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Wieder mal in Halle und Umgebung

An der Saale hellem Strande kann es auch düster sein © Fritz-Jochen Kopka

An der Saale hellem Strande kann es auch düster sein
© Fritz-Jochen Kopka

Sonnabend

Wir waren Regen und mäßige Temperaturen nicht mehr gewöhnt, vielleicht darum fuhren wir etwas verloren durch den Saalekreis (früher Saalkreis) und streiften Dörfer wie Dobis, Mücheln und Brachwitz. Dörfer von, wie uns schien, diffuser Struktur, zerstreute Straßen, unauffällige Plätze, keine Hierarchie.

Landschaft mit Windrädern

Landschaft mit Windrädern

In Dobis waren die Galerie und das Café geschlossen. Das Alte Rathaus machte einen restaurierten Eindruck, nicht weniger das Ortsgemeinschaftshaus Zur Weißen Wand, und der Schützenkönig von 2015 hatte seine Plakette an die Hauswand geklebt. Die Weiße Wand? Ja, das ist eine kreidezeitliche Hebung, durch die Schichten aus der ursprünglichen Horizontalen in eine Schräglage gedrückt wurden. Man kann sich auf diese schräge Erhebung stellen und auf die Landschaft herunterschauen, weiß ist sie nicht. Man sah in der Ferne viele Windräder, und ich werde nie begreifen, wie Energie entsteht, wenn sich die Rotoren drehen, es ist mir gerade noch mal erklärt worden und bleibt hoffnungslos.

Was mit den Templern geschah

Was mit den Templern geschah

Dann sind wir in Mücheln, betreten die alte Templerkapelle, ein kleiner Andachtsraum, eine düstere Treppe, die hinauf führt, wir hören die helle Stimme, die unerschrocken Schauergeschichten vom Schicksal der Templer erzählt, die ja Kreuzritter waren und nach schweren Niederlagen verfolgt und enteignet wurden. Ein dunkler Raum unterm Dach. Die Stimme gehört einer bärtigen Gestalt in Ritterkleidung, ein Wiedergänger der Templer spricht zu einer Gruppe ältlicher Touristen, der es wahrscheinlich vor dem Abstieg die heikle Treppe hinunter graut. Die Kapelle wurde jahrhundertelang zweckentfremdet, unter anderem als Scheune und Getreidespeicher, nun finden hier Konzerte und Ausstellungen statt, ist auch ’ne Zweckentfremdung, aber eine löbliche.

Du musst den Straußenvögeln nicht unbedingt trauen

Du musst den Straußenvögeln nicht unbedingt trauen

In einem struppigen Gehege vor einer Stallung mit zerbrochenen Fenstern stoßen wir mit einigen Straußenvögeln zusammen. Die Gelegenheit, solche Vögel aus der Nähe zu betrachten, hat man nicht so häufig und kann nun sagen, die Strauße haben überraschend freundliche Gesichter, schnappen aber gern mal zu. Einen Abhang hinauf haben sich in einem alten Gemäuer Künstler niedergelassen und ein Café eröffnet, das sieht schon ein bisschen kommunemäßig aus und dauert auch so lange.

Auf dem Weg zur Kunst

Auf dem Weg zur Kunst

An der Saale bei Brachwitz gibt’s das Café Saale Kiez; das scheint mal ein richtiger großer Dorfsaal gewesen zu sein, der Raum ist mit vielen Sammlerstücken ausgestattet, jetzt gibt’s da selbstgemachten Kuchen und im Oktober spielt The Dylan Project, da ist dann auch Wolfram Bodag dabei, der alte Blueser von Engerling. Mit der Fähre setzen wir über und sind schon gleich wieder in Halle. Wollen Sie auch ein Wasser?, fragt die Kellnerin in der Grünen Remise. Eigentlich nicht, sage ich. Auf eigentlich folgt eigentlich immer ’ne Lüge, sagt die Kellnerin. Da muss ich erst mal drüber nachdenken.

Sportschau im TV. Hansa Rostock verliert zu Hause 1:3 gegen den Aufsteiger Sportfreunde Lotte. Dieses Grundes sich zu betrinken hätte es gar nicht bedurft. Und das noch: Hilmar Thate ist gestorben, schon am Mittwoch. Er ist in der Nähe von Halle geboren, auf dem Dorfe. In seiner Autobiographie erzählt er, wie er einmal als Kind am Fenster stand und ins Dorf hinausschrie: Ich bin alleene! Ich bin alleene! So ein Kind muss Künstler werden. Und was für einer!

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