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Berlin Alexanderplatz (26): Kurz vor Ostern

Forder ick dir uff oder du mir?

Forder ick dir uff oder du mir?

Wieder spielte eine Band auf dem Alexanderplatz, dieses Mal unter der S-Bahnbrücke. Es war, wie ich meine, eine englische Band, eine junge Frau und fünf junge Männer. Viel Volk hatte sich um sie versammelt und fotografierte mit gezückten Smartphones. Eine Betrunkene mit bunt bemaltem Gesicht und ein Zugedröhnter, der sich eines Teils seiner Kleidung entledigt hat und seine picklige Schulter zeigt, finden sich zu einem taumeligen Tanz. Es ist Donnerstag vor Ostern und es scheint Mode zu sein, dass die Leute nicht mehr Eier bemalen, sondern ihre Gesichter. Die ewig gleiche Kulisse für alle Feste wird aufgebaut, Buden, Kinderkarussell, Biergarten, Windmühle. Ich bin auf dem Weg zu Verheugen und denke, er sollte hier nicht wohnen bleiben, es kreuzen zu viele abenteuerliche Gestalten hier rum. Bettler mit unterschiedlichen Techniken. Stille Demut in der Kälte und Frechheit siegt. Berlin Alexanderplatz wie bei Döblin. Aber es gibt auch sympathische Tage.

Mach mal Pause, Tambourineman © Fritz-Jochen Kopka

Mach Pause, Tambourine-Man
© Fritz-Jochen Kopka

Karl-Marx-Allee. Ich entsorge den Müll, dazu braucht man einen Schlüssel, sonst kommt man an das Entsorgungsparadies gar nicht erst daran. Die Container für den Hausmüll sind trotzdem am Überquellen. Und wieder gehe ich über den Alexanderplatz. Und wieder spielt eine Band, die aber hauptsächlich von der Konserve lebt. Ein Trinker tanzt mit seiner Pulle und findet es großartig, wenn er das Bier verschüttet, muss er es nicht mehr selber trinken, hat sowieso genug. Zwei Funkwagen stehen bereit. Die Bullen sehen sich das nicht lange an. Bei kik kaufe ich eine Freizeithose der Marke Identic und zwei Boxershorts. Beileibe nicht für mich. Jetzt habe ich Hunger und ordere eine Currywurst XL. Was zu trinken?, fragt der Verkäufer, Bier, Cola, Wasser, Wein, Schnaps? Nein. Nichts. Bei der Soße müssen sie noch lernen. Sie ist so dick wie Pudding und schmeckt auch ein bisschen puddingmäßig. Gegen acht gehe ich ein letztes Mal an diesem Tag über den Platz. Je dunkler der Alex ist, desto unheimlicher wird er auch. Auf in den Südosten Berlins, sage ich. Das ist eine ruhige und harmlose Gegend, meinte einst ein Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung, der von Bonn nach Berlin ziehen musste.

  1. Elin
    März 30, 2016 um 12:54 am

    Hello! This may be a weird question.. but did you see the band/guy who sang before this group (the same day)? I was there and saw both of the groups, and I really want to know what the band/guy’s (it was one guy and one drummer) name is.. so If you know, please tell me 😀
    Here is a link to a video I filmed of the band: https://www.youtube.com/watch?v=NETK5a9pHCc

    Best regards

  2. März 30, 2016 um 9:37 am

    Sorry, I didn’t see the band before, but your video now. The voice is great.

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