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Der Schlaf des Gerechten (6)

Wohl dem, der nicht unter den Brücken schlafen muss, sondern auf den Brücken schlafen kann © Fritz-Jochen Kopka

Wohl dem, der nicht unter den Brücken schlafen muss, sondern auf den Brücken schlafen kann
© Fritz-Jochen Kopka

Der Schlaf des Gerechten wird auch in Dublin geschlafen, mitten auf der Grattan Bridge, die über den Liffey River hinweg Capel und Parliamant Street miteinander verbindet. Der Mann, der sich hier niedergelassen hat, hat keinen dramatischen Einbruch hinter sich. Er ist es gewöhnt, unterwegs zu sein und sich auf alle Gegebenheiten einzustellen. Auch ist er weit davon entfernt, seinen Schlaf zu verstecken. Der Schlaf des Freien ist für ihn mindestens so normal wie das Übernachten in stickigen Hinterzimmern. Er schützt seine Knochen mit einer Schicht Wellpappe und einer Isomatte. Die Haare sind gut geschnitten, vielleicht sogar von einem Friseur, die Laufschuhe ohne Schäden, Jeans und Jacke haben die letzte Wäsche noch nicht lange hinter sich. Die Plastiktüte ist gerade so hoch gefüllt, dass er seinen Kopf auf ihr ablegen kann. Er ruht hier in der Stadt von James Joyce und Samuel Beckett, die auch oft genug die Nacht zum Tag machten. Er wird aufwachen und sofort wieder wissen, was und wer er ist: ein Weltenbummler, kein Problemfall.

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