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Gespenst im besten Licht

Das links da ist kein Gespenst, sondern ein ausgedienter Wasserturm © Christian Brachwitz

Das links da ist kein Gespenst, sondern ein ausgedienter Wasserturm
© Christian Brachwitz

Das ist der Wasserturm am Ostkreuz in Berlin, ansonsten wird da gebaut. Der Bahnhof war lange marode. Schon in den DDR-Jahren fürchtete man sich vor der allfälligen Sanierung bei notwendigerweise laufendem Betrieb. Am liebsten hätte man dieses verrottete Stück Berlin aus der Stadt herausgeschnitten, aber ein Wunder des Malachias war nicht zu erwarten. Ich lese, dass seit 2006 an diesem Knotenpunkt gebaut wird, für mein Gefühl geht das schon seit Ewigkeiten so. Ganze Bahnsteige verschwinden, gewaltige Erdmassen werden bewegt und der Bahnsteig der Ringbahn hat bereits eine neue und auch imposante Glashalle. Kräne bewegen sich, die Bauarbeiter manchmal auch (nein, nein, sie sind fleißig. Arbeiten heißt nicht toben.). Die Passagiere rasen, um ihre Anschlussbahnen zu erreichen und nicht ewig warten zu müssen. In all dem Gewimmel versucht man auszuweichen und wird von hinten angerammelt. Das Imbisswesen ist in der neuen Halle schon auf der Höhe der Zeit. Nun ist auch noch ein Hostel eröffnet worden mit 1500 Plätzen, sagt man. Die jungen Touristen brechen von hier in die City auf und verstopfen Bahnhof und Bahnen erst recht; haben natürlich auch Orientierungsschwierigkeiten. Der Turm steht still und schweiget. Er ist die Konstante in dem Gewimmel. Mich oder mir, ich weiß es nicht, mutet er eher an wie ein Gespenst. Denn es ist ja so: Zu tun hat der Wasserturm schon lange nichts mehr. Wassertürme füllten die Tender der Dampflokomotiven. Das ist vorbei. So steht der Turm am Bahnhof Ostkreuz da wie ein Untoter. Neulich durfte ein Lokaljournalist ihn auf Anfrage von innen anschauen. Es ward ihm aufgetan. Er sah eine tote Taube und eine verirrte lebendige sowie viel Staub. Dann wurde er von wachsamen Wachleuten eingeschlossen und dank Handy wieder befreit. Das Schicksal der toten Taube blieb ihm erspart. Und auch das. Die Bahn hat den Turm verkauft. Sagt aber vorerst nicht an wen. Es ging ihr, der Bahn, nicht nur um Geld, sondern auch um die Art der Nutzung, so kennen wir sie. Es soll wohl auf eine gemischte Nutzung hinauslaufen. Turmatelier und Restaurant oder so. Ein Turm will kein Gespenst mehr sein. Ich aber freue mich über das schöne Licht auf diesem Bild.

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