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Die wiedervereinigten Clowns

Wenzel zeichnet Mensching aus, und Mensching sticht zurück

Wenzel zeichnet Mensching aus, und Mensching sticht zurück

Die alten Clowns-Klamotten im Konzertsaal der Universität der Künste in Berlin-Charlottenburg … Dass ihr Revival „Nochmal das Fahrrad erfinden” in Charlottenburg stattfindet und kein Osttheater Platz und Zeit für sie hatte, darüber mokierten sich Wenzel und Mensching natürlich, es liegt an den Intendanten, woran auch immer, an der neueren Zeit. Für eingeweihte Kreise war es eine Sensation, dass sie nach sechzehn Jahren wieder zusammen spielen, und für uneingeweihte Kreise ist eh alles egal. So eingeweiht waren die eingeweihten Kreise dann allerdings auch nicht, dass sie gewusst hätten, warum die Clowns sich damals getrennt haben; und was genau der Grund war, dass sie nun für eine kleine Tournee wieder zusammenspielen, wussten sie erst recht nicht. Wenzel findet dafür heute theoretische Begründungen, wie er ja immer nicht nur ein Liebhaber des Halbschattens, sondern ein Liebhaber der Theorie war. Mit Theorien kannst du eben alles und nichts erklären. Warum ist die Banane krumm. Mensching verzieht da auf eine nur ihm gegebene Weise den Mund.

Am Ende der Show fragte man sich, ob es nicht politischer oder aggressiver hätten sein können, aber das ist Quatsch. Sie waren nie politischer, nie aggressiver, sie waren immer diese ganz besondere Sorte Clown, der große melancholisch-schwärmerische Clown in den voluminösen Lumpen und der kleine elegisch-aufbegehrende Clown in den spartanischen Lumpen, sie waren Anarchisten, Lumpenproletarier, Ausgestoßene in dem Sinne, dass sie sich selbst ausgestoßen hatten, sie waren Dichter und Philosophen, sie waren Sänger und Artisten und das alles waren und sind sie immer noch, auch wenn sie jetzt in der Universität der Künste spielen müssen, wo man bei Strafe keine Bild- und Tonaufnahmen machen darf und die Akustik ostdeutschen Ohren nicht zusagt.

Wenzel und Mensching hatten Szenen erfunden, perfektioniert und offengelassen für Improvisationen, die sie immer wieder spielen, wenn sie denn zusammen spielen, und die auch immer wieder von ihnen und nur von ihnen gespielt werden müssen, sie sind einfach zu verrückt und zu schön. Und sie haben ein paar neue Szenen gemacht, von denen man noch nicht weiß, ob sie auch diesen Unvergänglichkeitsmodus erreichen werden, eine, in der sie sich dankenswerter Weise Sorgen um die Demokratie machen ( „Ich mache mir solche Sorgen um die Demokratie!”) und eine, in der ein Vater als ehrenwerter Obdachloser seinem Sohn den Absturz zum Bundespräsidenten nicht vergeben kann („Aber Papa, so schlimm ist Bundespräsident doch nun auch wieder nicht.”), und einmal will der Clown Weh eine Patenschaft für ein Flüchtlingskind übernehmen, er hatte zu hohe Einnahmen und sucht ein Steuersparmodell. Sie können jetzt noch nicht ganz auf der Höhe ihres Könnens sein, und Mensching hat wohl auch noch nicht alle von Wenzels neuen Liedtexten auswendig gelernt. Das macht nichts. Bei der ersten Show kann nicht schon alles rund sein. Wo kämen wir denn da hin. Trotz langen und starken Beifalls, ein dicker Mann erhob sich sogar spendete standing ovations, gaben die Clowns keine Zugabe. Mein Gefühl (oh ja, ich habe eines) sagt mir, dass sie auch das richtig gemacht haben. Und nach der Show ist Schienenersatzverkehr. Wo bleibt das nochmal erfundene Fahrrad.

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