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Hawks, Hemingway, Faulkner und Bogart

Wir sehen „Haben und Nichthaben” von Howard Hawks und fühlen uns ständig an „Casablanca” erinnert. Das kommt nicht von ungefähr. Casablanca ist hier Martinique, der Film spielt wie „Casablanca” zur Zeit des Vichy-Regimes, es gibt Flüchtlinge, es gibt die Gestapo, es gibt den Restaurantbesitzer, es gibt den Pianoplayer, es gibt hier wie da Humphrey Bogart in ähnlicher Funktion des rauen, unpatriotischen Retters (der die Filmpartnerin in konstanter Herablassung mit Puppe anredet), und Ingrid Bergman ist hier Lauren Bacall.

Casablanca ist von 1942, Haben und Nichhaben von 1944. Durch Casablanca war Bogart erst zum Star geworden. Produzent Jack Warner konnte auf ihn setzen, wenn es darum ging, einen Kassenreißer zu drehen.

Howard Hawks nahm wenig Blätter vor den Mund. Zu Hemingway sagte er bei einem Angelausflug, er wolle seinen schlechtesten Roman verfilmen. Welcher soll das denn sein, fragte Hemingway. Haben und Nichthaben, sagte Hawks. Den kann man nicht verfilmen, sagte Hemingway. Doch, meinte Hawks, ich lasse Faulkner das Drehbuch machen. Der schreibt sowieso besser als du.

Es war nicht William Faulkners erste Arbeit für den Film. Hier musste er die erste Vorlage von Jules Furthman umschreiben. Die Zeit war knapp, Faulkner hatte nur einen Tag Vorsprung vor Hawks, er hatte das filmische Schreiben noch nicht verinnerlicht, und so konnte es passieren, dass er mit einem sechsseitigen Monolog am Set erschien. Das soll ich alles sagen?, quetschte Bogart durch seine verkniffenen Lippen.

Musste er nicht. Da war noch der Regisseur, dem es nichts ausmachte, Faulkners Text zusammenzustreichen. Damit konnte Faulkner leben. Er vertraute dem Feeling von Hawks, und er mochte die beiden Stars. Die gerade neunzehnjährige Lauren Bacall erinnerte ihn an „ein junges Fohlen”. Mit dem kühlen, selbstironischen Bogart ging er oft essen, das hieß zwei Martinis, zwei Flaschen Bier, zwei Spiegeleier und Kaffee.

Von solchen Geschichten am Rande weiß man natürlich, wenn man Stephen B. Oates’ Faukner-Biographie gelesen hat.

  1. Wilfried
    Dezember 8, 2015 um 8:41 pm

    Danke Fritz, Du hast interessanten Filmstoff mit wirklichen Idolen gedanklich wiederbelebt.

  2. Dezember 8, 2015 um 9:42 pm

    Filmstoff und auch Literaturstoff. Und Lebensstoff noch dazu.

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