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Berlin Alexanderplatz (27): Suboptimale Idee

Jetzt geht die Party richtig los © Fritz-Jochen Kopka

Jetzt geht die Party richtig los
© Fritz-Jochen Kopka

Der Himmel überm Alexanderplatz war dunkelgrau, die Wolken hingen tief, und schwül war es obendrein. Ein Mann blies in eine Art Alpenhorn. Ein Pflastermaler hatte unter sein Work in Progress eine umfangreiche Legende geschrieben, etwa, dass er Künstler sei, leider ohne Geld, und so bat er um solches, damit seine Kreativität aufblühen könne. Ein Seifenblasenkünstler war ebenfalls bei der Arbeit. Es waren alles keine großen Sachen und die Leute hatten keine Lust, ins Portemonnaie zu greifen; ich ja auch nicht. Manchmal ist das so. In der Schreibwarenabteilung des Kaufhofs stellte ich fest, dass meine Schreibgeräte offensichtlich veraltet sind. Es gibt keine Minen und keine Patronen mehr für sie. Ich wüsste nicht, dass diese Füller und Fineliner älter wären als fünf Jahre, und jetzt kann ich sie wegwerfen, was für ’ne Welt. Ich bin ein Mensch, der seine Sachen gern lange hat, ich gewöhne mich an sie und möchte sie nicht vor den Kopf stoßen, wenn sie mir gute Dienste geleistet haben. Aber wer kann das heute noch verstehen.

Die Dame links hat schon zu viel …

Die Dame links hat schon zu viel …

Wenige Tage später überraschte der Alexanderplatz mit einem Winzerfest. „Für alle Weinliebhaber wird ein Fest für die Sinne geboten. Winzer aus den verschiedensten Anbaugebieten Deutschlands und Österreichs werden euch mit den edelsten Tropfen verführen. Für die Unterhaltung sorgen die Live-Auftritte der unterschiedlichsten Musiker”, hieß es in der Eigenwerbung. Ein mutiger Griff ins höhere Preissegment. Das Glas Wein 3 €, die Flasche 16 bis 18 €. Für den Alexanderplatz passt das nicht. Auch die Imbissstände boten vornehme Kost. Die Leute saßen auf hölzernen Bänken, rauchten und hatten schlechte Laune. Frauen hatten mutig oder modisch ihre Sonnenbrillen in die Haare verschoben. Eine betagte Schnorrerin versuchte ein Fachgespräch zu führen mit dem Ziel, die edelsten Tropfen umsonst trinken zu dürfen. Den Wein aus dem Burgenland tranken vier Männer, allesamt mit Sonnenbrillen, kurzen Hosen und Turnschuhen. Sie sahen aus wie Claqueure oder wie nennt man bestellte Weintrinker? Egal. Es war nicht viel los an diesem Tag. Aber noch fehlten ja die unterschiedlichsten Musiker mit ihren geilen Liveauftritten. Es gibt Tage, an denen findet der Alexanderplatz einfach nicht die Akteure, die zu ihm passen.

 

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