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Der Schlaf des Gerechten (5)

Vor der Boutique ist der Kontrast am größten – Berlin-Mitte, Rosenthaler Straße

Vor der Boutique ist der Kontrast am größten – Berlin-Mitte, Rosenthaler Straße

Die Modekette hat eine neue Collection ausgestellt; es ist der rechte Ort für den Stadtstreicher, sich niederzulassen und den Schlaf des Gerechten zu schlafen. Er ist kein Mann, der mit leichtem Gepäck durch die Stadt zieht, wie es Schauspieler tun (das hab ich mal bei Salinger gelesen, Schauspieler reisen mit leichtem Gepäck, „Franny und Zooey”), für einen Wohnungslosen, der alles, was er sein eigen nennt, mit sich herumtragen muss, besitzt er erstaunlich viel Zeug. Größere Ausflüge ins Umland von Berlin sind nicht ausgeschlossen. Der Einkaufswagen leistet ihm gute Dienste, den kann man schon für einen Plastikchip erwerben. Die Jacke hat er ordentlich am Griff aufgehängt. Während er schläft, soll der kleine weiße Becher Münzen einsammeln, der linke Fuß scheint bandagiert zu sein, die Bandage ist noch ziemlich unbefleckt. Die Leute, die vorüberziehen und sich an diesem Tag eventuell etwas leisten wollen, stören ihn nicht. Aber er stört die Leute. Müssten sie nicht etwas für ihn tun? Kann so ein Stadtstreicherschicksal jedem widerfahren? Am besten so tun, als sähe man ihn nicht. Wirkliche Hilfe – wie soll das funktionieren? Ins Leben hineinleben. Wie es weitergeht, wer will das wirklich wissen.

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