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Sicker Man beim Veteranen-Fest

Sonnabendabend im Volkspark am Weinbergsweg

Sonnabendabend im Volkspark am Weinbergsweg

Wir waren beim Veteranen-Fest. Nicht weil wir uns in irgendeiner Weise als Veteranen sähen, sondern weil Kiki sagte, ihr wolltet uns mal spielen sehen, jetzt spielen wir auf dem Veteranen-Fest. Das heißt offiziell Veteranen-Straßen-Fest und findet in der Veteranenstraße statt, aber warum soll man sich an einem solchen Sonnabend in Berlin nicht als altgedienter Soldat fühlen. Die Veteranenstraße grenzt an den Volkspark am Weinbergsweg, da lagerten die Berliner in der späten Sonne, der Flaschensammler hatte bereits zwei große Plastiktüten gefüllt, der Weltenwanderer hatte die Schuhbänder seiner Laufschuhe gelöst und schlief neben einer Flasche Sternburg Pils und die Radfahrer hatten ihre Räder abgestellt und beschlossen, den Großflughafen im kommenden Jahr in Betrieb zu nehmen.

Vorn wird verkabelt, hinten Heinrich Heine erklettert

Vorn wird verkabelt, hinten Heinrich Heine erklettert

Kiki Bohemia und Sicker Man fanden wir neben der flachen Bühne, auf der Jim Avignon sein Equipment bediente, inmitten ihrer Kabel, Stecker und Schaltelemente. Falls ich irgendwas zusammenstecken soll, sagst du bescheid, sagte ich, und Sicker Man = Tobias Vethake, sagte, genau, und amüsierte sich. Es machte ihn überhaupt nicht nervös, was er da alles zusammenzustöpseln hatte. Wir kauften ein Warsteiner und gingen die Veteranenstraße rauf und runter. Ziemlich am Ende der Straße spielte Stephen Paul Taylor, der machte die Leute genau so verrückt, wie er selbst verrückt zu sein schien. Ab und zu trottete die Straßenbahn heran und verscheuchte die Zuschauer von den Gleisen. Kleinkinder erkletterten das Heine-Denkmal.

Der Sidekick tanz. Ja klar, man erkennt nur was, wenn man sowieso weiß, was drauf ist

Der Sidekick tanzt. Ja klar, man erkennt nur was, wenn man sowieso weiß, was drauf ist

Die Sicker-Man-Leute, neben Kiki und Tobias der Trommler Johannes Döpping, hatten alle Kabel gesteckt und den Sound gecheckt. Sie spielten Songs von Missing, der neuen CD, die es auch auf Vinyl gibt. Sanfte Stimme in galaktischen Welten. Besinnung, Versunken-, Verträumtheit, die plötzlich in krachenden Rhythmen explodieren, als sei die Weltmaschine in Gang gesetzt worden. Immer wieder diese beiden Pole, die zwei Seiten unseres Lebens sind. Am Bühnenrand hat sich der Sidekick niedergelassen, ein kleiner Mann mit einem breitkrempigen Hut und einer Minitrompete. Er muss dabei sein, schlägt auf ein Becken, quetscht seine Trompetentöne zwischen die Songs. Kann man alles machen, stört keinen unter Veteranen. Der Veranstalter nimmt den Sidekick beiseite und spendiert ihm ein Bier, wenn ich es richtig sehe. Der Mann mit dem Hut kommt zurück, aber es hält ihn nicht lange auf seinem Platz. Er führt einen wahren Hexentanz auf. Aber es tanzen ja eigentlich alle. Grace heißt der letzte Song.

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