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Früher Sommer

Nicht viele gehen den Weg zum Strand © Andrea Doberenz

Nicht viele gehen den Weg zum Strand
© Andrea Doberenz

Erster Tag in Heringsdorf. Und gleich ans Meer. Der Horizont so weit, das Licht so blendend, die Luft so klar. Die frische Meeresbrise. Wie wird das Wasser sein? Wird man nach Hause fahren müssen, ohne gebadet zu haben? Alles, nur das nicht. Sind 12 Grad Wassertemperatur lebensbedrohlich?

Herren sollen sehen, wo sie bleiben

Herren sollen sehen, wo sie bleiben

Der Gang ins Tiefe ist weit und heroisch

Der Gang ins Tiefe ist weit und heroisch

Der zweite Tag ist der Tag des größeren Mutes. Jetzt sind wir dem Seeklima gewachsen, es kneift in den Waden, wenn man ins Wasser geht, das wie über Nacht zum Glück zwei Grad wärmer geworden ist. Helden wie wir gibt es nur wenige am Strand. Und das prickelnde Gefühl auf der Haut nach dem Bad kriegst du in Berlin nicht. Niemals.

Sonderbare Häuser, sonderbare Menschen

Sonderbare Häuser, sonderbare Menschen

Geheimnisvolle Häuser in der Nachbarschaft. Wir wohnen direkt an der Uferpromenade zwischen Heringsdorf und Bansin zwischen alten Villen und unbekümmerten Neubauten. Entschleunigung. Zwischen den Häusern und dem Meer gibt es nur den Radfahr- und Fußweg. Das alte Haus nebenan war voller junger Leute, die abends grillten und mäßig Lärm machten. Grillfleisch wurde uns keines rübergereicht. Wir hatten Salat mit grünem Spargel.

Gorki war groß und hager, und die Arme waren noch mal extra lang

Gorki war groß und hager, und die Arme waren noch mal extra lang

Schräg gegenüber die Villa Irmgard. Vor der Tür begrüßt uns Maxim Gorki in Bronze. Der proletarische Dichter „liebte Heringsdorf, die klare Seeluft, Sonne und Strand. In der Villa richtete er sich ein Wohn- und Arbeitszimmer ein”, das fast unverändert erhalten geblieben und zu besichtigen ist.

Wir haben Zeit

Wir haben Zeit

Der Mai ist gekommen, der Baum schlägt noch nicht aus. Entschleunigung Teil zwei. Die Kunden des Bäckers essen nur Meisterstücke, „mit Liebe gemacht”, und auch die Häuser und Villen wollen Meisterstücke sein. Geredet wird nicht viel, aber was gesagt wird, ist bedeutungsvoll.

Kultur war jeder zweite Herzschlag unseres Lebens, und was für’n Herzschlag!

Kultur war jeder zweite Herzschlag unseres Lebens, und was für’n Herzschlag!

Das Kulturhaus in Zinnowitz könnte Stalin persönlich gebaut haben. Mit dem momentanen Zustand wäre er nicht zufrieden, auch nicht damit, dass hier Luxuswohnungen für erste Adressen entstehen sollen. The times they’re changing. Die Sonne und die Luft hellen alles auf.

Gelassenheit am Achterwasser

Gelassenheit am Achterwasser

Schöne Zeiten im Café Knatter am Achterwasser. „Ob Fisch, Fleisch oder Pastavariationen – unsere Küche legt größten Wert auf die Frische der hier verwendeten Zutaten” – und den Sonnenuntergang gibt’s zum Tagesausklang gratis dazu. Der Service ist freundlich, lässt aber auf sich warten. Entschleunigung Teil III. Wir sind ja nicht auf der Flucht.

Gastbeitrag Andrea Doberenz

 

 

Lebt wohl, ihr stürmischen Bäume

Lebt wohl, ihr stürmischen Bäume

  1. Susanne
    Mai 17, 2016 um 11:31 am

    Ach ja, „mein“ Usedom …! Immer wieder gern! Herrlicher Beitrag, tolles Wetter, Entschleunigung pur und ein „Damenbadweg“ noch dazu – was will Frau mehr???
    Danke für diesen schönen Artikel – hier macht Lesen Spaß! Mehr davon …!

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