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Sportarten gibt’s, die gibt’s gar nicht

Demnächst: Olympisches Zuckerwattezupfen

Demnächst: Olympisches Zuckerwattezupfen

Sportarten gibt’s, die gibt’s gar nicht. Und es gibt sie doch. Die Olympischen Spiele machen es alle vier Jahre zum Ereignis. Wir wollen Usain Bolt in der 4×100 m-Staffel sehen, aber das ist nachts. Am Tage ist Synchronschwimmen, Rhythmische (oder Künstlerische?) Bodengruppengymnastik, Dressurreiten, Taekwondo, Wasserspringen, Cross-Country usw. Über 300 Entscheidungen gab es in Rio. Nichts gegen diese Randsportarten, wenn man nichts davon versteht, vor allen Dingen nichts gegen die Sportler, die sie ausüben, aber es ist ein Irrglaube, davon auszugehen, dass die Publikumsrenner im Sport einen Sog herstellen, von dem auch die Mauerblümchen profitieren. Anne Will, als sie noch Sportredakteurin war, sagte mir mal, dass Synchronschwimmen total witzig sei und Kult werden könne, wenn man sich einmal damit befasse, aber wer hat schon die Zeit und wer will deshalb vom Fußball lassen!

Trotzdem. Ich hätte nicht gedacht, dass olympischer Fußball mich hineinziehen könnte, aber dieses junge, man muss schon sagen Verlegenheitsteam von Trainer Horst Hrubesch hat mir imponiert. Viele Bundesligateams hatten ihre Profis nicht für die Olympischen Spiele freigestellt, aber die, die dann in Rio dabei waren, waren immer noch gut genug, um um Gold mitzuspielen und auf dem Silberplatz zu landen. Großartige Jungs, die immer wieder zurückkamen, obwohl sie oft im Rückstand lagen, ein tolles Mittelfeld mit den Bender-Zwillingen, dem Leverkusener Julian Brandt und dem Schalker Max Meyer, Kämpfer und Techniker, die niemals hektisch wurden und immer noch eine Lösung parat hatten. Besonders begeistert war ich von Julian Brandt, ein schneller Mann, ballsicher, voller Tricks und Einfälle. Dass der Bundestrainer den aus dem EM-Kader gestrichen hat, sagt mir alles.

Wie waren die Medien? Es ist blöd, dass die Reporter den Ehrgeiz haben, es den Athleten gleichtun zu wollen und ebenfalls Höchstleistungen zu bieten, auch körperlich. Sie werden hysterisch, wenn ein Deutscher vorne liegt, brüllen aus Leibeskräften, immer darauf bedacht, dass sie einen historischen Wettkampf auch mit einer historischen Schilderung verzieren. Wenn die Sportler am Ende erschöpft zusammenbrechen, möchten sie das auch von sich behaupten. Wer soll ihnen das glauben.

Noch nervender ist ihr Glaube an die Kausalität. Für jeden vergebenen Punkt, für jedes vergebene Tor wollen sie sofort eine Erklärung bieten. Er kam nicht richtig hinter den Ball, er kam nicht über den Ball, es fehlte die letzte Konsequenz, zu viel Risiko, zu wenig Risiko. Das kann man alles in die Tonne kloppen. Wieso begreifen sie nicht, dass es im Sport viele Zufälle gibt! Ich begreife es doch auch.

Im übrigen bin ich froh, dass ich jetzt ein paar Jahre nicht mehr hören muss: Copacabana, der berühmteste Strand der Welt.

 

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