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Als ich David Bowie war

Masters of communication on venice beach © Fritz-Jochen Kopka

Masters of communication on Venice Beach
© Fritz-Jochen Kopka

Wir werden seine Musik jetzt mit anderen Augen hören, sagt der Moderator im Deutschlandfunk am Morgen zum Tod von David Bowie. Der Tod scheint ihn doch sehr getroffen zu haben. Oder er benutzte die Augen als Metapher für die Ohren, wie sinnvoll oder -los das auch immer sein mag. Ich muss sagen, seit ich mich vom Journalismus verabschiedete, hat sich da nichts verbessert und vieles verschlechtert. Auf diese Weise lässt sich schließen, dass meine Generation sich doch einige Verdienste zugute halten kann. Von alleine wären wir auf diese Idee nicht gekommen. Mich nerven diese gecoachten Typen mit ihren selbstgefälligen Stimmen, die mit beispielhafter Ahnungslosigkeit Verdrehtheiten und Banalitäten von sich geben. Jetzt halten sie der Politik eine Taktik des Verschweigens vor, die sie ja bis zu den Vorfällen von Köln hochengagiert mitbetrieben haben.

Ich saß auf einem Felsen am Strand von Venice Beach und schaute mir die fremde kalifornische Strandwelt an. Über zwanzig Jahre ist das her. Zwei Jungs mit Basecap und Pferdeschwanz fingen ein Gespräch an. Sie waren psychologisch gesehen wahre Meister der Kommunikation. Sie attackierten mich, indem sie meinten, als Deutscher sei ich doch bestimmt ein Nazi. Sie schmeichelten mir mit der Frage, ob ich David Bowie sei, jedenfalls sehe ich so aus (ich wusste nicht genau, wie David Bowie wirklich aussieht, aber wer wusste das schon?) So vorbereitet gingen sie zur praktischen Philosophie über. „There’s a million ways to get money!” Sie wählten den einfachsten. Sie sagten, sie wollten Bier für uns holen, dafür brauchten sie zehn Dollar. Die gab ich ihnen. Natürlich kamen sie nicht wieder und das Bier, das sie davon vermutlich nicht gekauft hatten, auch nicht. Letzten Endes waren wir alle zufrieden. Das ist meine private Erinnerung an David Bowie. Und dass er eine Zeitlang in Berlin lebte und sich auch für die Ostseite der Stadt interessierte.

Deshalb muss man aber noch lange nicht über den Journalismus von heute herziehen. Nee, muss man eigentlich nicht. Aber nun steht es eben mal da.

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