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Der König und ich

In einem anderen Land

In einem anderen Land

Mein erster Versuch mit Dave Eggers hat funktioniert. Ich griff unverbindlich zu „Ein Hologramm für den König” und las es bis zum Ende. Günstig schon mal, dass Eggers in kurzen Sequenzen schreibt.

„Alan Clay erwachte in Dschidda, Saudi-Arabien.” Dann zwei Zeilen, Leerzeile, nächster Abschnitt.

„In Nairobi hatte er eine Frau kennengelernt.” Danach 13 Zeilen. Leerzeile. Nächste Sequenz.

„Mit einem Klicken betrat Alan um 1.12 Uhr sein Zimmer im Hilton.” 13 Zeilen. Leerzeile. Nächster Abschnitt.

Warum funktioniert das? Ich würde sagen, es ist filmisches Schreiben, ohne dass bewegte Bilder dabei unsere Phantasie entmachten. Und jede Sequenz machte sich durch ihren schnellen Abschluss bedeutend. Sie beinhaltet eine Action, ein Bekenntnis, ein Dilemma, eine Erinnerung und nie nichts.

Wenn man diesen Eggers liest, kommt man auf die Idee, dass zu einem gelungenen Roman nicht viel dazugehört. Zunächst mal der Held oder Antiheld. Das ist also Alan Clay, ein gescheiterter Manager, tief verschuldet, ein Mann der Old Economy mit seiner Geschichte, zu der eine Frau, eine Tochter und ein Freund gehören, der sich umgebracht hat, indem er ins Wasser ging, in den See vor seinem Haus. Zum Roman gehört eine Fläche, ein Umfeld, an dem der Mann seinem Leben die entscheidende Wende geben will. Das ist hier Saudi-Arabien. Alan Clay will dem saudischen König im Auftrag einer IT-Firma ein hochwertiges Informationssystem verkaufen. Er ist nicht besonders gut in Form. Er stolpert öfter mal, setzt sich neben einen Stuhl und quält sich mit einer Geschwulst am Hals herum, die er, alkoholisiert, selbst aufschneidet. „Seine ganzer Körper war von seinen Unfällen in den letzten Jahren mit Narben übersät. Er war linkisch geworden. Er stieß sich den Kopf an Küchenschränken. Quetschte sich die Hände in Autotüren.” . Er geht meistens ins Leere, es gelingt ihm nicht, die entscheidenden Leute zu treffen. Die Präsentation ist immerhin gut, aber der König entscheidet sich für die Technik der Chinesen. Alan Clay ist wieder gescheitert. Aber er ist besser drauf als am Anfang der Geschichte. Er ist wieder für eine Frau entflammt. Und auch für die Fremde. Er lässt Amerika hinter sich.

Tja, mehr gehört nicht zu einem Roman. Aber dann lese ich zwei Seiten lang, bei wem Dave Eggers sich zu bedanken hat, damit dieses Buch entstehen konnte. Er hat offensichtlich recherchiert ohne Ende. Und nun kommt ein weiteres Plus des Werks: Man merkt an keiner Stelle die Last der Informationen. Immer gewinnen Sprache und Handlung Oberhand, und alles scheint leicht zu sein.

Vielleicht ist folgende Bemerkung Eggers’ bezeichnend für seinen Umgang mit Informationen: „Ihm fiel kein einziges Beispiel dafür ein, dass eine in einem Reiseführer beschriebene Sitte oder Behauptung je in der Praxis bestätigt worden wäre.”

Dann sah ich im Kino einen Trailer. Woher kennst du das, dachte ich sofort. Es war Tom Tykwers Verfilmung von Eggers’ Roman. Tom Hanks spielt den Alan Clay. Das war eine Besetzung, die absolut auf der Hand lag. Aber man musste erstmal draufkommen.

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