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Eine Oktave höher

Wo die größten Fahnen wehen © Fritz-Jochen Kopka

Wo die größten Fahnen wehen
© Fritz-Jochen Kopka

Bei Union gegen St. Pauli hatten wir einen Opernsänger in unseren Reihen, einen frühen Freund unseres Bosses, der erst in seinen reifen Jahren zum Union-Fan wurde. Hans, der Opernsänger, ist gar nicht dick, dafür sehr groß, bärtig und langhaarig, ich sag mal, wenn man’s weiß, ahnt man den Künstler schon bei seinem Anblick. Die Fans hinter ihm mussten sich drehen und winden, um mitzubekommen, was auf dem Spielfeld geschieht, über ihn hinwegsehen konnten sie in keinem Fall.

Was gab’s da zu sehen. St. Pauli mit einigen kleinen wendigen Spielern, die vorn auf verlorenem Posten standen, da die Mannschaft nichts riskieren wollte und nicht nachrückte. Union wiederum sah man nach einer Erfolgsserie von drei gewonnenen Spielen das intakte Selbstbewusstsein an, was viel ausmachen kann, man lässt sich einfach Zeit, um die richtigen Entscheidungen zu treffen, den Ball zu erobern oder auf Fehler des Gegners zu warten. So ging Union mit 2:0 in die Halbzeit, obwohl Colin Quaner, der zuletzt immer traf, nicht im Aufgebot war, weil ihn muskuläre Probleme plagen. Hosiner und Redondo vertraten ihn gut, machten seine Tore mit viel Übersicht.

St. Pauli macht Feuer, aber nur auf der Tribüne

St. Pauli macht Feuer, aber nur auf der Tribüne

Wie wir schon vermutet haben, wechselt der alte Ewald Lienen zur zweiten Halbzeit zwei frische Offensivkräfte ein. St. Pauli macht jetzt wirklich Feuer, aber dies auf der Tribüne und weniger auf dem Spielfeld. Obwohl wir es gar nicht nötig haben, verlangen wir hysterisch die rote Karte für den foulenden Hamburger Innenverteidiger Ziereis. Das müsste gar nicht sein. Es bleibt sowieso beim 2:0. Seligkeit in der Alten Försterei. Union steht auf Platz zwei der Tabelle. Nebenbei: Ein altgedienter Fan in meiner Nähe verbirgt etwas in seiner Hand. Nach einigen indiskreten Blicken weiß ich endlich: Es ist eine E-Zigarette. Der gute Mann bedient sich ihrer eher verstohlen, als täte er etwas Verbotenes, Hasch rauchen oder so. Kann sein, dass er unter lauter jungen furchtlos rauchenden, saufenden und rumschreienden Fans fürchtet, sich mit der E-Zigarette lächerlich zu machen und verspottet zu werden.

Sieht super aus, die Tabelle

Sieht super aus, die Tabelle

Das Siegerbier nehmen wir in der Tanke, wo wir gegebenenfalls auch das Verlierer- und das Remis-Bier trinken. Der Opernsänger trägt jetzt einen flotten grünen Hut und lässt mich an den Wildschütz denken. Er hat sich in seiner Laufbahn vom Bassbariton zum Heldentenor entwickelt, was gar nicht mal so selten sein soll. Ich habe dich bei den Union-Gesängen aber nicht rausgehört, sage ich. Er lächelt und winkt ab. Dann hätte ich eine Oktave höher singen müssen als die Masse, sagt er, dann hättest du mich gehört. Das war mir heute zu anstrengend.

  1. heinz@jaku.de
    September 29, 2016 um 9:21 am

    Aus meiner ungeliebten Junge Welt Dir zur Kenntnis samt Gruß, J. http://www.jungewelt.de/2016/09-29/043.php

  2. September 29, 2016 um 9:53 am

    Die Bemerkung (und die Rezension im Link) gehört sicher zum Beitrag Unschärfen, nur damit man sich nicht wundert.

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