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Ich kann nur mutmaßen, was Sie meinen

Es war einmal eine Bürokratie

Es war einmal eine Bürokratie

Hier entsteht eine neue Kategorie. Sie heißt „Amtliche Schriften”. Es geht darin nicht um Schriftstücke der Ämter, sondern um Briefe, die unsereiner (in seiner Not) an Ämter schrieb. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man die Schreiben der Ämter nicht ignorieren sollte, sondern auf sie und auf jedes Detail, das sie enthalten, und mag es noch so unsinnig erscheinen, eingeht. Das wird manchem als Sisyphusarbeit erscheinen, und das ging mir auch so. Aber je mehr man sich in die Welt der Ämter vertieft, desto mehr Boden bekommt man unter die Füße, und die Angelegenheit kann hier und da sogar kuriose Züge einnehmen. Gefühle sollte man rauslassen. Wut ist ein schlechter Ratgeber, das gilt besonders im Verkehr mit Ämtern. Ungeduld ist die größte Untugend. Man kann Spurenelemente von Ironie und Arroganz einfließen lassen, falls sie den Vorzug haben, nicht nachweisbar zu sein.

Das folgende amtliche Schreiben ging (natürlich) ans Arbeitsamt.

Sehr geehrte Frau B.,

am 2. 8. habe ich Ihnen eine e-Mail geschickt, in der ich auf Ihren Brief vom 15. 7. geantwortet habe. Kurz darauf erhielt ich von Ihnen ein Schreiben ohne Datumsangabe, in dem Sie mit keinem Wort auf meine e-Mail eingehen und auch nicht zu erkennen geben, dass Sie diese erhalten haben.

Den ersten Satz Ihres Briefes möchte ich hier wörtlich zitieren:

„Sie haben Arbeitslosengeld für die Zeit vom 01. 02. bis 23. 02. in Höhe von 103,50 EUR zu Unrecht bezogen, weil Der erhöhte Leistungssatz kann nur gewährt werden, wenn die Einkommensgrenze jährlich von 7188,00 € nicht übersteigt.”

Ich kann nur mutmaßen, was Sie mit diesem Satz meinen.

Zweitens würde ich gerne wissen, ob Sie meine e-Mail erhalten haben und wie Sie die dort geäußerten Argumente bewerten. Ich füge den Text hier noch einmal ein:

„in Beantwortung Ihres Briefes vom 15. 7. teile ich Ihnen mit, dass ich für dieses Jahr kein Kindergeld für meine Tochter beantragt habe, da wir unsicher waren, ob sie auf der Einnahmeseite unter dem Bemessungssatz bleiben wird. Wenn das feststeht, wollte ich das Kindergeld rückwirkend beantragen. Ich habe schon einmal wegen einer geringfügigen (und wie ich glaube umstrittenen) Überschreitung Kindergeld zurückzahlen müssen. Insofern kann im Moment natürlich kein Bewilligungsbescheid vorliegen. Mir ist nicht bekannt, dass der erhöhte Leistungssatz zwangsläufig die Kindergeldzahlung voraussetzt. Tatsache aber ist, dass meine Tochter sich in der Ausbildung befindet und dass sie meine Unterstützung braucht.”

Soweit der Text meiner e-Mail vom 2. 8.

Drittens bitten Sie, dass ich mich „zu den für diese Entscheidung maßgeblichen Umständen” äußere und dazu den beigefügten Fragebogen benutze. Ich weise Sie darauf hin, dass Ihr Brief keinen Fragebogen enthielt. Damit haben Sie mich ein weiteres Mal ratlos gemacht. Schließlich fordern Sie mich auf, mit einer Bescheinigung des zuständigen Sozialamtes die Höhe meines monatlichen Bedarfssatzes nachzuweisen. Auch in diesem Fall weiß ich nicht, was Sie mir mitteilen wollen. Ich habe mit dem Sozialamt noch nichts zu tun gehabt.

Bereits am 10. 7. habe ich Frau F. in Beantwortung ihres Schreibens vom 26. 6. Angaben zur Ausbildungssituation meiner Tochter gemacht. Frau F. hatte in ihrem Schreiben den Wegfall des erhöhten Leistungssatzes ab 01. 02. 03 – 28. 02.  und vom 04. 03. 03 – 31. 05.  konstatiert und von einem eventuell überzahlten Betrag von 526,50 € gesprochen, den Sie in einer Summe einzuziehen beabsichtige. Anhand meiner Kontoauszüge habe ich den Eindruck gewonnen, dass dies bereits geschehen ist. Muss ich nun annehmen, dass Sie die Summe oder einen Teil der Summe ein zweites Mal einziehen wollen? Unabhängig davon habe ich auch auf meinen Brief an Frau F. vom 10. 7. keine Antwort erhalten. Am 11. 7. habe ich in einem Brief an das Arbeitsamt, in dem ich mich wegen Honorararbeiten vorübergehend abmeldete, gleichzeitig die Immatrikulationsbescheinigung meiner Tochter mitgeschickt. Ich fürchte, dass die nicht auf Ihrem Schreibtisch gelandet ist.

Ihr letzter Satz lautet:

„Sollten Sie sich innerhalb von zwei Wochen nach Empfang dieses Schreibens nicht äußern, wird die Aufrechnung mindestens bis zur Hälfte Ihres Anspruchs vorgenommen.”

Es handelt sich, wie Sie schreiben, um einen Betrag von 103,50 EUR. Nach welchen Regeln funktioniert eine Aufrechnung, die auf der Grundlage von 103,50 € „mindestens die Hälfte meines Anspruchs” umfasst?

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie meine Fragen beantworten und meine Unklarheiten beseitigen könnten.

 

 

 

 

  1. Juni 19, 2016 um 12:38 pm

    alle Achtung – ich hätte nur Bahnhof verstanden…

  2. Juni 19, 2016 um 11:40 pm

    Ja, Man muss sich da richtig reinvertiefen, sonst ist es hoffnungslos. Ach was, hoffnungslos ist es so oder so.

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