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Die Casa

Sabato italiano

Sàbato italiano

Wir setzten mit Fahrrädern von unserem Ufer der Spree, wo außer einer Kleingartenanlage nichts ist, per Fähre auf die andere Seite der Spree über, wo, wie sich herausstellte, auch nichts weiter war als ein Streifen Wald, durch den man zur Neuen Krugallee kam, die wiederum zur Schnellerstraße führte, mitten im viel befahrenen ehemaligem Industrie- und jetzigem Entwicklungsgebiet Schöneweide. Das versprach ein Scheißsonnabend zu werden.

Hier gibt’s auf die Fresse

Hier gibt’s auf die Fresse

Alles, was uns reizte, war die verschlossene Tür und das Schild von Stahl Schöneweide, Boxen seit 1956, Neue Krugallee 219. Der Verein führt löblicherweise eine Männer- und eine Frauensparte. Wir wendeten und fuhren in Richtung Treptow durch den Wald neben der Krugallee. Es wurde lebhaft. Kindergeschrei wie von einem Freibad oder einem Badesee. Familien kamen und gingen, aber was die Stadt ihren Bewohnern hier bietet, ist eine Kinderplanschwiese, ein mobiler Speiseeiskiosk, eine Rutsche. Nix für Erwachsene ohne Kinder.

Die Fähre zwischen Nichts und Nichts

Die Fähre zwischen Nichts und Nichts

Weiter Richtung Treptow, und wieder Betrieb, wir sahen ihn schon aus der Ferne, den Klipper, das Segelschiffrestaurant am Plänterwald, dahinter die Insel der Jugend, auch Liebesinsel genannt. Alte Schwerenöter mit grauen Schläfen und kräftigen Rasierwässern führten ihre Geliebten aus und sahen sich immer noch nach was Besserem um. Wir radelten weiter in Richtung Fähranlegestelle. Linkerhand, am grünen Strand der Spree, hatten sich hier und da Leute niedergelassen, ein rotes Wasserflugzeug hob ab, zur Rechten fuhren wir an einem eingezäunten Gelände vorbei, vor dessen Betreten unentwegt gewarnt wurde. Über den Zaun hinweg erblickten wir illustre Ruinen und andere Restbestände. Langsam dämmerte es uns, dass dies das Ende einer bewegten Geschichte ist: der seit Ewigkeiten stillgelegte Vergnügungspark Plänterwald, von dem keiner weiß, was aus ihm werden soll.

„Wieder zurück?” Der Käptn der Fähre erkannte uns wieder. Er erzählte die Episode einer Gruppe junger Finnen, denen er eingeschärft hatte, in der S-Bahn zusätzlich zu ihrem Gruppenfahrschein Ergänzungstickets für die Fahrräder zu lösen, was sie natürlich vergaßen. Die Kontrolle kam, und jeder musste 60 € blechen. Ich weiß ja nicht, sagte der Käptn, Berlin ist da etwas schräg. Wir haben damit nichts zu tun, wir gehören zur weißen Flotte Stralsund.

Ja, Berlin, das ist wirklich Mist, so dicke haben’s die Finnen ja auch nicht.

Das Schild, das einen Sonnabend rettete

Das Schild, das einen Sonnabend rettete

Wir waren wieder auf unserer Seite der Spree. Ein bisschen was ist da doch los. Der einstige Neubau des Rundfunks wird abgerissen und sieht uns aus tausend leeren Fensterhöhlen an. Gleich darauf entdeckten wir das Schild, das unseren Sonnabend rettete. Wir fuhren durch das offene Tor am alten Kraftwerk Rummelsburg; unsere Räder blieben bald in einer Sanddüne stecken. Hinter einer Biegung betraten wir die Casa di Legno, das Haus aus Holz, eine Open Air Location am Ufer der Spree zwischen alten Bäumen, Ranken und Lampions, mit viel Phantasie aus alten Hölzern und Platten zusammengezimmert, nur bei sonnigem Wetter geöffnet. Fröhliche Italienerinnen brachten die Pizza, Radler und Bier, dies war der Ort, wo der Mensch zum Sitzen kommt und es lange aushält, Kinder spielten, Frauen rauchten, Familienväter spuckten große Töne, und wir waren uns sicher, noch nie so eine gute Pizza gegessen zu haben.

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