Startseite > Presseschau > Wie blöd kann man sein (2)

Wie blöd kann man sein (2)

Wie blöd kann man sein, so habe ich schon mal einen Beitrag genannt, und ich könnte es immer wieder tun. Heute wegen einer Seite im Sportteil der FAZ über Katarina Witt. Die Ostfrau wird jetzt fünfzig, und das kann eine Westfrau wie Anke Schipp nicht unwidersprochen hinnehmen. Schon die Unterzeile ist göttlich: „Mit Kampfgeist, gespielter und echter Sorglosigkeit und einer guten Portion Opportunismus hat Katarina Witt halbwegs schadlos die ersten fünfzig Jahre ihres Lebens hinter sich gebracht.” Man muss wirklich blöd sein, um mit dieser gespielten Sorglosigkeit über andere Leute zu urteilen. Muss auch blöd sein, wenn man von oben herab über Sportler schreibt, obwohl eigentlich Mode mein Thema ist. Aber auch als Modefrau hat Schipp natürlich schon läuten gehört, dass in der DDR „flächendeckend gedopt wurde”, wie die halboffizielle Bezeichnung lautet. Von Katarina Witt ist derartiges nicht bekannt, aber Schipp rückt das in unterstellender Absicht in ihre Nähe. Es wird schon hängenbleiben. Sie zählt Witt zu den großen deutschen Sportstars wie etwa Steffi Graf. „Mit einem einzigen Unterschied: Sie gewann ihre Wettkämpfe nicht für die Bundesrepublik oder das wiedervereinigte Deutschland, sondern für die DDR, ein totalitäres Regime, in dem Sport Mittel zum Zweck war.” Genau. Das ist das Vergehen der frühen Geburt oder der Geburt am falschen Ort.

Warum müssen sich Redakteure, denen nichts einfällt, 25 Jahre nach der Einheit immer noch in dieser altfränkischen Weise an der DDR abarbeiten? Über totalitäre Regimes wissen wir heute doch einiges mehr. Nicht mal eine simple Bildunterschrift kriegt die Modefrau in ihrem Eifer unfallfrei hin: „Das schönste Gesicht des Sozialismus” steht unter einem Ganzkörperfoto der Eiskunstläuferin. Klar, bei Witt war der ganze Körper das Gesicht.

Nicht, dass wir hier kritiklos einem Idol huldigen wollten. Aber Kati Witt ist eigentlich ganz patent. Sie hat ihr Leben gemeistert. Soll man ihr das übelnehmen? Sie spricht immer noch ein authentisches Sächsisch, auch wenn sie englisch spricht. Sie hat ihren eigenen Kopf und ist ziemlich ideologiefrei.

Und auch Anke Schipp hat schon bessere Sachen geschrieben. Ich meine vor allem ihr Buch „Hunger, Pipi, Durst”. Da war sie mal auf der Höhe ihres Themas.

Kategorien:Presseschau Schlagwörter: , , , ,
  1. Es gibt noch keine Kommentare.
  1. No trackbacks yet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: