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Das Schicksal des Dichters wenden

Cover der Chronik, Ausschnitt

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Siegfried Unselds Verleger-Chronik 1971. Was er seiner Sekretärin Burgel Zeeh täglich diktierte. Der Verlag, die Autoren, die Verträge, die Verhandlungen, die Abwerbungen waren ihm alles. Er hat sich sein eigenes Paradies geschaffen und das jeden Tag neu. In Walsers Tagebüchern soll stehen, dass er es als Macht- und Kunstmensch mit Wohlstandsbauch und grauen Schläfen bei den Frauen nicht schwer hatte und das auch weidlich ausnutzte …

Unseld auf der einen, Dichterschicksale auf der anderen Seite. Ingeborg Bachmann hat die Nase vom Piper Verlag voll und kommt nach Frankfurt. Da hat Unseld wieder einen großen Fisch an der Angel (der ihm auf Sicht kein Glück bringen wird). Die empfindsame, zerstreute Dichterin, der jeden Tag mindestens drei Missgeschicke widerfahren. Jeder kann spüren, dass sie fremd ist in dieser Welt. Ohne Hilfe nicht zurechtkommen kann, aber auch mit Hilfe nicht. Unseld gibt ihr wenigstens korrekte Verträge. Dann geht er nach Zürich zum großen Erfolglosen Ludwig Hohl. Er sieht, dass der Dichter in einem Kellerloch wohnt und absurderweise eine Zugehfrau hat. Unseld hat keine Ahnung, was die in dem Chaos aufräumen soll. Mitten durch den Raum ist eine Wäscheleine gespannt, an der Hohl für ihn wichtige Dokumente und Zeitungen aufhängt. Zu Unselds Erstaunen findet Hohl alles, worüber sie sprechen, nach relativ kurzer Zeit. Frisch, Dürrenmatt und allen anderen Großen schätzen und bewundern Hohl, aber es ist Fakt, dass von seinen Auflagen immer nur minimale Stückzahlen verkauft wurden und die Verlage ihre Verträge nicht einhalten konnten. Unseld stellt ein Maßnahmenprogramm auf, Punkt 1 bis 5, er traut sich zu, das Schicksal des Dichters zu wenden und schickt ihm einen Vertrag.

Unseld im März bei Wolfgang Koeppen. „Drei-Stunden-Gespräch über die ewig gleiche Misere, die nur immer schlimmer wird … Dann saß ich bei ihm zu Hause und habe wiederum zwei Stunden mit ihm und seiner Frau gesprochen … Freilich, um die Situation zu beschreiben, bräuchte man Strindbergsche Fähigkeiten.”

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