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Die Gruppe des Träumers

Wohl auch verirrte Läufer © Fritz-Jochen Kopka

Wohl auch verirrte Läufer
© Fritz-Jochen Kopka

Traum oder Albtraum. Ich kriege mich nicht angezogen. Die Sportgruppe ist längst bereit. Was ich auch anziehe, alles ist falsch, gehört nicht mir, passt nicht. Die Gruppe kümmert sich nicht um mich, der Trainer gibt das Signal, kein Hahn kräht nach mir; ich weiß noch, dass ich am Vortag allen weggerannt bin, einige sogar überrundet habe; aber jetzt kriege und kriege ich mich nicht angezogen. Man macht sich verdammt noch mal nicht beliebt, wenn man der Gruppe wegrennt. Wo kommt nur dieser Berg von Klamotten und Schuhwerk her, der mich immer von neuem in Verwirrung stürzt. Schließlich habe ich am linken Fuß eine Treckingsandale, am rechten einen spießigen Hausschuh, man könnte auch sagen Puschenschlaben, ich will jetzt nicht länger probieren und verwerfen und mache mich auf die Verfolgungsjagd. Ich staune, es läuft sich gar nicht mal schlecht, mit der Sandale und dem Hausschuh, ich komme gut voran, von der Gruppe ist allerdings auch in der Ferne noch nichts zu sehen, nicht mal ein Nachzügler. Eine Pfütze kommt mir entgegen, ich springe locker drüber, verliere aber den Hausschuh, er schwimmt auf dem Dreckwasser, nur noch das Oberteil zu sehen, ich greife danach, rutsche weg, liege voll im Wasser, die Pfütze ist mindestens einen Meter tief, logisch, es hat ja lange geregnet in Süddeutschland, ich starte aufs neue, komme durch ein Dorf, dessen Bewohner ein Volksfest vorbereiten. Der Hausschuh ist dabei, sich aufzulösen, ich sehe ein, dass ich die Gruppe nicht mehr einholen kann und am besten am Ausgangspunkt wiedertreffe. Dann werde ich ihnen erzählen, was mit mir los war. Der Trainer wird mich trösten oder nach Hause schicken, je nachdem, wie ich bei ihm angeschrieben bin, dann spielen sie die EM ohne mich. Quer über den Hof kommt mir eine aparte junge Frau entgegen und wirft mir Blicke zu, es sind keine spöttischen Blicke, es ist ja möglich, dass ihr irgendwas an mir gefällt. Immerhin bin ich ja der Mann, der es trotzdem versucht hat, trotzdem versucht, Anschluss zur Gruppe herzustellen. Ich will nicht aufdringlich sein und gehe weiter. Troubles enogh of my own. Hab ich mal bei Raymond Carver gelesen. Ich habe selber genug Sorgen. Wie soll ich mich von diesem Traum befreien.

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