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Ohne Erbarmen

Marco Huck haben sie runtergeschrieben. Angeblich ist er am Ende, nachdem er sich überschätzt, mit seinem Bruder einiges auf eigene Faust unternommen und etliche falsche Entscheidungen getroffen, zum Beispiel sich vom sogenannten Kulttrainer Uli Wegner getrennt, ein eigenes Management aufgebaut und Kampfabende schlecht placiert und vorbereitet hat. Quittung war eine krachende Ko-Niederlage gegen den Polen Glowacki. Marco Huck bekommt die volle Verachtung ab, die die Leitmedien für jemanden empfinden, der sich ihrer Meinung nach übernommen hat (was bei ihnen ja nie vorkommt).

Ich konnte trotzdem nicht widerstehen und schaute mal rein in den Kampf gegen den farbigen Briten Ola Afolabi, der noch nie eine Ko-Niederlage hinnehmen musste, ja, noch nicht einmal auf die Bretter geschickt wurde.

Huck scheint zu wissen, dass dies seine letzte Chance ist. Er ist absolut austrainiert, fit und fokussiert. Geht auf den Gegner los, und wenn er getroffen hat, zieht er sich nicht zurück, sondern stürzt sich auf den Mann und begräbt ihn unter einem wilden Schlaghagel. Auch der andere ist nicht faul und gibt es Huck zurück. Der Reporter sieht schnell, dass das linke Auge des Briten getroffen ist und zuschwillt. Es sieht so aus, als gewänne Huck Runde für Runde, es sieht auch so aus, als könne der Brite die Rechte Hucks nicht mehr kommen sehen, und Hucks Trainer im grünen Shirt schreit immer wieder: Hau ihm aufs Auge, hau ihm aufs Auge. Der Ringarzt und der Ringrichter schauen sich das Auge an, aber es scheint weiterzugehen. Der Reporter meint, dass man verhindern müsse, dass bleibende Schäden entstehen und Afolabi sein Augenlicht verliere. Aber es wird weitergeboxt, und es wird weitergeschrien, aufs Auge, hau ihm aufs Auge. Und Huck haut zu, muss auch einstecken, denn der Brite will sich mit einem Lucky Punch befreien, und so genau schlägt Huck auch nicht, dass er das Auge, das mittlerweile total geschlossen ist, treffen könnte, höchstens per Zufall. Afolabi macht seinem Ruf Ehre. Obwohl er Serien wütender Schläge einsteckt, gerät er nie in die Gefahr, zu Boden zu gehen. Ausgangs der zehnten Runde ist Schluss, Afolabi gibt auf, er sieht nichts mehr. Huck springt auf und jubelt, denn er weiß: Gegen diesen Mann hat man erst gewonnen, wenn der Kampf beendet ist, wie angeschlagen er auch immer sei. Marco Huck umarmt seinen Gegner mit derselben Leidenschaft, mit der er eben noch auf ihn eingeprügelt hat. Er scheint nachgerade in Liebe für ihn entflammt zu sein. Bis zuletzt war er sich nicht sicher, ob er seine Haut retten kann. Daher diese Erbarmungslosigkeit, zu der natürlich auch der andere fähig ist. Die Karriere kann fortgesetzt werden.

Kategorien:Fighters
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