zu sein wie gedacht. Und das zahlt sich aus. Der VfB legt los wie die Feuerwehr. Vierte Minute. Terodde wird zentral angespielt, schlägt noch einen Haken um den Innenverteidiger und schiebt ein. 0:1. Das ging viel zu schnell. Die Stuttgarter haben kleine, schnelle, wendige, furchtlose Offensivspieler, dazu kommen die langen Baumgartl, Gentner und Terodde, die, cool und besonnen, Lösungen finden. Union gelingt nichts. Unser Boss hat schon vor Beginn den Schiedsrichter kritisiert, und in der Tat fällt dem nicht auf, dass die Stuttgarter die Unioner vor der Ballannahme verdeckt wegschieben oder sich im Luftkampf aufstützen. Unsere Pässe kommen nicht an. Schon zehn Minuten ohne Gegentor, sagen wir nach einer Viertelstunde, zwanzig Minuten ohne Gegentor usw., das sind unsere Erfolgsmeldungen, bis wir Mitte der zweiten Halbzeit einen hohen Ball in den Strafraum schlagen, der ewig unterwegs ist, der Torwart läuft aus dem Tor und wehrt mit einer Hand ab, der Ball landet vor den Füßen von Steven Skrzybski, der sofort abzieht und ins Tor trifft. Skrzybski (ja, man muss es lernen, diesen Namen zu schreiben) wird immer besser, sagt unser Boss. Der Zufallstreffer wirkt wie ein Dosenöffner. Der Schiedsrichter sieht jetzt auch die versteckten Fouls der Schwaben und Union gelingt, was vorher schiefging. Nur das zweite Tor will nicht fallen, nicht für uns, und zum Glück auch nicht gegen uns. Das spannendste 1:1, das wir je in der Alten Försterei gesehen haben.

  1. Axel Matthies
    Dezember 1, 2016 um 6:36 pm

    Das heißeste 1:1, an das ich mich erinnern kann – es ist ein ganz heißes Bauchgefühl – war gegen Chemie Leipzig. Damals waren wohl über 20.000 in der AF. Auf der Union-Homepage heißt es: “ Am Ende der Saison 1983/84 entscheiden zwei Relegationsspiele zwischen Chemie Leipzig und Union über den Abstieg. Die erste Begegnung in Berlin endet 1:1, in Leipzig unterliegt Union mit 1:2 Toren.“ Das waren damals Spiele auf Leben und Tod, zumal die Fans beider Mannschaften sich gerne droschen. Die Schicksalsspiele des alten FCU!

  2. Dezember 1, 2016 um 7:01 pm

    Kann sein, dass ich das 1:1 in Berlin gesehen habe. Es gab einen Auflauf dort, wo die Spieler den Rasen verließen. Mein Kumpel wurde bleich und meinte, komm, lass uns abhauen; das eskaliert. Er war sowieso Hypochonder.

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